Die Medizin, die Politik und die Wahrheit

(MARCUS FRANZ)  Jeder Arzt ist dem Wohle des Patienten verpflichtet. Das schließt mit ein, dass er immer die diagnostische Wahrheit und die Anwendung der jeweils besten Therapiemethoden im Auge hat. Herum- oder Schönreden, Verzögern und den Problemen ausweichen führt stets zu einer Verschlechterung der medizinischen Situation, weil Unklarheiten entstehen und wichtige Maßnahmen zu spät ergriffen werden. Das “Schonen des Patienten” durch das Verschweigen der medizinischen Wahrheit ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll bzw. erlaubt – eben weil es so schädlich sein kann. Und “Primum nil nocere” ist seit jeher eines der obersten Prinzipien der Medizin: Das Wichtigste ist, dem Patienten nicht zu schaden.

Politik ist in gewisser Weise prinzipiell ähnlich zu sehen: Politiker sind dem Wohle des Volkes verpflichtet und sie müssten eigentlich die politischen Probleme genauso behandeln wie ein Arzt die medizinischen. Jeden Schaden vom Volk abzuwenden, das ist die Minimalanforderung an die Politik. Die Politiker haben daher die Aufgabe, die Dinge genau anzuschauen, sie beim Namen zu nennen und sie müssen versuchen, Situationen richtig einzuschätzen. Danach müssen sie überlegen, verantwortungsvoll handeln und vor allem die Folgen ihres Handelns bedenken. Und zwar nicht die persönlichen Konsequenzen für sie selber, sondern jene für das Volk, dessen Vertrauen sie bei einer Wahl demokratisch verliehen bekamen.

Doch leider funktioniert dieser Ansatz nur in einem idealistischen Gedankengebäude. Die reale Politik handelt über weite Strecken definitiv gegen die Grundsätze der Wahrhaftigkeit und sie missachtet allzu oft ihre Verpflichtungen dem Souverän gegenüber. Viele Politiker sind auch und vor allem in Demokratien zuallererst am eigenen Wohl interessiert, danach kommt erst das Volk. Legislaturperioden bzw. Regierungszeiten dauern meist nur 4 oder 5 Jahre, in dieser Zeit müssen vor allem Berufspolitiker danach trachten, ihre mittelfristige eigene Zukunft zu sichern.

Im Weiteren müssen alle diese von ihrer Klientel und einem gutem Standing in den Medien abhängigen Berufspolitiker nach den Pfeifen des Mainstreams tanzen, wenn sie in der Verantwortung sind. Da ist wenig Platz für rationales und zukunftsorientiertes Handeln und das Wohl des Volkes wird sofort gefährdet, wenn durch irgendeine Aktion oder eine Aussage ein vermeintlicher quick-win in den Medien erzielbar ist. Zu wenige politische Ausnahmegestalten haben die Authentizität, die Ehrenhaftigkeit und den Anstand, das Wohl der Nation glaubhaft als ihr Ziel zu vertreten und ihre Politik danach auszurichten.

Diese unerfreulichen Fakten haben uns den denkwürdigen Herbst 2015 beschert, als das Recht im Namen einer schnell herbei geredeten, scheinbar alles Gültige außer Kraft setzenden Humanität von den damals verantwortlichen Politikern umgangen und die Grenzen in Deutschland und Österreich für die herbeiströmenden anonymen Migranten-Massen geöffnet wurden, ja diese sogar explizit zu uns eingeladen wurden. Die Print- und TV-Medien überschlugen sich damals in Lobhudelei und Menschlichkeitsbeschwörungen aller Art. Diese angeblich durch die Humanität gerechtfertigte Umgehung der Gesetze sei “alternativlos” und man habe doch die Pflicht, zu helfen und ähnliches mehr war täglich zu hören und zu lesen.

Konservative und national orientierte Politiker (also die in den Medien so oft gescholtenen Rechten) übten damals schon heftige Kritik an diesem Zustand und an der geübten Vorgangsweise – europaweit allen voran der ungarische Regierungs-Chef Viktor Orban. Er wurde dafür in diversen linkslastigen Medien verdammt. Die innerösterreichischen Kritiker (wie der Autor dieser Zeilen und die Oppositionsparteien FPÖ und TS) natürlich auch, ebenso erfuhren zahlreiche, von der Grenzöffnung wenig begeisterte CDU- und CSU-Politiker viel negative Nachrede.

