Die Rede des israelischen Ministerpräsidenten

Hier für alle, die es interessiert, die kontroversiell diskutierte Rede des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu vor beiden Häuser des US-Kongresses im Wortlaut: Liebe Freunde, die Möglichkeit, ein drittes Mal vor dem wichtigsten gesetzgebenden Organ der Welt – dem amerikanischen Kongress – sprechen zu dürfen, bewegt mich tief. Ich danke Ihnen allen, dass Sie heute hier sind. Ich weiß, dass es zahlreiche Kontroversen darum gab, dass ich hier rede. Und ich bedauere zutiefst, dass das von einigen als politischer Schritt empfunden wird. Das war nicht meine Absicht.
Ich möchte Ihnen, Demokraten und Republikanern, für Ihre gemeinsame Unterstützung, die Sie Israel Jahr für Jahr und Jahrzehnt für Jahrzehnt entgegengebracht haben, danken. Ich weiß, dass Sie – egal, auf welcher Seite Sie sitzen – zu Israel stehen. Die bemerkenswerte Allianz zwischen Israel und den Vereinigten Staaten stand immer über der Politik. Und sie muss immer über der Politik stehen. Denn Amerika und Israel teilen ein gemeinsames Schicksal, nämlich das Schicksal eines verheißenen Landes, das die Freiheit schätzt und Hoffnung bietet. Israel ist dankbar für die Unterstützung der Amerikaner und der amerikanischen Präsidenten – von Harry Truman bis hin zu Barack Obama.

Wir wissen alles zu schätzen, was Präsident Obama für Israel getan hat. Nun, einiges davon ist allgemein bekannt. So manches ist allgemein bekannt, wie die Stärkung der Sicherheitskooperation, der Informationsaustausch sowie die Ablehnung antiisraelischer Resolutionen der Vereinten Nationen.

Einiges davon, was der Präsident für Israel getan hat, ist weniger bekannt. Ich rief ihn im Jahr 2010 an, als der Waldbrand im Karmelgebirge ausgebrochen war, und er reagierte sofort bereitwillig auf meine Bitte um dringende Hilfe. 2011 war unsere Botschaft in Kairo belagert worden, und erneut bot er wichtige Hilfe im entscheidenden Moment. Oder seine Unterstützung für mehr Raketenabwehrbatterien während unserer Operation im vergangenen Sommer, als wir mit Hamas-Terroristen im Kampf waren. In all diesen Momenten rief ich den Präsidenten an, und er war da.

Und manches davon, was der Präsident für Israel getan hat, wird vielleicht nie bekannt werden, weil es einige der sensibelsten und strategischsten Fragen berührt, die zwischen einem amerikanischen Präsidenten und einem israelischen Ministerpräsidenten aufkommen können. Aber ich weiß davon, und ich werde Präsident Obama für diese Unterstützung immer dankbar sein.

Und Israel dankt Ihnen, dem amerikanischen Kongress, für Ihre Unterstützung. Dafür, dass Sie uns in vielerlei Hinsicht, vor allem durch großzügige Militärhilfe und Raketenabwehr, darunter die „Eiserne Kuppel“, unterstützt haben. Im vergangenen Sommer wurden Millionen Israelis vor tausenden Raketen der Hamas beschützt, weil diese wichtige Kuppel half, unsere „Eiserne Kuppel“ aufzubauen.

Danke Amerika. Danke für alles, was Sie für Israel getan haben.

Liebe Freunde,

ich kam heute hierher, weil ich als Ministerpräsident Israels eine tiefe Verpflichtung fühle, mit Ihnen über ein Thema zu sprechen, das das Überleben meines Landes und die Zukunft meines Volkes gefährden könnte: Irans Streben nach atomaren Waffen.

Wir sind ein uraltes Volk. In unseren fast 4000 Jahren Geschichte versuchten viele immer wieder, das jüdische Volk zu vernichten. Morgen Abend, beim jüdischen Purim-Fest, werden wir das Buch Esther lesen. Wir werden über einen mächtigen persischen Statthalter namens Haman lesen, der vor rund 2500 Jahren ein Komplott schmiedete, um das jüdische Volk zu vernichten. Aber eine mutige jüdische Frau, Königin Esther, deckte das Komplott auf und gab dem jüdischen Volk das Recht, sich gegen seine Feinde zu verteidigen. Das Komplott wurde vereitelt. Und unser Volk wurde gerettet.

