Die Gewinner und die Verlierer des Euro

“…Alle wissen: Der Euro und die Euro-Währungsunion sind nicht das geworden, was sie werden sollten. Die kundigen Ökonomen wussten es schon vorher und haben gewarnt: Die Euro-Währungsunion kann nichts werden; sie eint die beteiligten EU-Staaten nicht, sondern spaltet sie. Die Politiker wollten die Warnung nicht wahrhaben, setzten sich über sie hinweg, die unkundigen EU-Bürger haben die Einheitswährung bejubelt, nur die meisten Deutschen wollten sie nicht, wurden aber nicht gefragt. Daher kam, was kommen musste.” (mehr hier)

15 comments

  1. elfenzauberin

    Ohne die Studie gelesen zu haben, scheint sie nach dem im verlinkten Artikel vorliegenden Informationen völliger Humbug zu sein. Man kann eben nicht wissen, wie sich das BIP entwickelt hätte, wenn die Staaten nicht der Gemeinschaftswährung angehört hätten. Hier handelt es sich um einen hypothetischen Konjunktiv, der jeder Spekulation Tür und Tor öffnet. Eine ähnliche parawissenschaftliche Vorgangsweise findet sich übrigens in den Klimawissenschaften, wo uns erzählt wird, um wieviel Grad Celsius es weniger warm wäre, wenn man der Atmosphäre keine Treibhausgase hinzugefügt hätte. Beides ist unseriös.

    Zu all dem gesellt sich der Umstand, dass in der besagten Studie die Target-Salden unberücksichtigt bleiben. Im Kern sind die Target-Salden nichts anderes als das “Anschreiben” des finanziell klammen Kundens beim Greisler. Der Greisler händigt zwar die Ware aus, er bekommt aber vom Kunden kein Geld (weil derjenige keines hat!) und “schreibt” an. Im Falle des Greislers war das kein Problem, denn der Greisler hat irgendwann einmal seine Forderungen dem Kunden gegenüber fällig gestellt. Hat der verschuldete Kunde bezahlt, war alles in Ordnung, konnte er nicht bezahlen, so hat der Greisler eben in Zukunft den zahlungsunfähigen Kunden von seinem Kundenkreis ausgeschlossen. Genau das passiert aber bei den Target-Salden nicht. Es findet niemals ein Ausgleich statt, sondern es wird in alle Ewigkeit “angeschrieben”.

    Der einzige Unterschied ist wohl, dass im Falle der Target-Salden die finanziellen Forderungen nicht dem Kunden gegenüber bestehen, sondern eben gegenüber der Zentralbank. Das macht die ganze Angelegenheit allerdings um keinen Deut besser.

    Alice Weidel hatte wohl recht, indem sie einmal meinte, dass Deutschland mit den Target-Salden seine Exporte selbst finanziert hat. Darauf läuft sich das Target-System, so wie es in der Eurozone gehandhabt wird, tatsächlich hinaus. Deutschland wäre mit einem Schlag pleite, wenn es die Target-Salden fällig stellen würde, denn diese sind – darüber sind sich praktisch alle einig- uneinbringlich.

    Ich bin darüber hinaus der Meinung, dass die Target-Salden bereits Auswirkungen auf die Ökonomie hat, die negativer Natur ist. Sonst hört man ja immer wieder, dass die Target-Salden, solange sie nicht fällig gestellt werden, bedeutungslos sind (was ja nur im Falle des Auseinanderbrechens der Eurozone passieren würde). Doch ich meine, dass das nicht stimmen kann und nicht stimmt.

    Die EZB versucht nämlich ganz offensichtlich, mit ihrer Geldpolitik gegenzusteuern. Mit der Nullzinspolitik und der inflationären Geldpolitik versucht die EZB schon die längste Zeit, die Schulden “wegzuinflationieren”. Das klappt zwar bis jetzt wunderbar, doch führt die laufend durchgeführte Geldentwertung zu Wohlstandsverlust – und zwar nicht nur in Italien und Spanien, sondern eben überall in der Eurozone.

