Die Lüge von der wirtschaftlichen Genesung der Griechen

“…..Wenn man unseren politischen Führern zuhört, in der EU und in Athen, wie sie über die griechische Wirtschaft sprechen, ist es leicht, sich (speziell, wenn man nicht in Griechenland lebt) zu der Täuschung mitreißen zu lassen, es sei die Stabilisierung eingetreten und der ersehnte Aufschwung stehe unmittelbar bevor. Wie auch Altmeister Joseph Goebbels sagte, beruht jede große Lüge auf vielen kleinen Wahrheiten. Auf Erdichtungen, die jedoch in ihrem Kern reale Fakten enthalten. Hier die fünf Wahrheiten über Griechenland, die eine große Lüge ergeben:” weiterlesen

9 comments

  1. FDominicus

    Es hat sich mal wieder gezeigt, wenn man primärer Überschuß liest, sollte man aufhören. Es kann nur noch Unfug kommen. Außerdem ist es doch klar, daß die Exporte einbrechen. Geld kann eben doch nicht beliebig oft ausgegeben werden. Was dort überhaupt kein Thema ist: Der immer noch gigantische Staat, die immer noch und wohl noch zunehmende Korruption.

    Das nächste was einen veranlassen sollte nicht mehr weiterzulesen. Der Staat xy geht wieder an die Kapitalmärkte. Das heißt ja nur und zwar ohne Ausnahmen, dieser Staat sy, gibt immer noch man mehr aus als er einnimmt. Und man will es ja offenbar nicht mit wirklichen Ausgabenkürzungen versuchen, sondern irgendjemanden finden der einem das alles ersts mal finanziert – bis zum nächsten Offenbarungseid.

  2. oeconomicus

    Für Griechenland gibt es nur einen Weg: Schuldenschnitt auf Null und raus aus dem Euro!

  3. Thomas Holzer

    @FDominicus
    “………………sondern irgendjemanden finden der einem das alles ersts mal finanziert – bis zum nächsten Offenbarungseid”

    In Österreich (OENB-Gouverneur Nowotny) heißt das “mündelsicher” 😉

  4. Reinhard

    Es ist das in Finanzkreisen hoch angesehene “bigger fool”-Prinzip. Egal, wie idiotisch viel Geld du für welch idiotisch wertlose Ware hinausgeschmissen hast, es gibt immer einen größeren Idioten, der sie dir für noch mehr Geld abkauft. Das Ergebnis ist die Blase und der letzte Idiot beißt in’s Gras.
    Mit geltungssüchtigen und damit geldsüchtigen Politikern haben die Banker den ultimativen Idioten gefunden, denn der bezahlt als einziger der Idioten nicht mit seinem eigenen Geld sondern jenem seiner Steuerknechte – der allergrößten Idioten auf dem ganzen Erdball!

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  6. Klaus Kastner

    Hier ist entweder dem Übersetzer oder Prof. Varoufakis ein Fehler unterlaufen: Griechenland ist natürlich meilenweit von einem Handelsbilanzüberschuss entfernt! 2013 deckten die Exporte gerade einmal 56% der Importe. Das ist zwar eine Verbesserung der 40-45% der letzten Jahre, aber immerhin noch eine ganz miserable Quote.

    Was hier gemeint (aber falsch ausgedrückt) ist, ist, dass 2013 die Leistungsbilanz zum ersten Mal seit Menschengedenken positiv war (Varoufakis sagt seit 1943; die griechische Notenbank hat mir gesagt, dass es seit der Unabhängigkeit 1832 noch nie einen Leistungsbilanzüberschuss gegeben hat). Richtig ist auch, dass dies vorwiegend (nicht ausschließlich!) auf gedrosselte Importe zurückzuführen ist. Richtig ist auch, dass dies eine Funktion der Kaufkraftabwürgung war. Man muss aber hinzufügen, dass der enorm gesenkte Zinsauswand auf die niedrigen Zinssätze bei den Hilfskrediten und auf den Schuldenschnitt zurückzuführen ist.