Heute ist das jüdische Volk erneut mit einem Vernichtungsversuch eines persischen Herrschers konfrontiert. Irans oberster Führer Ayatollah Khomeini sprüht vor uraltem Hass. Dem uralten Hass von Antisemitismus mit neuester Technologie. Er twittert, dass Israel vernichtet werden muss – er ist es, der das twittert. Sie wissen sicher, dass es in Iran nicht gerade ein freies Internet gibt. Aber er twittert auf Englisch, dass Israel zerstört werden muss.

All jene, die der Meinung sind, dass der Iran den jüdischen Staat bedroht, aber nicht das jüdische Volk, sollten sich den Hisbollah-Führer und stellvertretenden Chefterroristen Irans, Hassan Nasrallah, anhören. Er sagte: Würden sich alle Juden in Israel versammeln, würde es uns die Mühe ersparen, auf der ganzen Welt nach ihnen zu jagen.

Aber das iranische Regime ist nicht nur ein jüdisches Problem, wie auch das Nazi-Regime nicht nur ein jüdisches Problem war. Die von den Nazis ermordeten sechs Millionen Juden bilden einen Bruchteil der 60 Millionen Menschen, die im Zweiten Weltkrieg getötet wurden. Ebenso stellt das iranische Regime nicht nur für Israel, sondern auch für den Frieden auf der ganzen Welt eine große Gefahr dar. Um zu verstehen, wie gefährlich ein atomar bewaffneter Iran wäre, müssen wir die Natur dieses Regimes voll und ganz verstehen. Die Iraner sind sehr talentierte Leute. Sie sind Erben einer der weltweit größten Zivilisationen. Aber 1979 wurden sie von religiösen Fanatikern gekidnappt, von religiösen Fanatikern, die ihnen sofort eine düstere und brutale Diktatur aufzwangen.

In jenem Jahr entwarfen diese Fanatiker eine Verfassung: eine neue Verfassung für den Iran. Diese ordnete den Revolutionsgarden nicht nur an, Irans Grenzen zu schützen, sondern auch die ideologische Mission des Dschihad zu erfüllen. Der Gründer des Regimes, Ayatollah Khomeini, gemahnte an seine Anhänger, „die Revolution auf der ganzen Welt zu verbreiten“.

Ich stehe hier in Washington, D.C., und der Unterschied ist mehr als deutlich. Amerikas Gründungsdokument verspricht Leben, Freiheit und das Streben nach Glück. Irans Gründungsdokument schwört auf Tod, Tyrannei und das Streben nach dem Dschihad. Und während ganze Staaten im Nahen Osten kollabieren, dringt der Iran in diese Leere vor, um genau das zu tun.

Irans Rowdys in Gaza, seine Lakaien im Libanon und seine Revolutionsgarden auf den Golanhöhen umklammern Israel mit drei Terror-Tentakeln. Unterstützt vom Iran, schlachtet Assad die Syrer. Unterstützt vom Iran, toben schiitische Milizen durch den Irak. Unterstützt vom Iran, reißen Huthis die Kontrolle des Jemen an sich und bedrohen die strategische Meerenge an der Mündung des Roten Meeres. Zusammen mit der Straße von Hormus, würde das dem Iran eine zweite Klemme für die weltweite Ölversorgung in die Hand geben. Gerade vergangene Woche hielt der Iran in der Nähe von Hormus ein Marinemanöver ab, bei dem das Modell eines US-Flugzeugträgers in die Luft gesprengt wurde. Das war gerade vergangene Woche, während der Iran Atomgespräche mit den Vereinigten Staaten führte. Leider aber waren die iranischen Angriffe auf die Vereinigten Staaten in den letzten 36 Jahren alles andere als Modellübungen. Und die Ziele waren nur allzu real.

