Die heilige Greta, die Jugendrevolten und die Vernunft

(ANDREAS UNTERBERGER) Nach der Pubertät wollen viele junge Menschen kollektiv den vorhergehenden Generationen und Jahrgängen plakativ zeigen, dass diese alles falsch gemacht haben, dass sie selbst jetzt alles anders und besser machen werden. Das ist ein anthropologisches Urphänomen, das in – manchmal niedrigen, manchmal hohen – Wellen ununterbrochen ans Ufer des menschlichen Reifungsprozesses schlägt. Das Erstaunlichste daran: Je irrationaler das kollektive Vorhaben ist, umso fanatischer wird dieses von den Jugendlichen verfolgt, umso gewaltigere Wellen schlagen sie dabei.

Gewiss, das geht nach ein paar Jahren vorbei und aus den meisten der Jungrebellen werden dann durchaus vernünftige Menschen. Wenn auch nicht aus allen. Manche bleiben lebenslang habituelle Revoluzzer. Diese sind aber meist gar nicht das wirkliche Problem. Ein solches entsteht vielmehr vor allem dann, wenn die explosive Energie der Jugendlichen von politischen, ideologischen oder religiösen Führern älterer Jahrgänge als Teil deren eigener Machtstrategie missbraucht wird.

Dieses kollektive Pubertätsphänomen äußert sich etwa auf relativ harmlosen Ebenen wie Mode und Musik. Rund alle fünf Jahre ist plötzlich ein ganz anderer Musikstil “in”. Eine neue Generation will so zeigen, dass sie eben “modernere” Musik macht als die ein paar Jahre Älteren. Und die Musikindustrie kann sich jedes Mal freuen, es sei denn, sie hätte den Generationswechsel verschlafen.

Das gleiche Phänomen zeigt sich auch bei Freizeit-Gewohnheiten, wie etwa bei der Nutzung “Sozialer Plattformen”. Da ist Facebook bei den Jungen derzeit schon wieder ziemlich out, Instagram hingegen “in”. Aber zweifellos ist auch dafür schon der Nachfolger in den Startlöchern.

Die ständige kollektive Neu-Identifikation über die Mode körperlicher Äußerlichkeiten erfolgt oft noch schneller. Diese erschöpft sich keineswegs in Dingen, die man kaufen kann. Darüber hinausgehende Identifikationssymbole einer Alterskohorte sind etwa einst in Monarchiezeiten Bärte gewesen, auf die dann wieder demonstrative Bartlosigkeit gefolgt ist. Dann gab es Zeiten langer Männerhaare (die jetzt noch ein paar zurückgebliebene Grauhaarige tragen, soweit es ihnen die Glatzenbildung erlaubt). Dann kamen rasierte Glatzen. Dann kamen eigenwillige Frisuren wie der Irokesenschnitt. Dann trugen wieder alle jungen Männer – so weit möglich – einen Bart. Dann bohrte man sich irgendwelche Eisenteile durchs Gesicht oder andere Körperteile. Dann folgte die Zeit üppiger Tätowierungen.

Die letzten beiden Phänomene sind allerdings weniger harmlos als frühere Generations-Ausweise. Denn sie lassen sich später nicht so einfach entfernen wie etwa Bärte durch einen Besuch beim Friseur.

Noch problematischer sind manche Konsumgewohnheiten. Während Rauchen und Alkohol als Zeichen der Adoleszenz heute eine geringere Rolle spielen, sogar als uncool gelten, hat der Konsum diverser Drogen bei Jugendlichen deutlich zugenommen. Auch hier ist der Antrieb wie beim Trinken und Rauchen der Wunsch, Unsicherheit zu übertünchen und sich als erwachsen zu geben. Freilich ist der spätere Ausstieg aus den Drogen noch viel schwieriger als bei anderen schlechten Gewohnheiten und endet noch viel häufiger als etwa das Rauchen letal.

