Die Jakobiner des 21.Jahrhunderts

(W. REICHL) Die Neo-Jakobiner aus Brüssel haben jedenfalls ein Statut vorgelegt, das vom EU-Parlament verabschiedet werden soll. Das Ziel des Statuts: »konkrete Maßnahmen zu ergreifen zum Kampf gegen Intoleranz, vor allem im Hinblick auf Rassismus, Farb-Voreingenommenheit, ethnische Diskriminierung, religiöse Intoleranz, totalitäre Ideologien, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Antifeminismus und Homophobie«

 

Darunter fällt auch das sich »lächerlich machen« etwa über Feministinnen. Verstöße gegen die Toleranz wie etwa die Kritik am Feminismus müssen laut Statut der EUdSSR-Moralwächter »wie gefährliche Körperverletzung behandelt werden«. Also ab in den Knast mit dem intoleranten Abschaum. Und sollte Jugendliche einen Witz über Alice Schwarzer oder Thomas Hitzlsperger reißen, dann müssen sie »ein Rehabilitations-Programm durchlaufen, das dazu geschaffen ist, ihnen eine Kultur der Toleranz beizubringen«

 

Da haben wir es, das Rehabilitations- das Umerziehungsprogramm. Jeder der nicht im Zug der politisch korrekten Lemminge mit marschiert und auch nur die leiseste Kritik an den der politisch korrekt Ideologie und seiner Apologeten übt, der kommt hinter Schloss und Riegel, wird in Umerziehungsprogramme gesteckt und sonst wie amtsbehandelt. Ja in der EU ist man jetzt ganz tolerant und wenn endlich alle autochthonen Untertanen tolerant gemacht worden sind, dann ist alles gut. Und die Unverbesserlichen, die besonders schweren Fälle und unheilbar Kranken, die muss man eben dauerhaft internieren.

 

Doch halt. Sind nicht gerade jene, die allen Ängste einzureden versuchen, die nicht im politisch korrekten Morast herumkriechen, nicht selbst von solchen zerfressen?

 

Da wäre etwa die allgegenwärtige Gefahr von rechts. Wer europäische Mainstreammedien konsumiert, bekommt den Eindruck, dass rechte Horden drauf und dran sind Städte, ja ganze Landstriche zu übernehmen. Ohne Unterlass warnen die politisch korrekten Toleranzwächter vor dem Wiederaukeimen des Nationalsozialismus. Adolf Hitler ist als untotes Schreckgespenst Dauergast in Medien, Schulen, Universitäten, Romanen, Debatten und  Theaterstücken, Ohne Unterlass wird die nationalsozialistische Vergangenheit »aufgearbeitet«. Die politisch korrekte Elite ruft: »Haltet den Dieb! « – um vor aller Augen Schritt für Schritt die Rechte und Freiheiten ihrer Untertanen einzuschränken. Und weil man in den vergangenen Jahren das politische Koordinatensystem immer weiter nach links verschoben hat, gilt alles was nicht mehr dezidiert links oder gerade noch als »politische Mitte« akzeptiert wird als rechts und das wiederum als rechtsextrem, denn zwischen diesen beiden Begriffen wird nicht mehr differenziert. Toleranz und Meinungsfreiheit sind in der EU offenbar unvereinbar.

 

Die linken Lemminge stört das nicht. Man fühlt sich wohl in der politisch korrekten Einöde und man pflegt und kultiviert seine Neurosen und Ängste. Die neosozialistische Avantgarde, die Grünen, haben es darin zur Meisterschaft gebracht, ihre leichtgläubigen Anhänger im Jahresrhythmus mit immer neuen Katastrophenszenarien in Angst und Schrecken zu versetzen. Den Gutmenschen wird immer etwas geboten. Das hat nicht einmal die katholische Kirche einst so geschmeidig hinbekommen. Gegen Claudia Roth oder Eva Glawischnig war selbst Pieter Brueghel der Ältere mit seinen Höllendarstellungen ein Anfänger

 

Einer der ersten großen Hypes der grünen Untergangspropheten waren das Waldsterben und der saure Regen. Danach ging es munter weiter: Atomkraft, Ozonloch, verseuchte Böden, Klimaerwärmung, Gentechnik oder Peak Oil. Erst in letzter Zeit tun sich die politisch korrekten Hirtenhunde etwas schwerer mit ihrem Gebell die Schafherde zu steuern.  Beim Feinstaub hat die ansonsten gut bewährte grüne Panikmache nicht mehr wie erhofft funktioniert. Selbst die gutgläubigsten Öko-Schafe sind angesichts des grünen Katastrophenstakkatos schon etwas abgestumpft.

