Die Re-Infantilisierung des griechischen Wählers

“Der Sieg der Linken in Athen wird als Akt der Emanzipation gefeiert. Tatsächlich zeigt er die Re-Infantilisierung eines großen Teils der Wählerschaft: Sie reagiert auf Zumutungen der Gegenwart mit Trotz und Abwehr” (hier)

8 comments

  1. Herr Karl jun.

    Die Griechen haben jahrzehntelang jenigen gewählt, die ihnen am meisten versprochen bzw. geboten haben. Die Politiker wurden unschlagbare Profis darin, immer neue Luftschlösser zu bauen; sie betrieben moral hazard auf eine fast gemütlich-sympathische Art und Weise, auch wenn sie das Land dabei zu einem der korruptesten Länder Europas machten. Letzten Sonntag haben die Griechen wieder einmal den Meistbietenden mit den schönsten Luftschlössern gewählt. Doch es gibt Unterschiede zu früher: Diesmal waren die Luftschlösser der Stimmenkäufer noch luftiger und grösser und diesmal waren sie erstmal unverhohlen aggressive, fast kriesghetzerisch, bedienten schamlos billige Vorurteile und blendeten ihre eigene Geschichte bei ihrem Desater völlig aus. Das verspricht nichts Gutes.

  2. cmh

    Bitte jetzt kein Griechenbashing.

    Leben wir nicht in einem LAnd, in dem die Qualtiät der politischen Arbeit durch die Schaltung von Bestechungsinseraten gemessen wird? In dem Staatsschulden nichts machen, wiel die ja “rolliert” werden können und damit jeglicher Zusammenhang von Schuld und Rückzahlungsvereinbarung dem “gerollten” Wähler vernebelt wird. In dem die Pensionen wohl auf ewig sicher sind. IN dem Geldverleihen an notorische Verschwender als “GEschäft” bezeichnet wird. Bei meiner Ehr!

    Nein, wir haben kein Recht, den Griechen am Zeug zu flicken.

  3. michelle

    wie immer ausgezeichneter Kommentar ! stellt die reale Situation ins rechte (hier wohl linke) Licht.

  4. Fragolin

    @Herr Karl jun.
    In jedem stellverterterdemokratischen Staat werden immer nur diejenigen gewählt, die die größten Versprechungen machen. Jedem Wähler ist immer das Hemd näher als der Rock. Das ist systemimmanent und hat nichts mit Griechen zu tun.

  5. Rennziege

    28. Januar 2015 – 09:17 cmh
    “Nein, wir haben kein Recht, den Griechen am Zeug zu flicken.”
    Stimmt. Erschwerend kommt hinzu, dass unsere Alpenrepublik immer noch in einem Atemzug mit Nord-Euro und einigermaßen solide wirtschaftenden EU-Ländern genannt wird. Obwohl Österreichs Verschuldung unaufhörlich anschwillt, wenn nicht eh schon so kriminell und ungeniert wie die der Griechen. Unsere Politiker bauen ja ebenso auf verwöhnte Beamtenheere, Frührentner, Transferleistungen an jedermann, der das Maul aufsperrt, Bestechung der Medien, etc. (Lediglich die Steuerschraube kann den Danaern das Wasser reichen, vernichtet aber Arbeitsplätze sonder Zahl.)

  6. Herr Karl jun.

    @ Fragolin, cmh
    Griechen-Bashing? Vielleicht sollte man unsere liberale Weit- und Großherzigkeit doch besser für anderes reservieren als für ein politisch derart verottetes System wie das in Griechenland. Im Übrigen ist dieses System ja nicht schicksalhaft über das Land hereinbgebrochen, sondern es wurde über Jahrzehnte in allen seinen Verästelungen sorgfältig “entwickelt” und fortgesetzt gewählt und wiedergewählt und wiedergewählt.
    Auch am Sonntag gaben die Griechen ihre Stimme recht eindeutig dem “Meistbietenden”. Meine griechischen Freunde: λυπάμαι αλλά – darauf hinzuweisen werdet ihr euch gefallen lassen müssen.

  7. Fragolin

    @Herr Karl jun.
    Sie haben ja Recht. Aber unser System ist um nichts besser. Unser Wahlverhalten auch nicht. Warten Sie’s ab, die Grauslichkeiten der nächsten Jahre werden noch interessante Seiten des Wählerverhaltens an’s Tageslicht bringen.

  8. H.Trickler

    Ich sehe den Kindergarten eher beim Spiegel-Autor. Anstatt eine angemessene Zeit zu warten bis es sich herausstellt, was die neue Regierung nun tatsächlich beschliesst, wird schon auf Vorschuss gelästert was das Zeugs hält.

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