Die Frauen und die Medizin

(ANDREAS UNTERBERGER) Und wieder haben die weiblichen Kandidaten an allen medizinischen Universitäten Österreich signifikant schlechter abgeschnitten als die männlichen. Und wieder soll deshalb der Medizin-Test umgearbeitet werden. Und wieder geht die genderistische Suche los, ob es nicht doch einen Test gibt, der endlich die Frauen erfolgreicher machen würde. Es ist aber in Wahrheit ziemlich dumm und keineswegs im Interesse der Frauen, dass das Thema von Rotgrün und der Hochschülerschaft ständig so heftig thematisiert wird.

Die Ergebnisse des Medizintests wiederholen nicht nur die großen Geschlechter-Unterschiede früherer Aufnahmeprüfungen, sondern auch einen Trend der heuer erstmals teilobjektivierten Zentralmatura. Nur sind die Ergebnisse der Matura von niemandem genderistisch thematisiert worden und daher niemandem aufgefallen.

Es bestätigt sich jedenfalls die Erkenntnis: Mädchen haben offenbar oft nur deshalb bessere Schulnoten, weil sie sozial viel besser angepasst sind, weil sie meist viel harmlosere Pubertäts- und Postpubertätsprobleme haben als Burschen. Aber sobald es um ganz klar definierte Leistungstests geht und in keiner Weise um das Bravsein, kehrt sich der Rückstand der männlichen Schüler und Studienanwärter in einen deutlichen Vorsprung um. Wer das leugnet, steckt rettungslos in einem faktenfreien Ideologiesumpf.

Rotgrün stehen jetzt mit ihrem Gleichmacherkrampf ziemlich ratlos da. Denn bei einer objektiven und formalisierten Universitätsprüfung kann man nicht wie auf einem Parteitag ein Quotenprivileg einfach beschließen.

Im konkreten Fall würde den Mädchen allerdings nicht einmal die 50:50-Quote helfen: Denn es sind ohnedies 51 Prozent der erfolgreichen Testabsolventen weiblich. Die Aufregung entsteht nur daher, dass es bei den antretenden Kandidaten sogar 58 Prozent gewesen sind.

Dieses 51-Prozent-Ergebnis macht aber die Aufregung verräterisch: Denn jetzt ist klar, dass die Genderisten überall dort, wo sich mehr Frauen bewerben, auch im Ergebnis ein deutliches Frauen-Übergewicht verlangen. Genau das wird aber in all jenen Bereichen, wo sich deutlich mehr Männer für eine Karriere bewerben, von der rotgrünen Linksfront bekämpft. Dort wollen sie plötzlich eine starre Frauenquote haben; zumindest wenn es um gut bezahlte Positionen geht, also von den Aufsichtsrats-Funktionen bis zu diversen Uni-Gremien.

Da fällt einem die Abwandlung eines alten Kalauers ein, dass Logik halt noch nie Sache der Genderisten gewesen ist.

Ihre jetzige Aufregung bewirkt jedenfalls das Gegenteil der Intentionen: Dadurch wird die Aufmerksamkeit viel stärker auf dieses für Frauen nicht sonderlich angenehme Thema gelenkt, als dieses sonst jemals bekommen hätte. Damit geraten auch alle die vielen tüchtigen Frauen in der Medizin in ein unerfreuliches Zwielicht. Diese Aufregung verwischt vor allem, dass es ja auch bei all diesen Tests zwei sich deutlich überlappende Verteilungen gibt, die wie Gaußsche Glockenkurven aussehen. Dass also so manche Frauen signifikant besser sind als der männliche Durchschnitt.

Ein altes Stereotyp erhält durch diese gegenwärtige Aufregung jedenfalls massive neue Nahrung: Frauen sind zwar besser im sozialen Verhalten, Männer hingegen in naturwissenschaftlichen und technischen Dingen. Deshalb war es ja früher in Spitälern so, dass wie selbstverständlich Frauen die Rolle der sich menschlich einfühlenden und kümmernden Krankenschwestern hatten; Männer hingegen die Rolle des diagnostizierenden, operierenden, therapierenden Arztes.

