Die perverse Logik der Finanztransaktions-Steuer

(KATHRIN NACHBAUER) Eine Finanztransaktionssteuer, wie sie nun diskutiert wird,  würde das Transaktionsvolumen, und damit logischerweise auch das Steueraufkommen stark reduzieren. Außerdem kann jeder Spekulant bequem ausweichen, wenn nur 11 Staaten mitmachen. Die Finanzwirtschaft ist die am stärksten globalisierte Branche überhaupt, Geld fließt in der Regel den einfachsten und vor allem steueroptimierten Weg. Eine Finanztransaktionssteuer für 11 Länder würde einfach bedeuten, dass die großen Devisen und Spekulationsdeals zukünftig eben über andere Finanzplätze abgewickelt werden. Wenn das kein weltweiter Plan ist, ist er jedenfalls sinnlos und beschädigt nur unseren Finanzplatz. Bemerkenswert ist auch, dass Derivate mit 0.01% deutlich weniger hoch besteuert werden sollen, als Aktien mit 0.1%. Die Realwirtschaft wird also wieder einmal mehr geschädigt, als die echten Spekulanten. Erinnert irgendwie an die österreichische Regierungspolitik, die die Bankensteuer letztes Jahr verdoppelt hat, aber den gesamten spekulativen Bereich mit Derivaten von der Bankensteuer ausgenommen hat.

 

Gescheiter wäre es, hochspekulative Geschäfte mit Steuergeld zu verbieten – warum spekuliert etwa die Stadt Wien mit Schweizer Franken Krediten, die jetzt mit 300 Millionen Euro höherer Verschuldung zu Buche schlagen – und die Schulden abzubauen, dann sparen wir uns jährlich rund 8 Milliarden Euro an Zinszahlungen. Die 700 Millionen Euro an Einnahmen durch die Finanztransaktionssteuer wirken im Vergleich geradezu lächerlich, den Schaden, den die Wiener Börse nehmen würde, noch gar nicht eingerechnet…

 

11 comments

  1. Thomas Holzer

    “Wenn das kein weltweiter Plan ist, ist er jedenfalls sinnlos…”

    Mit Verlaub: Und auch wenn diese Steuer weltweit eingeführt werden würde, ist sie falsch, wenn auch u.U. ertragsbringend

    “Gescheiter wäre es, hochspekulative Geschäfte mit Steuergeld zu verbieten”
    Eine wahre Liberallalallalla……..die Frau Nachbaur……
    1.) Warum sollen “hochspekulative Geschäfte” verboten werden?
    2.) Warum mit Steuergeld?
    3.) Wer entscheidet, was ein “hochspekulatives Geschäft” ist?
    Doch wohl nicht “unsere” demokratisch legitimierten Politikerdarsteller…..

    Die Politikerdarsteller sollten sich endlich zurücknehmen, und die Menschen Menschen sein lassen; aber wie das mit Darstellern halt so ist; sie wollen immer im Scheinwerferlicht stehen, egal ob ihre Rolle (staats)tragend ist oder nur eine eines Komparsen der vorletzten Reihe

  2. Walter Höller

    @Thomas Holzer
    Ich kann Ihnen nur zustimmen. Der Beitrag zeigt, dass Frau Nachbaur auf diesem Gebiet nicht sehr sattelfest ist. Ich schätze sie sehr, aber sie sollte sich nicht zu Themen äußern, von denen sie zu wenig versteht.

  3. Christian Peter

    ‘Außerdem kann jeder Spekulant bequem ausweichen; das würde bedeuten, dass die großen Devisen- und Spekulationsdeals zukünftig eben über andere Finanzplätze abgewickelt werden.’

    Das stimmt so nicht. Wo Finanzdeals abgewickelt werden, spiele keine Rolle, sofern es einen Bezug zu den 11 Ländern gibt. Selbst chinesische Banken, die in Hongkong deutsche Titel erwerben, werden diese Steuer bezahlen müssen.

  4. Thomas Holzer

    Wie diese Steuereintreibung z.B. die Deutschen in Hongkong durchsetzen wollen, darauf warte ich schon gespannt 😉

  5. Christian Peter

    @thomas holzer

    für alles gibt es Lösungen. Jedenfalls sah der ursprüngliche Entwurf der EU – Kommission vor, die Steuer bei allen Wertpapieren anfallen zu lassen, die in Europa (11 Länder) begeben wurden – völlig unabhängig vom Handelsplatz.

