“Die Politik ist im Spektakel-Stadium”

Von | 4. Juni 2016

“…Insgesamt bemerkt man im aktuellen Parteiensystem, dass sich die gewachsenen Loyalitäten zwischen Wählerschaften und Parteien auflösen. Der Grund hierfür ist unter anderem darin zu suchen, dass die Politik seit Längerem, genauer seit den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts, ins Spektakelstadium eingetreten ist. Infolgedessen benehmen sich die Wähler nicht mehr so sehr als politische Ensembles, sondern wie ein Publikum…” (Peter Sloterdijk, hier)

7 Gedanken zu „“Die Politik ist im Spektakel-Stadium”

  1. Selbstdenker

    Das Problem ist meines Erachtens das Auseinanderfallen von
    – Ursache und Wirkung
    – Entscheidung und Haftung
    – Berichterstattung und tatsächlichen Sachverhalten
    – Wählerwille und Auswahlmöglichkeit
    – Wahl und Wahlergebnis

    Die degenerierte Demokratie wie wir sie heute kennen, gleicht der stillen Post, wobei die Informationsübertragung von einer durchwegs rot-grünen Zwischenschicht völlig verzerrt wird.

    Das eine Diktatur bzw.Technokratenregierung auch keine geeigneten Lösungen bietet, erkennt man sehr deutlich an der EU.

  2. Falke

    So ganz hat auch Sloterdijk die Motivation der “Flüchtlinge” sowie die finanzielle Katastrophe nicht erfasst. Er schreibt: “Bei den Leistungen des Sozialstaats ist es ähnlich … Zu denen haben naturgemäß auch Ausländer Zutritt, sobald sie Beiträge leisten”. Da täuscht er sich aber gewaltig: die ausländischen “Schutzsuchenden” haben vollen Zutritt zu den Sozialleistungen, auch wenn sie niemals auch nur einen Euro eingezahlt haben.

  3. gms

    Peter Sloterdijk im “Berliner”: ‘Die Sozialdemokratie geht offenbar wieder einmal an ihren eigenen Erfolgen zugrunde – in dem Augenblick, wo sie überall eingesickert ist, scheint sie in ihrer Originalgestalt überflüssig.’

    Man fragt sich, was dem wahrhaft guten Mann widerfahren ist, daß er nach seinen bisherigen grandiosen Abrechnungen mit dem Sozialismus sich zu obigem Kniefall herabläßt. (Eine mögliche Erklärung? – [1]).
    Schwach ist die Vermutung, er hätte jene auf die Sozialdemokratie gemünzten Erfolge zynisch gemeint, wenn er zugleich deren Wirken wider vormalig feudale Zustände preist und genuine Linke als Original bezeichnet, welches nun von Generika be- und verdrängt würde.

    Sloterdijk 2014: ‘Wenn die Anreger, Exekutoren und Interpreten der Blutbäder immerzu von Freiheit und Gleichheit, von Eigentum und Fortschritt, von Menschenrecht, Verfassung und Herrschaft der Vernunft reden, ja, wenn sie uns alle mit ihren Ansprachen momenthaft begeistern, so beweist dies nur, daß sie den Rhetorikunterricht des Teufels mit Erfolg besucht haben.’

    Wie kein anderer zeigte der deutsche Philosoph mehrfach und stringent das Wesen und Wirken linker Ungeister auf, das sich seit der französischen Revolution konsquent in realen und intellektuellen Blutbädern erschöpft und seine Kraft allein aberwitziger rhetorischer Verschwurbelungen verdankt, welche die damit Behandelten gleich lobotomierten Insassen von Irrenstalten zurückläßt. So ist ein drolliger Treppenwitz, wenn nun ausgerechnet in der aktuellen Causa Prima, der sogenannten Flüchtlingsdebatte, die Kritiker Sloterdijks nahezu durchgängig sich zuerst an dessen Wortgewalt reiben respektive seinen großen rhetorischen Aufwand behaupten, bevor sie sich um Inhaltlichen vorturnen.

    Kann man Sloterdiik Naivität nachsagen, wenn er wie in [1] den Zufall über den Plan stellt, etwas, das in der direkten Replik darauf [2] plausibel in Abrede gestellt wird? Sloterdijk weiß um die Dressierbarkeit des Menschen ebenso, wie um die Erfolge derer, denen zur Erreichung ihrer Ziele kein gehobelter Span zu groß sein kann. Nietzsche sagt, wer denken will, muß frieren lernen. Wer aber gleich der Volksmeinung annimmt, bei Merkels Willkommens-Propaganda handle es sich um eine Improvisation in letzter Minute, und Sloderdijk tut dies, verschafft sich damit bloß unzulässig Wärme [3], denn improvisiert war hierbei rein garnichts.