    Geht man mit offenen Augen durch deutsche Städte, so kann man die Folgen dieser Politik bereits sehen. Entgegen den Meldungen, dass Deutschland so wohlhabend sei, sieht man abseits der schicken Fußgängerzonen so etwas, was nur mit Armut bezeichnet werden kann. Es sind oft alte Menschen, “die schon länger dort leben”, welche nach einem arbeitsreichen Leben nun eine Pension erhalten, von der sie schlicht und einfach nicht leben können, weswegen sie die Flaschencontainer nach Pfandflaschen durchforsten und Mistkübel nach Verwertbaren durchsuchen.

    Dass die Leute von ihrem Geld nicht mehr leben können, liegt vor allem an der Geldpolitik der EZB, die dazu geführt hat, dass die Preise den Pensionen davonlaufen, weswegen die Betroffenen ihren Lebensunterhalt nur mehr schlecht oder gar nicht bestreiten können.

    Wer sich näher damit befassen will, möge doch studieren, was der Cantillon-Effekt ist.

  2. dna1

    Mich stört an solchen Analysen immer, dass suggeriert wird, der Euro wäre Schuld am Desaster. Dem ist aber nicht so, der Euro selbst ist mit das Beste, was die EU jemals hervorgebracht hat, nur leider sind es die Politiker nicht, die sich nicht an ihre eigenen Regeln halten und aus politischen Überlegungen bzw. Ahnungslosigkeit und Unfähigkeit in wirtschaftlichen Dingen den Euro zu einem Problem machen.
    Der Dollar funktioniert ja auch, und in der USA sind mitnichten alle Regionen wirtschaftlich gleich stark, und auch in der USA gibt es so etwas wie Target2-Salden, nur muss man diese dort regelmäßig ausgleichen, sonst kriegt man nichts mehr.

  3. sokrates9

    dna1@ Wenn eine Währung die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes darstellen soll ist der Euro sehr wohl schuld an dem Desaster! Die Produktivität eines Landes ist verschieden – hat nichts mit der ” Faulheit” der Bewohner zu tun. In Griechenland ist es wesentlich schwieriger eine stabile EDV Infrastruktur herzustellen wie vergleichsweise im Zentralraum Deutschlands! Wenn man diese Imparitäten nicht mit Währung ausgleichen kann kommt es zu politischen, zentral gesteuerten Verschiebungen und das ist definitiv schlechter als der freie Markt! Der Euro ist eine klassische Weichwährung! Vor Implementierung kostete ein goldener Wiener Philharmoniker 1000 Schilling – 70 € , heute ca 1200.€! Das zeigt was Inflationäre Währung bedeutet!!

  4. dna1

    @sokrates9
    Wenn es die Aufgabe einer Währung ist, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes darzustellen…, ist es aber nicht.

  5. GeBa

    @sokrates9
    Früher hat man gesagt, ein Liter Milch oder 1 Kg Brot dürfen nicht mehr als 10,– Schilling kosten. Heute bezahlt man anstandlos beim Heurigen für 1 SCHNITTE Brot 1,– Euro! Der Euro IST ein Teuro!
    All das, das man von einer gemeinsamen Währung erwartet hat – ich beim Reisen – ist nicht eingetroffen, da zu viele Länder ihn bis heute nicht haben, der einzige Vorteil ist der Preisvergleich mit Deutschland und der macht auch nicht glücklich, wenn man sieht, wie teuer bei uns alles ist. 😢

  6. Falke

    Wie dna1 richtig bemerkt, ist nicht der Euro schuld am Dasaster (wobei ich allerdings nicht glaube, dass der Euro unbedingt das Beste ist, was die EU je hervorgebracht hat – es sei denn, man betrachtet alles andere durchwegs als negativ 🙂 ), sondern die Tatsache, dass sich die EU nicht an die eigenen Reglen hält. Im konkreten Fall an die Maastricht-Kriterien, in den anderen Fällen an Schengen und Dublin. So kann keine Union funktionieren, daher würde ich persönlich mit dem heutigen Wissen nicht mehr für einen Beitritt stimmen. Zugegebenermaßen habe ich vor 25 Jahren dafür gestimmt.