    Varoufakis, mit dem ich regelmäßig in Kontakt bin, ist ein brillianter und extrem eloquenter Vertreter der These, dass es sich hier nicht um ein Griechenland-Problem handelt, sondern um ein Problem der Eurozone; dass Griechenland nicht der Auslöser, sondern das erste Opfer der Eurozone war. Kurz und gut: die Troika hat aus Griechenland eine ‘failed nation’ gemacht.

    Dem ist entgegenzuhalten, dass Griechenland laut Transparency International der korrupteste und laut World Bank der unattraktivste Wirtschaftsstandort der EU ist. Außerdem ist Griechenland über weite Strecken des wirtschaftlichen, öffentlichen und politischen Lebens einem Entwicklungsland ähnlicher als einem Land der Ersten Welt. Diese Mängel können nur die Griechen selbst beheben. In einem solchen Umfeld kann eigenständige, wirtschaftliche Leistungskraft nicht entstehen. Das Hauptproblem der griechischen Wirtschaft ist ihre mangelnde Leistungskraft; eine Leistungskraft, die nie und nimmer jenen Lebensstandard ermöglicht, den die Griechen erwarten.

    Richtig ist, wenn Varoufakis sagt, dass die EU Griechenland helfen sollte, diese wirtschaftliche Leistungskraft aufzubauen. Im eigenen Interesse der EU, damit sie zumindest einen Teil ihrer Hilfskredite einmal zurückbekommt. Das geht allerdings nur dann, wenn Griechenland dazu bereit ist, all das zu tun, was für den Aufbau einer wirtschaftlichen Leistungskraft notwendig ist. Bisher ist diesbezüglich herzlich wenig geschehen. Die Partei SYRIZA, die möglicherweise in naher Zukunft an die Macht kommen wird, plant Vorhaben, die jedweden Aufbau einer griechischen wirtschaftlichen Leistungskraft in den Anfängen erwürgen wird. Varoufakis ist leidenschaftlicher Vertreter der SYRIZA und er meint, dass Alexis Tsipras nicht nur Griechenland neue Wege aufzeigen wird, sondern auch ganz Europa. Damit wären wir beim Grundproblem der griechischen Mentalität — dem Abgrund zwischen Wunschdenken einerseits und der Realität andererseits.

  7. FDominicus

    @Klaus Kastner. Und was wäre gewesen wenn man erst gar keine Kredite gewährt hätte. Ihr Vorschlag sagt ja: Wir haben da jetzt gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen und weil es so gut geklappt hat sollten wir noch mehr Geld da reinstecken um dann wenigstens etwas vorher Verlorenes wieder zu gewinnen. Es geht nicht um Griechenland, es geht nur darum die Eliten der diversen Länder zu schützen. Das ist alles….

  8. Klaus Kastner

    @FDominicus
    Ihre Frage “was ware gewesen, wenn?“ ist die Crux an der ganzen Eurozonen-Krise. Der Mai 2010 war der Sündenfall der EU. Nicht nur, dass sie ihre eigenen Verträge verletzt hat (no bail-out Klausel). Viel wichtiger ist, dass die EU gegen alle historischen Usancen und Präzedenzfälle bei Staatsschuldenkrisen verstoßen hat. Und am wichtigsten ist, dass sie das nicht nur aus Inkompetenz heraus, sondern aus bewußtem Ignorieren von Ratschlägen jener, die mit Staatsschuldenkrisen seit Jahrzehnten Erfahrung haben, gemacht hat.

    Von 2010-12 sind 247 Mrd.EUR an Hilfskrediten nach Griechenland geflossen. 41 Mrd.EUR davon blieben in Griechenland zur Finanzierung des Defizits; 206 Mrd.EUR gingen zurück an Banken.

