Die Hisbollah und das Wiener Enten-Dilemma

Von | 20. Juli 2013

Für Menschen, die unangenehme Einsichten gerne verdrängen oder sich schönreden, hat der amerikanische Volksmund guten Rat parat: “If it looks like a duck, swims like a duck, and quacks like a duck, then it probably is a duck.” Was wie eine Ente aussieht, schwimmt und quakt, ist erfahrungsgemäß eine Ente.

Erstaunliche Schwierigkeiten, eine Ente als eine Ente zu erkennen, hatte hingegen in den vergangenen Monaten das österreichische Außenministerium, und das gereichte dem Amte nicht eben zu Ruhm und Ansehen.

Ausgelöst hatte das Wiener Enten-Dilemma die scheinbar eher leicht zu beantwortende Frage, ob die Europäische Union der islamistischen Terrorgruppe Hisbollah nicht endlich die wohlverdiente Ehre erweisen solle, diese Organisation auf die offizielle Liste amtsbekannter Terrorgruppen zu setzten; und damit das Ausüben ihres Geschäftes zumindest ein wenig zu vermiesen.

Nun ist evident, dass sich die Hisbollah wie eine Terrororganisation verhält, wie eine aussieht und auch wie eine quakt. Doch der naheliegende Schluss, dass sie deshalb auch eine Terrororganisation ist und daher logischerweise auf die EU-Terrorliste gehört, gelang zwar vielen Unionsmitgliedern mühelos – Wien hingegen lavierte in dieser simplen Causa, dass es schier zum Fremdschämen war. Es gäbe, ließ das Außenministerium noch diese Woche sinngemäß wissen, Argumente in diese und Argumente in jene Richtung, die Frage müsse sorgfältig geprüft werden, bevor sich das Amt endlich in die richtige Richtung bewegte.

Zu behaupten, die Frage nach dem terroristischen Charakter der Hisbollah und deren daraus resultierender Verortung auf der Liste terroristischer Organisationen bedürfe angesichts der beeindruckenden Leistungsbilanz dieser Herrschaften noch irgendeiner Abwägung, deutet jedenfalls auf das Vorhandensein größerer Mengen dialektischen Geschickes im Wiener Außenamt hin. Denn das brauchte es, um eine Ente zu einer Vielleicht-, Vielleicht-auch-nicht-Ente zu erklären.

Nicht wirklich besser wurde dieses laue Lavieren durch die diplomatisch lancierte Erklärung, was dagegen spräche, die Terroristen Terroristen zu nennen: a) die Anwesenheit österreichischer UN-Truppen im Südlibanon und b) die Gefahr, die Hisbollah könne darob im Libanon zu milieubedingten Unmutsäußerungen gereizt werden und militärische Raufhändel beginnen.

Nun hat freilich Österreich schon jüngst am Golan einen eindrucksvollen Beweis seiner Drückeberger-Mentalität geliefert, indem es seine UNO-Truppen einfach Fahnenflucht begehen ließ. Eines weiteren Beweises dieser Haltung bedurfte die Weltöffentlichkeit nicht mehr. Die kennt sich seither eh aus.

Möglich wäre freilich, dass die Hisbollah ihre offizielle Anerkennung als Terrororganisation durch die EU zum Vorwand nähme, im Libanon irgendeinen Ärger zu machen, für den sie sonst halt einen anderen Vorwand gebraucht hätte.

“Nur nicht reizen” wäre trotzdem die falsche Antwort gewesen. Gerade Österreich müsste ziemlich gut wissen, dass Appeasement gegen Politkriminelle noch nie funktioniert hat. Es funktioniert auch gegenüber der Hisbollah nicht. (WZ)

14 Gedanken zu „Die Hisbollah und das Wiener Enten-Dilemma

  1. oeconomicus

    Ein früherer Minister (Rösch) hat dem Terroristen Carlos am Flughafen Schwechat die Hand geschüttelt, weil er froh war, dass dieser mit den OPEC- Geiseln Österreich verlassen wollte.

  2. Wolf

    Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: ich bin auch der Meinung, dass die Hisbollah eine Terrororganisation ist. Allerdings ist sie auch ganz offiziell Mitglied des libanesischen Parlaments und der libanesischen Regierung, die ja international durchaus anerkannt ist. Daher ist es jedenfalls eine heikle Sache, dem Libanon so quasi offiziell mitzuteilen, dass ein Teil seiner Regierung und seines (doch durchaus demokratisch gewählten) Parlaments aus Terroristen besteht.

  3. schneckerl

    @Wolf
    Diese Krot schluckte man um die Stabilität des Libanon nicht noch zusätzlich zu gefährden. Diese Logik führte sich jedoch nach den Ereignissen der letzten Jahre ad absurdum, als die Hisbollah zwei Mal einen Mini-Bürgerkrieg anzettelte, das Land in einen Krieg mit Israel verwickelte (und wieder verwickeln wird), sowie vor allem jetzt den Libanon in den Syrien-Konflikt hineingezogen hat.

    Die für Juli 2013 angesetzten libanesischen Wahlen wurden ohnehin schon um ein Jahr verschoben. Assad-Flugzeuge greifen sunnitische Ziele im Libanon an. Sunnitische Kämpfer greifen Ziele im Libanon an (Autobombe in Beirut diese Woche); Hisbollah-Kämpfer waren von Anfang an in Syrien auf Assads Seite mit dabei.

    Diese Stabilität lob ich mir.