  7. Weninger

    @Sokrates
    Abgesehen davon dass die genannten Zahlen falsch sind (Teiefstpreis Feinunze 2001 ca. 270 USD knapp 2000 ÖS damaliger Währung), ist Gold ein sehr schlechter Inflationsindikator. Näher am Leben sind Nahrungsmittel, Treibstoff und Mietpreise. Hier ergibt sich ein differenzierteres Bild. Wenn ich die Karrossen und Wohnhäuser in meiner ländlichen Mittelschichtumgebung anschaue, dann kann ich jedoch keine Verarmungstendenzen feststellen. Übrigens ist der GOldpreis in Dollar ebenso stark gestiegen, wäre also auch dieser eine Weichwährung, vom engl. Pfund gar nicht zu reden. Die einzige Hartwährung im engeren Sinn ist der CHF, entsprechend hoch auch die Lebenshaltungskosten in der Schweiz.

  8. sokrates9

    Weninger@ Wie der Philharmoniker eingeführt wurde ist er zum Nennpreis von öS 1000 bei der Nationalbank abgegeben worden! Die Leute standen Schlange bis zur Universität! Mit einer Unze Gold konnten sie im alten Rom einen “Gesellschaftsanzug kaufen – Toga mit Lorbeerkranz 🙂 – auch heute können sie sich damit noch vernünftig kleiden! Im alten Babylon gab es für eine Unze – ich habe vergessen wie viel Laib Brot – heute bekommt man in etwa dieselbe Menge!….
    dna1 : die Aufgabe einer Währung ist es in verschiedenen Ländern entsprechende Güter zu bekommen, die Währung ist ein probates Tauschmittel dazu – zumindest wurde das von Volkswirtschaftsprofessoren früher gelehrt, bevor sie in Verzückung und Ekstase fielen als sie hörten dass Griechenland in den Euro aufgenommen wurde und dies kollektiv abnickten und für gut hielten! Wobei die besseren noch dazu sahen dass die Zahlen gefälscht sein müssen! Egal wenn die EU die VW Lehre revolutioniert, muss sie richtig liegen!

  9. dna1

    @Sokrates9
    Soweit ich mich erinnere fielen nur die Politiker, vor allem griechischen, in Verzückung. Die Professoren waren eher dagegen, und natürlich waren die Zahlen gefälscht und verschleiert, ich erinnere nur z.B. daran, dass in den griechischen Bilanzen die Militärausgaben komplett fehlten mit der Begründung, das sei “geheim”.
    Die Aufnahme Griechenlands war eine politische Entscheidung, die gegen alle Regeln des Euro verstieß.

  10. Weninger

    Falsch, Der Philharmoniker wurde nie zum Nennpreis, der übrigens 1989-2001 2000 ÖS Schilling betrug, (im Unterschied zum Gold-1000ern mit dem Babenbergermotiv, der wesentlich weniger Gold enthält!)) abgegeben, 1989 war der Goldpreis aber bei durchschnittlich 430 Dollar, dh. rund 3000 Schilling, und unter dem Goldpreis ist der Philharmoniker von der ÖNB wohl kaum abgegeben worden, sondern mit einem Münzaufschlag. Ich habe übrigens zum selben Preis (ca 450 Dollar) 1989 einige Krügerrands erworben. Danach sank der GOldpreis immer tiefer, erst durch die WSirtschaftskrise gab es einen Aufschwung. Das hat nichts mit Inflation zu tun, sondern mit Krisenangst und Sicherheitsbestreben, genauso wie heute alles Geld in Immobilien flieht.
    Die Geldvergleiche mit der Antike sind sinnlos, Arbeit war generll spottbillig und meist mit Naturalien (Nahrung, Kleidung, Unterkunft) (Sozialversicherung gab es auch keine) bezahlt, Getreide ja nach Ernte entweder günstig oder sehr teuer, genauso wie verschiedene Stoffe. All dies wird heute industriell billigst hergestellt. Im Alltag hatte in Rom wohl nur ein Bruchteil eines Prozents der Menschen jemals Goldmünzen in der Hand gehabt. Umlaufwährung waren fast wertlose Küpferlinge und gestreckte Silberscheidemünzen, die ähnlich heutigem Papiergeld ihren Wert hauptsächlich durch die Prägung mit dem Kaiserschädel hatten.

