Die optimale Währung für Europa?

Von | 10. August 2013

(A.TÖGEL)  Nur selten lohnt es sich, ein unter dem Eindruck aktueller Ereignisse geschriebenes Buch zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung zu lesen. Die Halbwertszeit vieler solcher Publikationen ist nämlich nur allzu kurz. Kaum geschrieben – schon von der Entwicklung überholt. Ganz anders das vorliegende, von Peter Altmiks vom Liberalen Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung herausgegebene Werk zur „optimalen Währung für Europa“. Im Angesicht der von einem Höhepunkt zum nächsten eilenden Verschuldungskrise im Jahr 2011 veröffentlicht, haben die darin enthaltenen Analysen bis dato nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Der Untertitel „Segen oder Fluch des Euro“ bringt den Inhalt des Buches auf den Punkt. Die fünf Autoren sind – wie der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark – allesamt hochkarätige Fachleute aus dem Finanzbereich.

Weitgehend einig sind sich die Herren bei der Beurteilung der aktuellen Krise als einer Schulden– nicht aber einer Währungskrise. Die Gemeinschaftswährung trifft nach ihrer Meinung keine Schuld an den ständig weiter eskalierenden Problemen der Gemeinschaft. Nur in einem Beitrag, nämlich dem von Pascal Salin, der von 1994 bis 1996 als Präsident der Mont-Pèlerin-Gesellschaft fungiert hat, wird für eine „marktwirtschaftliche Geldordnung“ unter den Bedingungen eines Währungswettbewerbs plädiert. In den übrigen konzentriert sich die kritische Analyse vorwiegend auf eine nicht ausreichend gründliche Vorbereitung der Währungsunion, sowie auf eine Serie eklatanter Vertragsbrüche, wie etwa die Nichteinhaltung der „Maastrichtkriterien“ im Hinblick auf die zulässige Höhe der Staatsverschuldung und die Übertretung des „No-Bailout-Principle“ nach Artikel 125 des Vertrages zur Arbeitsweise der EU. Die grundsätzlich unterschiedlichen Perspektiven von Deutschen und Franzosen (erstere messen der finanzpolitischen Autonomie der einzelnen Volkswirtschaften große Bedeutung bei, während letzteren eine zentral steuernde „Wirtschaftsregierung“ mit unbeschränkten Durchgriffsrechten vorschwebt), hätten von Beginn an für schwer überbrückbare Spannungen gesorgt.

Obwohl es durchaus vertragkonforme Möglichkeiten gegeben hätte, aus dem Ruder laufende Entwicklungen in einigen Ländern der Währungsunion abzustellen, seien diese – aus Gründen kurzsichtiger politischer Opportunität – nicht zur Anwendung gekommen. Das Hauptmotiv zur Einführung der Gemeinschaftswährung sei der Wunsch der politischen Eliten nach einer politischen Integration gewesen, obgleich es einen empirischen Beweis für die „friedensstiftende Wirkung“ eine Gemeinschaftswährung bis heute nicht gibt. Die mahnenden Stimmen der „Euroskeptiker“ („Der Euro kommt zu früh“ – Manifest von 155 Wirtschaftswissenschaftlern anno 1998) wurden einfach nicht gehört…

Die optimale Währung für Europa? Segen und Fluch des Euro

Peter Altmiks (Herausgeber) Olzog-Verlag 2011 138 Seiten, gebunden ISBN 978-3-7892-8333-8 € 24,90,-

3 Gedanken zu „Die optimale Währung für Europa?

  1. KClemens

    Na ja, um der Wahrheit die Ehre zu geben: Es war nicht die “politische Elite”, die den Euro wollte.
    Es war Helmut Kohl, der den Euro wollte und koste es auch was es wollte. So wollte er als doppelter “Einheitskanzler” (Wiedervereinigung und Euro) in die Annalen der Geschichte eingehen.

    Für einen wie Kohl, der einen Doktortitel in Geschichte hat, vermutlich die einzig treibende Kraft überhaupt jemals in die Politik zu gehen. Zur Mehrung des eigenen Ruhms, koste es das Volk, was es wolle.

  2. Christian Peter

    Publikationen der Friedrich-Naumann-Stiftung, Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland, sollte man als glühende EU- und Euro – Verfechter meiner Meinung nach nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken.

  3. Klaus Kastner

    Ob die Krise eine Schulden- oder Währungskrise ist, sollte man eher dahingestellt lassen, weil das zu Endlosdiskussionen führt. Man stelle sich jedoch folgende Frage:

    Hält es jemand für möglich, dass ein Drachme-Griechenland in den Jahren 2001-10 insgesamt 283 BEUR (netto) Fremdwährungskredite zu Niedrigstzinsen bekommen hätte? (ca. 1-1/2 mal die jährliche Wirtschaftsleistung). Irgendwo gibt es einen Grund, weshalb ein Land, dass vor dem Euro 5-7% mehr Zinsen für Fremdwährungskredite zahlen musste als Deutschland plötzlich diese Kredite fast zu den gleichen Konditionen wie Deutschland bekam. Irgendwo gibt es einen Grund, weshalb ein Land, das vor dem Euro 121 BEUR Auslandsschulden hatte, diese innert 10 Jahren auf 404 BEUR steigern konnte.

    Könnte der Grund sein, dass Griechenland plötzlich als grundsolides Land gesehen wurde, nur weil es Mitglied der Eurozone wurde?

    Faktum ist, die Finanzmärkte haben der no-bail-out-story von Anfang an nicht geglaubt. Sie waren sich sicher, dass kein Euro-Land insolvent werden könnte. Rückblickend muss man sagen, dass sie damit nicht so ganz unrecht hatten (Ausnahme: der griechische Schuldenschnitt, der ausländische Banken ca. 40-50 BEUR gekostet hat). Dank des Euro war halt doch noch Verlass auf die Steuerzahler!

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