Iran nahm in Teheran dutzende Amerikaner als Geiseln, ermordete hunderte von amerikanischen Soldaten – Marineinfanterie – in Beirut, und war für die Tötung und Verstümmelung von tausenden amerikanischen Soldaten und Soldatinnen im Irak und in Afghanistan verantwortlich.

Über den Nahen Osten hinaus greift der Iran Amerika und seine Verbündeten über ein globales Terrornetzwerk an. Mit einem Bombenattentat im jüdischen Gemeindezentrum und in der israelischen Botschaft in Buenos Aires. Oder indem der Iran der Al-Kaida bei Bombenanschlägen auf US-Botschaften in Afrika half. Er versuchte sogar, den saudischen Botschafter zu ermorden, genau hier in Washington, D.C.

Im Nahen Osten beherrscht der Iran nun vier arabische Hauptstädte: Bagdad, Damaskus, Beirut und Sanaa. Und wenn die iranische Aggression nicht gehindert wird, zählen bald sicherlich noch mehr dazu.

Das heißt, zu einer Zeit, in der viele hoffen, dass der Iran der Staatengemeinschaft beitreten wird, ist der Iran damit beschäftigt Staaten zu verschlingen. Wir müssen alle zusammenhalten, um den Eroberungs-, Unterwerfungs- und Terrorzug des Iran zu stoppen.

Vor zwei Jahren wurde uns gesagt, dass Präsident Rouhani und Außenminister Zarif eine Chance zur Veränderung und Mäßigung des Iran erhalten sollten. Was für Veränderungen! Was für Mäßigungen! Rouhanis Regierung erhängt Homosexuelle, verfolgt Christen, sperrt Journalisten ein und richtet noch mehr Gefangene hin als zuvor.

Letztes Jahr legte der gleiche Zarif, der die westlichen Diplomaten mit seinem Charme umwickelt, einen Kranz am Grab von Imad Mughniyya ab. Imad Mughniyya ist der terroristische Drahtzieher, der mehr amerikanisches Blut vergoss als jeder andere Terrorist, abgesehen von Osama bin Laden. Ich würde gern sehen, wie ihn jemand darauf anspricht.

Irans Regime ist nach wie vor radikal. Seine Schreie nach „Tod für Amerika“ – das gleiche Amerika, das von ihm als „großer Satan“ bezeichnet wird – sind so laut wie eh und je. Nun, das sollte nicht überraschen, denn die Ideologie des iranischen Revolutionsregimes wurzelt tief im militanten Islam, und daher wird dieses Regime immer ein Feind der Vereinigten Staaten sein.

Lasst Euch nicht täuschen. Der Kampf zwischen dem Iran und dem IS macht den Iran nicht zu einem Freund Amerikas. Iran und IS sind im Wettstreit um die Krone des militanten Islam. Der eine nennt sich „Islamische Republik“. Der andere nennt sich „Islamischer Staat“. Beide möchten zunächst der Region ein militantes islamisches Reich aufzwängen, und dann der ganzen Welt. Sie streiten nur miteinander darüber, wer der Herrscher dieses Reiches sein wird.

Bei diesem tödlichen Spiel um den Thron gibt es keinen Platz für Amerika oder Israel, keinen Frieden für Christen, Juden oder Muslime, die das islamistische mittelalterliche Glaubensbekenntnis nicht teilen, keine Rechte für Frauen, keine Freiheit für irgendjemanden. Das heißt, wenn es um den Iran und den IS geht, ist der Feind deines Feindes dein Feind.
Der Unterschied ist, dass der IS mit Fleischermessern, erbeuteten Waffen und YouTube bewaffnet ist, während der Iran schon bald mit Interkontinentalraketen und Atomwaffen bewaffnet sein könnte. Wir müssen immer daran denken, und ich werde es noch einmal sagen: Die größte Gefahr für unsere Welt lauert in der Verbindung des militanten Islam mit Atomwaffen. Den IS zu besiegen und dem Iran zu ermöglichen, an Atomwaffen zu gelangen, hieße die Schlacht zu gewinnen, aber den Krieg zu verlieren. Wir dürfen das nicht zulassen.