  4. Mona Rieboldt

    Und in Deutschland lebt eine größere Gruppe von Hisbollah Leuten, dazu kommen noch Palästinenser und die alle könnten ja Ärger machen, da zieht Deutschland den imaginären Schwanz schnell ein.
    Dass es bei den vielen Moslemgruppen aus dem Irak, jetzt reichlich Tschetschenen in D, Moslems aus Afghanistan Türken etc., irgendwann bzw. in naher Zukunft zu Gewalt kommt ähnlich Frankreich, Schweden, ist sehr wahrscheinlich. Dazu kommen noch Zigeunergruppen aus dem Osten.

    Offensichtlich testen die Politiker gerade, wie weit man die Geduld der deutschen Gesellschaft strapazieren kann.

  5. Rennziege

    Mir drängt sich die Befürchtung auf, dass im österreichischen Parlament, allen Ministerien, in Landtagen, im Wiener Rathaus und zahlreichen kirchlichen Organisationen eine gewaltige Solaridisierung mit orientalisch-islamischen Einflüsterungen breitgemacht hat. Entspricht offenbar dem Zeitgeist und der veröffentlichten Meinung — aber auch der Anbiederung an wider alle Vernunft ins Land geholte, unaufhaltsam wachsende Wählerpotentiale.
    Peinlich, billig und verlogen, verräterisch noch dazu.
    In Kanada geht’s gottlob vernünftiger zu.

  6. Astuga

    Wie bereits frueher gesagt, die muslime oder islamisten sind nicht das problem. Unsere politiker sind es. Und irgendwie wird es sich schon fuer sie auszahlen. Auf den persoenlichen vorteil zu achten gehoert zur basisausstattung selbst des duemmsten politikers.

  7. Josef Roth

    Wie sollen österreichische Politiker, die offenbar genetisch bedingt über das Rückgrat einer Nahtschnecke verfügen, anderes als Appeasement zustandebringen? Dabei, es ist nicht nur Feigheit,
    Österreich hat beschlossen, die antiisraelische Karte zu spielen und eine Verurteilung der Hisbollah kann in diesem Kontext nicht stattfinden. Die Stimmung würde vermutlich nicht einmal kippen, wenn die Hisbollah den Ballhausplatz in die Luft sprengen würde. Da bräuchte es Härteres, etwa die Sprengung der Löwelstraße. Dann könnte man eventuell über eine Rüge nachdenken.

  8. Astuga

    Ein aspekt der thematik: fuer oesterreich selbst sind etwa die guelen bewegung, das umfeld der muslim bruderschaft oder salafistische gruppen gefaehrlicher als die hisbollah.

  9. KClemens

    Mona Rieboldt :Und in Deutschland lebt eine größere Gruppe von Hisbollah Leuten, dazu kommen noch Palästinenser und die alle könnten ja Ärger machen, da zieht Deutschland den imaginären Schwanz schnell ein.Dass es bei den vielen Moslemgruppen aus dem Irak, jetzt reichlich Tschetschenen in D, Moslems aus Afghanistan Türken etc., irgendwann bzw. in naher Zukunft zu Gewalt kommt ähnlich Frankreich, Schweden, ist sehr wahrscheinlich. Dazu kommen noch Zigeunergruppen aus dem Osten.
    Offensichtlich testen die Politiker gerade, wie weit man die Geduld der deutschen Gesellschaft strapazieren kann.

    Ich fürchte, es ist viel schlimmer. Unseren Politkern geht das glatt am A…. vorbei. Es interessiert sie einfach nicht. Und wenn was passiert hoffen sie, daß das Volk sie inständig darum bittet rund um die Uhr überwacht zu werden. Selbst im eigenen Haus, selbst wenn sie aufs Klo gehen.

    Und die Deutschen sind so dämlich, die machen das auch noch.

  10. KClemens

    Rennziege :Mir drängt sich die Befürchtung auf, dass im österreichischen Parlament, allen Ministerien, in Landtagen, im Wiener Rathaus und zahlreichen kirchlichen Organisationen eine gewaltige Solaridisierung mit orientalisch-islamischen Einflüsterungen breitgemacht hat. Entspricht offenbar dem Zeitgeist und der veröffentlichten Meinung — aber auch der Anbiederung an wider alle Vernunft ins Land geholte, unaufhaltsam wachsende Wählerpotentiale.Peinlich, billig und verlogen, verräterisch noch dazu.In Kanada geht’s gottlob vernünftiger zu.

    Möglicherweise wittern die heimischen Religionsführer nach Jahren des Missvergnügens, darauf, daß ihnen die entlaufenen und auch die noch nicht eingesammelten Schäfchen ihnen in Scharen zu laufen werden, wenn man sich dann als “Heilsbringer” darstellt.

    Daß man vorher die Situation selbst mit befördert hat, was solls!

  11. Astuga

    Uebrigens ist kanada vor einigen jahren nur haarscharf an der anerkennung von sharia-schiedsgerichten vorbeigeschrammt (wie bereits im uk). Von wegen die waeren klueger als wir.

  12. Christian Peter

    Gebärfreudige Immigranten, häufig erst nach Generationen der deutschen
    Sprache mächtig, stellen die ideale und hochbegehrte Wählerklientel für
    Österreichs Altparteien dar. Wen wundert es vor diesem Hintergrund, wenn
    die von Korruptionsskandalen gebeutelte ÖVP den Moslem Asdin el Abbassi
    auf wählbarer Bundesliste für die Nationalratswahl 2013 nominiert ?

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