Die Irrtümer der keynesianischen Mainstream-Ökonomen

“…..Die keynesianische Staatsverschuldungsmanie und Interventionsgläubigkeit haben langfristig fatale Folgen, aber sie liefern den politischen Eliten eine pseudowissenschaftliche Begründung für ihre schamlose Schuldenpolitik im Rahmen ihrer „Wählerbestechungsdemokratie“. Die gesamte politische Klasse will nicht vom beliebig vermehrbaren Geld ablassen, weil es die finanzielle Grundlage ihres Geschäftes Wählerbestechung ist. Die Bürger selber lieben das „easy Money“, weil sie sich damit Wünsche in der Gegenwart erfüllen können, für die sei eigentlich lange sparen müssten und weil sich ihre Immobilien- und Wertpapier-Vermögen damit inflationär aufblähen und ihnen das (irrtümliche) Gefühl des ständig Reicherwerdens vermitteln. Die Zentralbanken lieben das „easy money“, weil sie damit Regulierungspotenz über die gesamte Volkswirtschaft gewinnen und das von ihnen kontrollierte Bankensystem ins Gigantische ausdehnen können….” (guter Esay, hier)

13 comments

  1. Erich Bauer

    Der Essay ist sehr lesenswert und dient dem Verständnis VOLKSwirtschaftlicher Abläufe…

    Es ist halt nur so, dass in einer – der Tendenz (= dem “politischen” Wunsche) nach – fortschreitenden Globalisierung der Wirtschaft, die sich auch in einem weltumspannenden Arbeitsteilung-“IndustriePlan” manifestiert, man sich einfach schwer tut so etwas wie eine VOLKSWIRTSCHAFT noch zu “orten”. Vor allem der “Westen” macht sich außerordentlich dienstbar dieser “Wirtschafts- bzw. IndustriestandorteTheorie” des St. Marx zu folgen.

    Wenn jedoch Völker bzw. Staaten “abgeschafft” werden… sind die “Titanen aus grauer Vorzeit” mit ihrer VOLKSWIRTSCHAFT eigentümlich irrelevant? Wenn sich allerdings die Globalisierungsidee als POLITISCHE (= machtpolitische) Illusion herausstellt… dann haben die “Austrians” ihre Gültigkeit zurückgewonnen…

  2. cmh

    Die wirtschaftliche Information (Abstimmung der wirtschaftlich handelnden Unternehmen und Haushalte untereinander) erfolgt über das Medium Geld.

    Gibt es eine Quelle unendlicher Mengen neuen Geldes, dann richten sich die Handelnden nicht nach der durch die Preise signalisierten Knappheit von Gütern, sondern nur nach der Quelle des Geldes aus. Man könnte sagen, sie sind durch das viele Geld nur noch zugedröhnt. High aber nicht informiert.

    Durch dieses billige Geld wird schlicht die Wirtschaft ruiniert, weil sich die wirtschaftlich handelnden nicht mehr glauben, dass sie die zugesagten Leistungen auch erbringen werden.

    Wir sehen es ja gerade bei Essl oder der Hypo; vorbehaltlich der Richtigkeit der Medienberichte natürlich nur.

    Essl kann nicht mehr zahlen, weil sich sein Geschäftsmodell als nicht tragfähig erwiesen hat. Wenn jetzt der STaat dessen Schulden bezahlt, dann wird verschleiert, dass Essls Geschäftsmodell nicht funktioniert hat. Das Unternehmen lebt nach Art der Zombies als Untoter weiter. Sollte man Essl in dieser Situation nocht Geld leihen? Sein Geschäftsmodell hat versagt, also nein! Es ist nun zu beurteilen, ob der STaat seine Rückzahlungsversprechen einzuhalten gedenkt oder nicht. aber das ist keine ökonomische, sondern eine politische Entscheidung. Damit funtkioniert aber die Entscheidungsfindung nicht mehr so, wie sie funktionieren sollte.

  3. Klaus Kastner

    Ich bin bei weitem kein Keynes-Experte, bilde mir jedoch ein, Keynes folgendermaßen verstanden zu haben: bei schlechter Konjunktur sollte der Staat Ausgaben erhöhen (=Einkommen für Private), um einen Bust zu vermeiden. In guten Zeiten sollte der Staat seine höheren Einnahmen nicht ausgeben, sondern sparen für Deficit Spending in schlechten Zeiten. Über den Konjunkturzyklus hinweg sollte der Staat ausgeglichen bilanzieren. Mir scheint, Politiker halten sich nur an den ersten Teil dieses Theorie.

    Chile hat diese Art von Keynes in Gesetzestext gegossen. Chile’s Staatseinnahmen sind massiv vom Kupferpreis abhängig. Eine vollkommen unabhängige Expertengruppe legt regelmäßig einen langfristig erzielbaren und nachhaltigen Kupferpreis fest und auf dieser Basis werden die Staatsausgaben budgetiert (mit der Auflage, über den Konjunkturzyklus hinweg ausgeglichen zu sein). Gibt es wegen des Kupferpreises mehr als die kalkulierten Einnahmen, dann geht dieser Überschuss in einen Strukturausgleichsfonds. Bei Konjunkturschwächen speist dieser Fonds erhöhte Staatsausgaben. Chile hat die Krisen der letzten 10 Jahre sehr gut gemeistert und Experten führen dies auf diese Fiskalpolitik zurück (“fiscal rules”).

  4. Thomas Holzer

    “Eine vollkommen unabhängige Expertengruppe legt regelmäßig einen langfristig erzielbaren und nachhaltigen Kupferpreis fest…………..”