Aber das, liebe Freunde, ist genau das, was passieren könnte, wenn der Iran das derzeit in Verhandlung stehende Abkommen annimmt. Dieses Abkommen wird den Iran nicht daran hindern, Atomwaffen zu entwickeln. Es wird so gut wie garantieren, dass der Iran diese Waffen bekommt, und zwar viele von ihnen.

Ich möchte das Warum erklären. Während das endgültige Abkommen noch nicht unterzeichnet worden ist, sind bestimmte Elemente des möglichen Abkommens bereits eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse. Man braucht keine Geheimdienste und geheimen Informationen, um das zu wissen. Sie können es über Google finden. Sofern es nicht dramatische Veränderungen gibt, wissen wir mit Sicherheit, dass ein Abkommen mit dem Iran zwei große Zugeständnisse an den Iran umfassen wird.

Das erste große Zugeständnis würde dem Iran eine große nukleare Infrastruktur ermöglichen und für eine kurze „breakout time“ bis zur Bombe sorgen. „Breakout time“ ist die Zeit die es braucht, um genug waffenfähiges Uran oder Plutonium für eine Atombombe anzuhäufen.

Dem Abkommen gemäß würde keine einzige Atomanlage abgerissen werden. Tausende von Zentrifugen für die Urananreicherung würden sich weiter drehen. Weitere Tausende würden vorübergehend abgeschaltet, aber nicht zerstört werden.

Dadurch, dass das iranische Atomprogramm weitgehend intakt bliebe, wäre die „breakout time“ des Iran sehr kurz – rund ein Jahr nach amerikanischer Einschätzung, und sogar kürzer nach israelischer Einschätzung.

Und wenn der Iran nicht daran gehindert wird, an fortgeschrittenen und immer schnelleren Zentrifugen zu arbeiten, würde diese „breakout time“ noch kürzer, ja, noch viel kürzer sein.

Es stimmt zwar, dass dem iranischen Atomprogramm bestimmte Einschränkungen auferlegt wären, und die Einhaltung dieser Beschränkungen durch den Iran von internationalen Inspektoren überwacht werden würde. Doch hier liegt das Problem, nämlich dass Inspektoren Verletzungen dokumentieren, aber sie nicht stoppen.

Die Inspektoren wussten, wie lange Nordkorea bis zur Bombe brauchen wird, aber dem konnte nicht Einhalt geboten werden. Nordkorea schaltete die Kameras aus und warf die Inspektoren hinaus. Und innerhalb weniger Jahre hatte es die Bombe.

Nun sind wir gewarnt, dass Nordkorea innerhalb von fünf Jahren ein ganzes Arsenal aus 100 Atombomben haben könnte.

Wie Nordkorea bot auch der Iran den internationalen Inspektoren die Stirn. Das war bei mindestens drei Gelegenheiten der Fall: 2005, 2006 und 2010. Wie Nordkorea brach der Iran die Schlösser auf und schaltete die Kameras aus. Nun, ich weiß, dass das niemanden von Ihnen schockieren wird, aber der Iran setzt sich nicht nur über die Inspektoren hinweg, sondern spielt auch ein ziemlich gutes Versteck- und Betrugsspiel mit ihnen.

Die Atomaufsichtsbehörde der Vereinten Nationen, die IAEO, sagte gestern erneut, dass sich der Iran immer noch weigere, über sein militärisches Atomprogramm auszupacken. Auch wurde der Iran zweimal erwischt – nicht einmal, sondern zweimal erwischt –, geheime Nuklearanlagen in Natanz und Qom zu betreiben. Einrichtungen, von denen die Inspektoren nicht einmal wussten, dass es sie gab.

Der Iran könnte sogar jetzt eine geheime atomare Anlage betreiben, von denen wir – die USA und Israel – nichts wissen. Wie der ehemalige IAEO-Leiter für Inspektionen 2013 sagte: „Wenn es heute keine undeklarierte Anlage im Iran gibt, wäre es das erste Mal seit 20 Jahren, dass der Iran nicht über so etwas verfügt.“ Der Iran hat immer wieder bewiesen, dass man ihm nicht trauen kann. Und aus diesem Grund bildet das erste große Zugeständnis einen Anlass zu großer Sorge. Es überlässt dem Iran eine große nukleare Infrastruktur und verlässt sich auf Inspektoren, um das Ziel der Atombombe zu verhindern. Dieses Zugeständnis bildet eine echte Gefahr, dass der Iran durch Verletzung des Abkommens zur Bombe gelangen könnte.