 

Auch bei der Klimahysterie mussten die grünen Apokalyptiker zurückrudern. Man gibt es angesichts der seit Jahren stagnierenden Durchschnittstemperaturen etwas billiger. Die Mainstreammedien, die noch vor Kurzem unisono vor der Klimaerwärmung warnten, sprechen nur noch vom Klimawandel, auch vom Meeresspiegel, der zeitweise angeblich über 50 Meter ansteigen hätte sollen spricht kaum noch jemand. Aber keine Grund zur Panik. Denn das Reservoir an Katastrophen und Ängsten scheint unerschöpflich. Der durchschnittliche Mitteleuropäer, der dank Wohlstand, Wissenschaft, Schulmedizin, moderner Landwirtschaft, Lebensmittel- und Pharmaindustrie selbst bis ins immer höhere Alter gesund und vital bleibt, fürchtet sich vor einer Unzahl an Giften, Strahlen, Technologien, Lebensmitteln und Chemikalien. Für die wirklich gläubigen Ökos sind zudem auch Handys, Mikrowellen oder moderne Medizin oder Autos Teufelszeug.

 

Der politisch korrekte Mitläufer wird in dieser Öko- und Politik-Geisterbahn täglich unzähligen Gefahren, Katastrophen und Ängsten ausgesetzt. Das geht soweit, dass Deutsche und Österreicher angesichts des Fukushima-Zwischenfalls auf der anderen Seite des Erdballs in Panik gerieten. Vielen blieb angesichts der hysterischen Berichterstattung das Sushi im Hals stecken. Und als Japan vor kurzem die Olympischen Spiele für 2020 zugesprochen bekommen hat, war die erste Reaktion der deutschen und österreichischen Mainstreammedien: Und was ist mit Fukushima? Soviel zu den Phobien und Ängsten der »Rechten«.

 

Für den gut dressierten politisch korrekten Untertanen ist mittlerweile jede Technologie, die komplexer als die ca. 4.000 Jahre alten Windräder ist, eine potentielle Gefahr für die Umwelt und unseren Planeten. Nicht gerade die beste Einstellung um im globalen Wettkampf  mithalten zu können. Die allgemeine Technik- und Fortschrittsfeindlichkeit der Europäer wird fatale Folgen haben. Mit Psychotherapeuten, Streetworkern und Gender-Beauftragten wird es dauerhaft schwer sein, den Wohlstand in Europa zu erhalten.

 

Aber die Modernisierungsverlierer sind immer die anderen, die tumben »Rechten« die mit den rezenten Entwicklungen nicht Schritt halten können. Das gilt allerding nur solange, solange die europäischen Sozialstaaten all ihre politisch korrekten Handlanger mit Jobs in der Sozial-, Psycho-, Intergrations-, Bildungs- oder Asylindustrie versorgen können. Da trifft es sich gut, dass der gemeine Gutmensch von Ökonomie keinen blassen Schimmer hat, das erspart ihm seine Zukunftsängste. Dafür jagen ihm Gentechnik, Kapitalismus, Großkonzerne, CO2, Neoliberalismus, Eigenverantwortung oder Leistungsorientierung wohlige Schauer über den Rücken. Irgendwie lässt es sich mit den Ängsten vor weitgehend selbst erfundenen Gefahren doch leichter leben, man muss nur ganz fest die Augen vor den realen verschließen.

 

Werner Reichel ist Journalist und Autor aus Wien. Ende Jänner erscheint sein neues Buch  „Die Feinde der Freiheit“ (eBook/Kindle Edition)

 

13 comments

  1. waldsee

    wikipedia schreibt:
    “die jakobiner fanden ihre anhänger hauptsächlich
    in städtischen unterschichten”.
    und heute ? wären sie sicher auch fündig im speckgürtel großer städte.
    buchtip: die französiche revolution in augenzeugenberichten.

  2. Reinhard

    Wer die Macht bedroht wird eingelocht. Siehe den lupenreinen Demokraten Putin.
    Von Russland lernen heißt siegen lernen, liebe Genossen in Brüssel.

  3. Thomas Holzer

    “Farb-Voreingenommenheit” so dieses Wort von den EU-Bürokraten wirklich verwendet wird, finde ich sehr innovativ 😉
    Ist eigentlich ein Farbenblinder auch “Farb-voreingenommen”? Wird der dann auch umerzogen?