Gewiss bin ich einigen männlichen Ärzten begegnet, denen mehr Empathie und weniger Präpotenz sehr gut getan hätten, wollen sie wirklich gute Ärzte werden. Aber der Aufnahmetest ist noch nicht erfunden, der diese Eigenschaften in irgendeiner seriösen Art bei einem Achtzehnjährigen herausdestillieren könnte. Es kann auch ebensowenig abgetestet werden, welche Frauen nach Absolvierung ihrer Ausbildung zum Arzt in allzu bequemer und statischer Selbstzufriedenheit stagnieren, jede Ambition verlieren, sich ständig weiterzubilden, um über jeden neuen Trend der Forschung informiert zu sein. Auch da kenne ich einige Beispiele.

Aber beweist nicht der Überhang des weiblichen Andrangs zum Medizinstudium, dass Frauen für den Arzt-Beruf besser geeignet sind? Nein, das beweist es ganz und gar nicht. Denn dieser Überhang ist nur die Folge eines noch viel größeren weiblichen Überhangs eine Stufe davor, bei der Matura: Im Vorjahr haben in Österreich nicht weniger als 51 Prozent der Mädchen maturiert, hingegen bloß 36 Prozent der Burschen!

Ein dramatisches Ungleichgewicht, extrem signifikant und erstaunlich. Dennoch wird es nirgendwo thematisiert. Man stelle sich kurz das Gegenteil vor, dass also viel mehr männliche Schüler maturieren als weibliche. Dann würde das Thema allwöchentlich riesig und mit wehleidigem Unterton in ORF, Mainstream-Zeitungen und Reden von Politikerinnen beklagt werden. Da aber die Zurückliegenden bloß Männer sind, interessiert das Thema keinen Politiker, kein Medium.

Freilich ist durchaus möglich, dass die vielen Burschen, die auf die Matura verzichten oder verzichten müssen, langfristig die bessere Perspektive vor sich haben. Denn längst vermittelt eine gute Fachausbildung, eine Lehre, deutlich bessere Chancen, der Armutsgefährdung zu entkommen als Matura oder Studium.

Es sind nur die völlig weltfremden Theoretiker in EU und OECD (und natürlich sowieso bei Rotgrün), die ständig den Irrglauben vertreten: Es wäre für Land und junge Menschen umso besser, je mehr von ihnen studieren. Das ist ein Unsinn. Das wäre nicht einmal dann richtig, wenn nicht alljährlich Tausende junge Leute dadurch ihre Zukunft ruinieren, dass sie Politologie, Publizistik, Psychologie, Komparatistik, Pädagogik, Theaterwissenschaft, Zeitgeschichte u.ä. studieren, also Studien, für die es bei weitem nicht genügend entsprechende Arbeitsplätze gibt. (TB)

8 comments

  1. Christian Weiss

    Der Ruf nach der Quote ist ganz offensichtlich eine Rosinenpickerei von Privilegien und hat mit Gleichberechtigung gar nichts und mit Gleichstellung höchstens am Rande zu tun. Ginge es um Letzteres, würde man nicht nur Quoten bei den gut bezahlten und prestigeträchtigen Jobs verlangen, sondern auch bei den Eisenlegern, Akkordmaurern, Grubenkumpels und Dachdeckern.

  2. Selbstdenker

    @Andreas Unterberger, Christian Weiss
    Sehr treffend beschrieben – vielen Dank!

    Social Justice Warriors ging es noch nie um Gerechtigkeit im Sinne von “gleiches Recht für alle”, sondern darum
    a) sich möglichst professionell als Opfer zu inszenieren um damit
    b) möglichst weit die Opferhierarchie emporzuklettern womit
    c) die meisten Privillegien eingesammelt werden können

    Das Rosinenpicken ist eine der zentralen Kulturtechniken in diesen Kreisen.

