Die Kultur der Inflation

Von | 16. September 2015

(ANDREAS TÖGEL) Im Rahmen der heuer zum zehnten Mal in Bodrum über die Bühne gehenden Konferenz der von Hans-Hermann Hoppe ins Leben gerufenen „Property and Freedom Society“, hält der an der Universität von Angers lehrende Nationalökonom Guido Hülsmann, einen Vortrag zu obigem Thema.

Wie er bereits in seinem Buch „Krise der Inflationskultur“ ausführt, übt Geldinflation einen maßgeblichen Einfluss auf die politische und kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft aus. Kultur versteht sich in diesem Zusammenhang als „die Gesamtheit dessen, wie wir Dinge tun“. Diese wird durch Inflation verändert – etwa in Richtung einer zunehmenden Zeitpräferenz.

Hier eine Zusammenfassung seiner Ausführungen:

Hülsmann stellt zunächst die Definition der Inflation klar. Diese definiert sich als eine Zunahme der Geldmenge. Der von der Hauptstromökonomie als Inflation bezeichnete Anstieg des allgemeinen Preisniveaus dagegen ist lediglich eine Konsequenz aus der Steigerung des Geldangebots. Die durch den Geldmonopolisten betriebene Geldmengenausweitung hat drei Hauptkonsequenzen:

Erstens – durch den Cantillon-Effekt – die Schaffung einer Klasse von Profiteuren. Jene, die „an der Quelle“ sitzen und als erste über die neu geschaffene Liquidität verfügen, sind die Gewinner. Jene staatsfernen Kreise, zu denen das frische Geld zuletzt „durchsickert“, zahlen den Preis dafür: Ein unübersehbarer Redistributionseffekt – und zwar von unten nach oben (und/oder von der Peripherie ins Zentrum). Die Klasse der Profiteure steht von Vornherein fest. Solange es sich beim Geld um Warengeld (Edelmetalle) handelt, sind das die Regierungen und die in ihrem Auftrag tätigen Münzpräger. Inflation wird zu dieser Zeit über die Verringerung des Edelmetallgehalts der Münzen ins Werk gesetzt.

In der Zeit der aufkommenden Teilreservehaltung der Geschäftsbanken (Fractional-reserve-banking), die zunächst noch auf einer Edelmetallbasis beruht, gewinnt „Fiat-money“ zunehmend an Bedeutung. Damals (im 19 Jahrhundert) explodiert die Zahl der Bankenneugründungen und eine neue Klasse von Profiteuren tritt auf den Plan: Die Banker. Die staatsprivilegierte Klasse der Rechtsanwälte, Mediziner und Banker gewinnt entscheidenden Einfluss, sodass von einer von diesen gebildeten „Schattenregierung“ gesprochen werden kann. Regierungen wechseln (durch Wahlen oder Erbfolge), die neue Schattenregierung indes hat dauerhaft Bestand…

Die zweite Konsequenz inflationärer Geldpolitik, ist die Schaffung einer „Schuldenkultur“. Durch die Zunahme der (durch Verschuldung in die Welt tretenden) Geldmenge, kommt es zu einer drastischen Steigerung der wirtschaftlichen Instabilität. Bankenzusammenbrüche häufen sich. Eine Pleite von Bank A kann sehr leicht auch die Banken B und C in den Abgrund reißen. „Dominoeffekte“ treten gehäuft auf. Erstmals tritt das zuvor unbekannte Phänomen der „Bankenkrise“ auf.

Als Reaktion darauf finden Bankenfusionen oder Interventionen der Zentralbanken statt – mit dem Ziel, Bankenpleiten zu verhindern. Mit staatlich orchestrierten „Rettungsmaßahmen“ geht eine immer stärkere (staatliche) Regulierung des Bankensektors einher.

Die Auswirkungen krisenhafter Entwicklungen des Geldsektors gehen bis zum Zweiten Weltkrieg allerdings nicht über den Bereich der Geldwirtschaft hinaus. Die „Realwirtschaft“ bleibt durch deren Krisen bis dahin noch unbeeindruckt.

Danach jedoch beginnen turbulente Ereignisse im Bereich des Finanzwesens und insbesondere die fortwährende Inflationierung der Geldmenge, auch die Betriebe der produzierenden Wirtschaft zunehmend in Mitleidenschaft zu ziehen.

