Die Gefahren des Grexit

“…….Griechenland müsste Kapitalkontrollen einführen, also verbieten, Geld außer Landes zu bringen. Rein theoretisch wäre es machbar, dass die Wirtschaft so isoliert überlebt. Mit Zypern hat man das 2013 ähnlich gemacht: Kein Geld verlässt das Land, dazu jede Menge Nothilfen – und ein Bail-in, also eine Beteiligung der Anleger an der Bankenrettung. Das Problem ist, dass man damals betont hat, der Fall Zypern sei einmalig. Wenn dieses Szenario sich jetzt jedoch in Griechenland wiederholt, beweist die Eurozone eindeutig, dass so etwas immer wieder passieren kann. Darauf werden die Märkte sich einstellen. An dem Punkt würde die Eurozone aufhören, stabil zu sein….” (hier)

11 comments

  1. Thomas Holzer

    Nichts währt ewig, schon gar nicht die EU; auch wenn “unsere” Politikerdarsteller versuchen, immer wieder das Gegenteil zu beweisen.

  2. H.Trickler

    Focus.de ist m.E. schon lange keine brauchbare Informationsquelle mehr. Schliesslich steht gleich unter dem Artikel welches Nivea die dortigen Stammleser haben: “Huffington Post: 8 wissenschaftliche Fakten über Oralsex”
    .
    Es braucht nur ganz wenig Vorstellungsvermögen um zu sehen, dass im Falle eines Grexits wiederum ein ganz und gar neuer, einmaliger Fall herbeigeschnorrt wird, welcher alle bisher geltenden, alternativlosen Gesetze mit einem Federstrich zur Makulatur werden lässt: Die Macht des Faktischen!

  3. sokrates

    Griechenland hat astronomische Schulden in Europa! – auch 8 MRD in Österreich! Beschlagnahmung aller Konten. Erst wenn die Griechischen Kontobesitzer nachweisen in Griechenland alles ordnungsgemäß versteuert zu haben, wird Geld freigegeben! Wäre schöne Trockenübung für den geplanten Bargeldlosen Verkehr! Das geht nicht?? Warum – ?
    In Zypern hat die EU / USA man private Bankkonten von Russen ( alles böse Oligarchen und Steuerhinterzieher) beschlagnahmt! Das könnte man doch auch mit den Griechen machen? Oder ist das ganz was anderes???

  4. Marcel Elsener

    Wie heutzutage üblich sind die Kommentare zum Artikel auffallend häufig besser als der Artikel selbst. Herr Haas spielt sich als Experte auf, gibt aber auf entscheidende Fragen (die leider vom systemgläubigen Interviewer einmal mehr nicht gestellt werden) keine Antwort: Wie lange kann man diese Rettungspolitik noch durchhalten? Wieviel will man dem politischen Moloch EU eigentlich noch opfern? Wieviel zusätzliche politische Macht will man noch an eine abgehobene Politikerkaste abgeben, obwohl sich diese als weitgehend unfähig und rechtsbrecherisch erwiesen hat?

    Dem Bürger wurde schon zig-mal erzählt, die Krise sei vorüber, und trotzdem muss immer wieder neues Geld nachgeschossen werden. Glauben diese famosen Experten wie Haas und Konsorten eigentlich wirklich, dass man auf ihre vorgegaukelte Expertise auch nur noch einen Pfifferling gibt?

    Die ganze Euro-Rettungspolitik ist eine einzige Lügenorgie und Kette von falschen Versprechen. Und da fordert Herr Haas allen Ernstes als Lösungsrezept: ‘Man müsste zu einer vertrauensvolleren Zusammenarbeit zurückkehren.’ Welch ein Hohn!

    Es tut mir leid, aber die EU-Funktionäre und die griechischen Regierungen haben jeglichen Vertrauensvorschuss aufgebraucht. Die griechischen Regierungen haben seit Etablierung des EWS ihre Haushaltszahlen frisiert; die EU-Funktionäre haben die offensichtlichen Tricksereien der Griechen (und nicht nur von denen) geduldet und sind inzwischen selbst notorische Vertragsbrecher (z.B. Bruch der No-Bailout-Klausel und der Maastrichter Stabilitätskriterien) geworden. So etwas wie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gab es nie – es sei denn man meint damit die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Staatsgaunern und deren Günstlingen zu Lasten der wertschöpfenden Bürger.

