Die Islamisten von Aleppo

Von | 7. Dezember 2016

(ANDREAS UNTERBERGER) Es gibt keinerlei Grund, Sympathien für den syrischen Machthaber Assad zu haben. Er ist ein blutbefleckter Diktator, dessen Schergen unzählige Morde, Folterungen und politische Inhaftierungen verschuldet haben. Das ist aber dennoch kein Grund, automatisch seinen Kriegsgegnern Sympathie entgegenzubringen. Denn bis auf die Kurden hat keine der vielen anderen Kampfparteien diese verdient. Nichts gibt zur Hoffnung Anlass, dass sie für rechtsstaatliche oder gar pluralistische Ansätze stehen würden.

Die Kurden scheinen die einzigen zu sein, die sich in den von ihnen kontrollierten Gebieten akzeptabel verhalten. Aber auch bei ihnen ist keineswegs ganz sicher, ob diese Toleranz auch dann fortbesteht, wenn sie einmal nicht mehr auf amerikanische und deutsche Unterstützung angewiesen sind, was jedenfalls zu korrektem Verhalten zwingt. Sie sind jedenfalls auch die tapfersten Kämpfer – weil sie nicht für eine Ideologie (=totalitäre Religionsauffassung) oder Machtgruppe kämpfen, sondern für nationale Freiheit.

Gewiss, auch viele andere Kriegsparteien behaupten, dass der lange von etlichen islamischen Ländern unterstützte „Islamische Staat“ das oberste aller Übel ist. Das heißt aber nicht, dass beispielsweise die anderen sunnitischen Gruppen irgendetwas mit Demokratie und Menschenrechten zu tun hätten. Und dass sie wirklich gegen den IS kämpfen würden.

Insbesondere jene, die noch einen Teil von Ost-Aleppo gegen die rollenden Angriffe der russischen und syrischen Regierungstruppen halten, sind nach allen vorliegenden Informationen ungute Islamisten. Das bestätigen auch die Fernsehbilder, die in den letzten Wochen immer wieder aus dem belagerten Aleppo herauskommen. Denn auf diesen Bildern sieht man – wenn überhaupt – zu hundert Prozent nur verhüllte Frauen, meist in schwarze Säcke gepackt.

Lediglich in den kurdischen und in den von Assad kontrollierten Gebieten können sich Frauen so kleiden, wie sie es wollen. Wer diesen Kleidungs-Maßstab für zu oberflächlich hält, der kann auch die Aussagen von christlichen oder jessidischen oder schiitischen oder alewitischen Persönlichkeiten analysieren. Auch aus diesen wird eindeutig: Nur in Assad- und Kurden-Gebieten können sie relativ frei leben.

Umso unverständlicher ist, dass nicht nur eine breite, wenn auch meist getarnte sunnitische Front von Saudiarabien bis zur Türkei diese – mehr angeblich als wirklich auch gegen den „Islamischen Staat“ kämpfenden – Islamisten unterstützt, sondern auch ein Teil Europas, insbesondere die französischen Sozialisten.

Im Assad-Territorium ist die relative Freiheit der religiösen Minderheiten freilich nicht nur von den Feinden im Bürgerkrieg, sondern auch den Verbündeten bedroht. Denn Assad hat sein militärisches Überleben in hohem Ausmaß schiitischen Kämpfern aus Iran und dem Libanon zu verdanken. Die aber sind nun nicht gerade als Verfechter von Toleranz und Pluralität berühmt.

Und wer glaubt, dass die ebenfalls für Assad kämpfenden Russen diese Grundprinzipien durchsetzen werden, irrt wohl ebenfalls. Denn deren Hauptziel ist ganz eindeutig ein militärisches: die Sicherung ihres einzigen Stützpunktes am Mittelmeer. Und auch das System Putin in Russland steht immer weniger für Rechtsstaat, Toleranz und Pluralität.

Trotz dieser nüchternen Analyse gibt die jüngste militärische Entwicklung in Syrien ein wenig Hoffnung. Denn sowohl der „Islamische Staat“ wie auch die Islamisten von Aleppo, also die übelsten Elemente des Landes, scheinen derzeit eindeutig auf der Verliererstrecke. Damit wäre der Weg etwas freier für die einzige mögliche Lösung: Das wäre eine Teilung Syriens zwischen mehreren – völkerrechtliche und menschenrechtliche Mindeststandards einhaltenden – Gebieten unterschiedlicher Orientierung nach den Prinzipien der Selbstbestimmung. Auch wenn die Türkei das gar nicht will. Die eine Art koloniale neoosmanische Oberhoheit über den Norden des Landes beansprucht, weil sie den Kurden keinerlei Selbstbestimmung zuerkennen will.

Im Falle einer solchen Teilung, und zwar nur dann besteht auch guter Grund, allen Syrern, die nach Europa gekommen sind, mit dem nötigen Nachdruck zu sagen: Ihr könnt nach Syrien zurückkehren, ihr müsst das auch tun. Hinzugefügt sollte aber unbedingt auch werden: Dann, wenn ihr nicht in euer Heimathaus, sondern nur in einen anderen Teil Syriens zurückkehren könnt, werden wir euch eine kräftige Starthilfe geben. (TB)

 

8 Gedanken zu „Die Islamisten von Aleppo

  1. Thomas Holzer

    Bei allem Verständnis; man sollte und darf die “Bruderstaaten” der Muslime in Syrien, Irak, Afghanistan etc. -welche ja Großteils nicht zu den Ärmsten der Armen zählen- nicht aus ihrer Verpflichtung entlassen. Da könnten sich Merkel, Steinmeier, Schulz, Kern etc. sinnvoll engagieren 🙂

  2. Mona Rieboldt

    @Thomas Holzer
    Saudi-Arabien nimmt keine Muslime auf mit der Begründung, sie wollen ihre Gesellschaft nicht von “Flüchtlingen” destabilisieren lassen. Deutschland macht Geschäfte mit Saudi-Arabien, da gibt es keinerlei Kritik an dem Land, auch nicht in unseren Medien. Das Gleiche sicher mit Katar, andere Staaten wie Jemen sind zu arm.