    In China und Hongkong existieren übrigens bereits Finanztransaktionssteuern. In Shanghai beträgt dieses 0,1 % für Käufer und Verkäufer, also insgesamt 0,2 %. In Hongkong werden 0,05 % auf Aktien und Aktien replizierende Derivate fällig.

  6. gms

    Kathrin Nachbauer: “Wenn das kein weltweiter Plan ist, ist er jedenfalls sinnlos und beschädigt nur unseren Finanzplatz. Bemerkenswert ist auch, dass Derivate mit 0.01% deutlich weniger hoch besteuert werden sollen, als Aktien mit 0.1%.”

    Die Steuer schädigt /jeden/ Finanzplatz und wäre auch in ihrer weltweiten Ausprägung ein völliger Holler. Die Vorstellung ist naiv, unser geschundener Kontinent käme besser davon, wenn sich der gesamte Globus ins Knie schießt.
    Bemerkenswert ist weiters tatsächlich die Besteuerung von Derivaten, bloß komplett anders, als obige Darstellung es einen glauben lassen soll, beziehen sich die 0.1% doch auf das Basisgeschäft (=Nominalwert), und nicht auf die tatsächlich gezahlte Summe. Auf eine KFZ-Vollkaskoversicherung übertragen hieße dies, die Steuer bemäße sich am Fahrzeugwert, nicht aber an der risiko- resp. marktbedingten Prämienhöhe.

  7. Thomas Holzer

    “In China und Hongkong existieren übrigens bereits Finanztransaktionssteuern. In Shanghai beträgt dieses 0,1 % für Käufer und Verkäufer, also insgesamt 0,2 %. In Hongkong werden 0,05 % auf Aktien und Aktien replizierende Derivate fällig.”

    So ich Sie richtig verstehe, heißt dies, daß z.B. der Handel mit DAX-Aktien in Singapore besteuert ist/wird.
    Wenn dem so ist, was lukriert der deutsche Fiskus?!

  8. gms

    Christian Peter,

    “Wo Finanzdeals abgewickelt werden, spiele keine Rolle, sofern es einen Bezug zu den 11 Ländern gibt. Selbst chinesische Banken, die in Hongkong deutsche Titel erwerben, werden diese Steuer bezahlen müssen.”

    Ja eh — weil auch Kuba eine Steuer auf global gehandelten kubanischen Rum zumindest fordern kann, die dann jeder Kneipenwirt und dessen Kunden irgendwo zwischen den beiden Polen der Erde an den Fiskus des Inselstaats abdrücken sollen. Vergleichbares begehrt man mit der FTS, bloß ist der dadaistische Ansatz dieser Schnapsidee trivial erkennbar und deshalb einer der Hauptgründe für die bisherige Nichtumsetzung. Offensichtlich muß der Unsinn weiteren und größeren Nonsens nach sich ziehen, ist doch ohne globalen Vollrausch nun mal nicht mehr als ein lokaler Brummschädel zu gewinnen.

  9. gms

    Thomas Holzer,

    > Wenn dem so ist, was lukriert der deutsche Fiskus?!

    Nach den Vorstellungen unserer Politclowns würden alle Firmen weltweit ihre Steuerschuld, die sich aus der hiesigen FTS und einer ihrer Bestimmungen ergibt, beim jeweils zuständigen europäischen Fiskus anzeigen und begleichen. Oder so halt irgendwie. Man wollte, das sei ein Scherz, aber das ist bislang der Stand der Debatte.

  10. Christian Peter

    @gms

    Der Quacksalber Nr. 1 auf ortneronline treiben schon wieder sein Unwesen. Dass Finanztransaktionen ab 2016 neben dem Niederlassungsprinzip auch nach dem Ausgabeprinzip besteuert werden, ist bereits beschlossene Sache. Danach wird sich die Steuer – völlig unabhängig vom Handelsplatz – auf alle in Europa emittierten Aktien erstrecken.

  11. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 15. März | Pipsologie

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