Die Inflation stiehlt Ihre Lebenszeit

Von | 27. November 2021

(Christian Ortner/ “WZ”) Die Deutsche Bundesbank, einst stolze Hüterin der harten D-Mark (und damit bis vor 20 Jahren indirekt auch des harten Schillings), hat dieser Tage gewarnt, die Inflation könne im November mit 6 Prozent einen neuen Rekordwert erreichen. Das beunruhigend zu nennen, wäre eine glatte Untertreibung. Denn mehr und mehr muss man zum Befund kommen, dass die Geldentwertung außer Kontrolle gerät und vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) nicht und nicht das tut, wozu sie von ihrem Statut her verpflichtet wäre, nämlich die Kaufkraft des Euro einigermaßen zu erhalten.

Noch viel beunruhigender ist aber, dass diese Inflationspolitik der Notenbank nicht durch eine entsprechend hohe Verzinsung von Spareinlagen zumindest gemildert, sondern im Wege der aktuellen Nullzinspolitik sogar noch verschärft wird. Gerade für Sparer bedeutet das keine schleichende Enteignung mehr, sondern eine geradezu galoppierende. Hielten 6 Prozent Inflation bei Nullzinsen auch nur vier Jahre an, wäre bereits ein Viertel des Angesparten vaporisiert. Einfach in Luft aufgelöst, jenem Stoff, aus dem, die EZB gerade jedes Monat Milliarden an Euros ohne Gegenwert schafft.

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass ihnen damit nicht nur ihre Ersparnisse gestohlen werden, sondern letztlich vor allem Lebenszeit. Denn ökonomisch ist es ja durchaus sinnvoll, Ersparnisse als gleichsam geronnene Arbeitszeit zu verstehen, deren Ertrag solcherart aufbewahrt wird. Wenn jemand zum Beispiel Ersparnisse in Höhe von 100.000 Euro hat, was bei einem Nettogehalt von 2.000 Euro einer Arbeitsleistung von 50 Monaten entspricht, würden 6 Prozent Inflation über vier Jahre ein Viertel davon, also rund 25.000 Euro, auffressen. Das beklagenswerte Opfer hätte also ein ganzes Jahr lang für nichts und wieder nichts gearbeitet. Deshalb ist es völlig korrekt, Inflation als Diebstahl nicht nur von Geld, sondern vor allem auch von wertvoller Lebenszeit zu begreifen.

Leider ist, im Gegensatz zu den Beruhigungspillen, die uns täglich von der Politik und auch von der EZB verabreicht werden, ein Ende dieser Enteignungswelle nicht in Sicht; ganz im Gegenteil. Dass etwa in Österreich die Häuserpreise gegenüber dem Vorjahr – also binnen zwölf Monaten – um fast 12 Prozent gestiegen sind, deutet an, was da gerade los ist.

Während die USA sehr, sehr langsam, aber doch zu einer Art etwas soliderer Geldpolitik zurückkommen wollen, geht die EZB unbeirrt in Richtung Inflationspolitik, weil sonst ein paar Euroländer pleitegingen; sie hat sich in der eigenen Falle gefangen. Deshalb verliert ja auch gerade der Euro gegenüber dem Dollar entsprechend an Wert, was Importe in die Eurozone verteuert und die Inflation weiter anheizen wird; gerade im Winter, wenn viel Energie importiert werden muss.

All jene Ökonomen, Politiker und Medienmenschen, die uns zuerst erklärt haben, die Inflation werde nie mehr zurückkommen und man könne Geld drucken, ohne es zu entwerten, und später dann, die Inflation sei nur ein vorübergehendes Hoppala, all jene Voodoo-Ökonomen also stehen nun ziemlich blöd in der Landschaft herum. Das hilft nur leider den Opfern der Inflationspolitik nicht, denen Lebenszeit gestohlen wurde und weiterhin wird.

4 Gedanken zu „Die Inflation stiehlt Ihre Lebenszeit

  1. dna1

    Sehr richtig. Ich möchte noch ergänzen, wenn ich darf: Wenn man meint, durch Veranlagung seines Geldes Inflation abfedern zu können, dann muss man zur Inflation auch noch die KESt. erwirtschaften, Inflation wird ja auch noch besteuert. Das bedeutet, um beim Zahlenbeispiel des Artikels zu bleiben, dass man über vier Jahre hinweg jährlich etwas über 8% Rendite erwirtschaften muss, nur um am Ende die Inflation abgedeckt zu haben, da hat man noch gar nichts “verdient”.
    Da wünsche ich viel Erfolg.

  2. Lichnovsky

    Danke für den Artikel! Leider ist es so, dass die Club Med Länder (plus Frankreich) bei halbwegs normanlen Zinsen ansatzlos PLeite gehen. Damit wären dann wohl auch gröbere Zahlungsausfälle verbunden; etwa Staatsanleihen (trifft Private und EZB) und target 2 Salden (vereinfacht Girokonten zwischen Notenbanken aus Handels- und Dienstleistungstransaktionen – trifft Notenbanken). Notenbanken und EZB müssten dann wohl finanziell unterstützt werden. Aber die nicht ausgemachte und dennoch indirekt praktizierte Transferunion wäre beendet. Gerecht wäre es. Denn die Italiener haben bei im Vergleich zu Österreichern doppeltem per capita Privatvermögen auf Pump sogar das Rentenalter gesenkt. Und dass sollen Deutsche und Österreicher womöglich mit neuen Steuern bezahlen? Absurd, das sollen die Italiener selber tun. Denn sie haben vorgefressen und sollten nun nachhungern (Christian Ortner).
    Vielleicht sollten die nördlichen EURO-Länder mit Budgetdisziplin den Ausstieg aus dem EURO nachdenken, und ggf. einen neuen EURO-Nord ins Auge fassen? Damit wäre auch Macrons Husarenstück der Verhinderung von Jens Weidmann als EZB-Präsident und die Einsetzung von Christine Lagarde beendet, die hauptsächlich französische Interessen bedient.

  3. Johannes

    Das Drucken von Geld ist wie eine Droge.
    Solange genug Geld da ist leuchtet die Welt in bunten Farben und sozialromantische Phantasien wachsen wie bunte Blumen in den Himmel, wir alle leben in einer gelben Submarine.
    Die Kinder studieren unbrauchbare Pseudowissenschaften, die Arbeit am Bau machen Menschen aus den Ostländern der EU.

    Sparen im Staatshaushalt hat des Etikett der Herzlosigkeit, der Ungerechtigkeit und Spaltung der Gesellschaft erhalten.
    Wurden früher Sparbudgets allseits bewundert und als große politische Leistung wertgeschätzt, ist heute gerade das Gegenteil der Fall
    Das Schwache wird geradezu abgöttisch gefeiert, das Kontraproduktive zum erstrebenswerten “way of live” erklärt.

    Diese künstliche Wohlfühlwelt kostet Geld, viel Geld und weil die Waren welche uns ein so schönes, sorgenfreies Leben ermöglichen unter ganz anderen Lebensbedingungen in ganz anderen Ländern für uns produziert werden müssen wir um sie uns weiter leisten zu können, eben immer mehr Geld drucken.
    Noch leben wir von unserer Reputation als reichste Länder der Welt, doch der Ausverkauf des Familiensilbers ist längst weit fortgeschritten.
    Der Westen ist naiv wie ein Kleinkind, die Verschiebungen werden alle wie ein Blitz treffen, wenn unser Geld nicht mehr ernst genommen wird werden wir wie Junkies ohne Drogen, sehr zu leiden haben.
    Das wird eine echte Roßkur werden.

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