Mittlerweile ist das anders geworden. Dass die damals angeblich alternativlose und vom internationalen Humanitätsorchester konzertierte deutsch-österreichische Handlungsweise des Herbstes 2015 falsch und letztlich gar nicht human war, gilt heute mittlerweile als Konsens und gültiger Erfahrungswert. Niemand – ausser ein paar linke Hardliner – tritt heute noch für offene Grenzen und eine kritiklose, unkontrollierte Zuwanderung ein.

Freilich, post festum ist Kritik immer am leichtesten. Man kann sich natürlich auch einmal politisch irren und falsche Entscheidungen treffen, niemand ist unfehlbar. Die Situation war damals zweifellos nicht einfach. Allerdings wiegt der politische Fehler umso schwerer, weil die schon damals absehbaren Folgen heute kaum mehr zu kontrollieren sind und es schon vor der Entscheidung zur Grenzöffnung internationale Warnungen, harte Fakten und vor allem gültige Gesetze gab, welche die nämliche Politik als unvernünftig, rechtlich äußerst fragwürdig und schlecht für den Staat und Europa qualifizierten.

Neuerlich die Parallele zur Medizin: Man stelle sich vor, ein leitender Arzt weiß aufgrund neuer Erkenntnisse vor einem akut angesetzten Eingriff, dass dieser Eingriff bleibende Schäden hinterlassen wird. Er wird von anderen Kollegen dringend beraten, die OP so nicht durchzuführen, man solle und werde schleunigst Alternativmethoden anwenden. Das Ärzteteam diskutiert, man beschließt die Alternative und dann operiert der leitende Arzt im Alleingang doch nach der ursprünglichen, leider schädlichen Methode. Wie das menschlich und rechtlich weitergeht, ist jedem klar.

In der Politik hat so eine Handlungsweise für die verantwortliche Person höchstens die Abwahl zur Folge, wenn der nämliche Politiker nicht sowieso den Anstand hat, zurückzutreten. In Österreich hat es zwischenzeitlich so einen Rücktritt in Form eines Kanzlerwechsels und einige Vorschläge zur Neuregelung der Migrationspolitik und des Asylwesens gegeben. Man wird aber erst sehen, ob und wie die geplante Obergrenze eingehalten und eine eventuelle Grenzschließung durchgeführt wird. Und viele Bürger haben den Eindruck, man erfährt nicht alles über die wahren Zahlen und die Hintergründe, vor allem in den heiklen Bereichen wie Ausländer-Kriminalität oder bei Fragen über die vermutlich zahlreichen illegalen Untergetauchten vermuten viele Bürger eine Verschleierungstaktik.

Was aber am schwersten wiegt, ist das diagnostische und therapeutische Versagen der EU. Die Umsetzung einer nutzbringenden und breit abgestimmten europäischen Migrations- und Flüchtlingspolitik ist noch nicht einmal im Ansatz erkennbar. Vor allem, weil die sinnvollen Vorschläge des österreichischen Außenministers, der FPÖ und des ungarischen Regierungschefs sowie anderer kritischer Köpfe von einer relativ kleinen, aber offenbar sehr einflussreichen internationalistischen Lobby nicht goutiert werden und man in Brüssel weiter auf der Humanitätswelle surft.

Man ist dort selbst nach den wiederholten furchtbaren Terroranschlägen und nach dem auch durch die falsche europäische Migrationspolitik mitverursachten Brexit nicht in der Lage, die längst beschlossenen herkunftsnahen Hot-Spots zu errichten, man schafft es nicht, die Außengrenzen zu sichern und man bringt keine belastbaren Vereinbarungen zur Rückführung der europaweit hunderttausenden abgelehnten Asylwerber zustande. Damit wird neues Radikalisierungspotenzial geschaffen und die Sicherheit der Bevölkerung gefährdet. Ebensowenig ist eine Realisierung der Brüssler Idee, in Libyen Lager für straffällige Migranten zu errichten, absehbar.

Kurzum, die Wahrheit ist: würde die Medizin so agieren wie die Politik, wäre es um die Volksgesundheit ganz, ganz schlecht bestellt. Würden aber die Politiker mehr wie seriöse Mediziner handeln, wäre die endlose Krise vermutlich längst gelöst und die Gefahr gebannt.