    “Freilich ist durchaus möglich, dass die vielen Burschen, die auf die Matura verzichten oder verzichten müssen, langfristig die bessere Perspektive vor sich haben. Denn längst vermittelt eine gute Fachausbildung, eine Lehre, deutlich bessere Chancen, der Armutsgefährdung zu entkommen als Matura oder Studium.”

    Da ist was dran. Ich bin mir sicher, dass sich die Gender-Lobby in ein paar Jahren darüber beschwert, dass Mädchen bei der Fachausbildung (angeblich) benachteiligt werden und deshalb in die Uni “gedrängt” werden.

  3. Mona Rieboldt

    Gefährliche (Minen suchen) oder schmutzige (Kanalreinigung) Aufgaben werden von Männern gemacht. Oder gibt es da eine Frauenquote?
    Die Frauenquote gilt für Akademikerinnen, deren Karriere damit angeschoben wird. Mit anderen Frauen und deren Berufen hat das nichts zu tun, da gibt es keine Frauenquote.

  4. Thomas Holzer

    Die Überschrift ist -mit Verlaub- falsch1
    Es geht schlicht und einfach um die Politik, welche Fakten nicht akzeptieren möchte

  5. Thomas Holzer

    Nachtrag: Ich warte schon sehnsüchtig auf die getschänderte Zentralmatura; es darf einfach nicht sein, daß Frauen schon bei der Matura -und natürlich auch davor- benachteiligt werden

  6. Herbert Manninger

    Wieviele Kalorien hat ein Becher Müsli? In welcher Avenue New Yorks lässt es sich toll shoppen? Ist Kate noch immer verliebt? In welcher Mondphase kürzt man Haare? Welcher Politiker sieht gut aus und ist damit wählbar? Sind Bachblüten bei leichter Heiserkeit die ideale Wahl? Wer begleitet Lugner beim nächsten Ball? usw……
    Man muss hält die richtigen Fragen stellen, um das richtige Ergebnis zu bekommen.

  7. Exunternehmer&Entsorgter Vater

    @Christian Weiss

    Hm auch Quoten bei Gemeinsamen Obsorge, Obsorge überhaupt, Quoten für Zeit mit eigenen Kindern, Quoten für Arbeitszeit bei 2 getrennten Eltern – damit der Mann nicht nur arbeiten und Unterhalt leisten soll, sondern auch Zeit für Kinder und Zeit zum leben hat…

    Wichtige Domäne für Frauen und immer eine Hintertür…Staatliches System, MA11, Verfahrenshilfe, alles auf eigener Seite, Mann muss nur Arbeiten und alles zahlen…

  8. Fragolin

    Als sexistischer und rassistischer Nazi habe ich schon vor Jahren meine ehemaligen Hausärztin aus Kompetenzgründen politisch inkorrekt gegen einen männlichen Kollegen ausgetauscht. Ich gestehe, dass mir meine Gesundheit und jene meiner Familie mehr Wert ist als der ganze Genderastenblödsinn und die Karriere einer fremden Frau, die man künstlich mit fachlichen Flachschüssen bereits im Vorfeld des Studiums belohnen muss, damit sie überhaupt eine Chance bekommt. Und auch nach dem Studium soll sie weiter “positiv diskriminiert” werden, auch wenn dadurch fachlich bessere aber geschlechtlich leider unzulängliche Kollegen keine Chance bekommen, Menschen zu heilen und zu helfen.
    Die Gesundheit tausender Menschen ist weniger Wert als das die politische Korrektheit der Auswahl des Heilers. Für mich steht damit fest: Der Genderismus geht zur Not auch über Leichen und steht damit moralisch mit dem Kommunismus Nordkoreas auf Augenhöhe.
    Denn in der Argumentation der krakeelenden Feministinnen geht es immer nur um die Karriere von Frauen, aber NIEMALS um das Wohl der Patienten, um die Qualität der Produkte, um Zufriedenheit der Kunden, um Wohlstand oder Wohlergehen. Es ist eine Ideologie des karrieregeilen Egozentrismus. Und der geht bekanntlich über Leichen.

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