  11. sokrates9

    dna1@ es gibt viele volkswirtschaftliche Institutionen und “Weisenräte” sowohl in Deutschland als auch EU deren Mitglieder immer ganz stolz darauf sind und bei diversen Vorträgen als Mitglied des.. direkt Merkel berichtend.. dargestellt werden! Wo sind die eigentlich alle wenn es um Entscheidungen mit volkswirtschaftlicher Relevanz sind??
    Weninger@ Habe ganz gute Goldreserven (physisch) , sind mir lieber als…….. fast wertlose Küpferlinge und gestreckte Silberscheidemünzen, die ähnlich heutigem Papiergeld ihren Wert hauptsächlich durch die Prägung mit dem Kaiserschädel hatten…. und halt Euro heißen! 🙂

  12. dna1

    @sokrates9
    Ja, da stellen sie eine sehr berechtigte Frage, sicherlich rhetorisch, weil sie die Antwort ohnehin selber kennen.
    So funktioniert das nicht nur in der Politik, in Unternehmen ist es das gleiche, vor allem wenn es in die oberste Etage geht. Und auf der Straße auch …..

  13. sokrates9

    weninger@ Theorie und Praxis sind 2 Dinge: Kann mich erinnern damals als Student in der Reihe der Wiener gestanden zu sein die – was zugegebenermaßen Marketingaktion war – pro Österreicher einen Goldtausender ( warum steht da 1000 Schilling drauf?) – neuere Fassung: 100 Euro steht da drauf!) zum Nominale abgegeben wurde! ( War meiner Erinnerung damals ca 1200 Schilling Wert – somit interessantes “Geschäft / Stundenlohn ” für Studenten! Finde leider entsprechendes Bild der Schlange nicht mehr 🙂

  14. Weninger

    Wie auch immer Ihre Erinnerungen sind, Sie verwechseln da was, der Babenberger wurde 1976 aufgelegt, der Philaharmoniker 1989. Sein nennwert von 2000 Schilling ist immer nur ein Richtwert gewesen, zu dem die bank in mindestens zurücknehmen musste. Er wurde nie unter dem aktuellen Goldpreis verkauft, es sei denn Sie zeigen mir eine RFechnung. Als ob die Republik je was zu verschnekn gehabt hätte. Die MWSt auf Goldmünzen wurde auch erst 1990 aufggehoben, davor waren nur österreichische befreit.

    “In der Zweiten Republik wurde (neben der Weiterprägung von Dukaten sowie der 4- und 8-Gulden-beziehungsweise der 10-, 20- und 100-Kronen-Goldmünzen) erstmals am 22. Oktober 1976 eine 1.000-Schilling-Goldmünze („1000 Jahre Babenberger in Österreich”) ausgegeben (im Handel rasch und bis 1989 mittlerweile hohem Agio verkauft, weil sie sich infolge ihrer Mehrwertsteuerfreiheit großer Beliebtheit erfreute). Im Oktober 1989 folgten erstmals Goldbullionmünzen („Philharmoniker”; Nominale 500,- Schilling beziehungsweise 2.000,- Schilling, [mehrwertsteuerfreier] Verkaufspreis dem jeweiligen [Londoner]Goldpreis angepasst; Gewicht 1/4 beziehungsweise l Unze, Feinheitsgehalt 999,9; am 12. September 1991 wurde auch eine 1/10-Unzen-Bullionmünze [Nominale 200,- Schilling] ausgegeben). Die überbewertete „Babenbergermünze” erlitt dadurch einen rapiden Kursverfall. 1991 erreichte die „Münze Österreich” einen Anteil von 22% am Internationalen Bullionmünzenmarkt, in Europa erreichte der „Philharmoniker” den ersten Rang. Am 1. Jänner 1990 wurde die Einhebung der Mehrwertsteuer auf Goldmünzen aller Art aufgehoben. Seit 1991 werden Goldgedenkmünzen geprägt: 1991 zum „Mozartjahr”, 1992 anlässlich des 150jährigen Bestands der Wiener Philharmoniker, 1992-1996 aus Anlass der Feierlichkeiten „1000 Jahre Ostarrichi” sowie bei anderen Jubiläen.”
    https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Goldm%C3%BCnzen

  15. LePenseur

    Chère elfenzauberin,

    kann ich Ihren prägnanten Beitrag als “Gastkommentar” auf dem LP-Blog bringen? U.A.w.g.

    Herzlichst

    LePenseur

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