  4. Mourawetz

    Farb-Voreingenommenheit, was soll das bedeuten? Ist das politisch korrekt für rassistisch? Darf ja nicht wahr sein, dass man schon bald ein Wörterbuch braucht

  5. Thomas Holzer

    @Mourawetz
    Ja, anscheinend, weil “rassistisch” ist rassistisch 😉 zumindest laut “unseren” Volksvertretern und den von diesen beauftragten Rassismus-, Geschlecht-, Xenophobie-, Migrations- und was es sonst noch alles am staatlichen Fördertopf hängende “Experten/Forscher/Beauftragte” gibt.

    All das Steuergeld, daß in diese Einrichtungen fließt, ersatzlos streichen, diese ganzen Institute ersatzlos schließen, Parteien- und Klubförderungen abschaffen, das Schalten von Inseraten durch Bundes- und Landesregierungen verbieten, und das österr. Jahresbudget wäre fast ausgeglichen 😉

  6. Reinhard

    Aber bitte, Herr Holzer, wenn schon denn schon: Farbvoreingenommenheitsbeauftragter! 🙂

    Ist unser Bürgermeister eigentlich auch farbvoreingenommen, wenn er es als oberste Baubehörde ablehnt, ein Dach in einer anderen Farbe als ortsübliches Rot zu genehmigen?

  7. Thomas Holzer

    FabrvoreingenommenheitsbeauftragtInne!

    Das “Binnen “I”” zu vernachlässigen, wird bald strafbar sein, weil diskriminierend!

  8. gms

    Apropos “europäische Mainstreammedien” -> “Das selbstgerechte Milieu der Meinungspriester” von Andreas Kirschhofer-Bozenhardt
    diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/1544577/Das-selbstgerechte-Milieu-der-Meinungspriester

  9. caruso

    Ich finde all diese Verbote, das Binnen-I, Wortschöpfungen wie “Studierende”, pc usw. total blöd. Auch wenn manche von diesen einen guten Kern haben (man soll z.B wirklich nicht “Nigger” sagen, weil der Ausdruck sehr beleidigend ist), die Überwucherung entstellt die ursprüngliche Absicht. Hinter neue Wortschöpfungen steht viel zu oft Gleichmacherei, die ich in höchstem Maß als entwicklungsfeindlich, dadurch im Grunde als menschenfeindlich empfinde. Ja, die Rechte soll man bekämpfen (nicht aber die Konservativen!), und die Linken und Grünen mit ihrer Gleichmacherei und Verbotsmanie genauso.
    lg
    caruso

  10. Thomas Holzer

    @Caruso
    Verzeihung, aber ich erlaube mir, Ihnen eine kurze Vertiefung in die europäische Geschichte zu empfehlen. Mit einer halbwegs vorhandenen Unvoreingenommenheit sollten Sie zu der Erkenntnis gelangen, daß das, was heute landläufig als “rechts” bezeichnet wird, genauso links ist wie alles, was zu recht (sic!) als links bezeichnet wird. Der einzige Unterschied bestand und besteht darin, daß die sog. “Rechten”, welche in Wahrheit Linke waren/sind, den Sozialismus zuerst auf nationaler Ebene verwirklichen woll(t)en, die deklarierten Sozialisten die nationalen Grenzen gleich in der Realisierung des Sozialismus überwinden/abschaffen woll(t)en.

  11. world-citizen

    Will man wirklich etwas Sinnvolles gegen Intoleranz unternehmen, muss man die Rechte jener stärken, die Opfer einer solchen wurden.
    Intolerante Menschen erkennt man am besten durch zielgerichtete Provokation, denn wahrhaftig tolerante Menschen sind unprovozierbar.

  12. waldsee

    im text:
    “” Kampf gegen Intoleranz, vor allem im Hinblick auf Rassismus, Farb-Voreingenommenheit, ethnische Diskriminierung, religiöse Intoleranz, totalitäre Ideologien, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Antifeminismus und Homophobie«””
    ui, da gibts viel zu tun und wenn die gefängnisse voll sind muß jemand an abhilfe denken.(draht vom bauhaus zum aufhängen ist billig,muslime ,die im kopfabschneiden
    geübt sind erhalten eine anstellung….)

  13. waldsee

    @waldsee den ersten eintrag habe ich nicht geschrieben.
    aber das buch vor jahrzehnten verschlungen.

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