    [1] zeit.de/2016/11/fluechtlingsdebatte-willkommenskultur-peter-slotedijk/komplettansicht
    Primitive Reflexe. In der deutschen Flüchtlingsdebatte erleben Rüdiger Safranski und ich Beißwut, Polemik und Abweichungshass.
    [2] zeit.de/2016/12/fluechtlingsdebatte-peter-sloterdijk-philosoph-antwort/komplettansicht
    [3] migrationpolicy.org/research/understanding-creation-public-consensus-migration-and-integration-germany-2005-2015
    This Transatlantic Council on Migration report examines the 2005-15 period to provide answers, finding that Germany’s pro-immigration consensus was built on a foundation of economic growth, linkage between immigration and economic growth in public narratives, steady migration flows, and high investments in integration. That foundation likely safeguarded the country from political and public turmoil during the initial months of the migration and refugee crisis.

  4. mariuslupus

    Es ist immer schwierig die Probleme in dem System, in den man sozialisiert wurde, objektiv zu beschreiben.Das Problem ist nicht der Untergang der “Sozialdemokratie”, sondern dass dieser , von den Linken präsentierte Überschrift ein beabsichtigter Etiketenschwindel, ist. Die Sozialisten, ob rot oder braun, hatten und haben kein Interesse an Demokratie. Sozialismus ist per definitionem die Diktatur des Proletariats und das Ziel ist die Vernichtung der Ausbeuterklasse. (Ausbeuter ist der, der von den Sozis als Schädling bezeichnet wird – Kulak, Handwerker, Jude, Studierter, usw.)
    Dort wo Sozialisten dieses Vorhaben durchführen konnten, haben sie es auch getan. Die Gemeinsamkeit der Sozialisten war immer die Menschenverachtung. Erst nach dem die realsozialistischen Experimente mit Millionen von Toten und Verelendung ganzer Länder, gescheitert sind, haben die Sozialisten daraus gelernt. Und schon sind sie dem Beispiel Ludwig Erhards gefolgt, dass war der mit der sozialer Marktwirtschaft, und der Sozialimus hat sich die Demokratie einverleibt und vereinnahmt.
    Nur die Demokratie ist eher gutmütig und gutgläubig, und bevor sie verstanden hat, was die Sozis mit ihr vorhaben, lag sie schon mit den Sozis im Bett. Aber jetzt ist Frau Demokratie faul geworden und hat keine Lust dass gemachte Bett zu verlassen.
    Insgesamt, ein linker, reduktionistischer Ansatz. Das Problem ist nicht die herbeigeredete Krise der “Sozialdemokratie”, sondern der Untergang der Demokratie.

  5. Fragolin

    http://www.danisch.de/blog/2016/06/04/wie-die-eu-das-internet-und-die-meinungsaeusserung-regulieren-will/

    Und auch die Meinungsfreiheit stirbt. Wie schon länger von mir vermutet werden wir uns hier nicht mehr lange Meinungsäußerungen leisten können, die von den Blockwarten als Hate-Speech oder Discrimination eingestuft werden könnten. Politisch inkorrekt wird einfach kommentarlos gelöscht und der Poster sofort den Behörden gemeldet: das Regime lässt sein linksfaschistisches Gesicht immer mehr unter der Maske hervorblitzen. Bald kann es das ganz offen zeigen, denn jeder der dagegen anzuschreiben wagt muss mit der Härte des Regimes rechnen – und was das heißt, kann man inzwischen immer mehr Dissidenten fragen.

  6. astuga

    @Fragolin
    Solche Maßnahmen der EU wie auf nationaler Ebene dienen auch dazu genau jenes “migrationsfreundliche Narrativ” aufrecht zu halten wie es gms verlinkt hat.
    Wobei die positive Bezugnahme auf einen angeblichen “gesellschaftlichen Konsens” konstruiert ist, denn es gibt ja vielfältigen Widerstand in Deutschland gegen diese Politik, und in Folge auch Diffamierung und Psychoterror gegen die Refugee Welcome-Abweichler.
    Von Konsens kann da eigentlich keine Rede sein.
    Darum auch der Wunsch nach Deutungshoheit in den Medien und sozialen Netzen.

    [3] migrationpolicy.org/research/understanding-creation-public-consensus-migration-and-integration-germany-2005-2015

  7. Selbstdenker

    @mariuslupus:
    “…sondern der Untergang der Demokratie.”

    Die Linken tun das, was sie immer wieder tun, wenn sie den Karren an die Wand gefahren haben: sie suchen sich einen neuen und der Crash-Test kann wieder beginnen. Neuer Test – gleiches zu erwartende Ergebnis.

    Diesmal wird die Demokratie gegen die Wand gefahren. Dabei möchte ich hinweisen, dass nicht die Demokratie als Entscheidungsfindungsprozess gemeint ist, sondern das was man im allgemeinen Sprachgebrauch als westliche Demokratie bezeichnet: das Gesamtsystem aus Rechtsstaatlichkeit, demokratischer Willensbildung und individueller Freiheit.

    Die Arbeiterklasse wurde von den Sozis bereits auf das Abstellgleis geschoben. Ihre neuen Lieblinge sind nun alle Einwanderer in den Sozialstaat.

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