    Es handelt sich hier nicht mehr bloss um eine Wirtschaftskrise oder eine politische Krise. Es geht um eine tiefe Vertrauenskrise zwischen der Nomenklatura der EU und den einzelnen Völkern. Noch merken die meisten Untertanen nicht, was genau schief läuft. Aber sie merken sehr wohl, DASS etwas schief läuft – und zwar gewaltig.

    Die Griechen haben bei den letzten Wahlen versucht, auf ihrer nationalen Ebene die herrschende politische Nomenklatura zu entmachten. Deswegen hat die SYRIZA die Wahlen gewonnen. Unnötig zu sagen, dass die Griechen damit vom Regen in die Traufe gefallen sind, denn die Staatssozialisten kennen nur ein Rezept: noch mehr Enteignung bei den immer spärlicher werdenden Wertschöpfenden und noch mehr Umverteilung hin zu Gunsten ihrer schmarotzenden Klientel. Günstlingswirtschaft at its best. Darin gibt es keinerlei Unterschied zwischen der aktuellen Regierung und den Vorgängerregierungen. Und solange das aus dem Nichts geschaffene Scheingeld der EZB reichlich fliesst, wird dieses Spiel auch weitergespielt.

    Wie auch immer. Der Grexit wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht kommen, da er weder im Interesse der griechischen noch der EU-Nomenklatura liegt. Theoretisch möglich wäre ein Dexit, der die Deutschen zumindest vor zukünftigen unkalkulierbaren Verpflichtungen schützen würde; das scheitert wohl an der beinahe unerschütterlichen Obrigkeitsgläubigkeit der Deutschen. In der Realität wahrscheinlicher wäre ein Brexit aus der EU, was zu einem sehr starken Beben in diesem äusserst fragilen Machtkonstrukt führen würde mit kaum abschätzbaren Folgen. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass man sich noch in jahrzehntelanger Agonie durchwurstelt, bis man in die weitgehende politische und wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit hinabgesunken ist.

  5. Mona Rieboldt

    “Obrigkeitsgläubigkeit der Deutschen”, @ Marcel Elsener. das sind Klischees wie die “von den schlampigen Österreichern”. Und was bitte, machen denn die Österreicher so anders als die Deutschen? In beiden Ländern wird geschimpft über die Obrigkeit, sonst passiert weiter nicht viel. In D gibt es ab und zu dann eine neue Partei, spätestens wenn diese sich dem Mainstream anpasst, sich Frau Merkel annähert, siehe AfD unter Herrn Lucke, geht sie unter.

  6. Mona Rieboldt

    @ Thomas Holzer
    Das will ich hoffen, dass die EU nicht ewig währt. Hoffentlich erlebe ich ihr Ende noch zu Lebzeiten 😉

  7. Thomas Holzer

    Bezeichnend auch, wie sich Herr Verheugen gestern in der Diskussion “Unter den Linden” mit Herrn Tichy wand.

  8. Herr Karl jun.

    @ Marcel Elsener
    “Die Griechen haben bei den letzten Wahlen versucht, auf ihrer nationalen Ebene die herrschende politische Nomenklatura zu entmachten”.
    Das griechische Elektorat ist weitaus beständiger als sich naive staatsgläubige Mitteleuropäer das überhaupt vorstellen können. In der Vergangenheit wählte es verläßlich die jeweils “meistbietende” Partei, im Regelfall war das die PASOK. Als die PASOK bei gähnend leeren Staatskassen nicht mehr “liefern” konnte, was sie versprochen hatte, wechselte das Elektorat zu den frischen Verheißungen der Nea Dimokratia (Samaras). Zuletzt profilierte sich SYRIZA als die “meistbietende” Partei und wurde in guter griechischer Tradition zur führenden politischen Kraft. Sie wurzelt weitgehend auf denselben Wählergruppen, die Jahre vorher die PASOK und kurz die ND unterstützt hatten. In Meinungsumgfragen stärkt nun genau dieses Elektorat die SYRIZA, zieht aber gleichzeitig ihre Geldmittel von den Banken ab. Es sind beileibe nicht die Reichen und Betuchten, die ihre Konten leeren – die haben diese Übung schon hinter sich – sondern es ist das gewöhnliche Fußvolk, eben auch die typische SYRIZA-Wählerschaft. Vielmehr als an einer “humanitären Krise”, leidet das Land an einer “politisch-mentalen Krise”, erwachsen aus einem “moral hazard” pandemischen Ausmaßes mit geradezu frivolen bis bizarren Auswüchsen.