In diese Reihe jugendlichen Aufbegehrens und postpubertärer Identifikationssuche gehören auch die politisch-religiösen Jugendbewegungen, die manchmal sehr positiv zu bewerten sind wie einst die Wandervogel-Bewegung oder der “Sturm und Drang”, manchmal aber auch in gewaltige Katastrophen münden.

Immer ist für die Jungen das jeweils Neue faszinierend. Es wird schon ob seines Alles-wird-anders-Faktors kaum hinterfragt. Das besonders Gefährliche dabei ist aber: Je absurder, je totalitärer, je radikaler eine ideologische Botschaft ist, umso begeisterter ist der Zuspruch eines Teils der jeweiligen Jugend. Je mehr Emotion, je weniger Ratio – umso besser.

Alle großen Totalitarismen der letzten hundert Jahre waren in ihren Anfangsphasen primär von begeisterten Jugendlichen getragen: Kommunisten wie Nationalsozialisten, Radikalislamisten und Genderisten wie die gegenwärtig blühenden Klima-Fanatiker. Jedes Mal wird ein wildes Ideenkonglomerat absolut gesetzt, das ein paar charismatische Führerfiguren älteren Baujahres vorgekaut haben, dem in den Köpfen der Jungen nichts entgegengesetzt wird. Denn nur selten durchschauen sie den zynischen oder idealistisch motivierten Machtanspruch dieser Führerfiguren.

Die einzelnen ideologischen Inhalte sind fast beliebig austauschbar. Wie etwa die angeblich wissenschaftlich nachgewiesene Notwendigkeit einer Diktatur des Proletariats; wie etwa die angebliche Überlegenheit des deutschen Volkes über alle anderen Rassen; wie etwa die Behauptung, es gäbe keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, die vielmehr frei wählbar wären, während jeder Vorrang für Familien ein Verbrechen wäre; wie etwa die Pflicht zur wörtlichen Umsetzung des Korans mit all seinen Mord- und Unterdrückungsbefehlen; wie etwa das drohende Ende der Welt durch eine angeblich vom Menschen verursachte Klimaerwärmung.

Das bevorstehende Ende der Welt war auch schon für viele Sekten die zentrale Behauptung, mit der sie leicht beeinflussbare – also vor allem jugendliche – Menschen zur totalen Unterordnung gebracht haben. Auf ähnlicher Linie lag im Mittelalter der Kinderkreuzzug, bei dem viele junge Europäer (auch von Bischöfen) in den Tod geschickt worden sind. Andere Beispiele aus der jüngeren Geschichte sind etwa radikale Gruppen von Tierschützern.

In den allerletzten Jahren konnten die Gewalt- und Sex-Exzesse der jungen Männer des “Islamischen Staats” zwar ein wenig eingedämmt werden. Sie sind jedoch genauso wenig wie die totalitären Ideen des 20. Jahrhunderts völlig ausgerottet. Das dadurch entstandene Vakuum an jugendlichem Wahnsinn ist aber sofort nahtlos durch einen lautstarken Klima-Kinderkreuzzug gefüllt worden.

Einige Punkte unterscheiden diesen Klima-Totalitarismus von anderen Jugendbewegungen:

  • Unter seinen Aktivisten gibt es einen deutlich höheren Frauenanteil.
  • Es gibt im Gegensatz zu früheren Jugend-Aufwallungen kaum Staaten und Organisationen, die sich den Klima-Fanatikern mutig in den Weg zu stellen wagen – ganz im Gegenteil: Die Regie führende NGO-Szene (aus der gerade jetzt wieder viele in die grüne Politik wechseln) wird milliardenschwer durch staatliche Subventionen und durch Ablass-, Schweigegeld-, Erpressungs- und Tributzahlungen der Industrie finanziert. Alle zahlen, weil sie sich vor irgendwelchen sonst drohenden Shitstorms fürchten.
  • Viele ideologisch gelenkte Universitäten blockieren alle jene Tausenden Naturwissenschaftler, die die zentrale These von einem überwiegend durch den Menschen ausgelösten Klimawandel als unhaltbar widerlegen.
  • Ähnlich verhalten sich derzeit die meisten Medien, die ganz einseitig nur noch der neuen Klima-Ideologie Platz geben.
  • Mit der schwedischen Autistin Greta steht erstmals jemand aus der Teenager-Generation selber an der öffentlich sichtbaren Spitze.