6 comments

  1. Thomas Holzer

    “…………man schafft es nicht, die Außengrenzen……”

    Man will es einfach nicht!, Mit den Ressourcen, welche der EU und ihren Mitgliedsstaaten zur Verfügung stehen, wäre all dies inner einer Woche zu schaffen.

    Aber, wo kein Wille, da natürlich auch kein Weg.

  2. Gerald

    Mehr direkte Demokratie!
    Aber die Politiker meinen, dem Volk kann man diese Verantwortung nicht überlassen.
    Welche Verantwortung tragen denn die Politiker? Wurde jemals in der jüngeren Vergangenheit ein Politiker wegen seiner falschen Entscheidungen zur Verantwortung gezogen? Nein! Ganz im Gegenteil werden sie meist in Versorgungsposten gehievt und viele landen nach gezeigter Unfähigkeit in der EU.
    Dadurch wurde die EU zum Pool der Versager, allimentiert durch die ständig liefernden Versager- und Täuscherzuchtanstalten in den Mitgleidsstaaten, die nur ein Ziel haben: sich selbst zu bedienen und ihre Machtgelüsten zu befriedigen. Kontrolle gibt es dort keine mehr.

  3. aneagle

    Sinnvollere Verwendung der zur Verfügung gestellten Mitteln wäre schon mal ein Anfang. Statt die Caritas mit ca. € 90 pro Flüchtilant und Tag zu mästen, ist es wirtschaftlicher die Business Class der AUA für komfortable rasche Rückführungen in die Herkunftsländer der Migranten zu chartern und bis auf den letzten Platz auszulasten. Wenn schon Unternehmen mit Geld zugeschüttet werden, dann solche, die mit ihren Leistungen Österreichs Wohlstand mehren. Wer weiß, nimmt sich ja der Eigentümer Lufthansa ein Beispiel und die Geld-Spirale ändert ihre Richtung zum Besseren. 😉

  4. Lisa

    @Marcus Franz: Der europäische zivilisierte, konsumgierige, hedonistische, libertine Patient (Bürger) will doch die Wahrheit über seinen Zustand gar nicht wissen, denn das würde ihm Veränderungen und Einschränkungen abverlangen. Der kluge/gewinnorientierte Arzt (Politiker…) verschweigt aus Rücksicht auf den Patienten(Bürger) das Lungenkarzinom, denn die Diangose würde ihm schaden: weniger Genuss, weniger Freiheit, teure Operation statt teure Ferien, mühsames Nachdenken und Achtgeben und Mitarbeit bei der Therapie. So gewinnen beide: einträgliches Therapieren mit wechselnden Medikamenten bis zum Tode des Patienten und der geschonte Patient ists auch zufrieden, dass er so weiterleben kann wie er will. Auch bis zum Tode…

  5. Reini

    Würde ein Politiker Maßnahmen für einen gesunden Staatshaushalt umsetzten, … er würde keine Woche im Amt bleiben,… bzw. er würde gar nicht gewählt werden!

  6. Katrin Fischer

    Ein kleiner Hinweis noch zu “seriöse(n) Mediziner(n)”: Psychiater gehören nicht dazu. Weil sie keine biologischen Belege für die (vielen!) “Krankheiten” vorweisen können, die sie “diagnostizieren”. Man könnte die Psychiatrie als eine sich als Medizin tarnende Instanz der sozialen Kontrolle bezeichnen, die Gesinnungen erschnüffelt.
    Das, was wir auf privater Ebene alle gerne mal tun, nämlich über jemandes Gesinnung zu spekulieren und ihn so möglicherweise für verrückt zu erklären, macht die Psychiatrie ganz offiziell und mit staatlicher Genehmigung.
    Derzeit hat sich der deutsche Justizminister Maas psychiatrischer Methoden erinnert. Er gesinnungsschnüffelt auch. Natürlich nicht persönlich. Dafür hat er eine Stiftung. Aber er macht dasselbe wie die Psychiatrie: wer nicht in sein Weltbild passt, wird sanktioniert. Wer hingegen hineinpasst, wird gelobt und “fürsorglich” behandelt.
    Man sollte sich vor solchen Justizministern und vor solchen “Medizinern” in acht nehmen.

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