  3. Thomas Holzer

    @Mona Rieboldt
    Mir sind die “Argumente” bekannt. Es gibt auch noch andere muslimische Staaten, welche nicht an der Armutsgrenze vorbeischrammen 😉
    Anyway: sicher ist man auch in Turkmenistan, Aserbaidschan, Türkei, Jordanien etc.; finanziell abgesichert ist man halt nur ca. 5000-8000 Km von Syrien, Afghanistan entfernt 😉

  4. mariuslupus

    Warum ausgerechnet Assad, ein blutiger Diktator, gestürzt werden sollte, gehört in den Unfähigkeitsnachweis der westlichen Diplomatie, bzw. Einmischung im Mittelmeerraum und im nahen Osten. Die westlichen Einmischungen haben in der Region nur eines bewirkt, die Destabilisierung. Es hat auch andere blutige Diktatoren gegeben, aber die Nachfolge verursacht doch, gewisse Sympathien für Sadam und Ghadhafi.
    Einzige sinnvolle Massnahme, nichts unternehmen, containment. In Stammeskämpfe soll man sich nicht einmischen. Menschenrechte als Begründung, ist nur ein Hohn.
    @Thomas Holzer
    Trauen Sie Merkel, Juncker, Clinton, Steimeier, Obama, Schulz, Kern ein sinnvolles Engagement zu ?
    Vielleicht ist Trump gescheiter.

  5. Mona Rieboldt

    Thomas Holzer
    Man kann es den Asylanten nicht mal übel nehmen, dass sie dahin gehen, wo sie das meiste Geld bekommen, dazu noch umfassend gehätschelt z.b. Putzfrau, halal-Essen etc. Es sind unsere Politiker, die das Geld der arbeitenden Deutschen da ausgeben. Halal-Essen, dann im Ramadan das Essen abends etc. Ich stell mir vor, ich würde illegal über die Grenze nach Saudi-Arabien gehen, dann ein Schweineschnitzel wollen und selbstverständlich ein richtiges Weihnachtsmenue.

  6. waldsee

    die persönliche absicherung ist eine sache,aber die wichtigere ist,den koran zu verbreiten und doeses pseudoreligiöse gehabe den atheisten (großteils) in europa aufzuzwingen.
    europa entlastet nebenbei kräftig auch noch die sozialsysteme in anderen weltgegenden.

  7. Herzberg

    Im Falle einer solchen Teilung, und zwar nur dann besteht auch guter Grund, allen Syrern, die nach Europa gekommen sind, mit dem nötigen Nachdruck zu sagen: Ihr könnt nach Syrien zurückkehren, ihr müsst das auch tun.

    Wohin innerhalb Syriens sollen sie denn zurückkehren? So sie in ihre Heimatdörfer retournieren, hätte man sich die hin- und herschwappende Völkerwanderung und den Gedanken an eine Teilung des Landes sparen können.
    Läuft es aber auf eine Relocation innerhalb des eigenen Landes mit Zwischenstop im fernen Europa hinaus, stellt sich die Frage, weshalb man sich nicht gleich in anderen Landesteilen Syriens niederließ, war das Land doch niemals vollständig Kriegsgebiet — allein der Unterschied zwischen Ost- und West-Alleppo spricht Bände.

    Ethnische Spannungen, speziell zwischen Kurden und Nicht-Kurden, waren auch definitiv nicht Auslöser der Malaise, eine Filettierung des Landes als Konsequenz adressierte daher auch nicht das kausale Momentum, von dem alle wissen, wo und warum es seinen Ursprung nahm.

  8. Fragolin

    Im “Assad-Territorium” durften, bevor bestimmte Weltlaboranten und ihre fundamentalsunnitischen Radikalverbündeten einen ihrer berühmt-berüchtigten Laborversuche zur “Demokratiesierung durch Terror” unternahmen, Frauen nach dem Besuch im Konzerthaus in kniefreien Röcken und mit wallendem Haar in Straßencafes den Sonnenuntergang genießen. Die einzige “religiöse Minderheit”, die in Syrien von dem nach Angaben der “syrischen Beobachtungsstelle für Hetzpropaganda” brutalen Menschenschlächter Assad bedroht wurde wir die Kurden von dem vorzeigedemokratischen Friedenspräsidenten Erdowahn, waren die sunnitischen Radikalmuslime, die ihre Frauen in Wanderzelte zwingen und Schulkinder, die im Ramadan beim Naschen erwischt werden, schon mal schächten und mit Blut und Terror einen schariakonformen “Gottesstaat” errichten wollen (auf Propagandasprech: “arabischer Frühling”).
    Assad ist sicher nicht das Beste, was Syrien passieren kann, aber fast alle momentan erreichbaren Alternativen sind weit schlimmer.

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