Zeigt das allgemeine Preisniveau bis dahin über einen Zeitraum von rund 150 Jahren hinweg eine fallende Tendenz (Preisdeflation), kehrt sich dieser Trend nun um. Ist bis dahin die Bildung von Ersparnissen attraktiv (die Kaufkraft des Geldes nimmt ja über die Zeit hinweg ständig zu), wird nun das Schuldenmachen als die intelligentere Strategie erkannt. Eine regelrechte „Schuldenkultur“ bildet sich aus. Die Anreize der Schuldenmacherei durchdringen jetzt alle Lebensbereiche und bestimmen insbesondere die Politik der (demokratischen) Regierungen. Die „Finanzialisierung der Wirtschaft“ ist die Folge. Selbst produzierende Unternehmen investieren mittlerweile einen immer größeren Teil ihrer liquiden Mittel nicht mehr länger in die Entwicklung des eigenen Betriebes, sondern in Finanzprodukte – in den USA zu etwa 40 Prozent.

Die starke Zunahme der Interdependenzen führt zu einer weiter steigenden Fragilität der Wirtschaft. „Ansteckungsgefahren“ nehmen drastisch zu.

Die zunehmende Unsicherheit der Wirtschaftsakteure hat zahlreiche Folgen. Eine davon ist die noch schneller verlaufende Urbanisierung. Sicherheit wird zunehmend in Ballungszentren erwartet, nicht mehr auf dem flachen Lande.

Die Feminisierung der Wirtschaftswelt ist eine weitere Konsequenz: Die bei Frauen im Vergleich zu Männern stärker ausgeprägte Risikoaversion, veranlasst viele auf der Suche nach mehr Sicherheit befindliche Großunternehmen, zu deren verstärkter Promotion an Spitzenpositionen.

Eine selten beachtete Begleiterscheinung der Zunahme allgemeiner Unsicherheit, ist die unübersehbare „Verhässlichung“ der Architektur. Wer infolge vermehrter Instabilität seine Zeitpräferenz erhöht, legt eben weniger Wert auf (optische) Qualität. Da alle Vermögenwerte so flüssig wie möglich gehalten werden müssen, steht schöne (und entsprechend teure) Architektur diesem Ziel im Wege.

Dritte Konsequenz permanenter Inflation – und deren folgenschwerste – ist die Zerstörung der Moral. Es gibt nun keine Sparanreize mehr. Die einst den heute existierenden Wohlstand begründende Sparkultur, wird systematisch unterminiert. An ihre Stelle tritt eine laufend zunehmende Konsumneigung. Damit einher geht ein immer größerer Verlust an Unabhängigkeit. Schuldner stehen letztlich in der „Knechtschaft“ ihrer Kreditoren. Das wiederum führt zum immer lauter ertönenden Ruf nach „hilfreichen“ Interventionen der Regierungen, der diese nur allzu gerne nachkommen, um ihre Macht bei dieser Gelegenheit noch weiter auszudehnen. Ergebnis ist die „kollektive Korruption“ der Gesellschaft.Rationalitätsfallen“ führen demnach zu immer stärkeren Anreizen, sich nicht länger mit produktiver Arbeit abzumühen, sondern lieber im Finanzsektor das Glück zu suchen.

Dadurch werden sämtliche überkommenen Moralvorstellungen auf den Kopf gestellt. Es kommt zum unauflöslichen Konflikt zwischen dem Bewusstsein, was eigentlich getan werden soll und dem, was man – aus rationalen Gründen – tatsächlich tut. Diese in der Inflation wurzelnden, offensichtlichen Widersprüche führen am Ende zur völligen Demoralisierung der Gesellschaft.

Geld gegen Souveränität – das ist der gegenwärtig laufende Deal. Das “Kreditkartenhaus“ kann indes nicht dauerhaft bestehen, weil die Zunahme der neu geschaffenen Werte mit der Aufblähung der Schuldensumme niemals schritthält…

Tagebuch

 

7 Gedanken zu „Die Kultur der Inflation

  1. elfenzauberin

    Diesen Ausführungen ist kaum etwas hinzuzufügen. Trotzdem erlaube ich mir den Verweis auf folgenden link:

    http://freedom-school.com/money/how-an-economy-grows.pdf

    Hier wird auf lehrreiche und unterhaltsame sowie beispielgebende Art und Weise dargestellt, wie Wirtschaft funktioniert. Wenn man das verstanden hat, weiß man mehr über Wirtschaft als so mancher WU-Absolvent.