Was aber gegen all den Unsinn tun? Die Antwort ist an sich klar: Dasselbe, was bei allen anderen Totalitarismen nötig gewesen wäre. Also:

  • mutig und konsequent entgegentreten,
  • sich sachlich ohne Kompromisse mit allen Behauptungen inhaltlich auseinandersetzen,
  • jede Gewalt oder Aufforderung zu Gewaltaktionen sofort zu verfolgen – ohne Feigheit nach dem Motto “Es sind ja nur Kinder”.
  • Universitäten und öffentlich-rechtlichen Medien die staatliche Finanzierung streichen, die einseitig ohne Pluralismus eine Ideologie verbreiten.

Völlig falsch ist hingegen das gegenwärtige Verhalten der meisten Politiker und Parteien in Europa: Sie wissen zwar um viele Unsinnigkeiten und Gefahren der Klimahysterie, wagen aber nicht, ihnen entgegenzutreten, weil sie fürchten, sonst Wähler zu verlieren. Aber letztlich hat der Klima-Totalitarismus das gleiche bedrohliche Potenzial wie die anderen Jugend-Verirrungen und Totalitarismen. Daher werden Aussitzen und Totschweigen mit Sicherheit nicht funktionieren. (TAGEBUCH)

8 comments

  1. sokrates9

    Für mich ist es unverständlich dass die FPÖ diese gesamte CO2 Hysterie nicht aufgreift und hier in das leere Wählertor einschießt! Prozentrechnungen müssten doch den Wähler plausibel gemacht werden können und dass Europa seine Zukunft verspielt wenn es für die Welt den Musterschüler spielen will und drastische Einschränkungen für jeden Menschen durchsetzen will, damit die geplanten 1800 Kohlekraftwerke Chinas und Indiens nicht so auf das (theoretische) Weltklima durchschlagen können! Wenn dem Wähler bewusst wird dass er sich dramatisch einschränken soll und der Klimaschmäh eine dramatische Abzocke darstellt, wird sicherlich die Partei gewähltwerden, die da Widerstand leistet! Shitstorm ist man ja ohnehin gewohnt!..

  2. Harold Incandenza

    Geh bitte, Herr Ortner!
    Mit der Veröffentlichung derartig schwachsinniger Kommentare entwerten Sie Ihren Blog. Ich finde es an der Zeit, dass endlich auch die Liberalen akzeptieren, dass die Klimakrise durch den Menschen verursacht wurde.
    Faktum 1: Von den 415 ppm CO2 sind ca. 150 durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe in die Atmosphäre gelangt
    Faktum 2: CO2 ist ein potentes Treibhausgas, das die Temperatur der Erde ansteigen lässt. Dies ist seit mehr als 100 Jahren wissenschaftlich bewiesen.
    Warum ignorieren Sie in Ihrem Blog dieser wissenschaftlichen Tatsachen? In dieser Beziehung sind Sie keinen Deut rationaler als die Impfgegner, die Sie mit Recht hier immer wieder kritisieren. Nur ist der wissenschaftliche Konsens bezüglich des überwältigenden Nutzens von Impfungen gegenüber dem Risiko wesentlich schwächer ausgeprägt als im Fall der menschengemachten Klimakrise. Ich finde es sehr schade, dass Sie aus ideologischen Gründen die Wissenschaft ignorieren, denn ich bin der Meinung, dass gerade das libertäre Wirtschaftsmodell den einzigen erträglichen Ausweg aus der Situation bringen könnte. Mit jedem Tag der Leugnung steigt die Wahrscheinlichkeit totalitärer Maßnahmen. bzw werden immer schwerwiegendere Staatseingriffe in die Freiheit und das Leben der einzelnen notwendig werden – und das können wir als Liberale doch nicht wollen?

