Die Neos, die OMV und weit und breit keine Liberalen

(A.UNTERBERGER) Keine Tragödie ist so schlimm, dass sie nicht schon wieder zur Komödie wird. Das ist die Groteske rund um die OMV nun endgültig geworden.
In dem – privaten Aktionären, der Republik Österreich und Fonds aus Abu Dhabi gehörenden – Ölkonzern werden derzeit ununterbrochen Vorstandsmitglieder abgeschossen. Was für die OMV nicht gerade billig ist. Und wobei niemand weiß, warum eigentlich.

Die lustigen Neos schickten nun ihren Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn an die Front, der erstens – an sich durchaus richtig – verlangt, die OMV dürfe „nicht zum Spielball der Politik verkommen“. Der aber gleichzeitig allen Ernstes daraus eine Forderung ableitete, welche der Politik erst recht die OMV und andere Staatsbeteiligungen als Spielball in die Hand gäbe. Er will nämlich, dass sich alle Kandidaten für dortige Aufsichtsratsfunktionen künftig einem Hearing durch einen – man höre: Parlamentsausschuss unterziehen müssen!

Diese köstliche Neos-Neo-Logik ist der Scherz der Woche. Lernt man die eigentlich, wenn man tagelang im Wald Bäume umarmt? Oder hält man das Parlament bei den Pinken etwa gar für eine unpolitische Institution?

In liberaler Alt-Logik hingegen ist das Chaos um ÖIAG und OMV geradezu der ultimative Beweis dafür, dass Unternehmen nie im Staatseigentum stehen sollten. Weil dort geradezu zwangsläufig Chaos, Intrigen und unsachliche Einflüsse stattfinden, was weder den Arbeitsplätzen im Unternehmen noch dessen Aktienkurs gut tut. Aber eine liberale Logik findet man halt derzeit nirgendwo.

Das Prinzip „Politik raus aus der Wirtschaft“ hat offenbar nur in den Schüssel-Jahren gegolten. Jetzt drängt die Politik wieder mit aller Macht hinein zu den Verstaatlichten Futtertöpfen.

Der Neos-Vorschlag ignoriert übrigens auch, dass die Mehrheit an der OMV gar nicht der Republik gehört. Eh schon wurscht. Politiker wollen halt immer noch mehr Macht für die politische Klasse. Liberal ist für sie nur ein Tarn-Wort. Und die katastrophalen Erfahrungen mit sämtlichen Staatsindustrien sind völlig unwichtig.

Im Übrigen hat sich mit dem OMV-Karussell auch wieder einmal die alte Investorenweisheit bestätigt: Keinen Cent in Unternehmen stecken, an denen auch ein Staat beteiligt ist!  (TB)

6 comments

  1. Ehrenmitglied der ÖBB

    Kommentar einer OMV Führungskraft zu Herrn R.: “Fachlich ist er sehr gut, aber als Mensch ein Problem”.
    Die Frage ist, was wiegt in einem Konzern mehr?

  2. Anton Aushecker

    Unterberger hat recht und auch nicht. Eigentlich gehört die ÖIAG entsorgt. Da dies aufgrund der herrschenden Mehrheitsverhältnisse unrealistisch ist, ist der Vorschlag, zumindest den Auswahlprozess zu objektivieren aber gar kein so ein schlechter. In Summe sicher besser als bisher, wo sich AK/ÖGB und WK den Laden unter sich ausgemacht haben.

  3. aneagle

    Die verlassenschaft der ehemals schwarzen fand doch tatsächlich die für sie passende farbe: blassrosa. Wenn diese “gemäßigten” staatspaternalisten in die regierungsbeteiligung kommen, werden dann in wien die radwege und die wenigen sitze in der u-bahn rosa eingefärbt?
    Und: grün + rosa ergibt trotzdem (ein etwas helleres) BRAUN.

  4. sokrates9

    Möchte wissen inwieweit der Abschuss von Roiss damit zusammenhängt dass er mit dem southstreamprojekt gegen die Interesse der EU verstoßen hat!

  5. Thomas Holzer

    @Anton Aushecker
    Die Parlamentarier mögen meinetwegen gegenseitige Anhörungen veranstalten, um sich ihrer eigenen “Wichtigkeit” zu versichern, frei nach dem Motto: Unbedarfte befragen Unbedarfte und urteilen über diese.
    Aber unbedarfte Parlamentarier darüber bestimmen zu lassen, wer ein Unternehmen führen darf, ist Schwachsinn, mit Verlaub.
    Wo wollen sich diese Unvermögenden nicht noch überall einmischen?!

  6. Christian Peter

    ‘Das Prinzip Politik raus in der Wirtschaft hat nur in der Schüssel Ära gegolten’

    aber auch nur weil sich die korrupteste Regierung der 2. Republik unter Schüssel mit Privatisierungen (BUWOG, etc.) die Taschen vollstopfte. Die meisten Beteiligungen wurden zu billig abgegeben.

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