  2. A.Felsberger

    Diesen Ausführungen ist kaum was hinzuzufügen? Höchstens: Dass sie vor Ahnungslosigkeit strotzen. Wie stellt man sich denn den Geldkreislauf vor? Woher kommt denn das Geld? Die Summe aller Unternehmen verschuldet sich (=Gelschöpfung aus dem Nichts) und schüttet Löhne an die Summe aller Arbeiter und Gewinne an die Summe aller Eigentüner aus. Dann kaufen eben diese Geldempfänger die von den Unternehmen produzierten Waren. Das Geld fließt von den Arbeitern und Eigentümern zu den Unternehmen zurück, diese decken ihren Kredit und das Geld verschwindet. Geld ist Kredit, der durch Rückfluss getilgt wird. Also nochmals: Zunächst Verschuldung der Unternehmen (=ausgeschüttetes Einkommen an Arbeiter und Eigentümer), dann Konsum (=Rückfluss des Geldes), schliesslich Tilgung des Kredits und Geldvernichtung. Daraus folgt unmittelbar, dass Geld bloß ein Verteilungsinstrument des realen Outputs ist. Gelsparen können die Haushalte exakt in dem Ausmass, in dem die Unternehmen langfristige Investitionsgüter (über Verschuldung) kaufen. Wenn die Haushalte über dieses “innere Maß” hinaus sparen, kommt es zu einem Ungleichgewicht auf den Gütermärkten: Die Unternehmen bleiben auf Waren sitzen, der Rückfluss des Geldes stockt, der Konkurs (=Geldvernichtung) der Unternehmen naht. Der Bankensektor ist in diesem Vorgang ein bloßer Intermediär. Und was ist Inflation? Eine Methode des Marktes um sich gegen Übersparen zu wehren. Wannimmer die Haushalte zu viel Geld sparen (über die Investition hinaus), wehrt sich der Markt durch Konkurs, Arbeitslosigkeit und Inflation, um die Haushalte zum Ausgeben des Geldes zu bewegen. Wer die Zeichen der Zeit nicht versteht, und das Geld weiter hortet, bleibt auf den nun wertlosen Kreditzeichen sitzen. Ein perfektes Gebilde, das nicht einmal schwer zu verstehen ist, wo aber der genannte Ökonom vollkommen scheitert…………

  3. elfenzauberin

    Wo das Geld herkommt?

    Geld ist ein Tauschmittel, ganz einfach. Sie brauchen zuerst einmal eine Wertschöpfung, dann erst gibt es Geld, die diese Werte repräsentieren. Die sog. Geldschöpfung aus dem Nichts verdanken wir den Etatisten. Die Folgen können wir uns 1. Reihe fußfrei ansehen.

  4. Andreas Tögel

    Um ein wenig Licht ins Dunkel der geldtheoretischen Vorstellungen Herrn/Frau Felsbergers zu bringen, ein paar Literaturempfehlungen zu diesem Thema:
    https://mises.org/library/theorie-des-geldes-und-der-umlaufsmittel, oder:
    http://www.amazon.de/Geld-Bankkredit-Konjunkturzyklen-J%C3%A9sus-Huerta/dp/3828205321, oder: http://www.amazon.de/Krankes-Geld-Therapie-globalen-Depression/dp/3935197942.
    Aber Achtung – in keinem dieser Werke sind Bilder zum Ausmalen enthalten!

    Sollten Sie indes dem monetären Voodoozauber, der in Ihrem Posting zum Ausdruck kommt, treu bleiben wollen, decken Sie ihren Wissensdurst getrost weiterhin aus “Heute”, Österreich” und dem “Standard”…

  5. FDominicus

    @Andreas Tögel
    Ich füge noch hinzu:
    Geldsozialismus von Roland Baader

    Meine Geduld mit A.Felsberger existiert nicht, man muß nicht völlig ahnungslos über Dinge schreiben. Gut zugegeben – man kann. Hier etwas von Ahnungslosigkeit zu schreiben und selber so etwas hinzuschreiben ist sagen wir mal – schwer bedauerlich.

  6. FDominicus

    Wer dem Felsenberger glaubt, der möge bitte folgende Seite ansteuern:
    http://de.tradingeconomics.com/

    Dort sich die Länder von Intersse anschauen. speziell von Pleitekandidaten wie Venezuela. Sich die dortige Inflationsrate und Zentralbankbilanz ansehen und dazu den Anstieg der Geldmenge. Wer dann noch so argumentiert wie Felsenberger, zeigt deutlich, daß er / sie es mit Fakten nicht so hat.

    Inflation ist immer und überall ein monetäres Problem und das monetäre System wird von Zentralbankeen und deren Staaten beherrscht. Punkt.

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