Die Politiker verstehen unser Leben nicht

“Die meisten Bundestagsabgeordneten sind nach der Schul- oder Unibank direkt in die Politik gegangen, manchmal über den kurzen Umweg des öffentlichen Dienstes. Eigene Erfahrungen in der Wirtschaft, Großunternehmen, Handwerk, Hand- oder auch nur andere körperliche Arbeit, Top-Wissenschaft oder anderen handfesten Berufen und Bereichen? Fehlanzeige…” (mehr hier)

One comment

  1. gms

    Bekanntermaßen gehören Politiker und Journalisten zu den sog. Chattering Classes. Honoriert man Henryik M. Broders Diktum, wonach er kein Ei legen müsse um zu wissen, wenn eines faul ist, und überträgt den Sager auf Politker, so bleibt diesen bestenfalls die Oppositionsrolle zu sich selbst übrig.

    Statt dessen aber regieren die Chattering Classes, deren verbindendes Wesensmerkmal das Fehlen nennenswerter Eingebettetheit in die von ihnen behandelten Fragestellungen ist. Wer aber eigene Fehler nicht hautnah spürt, sich im Versagensfall auf eine undurchdringbare Komplexität der Aufgabenstellung ausreden, oder noch besser – das eigene Wirken ohne Notwendigkeit des Beweises einem fiktiven größeren Übel gegenüberstellen kann, der hat beruflich den perfekten Royal-Flash in der Hand.

    Es mag schon sein, daß Menschen mit Erfahrung abseits von Gefilden, in denen das Wort mehr zählt als die Tat, bessere Gesetze zustandebrächten. Doch Notwendiges ist nun mal nicht hinreichend. Solange schlechte Politik deren Betreibern selbst nicht zum Nachteil gereicht, und zugleich die Meinung aufrecht bleibt, gute Politik sei mehr als das geordnete Ausverhandeln einiger weniger grundlegender Sachverhalte, solange wird der Homo politicus auch weiterhin die Wege seiner Mündel durchkreuzen mit den hohlen Argument, eine komplexer werdende Umwelt erfordere weitere Eingriffe.

    Bessere Politiker, oder doch viel eher weniger Politik? Sonderbarer Weise gewann in Deutschland Merkel ohne Programm die letzte Wahl. Dasselbe Nicht-Programm ist die Folge des letzten Wahlausganges hierzulande. Wissentlich oder unwissentlich hat man in beiden Ländern “Bloß keine Wellen!” angekreuzt, und, als wollte man auf Nummer sicher gehen, wurden jene fürs sprichwörtliche Durchspülen des Staates votierende Parteien (FDP und BZÖ) aus den Volksvertretungen expediert.

    Die Lektion daraus? – Der Volksfrosch will lieber langsam auf kleiner Flamme gekocht werden, als sich den Mühen des Kaltwassers zu unterziehen. Man verzeihe den Pessimismus, aber bessere Köche würden die Speise vielleicht anders zubereiten, doch solange dessen Hauptzutat unverändert bleibt, verliert sich selbst berechtigte Politik an lebensfremden Politkern auf Nebenfeldern. Erst wenn der Bürger selbst den Löffel in die Hand nimmt und damit zwangsweise seine eigene kleine Küche betreibt, aufdaß falsche Rezepte nicht mehr das Lokal des Nachbarn ruinieren, besteht Anlaß zur Hoffnung.

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