  3. sokrates9

    Harold Incadenza@Könnten sie bitte da ein paar wissenschaftliche Artikel zitieren, die nicht von IPCC stammen oder vom Potsdammer Ableger? IPCC schreibt in ihren Statuten die Aufgabe sei nachzuweisen dass der Klimawandel auf menschlichen Ursachen beruht! Faktum 1:Co2 war schon wesentlich mehr in der Atmosphäre, Faktum 2 wo ist seit 100 Jahren bewiesen dass C02 ein potentes Treibhausgas sei? Vor 100 Jahren gab es noch keine präzisen Messungen die man als Referenz heranziehen kann! Gerne wird auch immer argumentiert dass 80% der Wissenschaftler eine Korrelation CO2 Temperaturanstieg für richtig halten. Leider wird Wissenschaftstheorie an diversen Genderinstituten nicht mehr gelehrt! Eine Hypothese gilt erst als dann richtig wenn 100% es nicht schaffen einen Gegenbeweis zu erbringen! Kronenzeitungsrechnungen wie zB 15% haben Grün gewählt, somit ist Grün der Wahlsieger sind lieb aber so wissenschaftlich wie diverse IPCC Theorien!

  4. astuga

    Geh bitte, Herr Incadenza…
    Mit Ihrem blinden, unreflektierten Sendungsbewusstsein entwerten Sie sich selbst.
    Es wird Zeit, dass Sie akzeptieren, dass es sich überwiegend um Panikmache und Klimahysterie handelt.
    Selbst der Entdecker des CO2 als Treibhausgas warnte bis zuletzt vor Schnellschüssen und überzogenen Maßnahmen.
    Auch er wird hier erwähnt…
    https://www.youtube.com/watch?v=SyUDGfCNC-k

    Vielleicht ganz lustig als Ergänzung…
    Diese Grafik bei Wikipedia zeigt die unterschiedlichen Mess-Modelle von CO2 in der Atmosphäre im Laufe der Erdgeschichte.
    Ich dachte das kann man so einfach ganz exakt feststellen (Eisbohrkerne etc.), und dann gibt es so riesige Unterschiede…
    Ganz links bei “N” ist die Gegenwart, nach rechts hin geht es in der Erdgeschichte zurück.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoffdioxid_in_der_Erdatmosph%C3%A4re#/media/Datei:Phanerozoic_Carbon_Dioxide.png

    Man erkennt zudem, der CO2 Gehalt der Atmosphäre war eigentlich (in allen Modellen!) so gut wie niemals in der Erdgeschichte so gering wie heutzutage.
    www . youtube . com/watch?v=qBHHFhyV898
    www . youtube . com/watch?v=AaO6amHSLHc
    www . youtube . com/watch?v=WNEQo6lk9ko

  5. sokrates9

    astuga@ Herzlichen Dank für die belegmäßige Unterstützung! Mit voller Überzeugung wird immer versucht Co2 Skeptiker zu attackieren, verlangt man mal seriöse Daten ist Schweigen im (sauren?:-)) Walde!!

  6. astuga

    Immer gerne, als Nachtrag…
    Wobei ich mir vorstellen könnte, dass sich seither die Verhältnisse geändert haben.
    Nicht weil 2/3 der Forscher das anders sehen, sondern weil sich viele dem Druck bereits angepasst haben und lieber Nichts als das Falsche sagen.
    Außerdem ist es ja bequem, nur wer dem Narrativ der “katastrophalen, anthropogenen Erderwärmung” folgt bekommt auch Forschungsgelder.

  7. Seerose

    @Harold Incandenza
    “…, dass die Klimakrise durch den Menschen verursacht wurde”. Soll sein.
    Aber, solange nichts gegen die Bevölkerungsexplosion in Afrika nichts unternommen wird, können wir im kleinen Europa noch so viel einsparen, das nützt alles nichts.
    Vielleicht könnte das ja einmal jemand Grete oder den Grünen oder den NGOs sagen….

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