Aber das zweite große Zugeständnis stellt eine noch größere Gefahr dar, weil damit der Iran durch Einhaltung des Abkommens zur Bombe gelangen könnte. Denn praktisch würden alle Beschränkungen, die dem iranischen Atomprogramm auferlegt würden, automatisch in circa einem Jahrzehnt verfallen. Ein Jahrzehnt mag zwar im politischen Leben eine lange Zeit sein, aber es gleicht einem Lidschlag im Leben einer Nation. Einem Lidschlag im Leben unserer Kinder. Wir alle sind dafür verantwortlich zu erwägen, was passieren könnte, wenn die atomaren Fähigkeiten des Iran nahezu unbeschränkt und alle Sanktionen aufgehoben sind. Der Iran wäre dann frei, eine enorme nukleare Kapazität zu errichten, durch die viele, viele Atombomben produziert werden könnten.

Irans oberster Führer spricht offen darüber. Er sagt, dass der Iran plane, 190.000 Zentrifugen zu haben. Nicht 6000 oder sogar jene 19.000, die der Iran heute schon hat, sondern zehn Mal so viele: 190.000 Zentrifugen, die Uran anreichern. Mit dieser gewaltigen Kapazität könnte der Iran ein ganzes Atomarsenal befeuern – und das innerhalb von Wochen, sowie er die Entscheidung dazu fällt.

Mein langjähriger Freund, Außenminister John Kerry, bestätigte vergangene Woche, dass der Iran, wenn das Abkommen ausläuft, diese gewaltige Zentrifugenkapazität legitim besitzen könnte.

Stellen Sie sich das jetzt bitte vor. Den wichtigsten Sponsor des globalen Terrorismus könnten nur wenige Wochen davon trennen, über genug angereichertes Uran für ein ganzes Arsenal an Atomwaffen zu verfügen – und das mit voller internationaler Legitimität.

Und übrigens ist das Interkontinentalraketen-Programm des Iran nicht Teil des Abkommens, und bislang weigerte sich der Iran, das Thema überhaupt an den Verhandlungstisch zu bringen. Also könnte der Iran die Mittel haben, um dieses Atomwaffenarsenal in die entferntesten Ecken der Welt zu senden, einschließlich aller Orte in den Vereinigten Staaten. Sie sehen also, meine Freunde: Dieses Abkommen enthält zwei große Zugeständnisse. Eines überlässt dem Iran ein großes Atomprogramm, und das andere würde die Beschränkungen für dieses Programm in etwa einem Jahrzehnt aufheben. Daher ist dieses Abkommen so schlecht. Es blockiert Irans Weg zur Bombe in keinster Weise. Es ebnet dem Iran den Weg zur Bombe.

Warum sollte also irgendjemand auf dieses Abkommen eingehen? Weil gehofft wird, dass der Iran sich in den kommenden Jahren zum Besseren ändern wird, oder man meint, dass die Alternative zu diesem Abkommen schlimmer ist?

Also ich bin anderer Meinung. Ich denke nicht, dass das radikale Regime des Iran sich nach diesem Abkommen zum Besseren ändern wird. Dieses Regime ist seit 36 Jahren an der Macht, und sein unersättlicher Appetit auf Aggression wächst mit jedem Jahr. Dieses Abkommen würde nur Irans Appetit auf mehr anregen.

Wäre der Iran weniger aggressiv, wenn die Sanktionen aufgehoben würden und seine Wirtschaft stärker wäre? Wenn der Iran jetzt schon vier Länder verschlingt, während die Sanktionen noch gelten, wie viele weitere Länder würde der Iran vertilgen, wenn die Sanktionen aufgehoben sind? Würde der Iran weniger Terrorismus finanzieren, wenn er ganze Geldberge hätte, mit denen er mehr Terrorismus finanzieren könnte?