    Die 41 Mrd.EUR waren nicht zu vermeiden gewesen. Jeder Staat, der Pleite geht, braucht zunächst einmal „Fresh Money“, um am Leben zu bleiben. Das ist Standard. Dazu gibt es den IWF.

    Die 206 Mrd.EUR hätte man nie und nimmer nach Griechenland schicken dürfen. Eines der Grundprinzipien bei finanziellen Umstrukturierungen, auch bei Staaten, ist, dass „risk takers must remain risk carriers“. Keinem der Kreditgeber dieser 206 Mrd.EUR hätte man einen Haircut aufzwingen sollen. Man hätte lediglich verlangen müssen, dass sie die Fälligkeiten ihrer Kredite und Zinsen weit in die Zukunft verlagern. Kurz: eine ganz normale Umschuldung unter Aufrechterhaltung der ursprünglichen Forderungen.

    Viele dieser Kreditgeber, die dann ihre Griechenland-Forderungen erheblich wertberichtigen hätten müssen, hätten das nicht geschafft. Die maroden unter ihnen (die sogenannten „Zombie-Banken“) hätte man einfach abwickeln müssen. Die anderen hätten wahrscheinlich Staatshilfe in Form von Rekapitalisierungen (d. h. Verwässerung der bestehenden Aktionäre) benötigt. Diese hätte man natürlich gewähren müssen, aber ich glaube nicht, dass man 206 Mrd.EUR dafür gebraucht hätte. Und am wichtigsten: der Steuerzahler hätte etwas für sein Geld bekommen — Eigentum an Banken. Bei späterer Re-Privatisierung dieser Banken hätte der Steuerzahler zumindest einen Teil seines Geldes zurückbekommen. Von Griechenland wird er diese 206 Mrd.EUR wohl kaum zurückbekommen. Letzteres wird ausschließlich davon abhängen, ob Griechenland es schafft, eine leistungsfähige Wirtschaft aufzubauen. Leider gibt es bisher keinerlei Anzeichen, dass Griechenland das schaffen kann, ganz zu schweigen davon, ob es willens ist, das zu schaffen.

    Griechenland hatte 2 Optionen, die Forderungen seiner Gläubiger („Troika“) zu erfüllen: den einfachen Weg (d. h. die archäischen Wirtschaftsstrukturen beizubehalten, das notwenige Geld jedoch von jenen aufzutreiben, die am wenigsten für die Euro-Party verantwortlich waren) oder den schwiergen bzw. mutigen Weg (d. h. die Wirtschaftsstrukturen zu ändern). Griechenland hat den einfachen Weg gewählt und damit die bereits geringe Leistungsfähigkeit der Wirtschaft noch mehr geschädigt. Die Troika ist dafür verantwortlich, dass sie Griechenland das gestattet hat. Der korrupte Staatssektor hat Griechenland in den Abgrund gesteuert, ist aber bisher mehr oder weniger geschützt geblieben. Den Großteil der Rechnung hat bisher der Privatsektor bezahlt. Das Verhältnis hätte umgekehrt sein müssen.

    Ihrem Kommentar zu den Eliten kann man nur hinzufügen, dass dies überall der Fall ist (die österreichischen politischen Eliten haben beschlossen, die HAA-Rechnung dem Steuerzahler aufzubürden). Der Unterschied bei Griechenland ist, dass die Eliten des Landes korrupt und Nutznießer eines korrupten Systems sind. Realisten müssen einsehen, dass man korrupte Eliten kaum auf demokratische Weise entfernen kann. Das würde von diesen Eliten erfordern, dass sie sich freiwillig selbst amputieren. Eher unwahrscheinlich. Die Troika hätte hier sicherlich etwas bewegen können, tat es jedoch nicht, weil jeder solcher Eingriff sofort als Verletzung der nationalen Souveränität aufgefasst worden wäre und Europas Gutmenschen hätten sich sofort auf die Seite der Griechen gestellt.

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