    Wenn eine “vollkommen unabhängige Expertenkommission” Preise festsetzt, schwant mir nichts Gutes 😉

  5. oeconomicus

    Staatliche Budgetregeln funktionieren nur, wenn sich die Regierung daran halten will (siehe EU – Maastricht). Einziges Korrektiv zu der Schuldenpolitik ist der Markt und den wollen die Regierungen gerade abschaffen (gierige Finanzmärkte!!)

  6. Klaus Kastner

    @Thomas Holzer
    So schwierig ist es nicht, langfristig erzielbare und nachhaltige Kupferpreise festzulegen. Schließlich gibt es ja auch Terminmärkte. Wichtig ist, dass man klare Spielregeln hat, wie diese Preise prognostiert werden und dass man von diesen Spielregeln (fiscal rules) nicht abweicht. Die Preisprognosen können/müssen immer angepaßt werden, ABER die Spielregeln dürfen nicht verändert werden. So macht das Chile. In Österreich würde man wahrscheinlich die Spielregeln anpassen, damit sich die gewünschten Preise ergeben und nicht umgekehrt. Dann wäre die ganze Übung umsonst. Wenn bei uns der Staat ein Bugetloch auf sich zukommen sieht, dann wird sehr rasch mit wirtschaftlichen Prognosen manipuliert. Nochmal: die Prognosen können nicht immer stimmen, was jedoch immer stimmen muss, sind die Spielregeln, wie diese Prognosen gemacht werden. Über Zeit wird daraus ein dynamisches System, wo sich positive und negative Fehler ausgleichen.

  7. Rennziege

    Das Beispiel Chiles ist in Österreich nicht nachvollziehbar. Das Tauerngold kommt nur noch in Spuren vor, und die letzte heimische Kupfermine (in Mühlbach am Hochkönig, Pongau) wurde 1976 aufgegeben. Was tun?
    An Bodenschätzen sind wir neger, also wie sollen unsere bewundernswerten Polit-Intelligenzler “die Spielregeln anpassen, damit sich die gewünschten Preise ergeben und nicht umgekehrt”, wie Herr Kastner klug prophezeit?
    Maximal bei Germknödeln, Käsekrainern, Mannerschnitten, Kernöl, Zweigelt und Obstler wird sich da a wengerl manipulieren lassen. Aber welche Exportgroßmacht tut das nicht?

  8. gms

    Klaus Kastner,

    das chilenische Kupferbeispiel leidet einen eklatanten Mangel an Relevanz. De facto ist der Staat dort mit den Kupferminen ident. Somit ist hier ein einziger Player am Werk, der eben /nicht/ im Sinne Keynes staatlicherseits das vermeintlich ~fehlerhafte~ Verhalten seiner Untertanen ~übersteuern~ will. Hätte die VÖST vor 40 Jahren sich um Terminkontrakte gekümmert, wäre sie damit ebenso wenig ein Leuchturm keyns’ianischer Denke geworden.

    Keynes macht mit seinen Thesen den Staat zum Vormund, der seinen vorgeblich irrenden Pappenheimern den Weg leuchten soll. Das allein ist anmaßender Unsinn, jegliches weitere Erötern allfälliger Benefits daraus bekundet zugleich Sympathien dafür, Millionen einzelner Wirtschaftstreibender als dumm anzusehen, die der Segnungen des Zentralbüros bedürften.

  9. M.Kunze

    Keynes hat eine interessante Theorie niedergeschrieben.
    Leider hat aber Schumpeter recht behalten: “eher legt sich ein Hund einen Wurstvorrat an….”
    Also wird kräftig ausgegeben auf Teufel komm heraus, wurscht (!) ob das vernünftig ist oder nicht, vermutlich bis es fest kracht.

  10. Klaus Kastner

    @Rennziege & gms
    Natürlich ist das Kupferland Chile nicht mit Österreich vergleichbar. Mein Punkt war, dass “fiscal rules” wahrscheinlich das Einzige ist, was in der Lage ist, den Staat (und die Politiker) bei Vernunft zu halten. Eine Schuldenbremse ist eine Form von “fiscal rules”.

    Nur als Idee: man könnte vielleicht einen langfristigen Trend der nominalen Steuereinnahme verfolgen. Wenn dann die Ist-Steuereinnahmen über dem Trend liegen, wäre dieser Überschuß Kandidat für einen Strukturausgleichsfonds. Einfach zum Nachdenken. Da gibt es sicherlich viele Varianten. Eine Schuldenbremse alleine gefällt mir nicht, weil sie eher statisch und nicht dynamisch ist.

  11. Rennziege

    2. April 2014 – 18:53 Klaus Kastner
    Lieber Herr Kastner,
    Sie werden schon richtig verstanden. Zweifellos haben Sie erkannt, dass mein Beispiel mit Hochkönig, Käsekrainern etc. nicht ernstgemeint war, sondern nur eine Sottise auf kakanische Verhältnisse.
    Aber immerhin konnten Ihnen, auch durch gms, auf diese Weise ein paar weitere Sätze zum Thema entlockt werden — die kundig sind und (ich glaub’, nicht nur) mir die Augen öffnen für eine Sichtweise, die Schulen und Unis nicht vermitteln dürfen oder können..
    Danke, und herzliche Grüße!

  12. Mic

    im Sozialismus ist der Staat korrupt und gierig, im Neoliberalismus sind es grosse Unternehmen und Oligarchen! … Muesehlig zu diskutieren, wer mehr ins Elend führt. Die Geschicht lehrt: beide, wenn sie nicht zurecht gestutzt werden!

  13. Erich Bauer

    Oligarchen können nur mittels rigorosem “Auswahlverfahren”, unter STAATSBETEILIGUNG zu Oligarchen werden…

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