Warum sollte sich das radikale Regime des Iran zum Besseren ändern, wenn es das Beste beider Welten genießen kann: Aggression im Ausland und Wohlstand daheim?

Diese Frage stellt sich jeder in unserer Region. Israels Nachbarn und Irans Nachbarn wissen, dass der Iran noch aggressiver werden und noch mehr Terrorismus sponsern würde, wenn seine Wirtschaft ungebunden wäre, und der Iran einen direkten Weg zur Bombe hätte. Und viele dieser Nachbarn sehen ihre Reaktionsmöglichkeit darauf, indem sie so schnell wie möglich selbst an Atomwaffen gelangen. Dieses Abkommen würde also den Iran nicht zum Besseren verändern. Es würde nur den Nahen Osten zum Schlechteren verändern. Ein Abkommen, das angeblich die Verbreitung von Atomwaffen verhindern möchte, würde stattdessen ein nukleares Wettrüsten im gefährlichsten Teil der Welt entfachen.

Dieses Abkommen wäre kein Abschied von den Waffen. Es wäre ein Abschied von der Rüstungskontrolle. Und der Nahe Osten wäre bald schon von nuklearen Stolperdrähten durchzogen. Eine Region, in der kleine Plänkeleien große Kriege auslösen können, würde sich in ein atomares Pulverfass verwandeln.

Wenn jemand meint, mit diesem Abkommen auf Zeit spielen zu können, sollte er das noch einmal überdenken. Am Ende der Zeit wären wir mit einem viel gefährlicheren Iran konfrontiert, mit einem Nahen Osten übersät mit Atombomben und mit einem Countdown zu einem potentiellen nuklearen Albtraum.

Meine Damen und Herren,

ich bin heute hierher gekommen, um Ihnen zu sagen, dass wir die Sicherheit der Welt nicht auf die Hoffnung setzen sollten, dass sich der Iran zum Besseren verändert. Wir müssen nicht unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder aufs Spiel setzen.

Wir können darauf bestehen, dass die Beschränkungen für das iranische Atomprogramm so lange gelten, bis der Iran seine Aggression in der Region und in der Welt einstellt. Bevor diese Beschränkungen aufgehoben werden, sollte die Welt vom Iran drei Dinge verlangen: Erstens seine Aggression gegen seine Nachbarn im Nahen Osten einzustellen. Zweitens aufzuhören, den Terrorismus auf der ganzen Welt zu unterstützen. Und drittens nicht mehr damit zu drohen, mein Land, Israel, den einzigen jüdischen Staat, zu vernichten.

Wenn die Weltmächte nicht bereit sind, darauf zu bestehen, dass der Iran sein Verhalten ändert, bevor ein Abkommen unterzeichnet wird, sollten sie zumindest darauf bestehen, dass der Iran sein Verhalten ändert, bevor das Abkommen ausläuft. Wenn der Iran sein Verhalten ändert, würden die Beschränkungen aufgehoben werden. Wenn der Iran sein Verhalten nicht ändert, sollten die Beschränkungen nicht aufgehoben werden. Wenn der Iran wie ein normales Land behandelt werden möchte, soll es sich wie ein normales Land benehmen.

Liebe Freunde,
wie ist es mit dem Argument, dass es keine Alternative zu diesem Abkommen gibt? Das nukleare Know-how des Iran könne nicht mehr ausradiert werden, und sein Atomprogramm sei so weit fortgeschritten, dass wir am besten das Unvermeidliche aufschieben, was im Wesentlichen durch das vorgeschlagene Abkommen versucht wird.

Also, ein nukleares Know-how ohne nukleare Infrastruktur bringt einen nicht sehr weit. Ein Rennfahrer ohne Auto kann nicht fahren. Ein Pilot ohne Flugzeug kann nicht fliegen. Ohne Tausende von Zentrifugen, Tonnen an angereichertem Uran oder Schwerwasseranlagen kann der Iran keine Atomwaffen herstellen.

Das Atomprogramm des Iran kann durch Bestehen auf ein besseres Abkommen und durch weiteren Druck auf ein angreifbares Regime – besonders seit dem jüngsten Zusammenbruch des Ölpreises – weit über den derzeitigen Vorschlag zurückgesetzt werden.

