Die Priesterherrschaft der Desinformationsexperten

(JOSEF STARGL) Zahlreiche Desinformationsexperten der Bewusstseinsbildungsindustrie (Bildungseinrichtungen, Kulturinstitutionen und Medien) geben (absichtlich) permanent (falsche) Antworten auf ungestellte Fragen.
Auch Lehrer, „Staatskünstler“ und Journalisten verfügen als unvollkommene Menschen „nur“ über ein unvollkommenes Wissen, können irren und machen Fehler.
Die Desinformationsexperten ermutigen die Bürger nicht dazu, Fragen zu stellen. Antworten können aber nur verstanden werden, wenn auch Fragen erkannt und gestellt werden.

Eine Frage zeigt Offenheit, signalisiert Neugier und Lernbereitschaft und setzt Lernprozesse in Gang. Es ist vermutlich besser, Fragen zu kennen statt Antworten. Mit Fragen kann man Antworten prüfen und widerlegen lernen. Fragen können vermeintliches Wissen überprüfen helfen, falsche Sicherheiten und eingebildete Gewissheiten zerstören, Irrtümer aufzeigen und zur eigenständigen Suche nach Wahrheit anregen. Es ist möglich, in Fragen bereits Gedanken/Hypothesen zu entwickeln und damit andere Ideen zu kritisieren.

Zahlreiche Menschen schenken einer Frage mehr Aufmerksamkeit als einer Feststellung. Wer Fragen stellt, der kann auch erkennen, dass die Menschen gerne antworten.
Fragen ermöglichen eine Verbindung einer dialogorientierten Erkenntnis – und Lerntheorie mit einer Ethik der personalen Begegnung. Wenn Fragen im Dialog gestellt werden, dann zwingen sie den Gesprächspartner, zu überlegen ehe er antwortet. Fragen sind eine Aufforderung zum Nachdenken, ein Ansporn, Probleme selbst anzupacken und zu einem eigenständigen Urteil zu gelangen. Sie führen hin zur Selbsterkenntnis, zu einem Wertebewusstsein, zur Selbstkultivierung und zur Persönlichkeitsbildung.

„Fragende“ können nicht nur Informationen sammeln und Neuigkeiten erfahren. Ihre Fragen bestimmen auch den Gesprächsverlauf mit und vermitteln (neue) Ideen.
Mit Fragen können Missverständnisse aufgeklärt, Unklarheiten beseitigt und Einwände entkräftet werden. Es ist mit Fragen möglich, Irrtümern tolerant zu begegnen, anderen bei der Lösung eines Problems zu helfen, aber auch selbstständig zur Korrektur von Irrtümern zu gelangen. Fragen sind ein Teil des geistigen Wettstreites, aber auch ein Impuls für eine gemeinsame Suche nach besseren Lösungen für konkrete Probleme.

Warum ignorieren zahlreiche Desinformationsexperten die Fragen, die sich vor allem die Bürger in ihrem Alltagsleben/Berufsleben stellen?
Die Bürger lernen, indem sie konkrete Fragen stellen und durch Irrtümer hindurchgegen.

Ohne Hintergrundwissen können keine Fragen gestellt werden. Aber ohne Fragen kann auch kein Hintergrundwissen aufgebaut/können auch keine Irrtümer überwunden und Erkenntnisfortschritte erzielt werden.

Eine Bevormundung und Infantilisierung der Bürger durch eine „Priesterherrschaft der Desinformationsexperten“ ist abzulehnen. Die Bürger haben die Freiheit, Fragen zu stellen.
Haben wir doch mehr Mut als bisher, die Fragen, die konkreten Antworten, die Irrtümer und die Widerlegungen der Bürger als geistige Leistungen und Lernfortschritte in der „veröffentlichten Meinung“ zuzulassen.

5 comments

  1. Rupert Wenger

    “Priesterherrschaft der Desinformationsexperten” ist absolut treffend, die Methode von Platon für Fragende und Befragte aber ziemlich fordernd! Einfacher, weniger anstrengend, aber auch weniger wirkungsvoll ist die frontale Beschießung mit Textbausteinen aus der eigenen Weltanschauung.

  2. Manfred Moschner

    @astuga:
    Absolut richtig – Großbritannien wird auch nach dem Brexit noch am Abgrund stehen; während die EUdSSR schon längst gesprungen sein wird. Als wieder freies Land muß Großbritannien nicht nachspringen …

  3. astuga

    Hm, eher schon hopsen sie uns voraus.
    Tatsächlich haben sie manche Fehlentwicklungen vorweg genommen.
    Waren die Briten doch zB. mit die vehementesten Fürsprecher für einen Betritt der Türkei, auch der bei youtube thematisierte Irrsinn ist ausschließlich auf ihrem eigenen Mist gewachsen.
    Ebenso die ganzen Terroranschläge, Muslim-Grooming gangs und Polit-Päderasten (mit Verbindung zu Regierung und Königshaus) waren nicht der EU geschuldet.

    Aber das alles wäre jetzt dann tatsächlich eine eigene Diskussion.

  4. Marianne Gollacz

    Ein interessantes Thema.
    Kinder sind neugierig und sobald sie reden können, stellen sie Fragen. Wenn Eltern dies nicht unterbinden, indem sie die Kinder z. B. unterhalten lassen, hört das Fragenstellen (Infragestellen) nie auf. Als Elternteil kann man seine Kinder als Lehrmeister sehen, sie fordern einem dazu auf, sich mit verschiedenen Themen auseinanderzusetzen.
    Die Auseinandersetzung mit Religionen halte für sehr wichtig, weil Religionen wenig mit Spiritualität aber viel mit Manipulation zu tun haben. Es kann ein Schutz für Jugendliche und Erwachsene vor der Verführung durch “Ersatzreligionen” sein…

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