  9. Marcel Elsener

    @Mona Rieboldt
    Naja, ich beziehe mich halt auf die deutschen Wahlen in der jüngeren Vergangenheit, in denen ausschliesslich die etablierten Parteien gewählt wurden. Dass sich da irgendwas bewegt, sehe ich nicht. Die Deutschen neigen zwar zum rummosern, aber bei den Wahlen kreuzen sie zuverlässig weiterhin die Systemparteien an. Dass das in Österreich ähnlich ist, bestreite ich gar nicht.

    In anderen Staaten Europas ist die Parteienlandschaft deutlich dynamischer (Frankreich, Vereinigtes Königreich, Italien), oder das Volk selbst nimmt eine obrigkeitskritische Rolle ein (Schweiz).

    Nächste Woche am Donnerstag sind Wahlen ins Unterhaus in GB. Es wird zweifellos recht spannend, wie die UKIP abschneidet. In Deutschland und Österreich ist eine solche Partei hingegen derzeit schlichtweg chancenlos. Nur schon der Gedanke, dass man aus der EU austreten könnte, scheint den Deutschen und Österreichern unheimlich, um nicht zu sagen obszön zu sein. Ich lasse mich natürlich gerne durch die Realität eines besseren belehren…

  10. H.Trickler

    @Mona Rieboldt:

    Und wenn Sie es nicht zu Lebzeiten erleben, dann erleben Sie es halt nach dem Tode :O

  11. Marcel Elsener

    @ Herr Karl jun.
    Die herrschende Nomenklatura wurde abgewählt und durch eine neue ersetzt; das ist ein Faktum. Die Wahlen waren jedoch eindeutig auch eine Abwahl der Troika – wenn auch indirekt, da die Troika ja gar nicht demokratisch gewählt und somit auch nicht abgewählt werden kann. Die Troika hat mit ihren Zwangsmitteln recht tief in die nationale Ebene Griechenlands eingegriffen, auch wenn sie das über die jeweilige Regierung tat. Diese Eingriffe wurden durch die Protestwahl tatsächlich zunächst einmal reduziert. Für wie lange, wird sich zeigen.

    Dass die Bürger regelmässig demjenigen Demagogen ihre Stimme geben, der mit den betörendsten Engelszungen redet, ist in der Demokratie systeminhärent und schon seit der Antike bekannt.

    Die Syriza wird ihren Willen weitgehend bekommen, d.h. die Griechen werden auch in Zukunft subventioniert werden, wenn auch nicht mehr über die privatrechtlich organisierten Banken sondern dann eben direkt über EZB, ESM und andere EU-rechtswidrig handelnde Institutionen bzw. rechtswidrige Rettungsinstrumente. Das war zwar schon vorher so geplant, aber zu einem sehr hohen Preis; dieser Preis wird durch die Syriza jetzt etwas reduziert. Insofern haben die griechischen Wähler schon etwas erreicht mit ihrer Protestwahl. Mehr ist aber wahrscheinlich nicht drin. Natürlich bringen die schlaueren Griechen ihre Vermögenswerte beizeiten in Sicherheit. So solidarisch sind sie dann auch wieder nicht, dass sie sich von der Obrigkeit ausplündern lassen – und wer so dumm ist sich ausplündern zu lassen, der hat es im Umverteilungsstaat nicht besser verdient.

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