Sollte der Iran damit drohen, vom Verhandlungstisch aufzustehen – und das passiert in einem persischen Basar recht oft – durchschauen Sie den Bluff. Er wird wiederkommen, denn er braucht das Abkommen dringender als Sie es tun.

Und durch weiteren Druck auf den Iran und auf jene, die mit ihm Geschäfte machen, haben Sie die Macht, deren Bedürfnis nach einem Abkommen noch zu erhöhen. Liebe Freunde, seit über einem Jahr hören wir, dass kein Abkommen besser als ein schlechtes Abkommen ist. Nun, das ist ein schlechtes Abkommen. Es ist ein sehr schlechtes Abkommen. Wir sind ohne es besser dran.

Jetzt hören wir, dass die einzige Alternative zu diesem schlechten Abkommen der Krieg ist. Das stimmt einfach nicht. Die Alternative zu diesem schlechten Abkommen ist ein viel besseres Abkommen: ein besseres Abkommen, das dem Iran nicht eine große nukleare Infrastruktur oder eine so kurze „breakout time“ ermöglicht. Ein besseres Abkommen, das die Beschränkungen für das iranische Atomprogramm gelten lässt, bis die Aggression des Iran aufhört. Ein besseres Abkommen, das dem Iran nicht den Weg zur Bombe vereinfacht. Ein besseres Abkommen, das Israel und seine Nachbarn vielleicht nicht mögen, mit dem wir aber leben könnten. Buchstäblich. Und kein Land hat einen größeren Anteil – kein Land hat einen größeren Anteil an einem guten Abkommen, mit dem diese Bedrohung friedlich beseitigt wird, als Israel.

Meine Damen und Herren,

die Geschichte hat uns an eine schicksalhafte Kreuzung geführt. Wir müssen uns jetzt für einen von zwei Wegen entscheiden. Ein Weg führt zu einem schlechten Abkommen, mit dem bestenfalls die atomaren Ambitionen des Iran eine Zeitlang gedrosselt werden, das aber unerbittlich zu einem Iran mit atomarer Bewaffnung, und dessen ungezügelte Aggression unweigerlich zum Krieg führen wird. Der zweite Weg ist zwar schwierig, könnte aber zu einem viel besseren Abkommen führen, und einen Iran mit atomarer Bewaffnung, einen Nahen Osten mit atomarer Bewaffnung und die damit verbundenen schrecklichen Folgen für die gesamte Menschheit verhindern.

Sie müssen nicht Robert Frost lesen, um das zu wissen. Sie brauchen nur das Leben zu leben, um zu wissen, dass es normalerweise der schwierigere Weg ist, der selten begangen wird, aber es würde für die Zukunft meines Landes, die Sicherheit im Nahen Osten, den Frieden der Welt, den Frieden, den wir uns alle wünschen, einen großen Unterschied machen.

Liebe Freunde, es ist nicht leicht, sich gegen den Iran zu behaupten. Es ist niemals leicht, sich gegen düstere und mörderische Regimes zu behaupten. Der Holocaust-Überlebende und Nobelpreisträger Elie Wiesel ist heute mit uns hier. Elie, Ihr Leben und Ihr Werk inspirieren dazu, die Worte „Nie wieder“ mit Bedeutung zu füllen. Ich wünschte, ich könnte Ihnen, Elie, versprechen, dass wir aus der Geschichte gelernt haben. Ich kann nur die Führungspersonen der Welt dringend darum bitten, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, die Zukunft nicht für die Gegenwart zu opfern und Aggressionen nicht in der Hoffnung auf einen trügerischen Frieden zu ignorieren.

Aber ich kann Ihnen garantieren, dass die Zeiten, in denen das jüdische Volk angesichts der völkermörderischen Feinde passiv blieb, vorbei sind. Wir sind nicht mehr unter den Nationen verstreut, ohne die Macht, uns zu verteidigen. Wir haben unsere Souveränität in unserer alten Heimat wieder hergestellt. Und die Soldaten, die unsere Heimat verteidigen, zeigen grenzenlosen Mut. Zum ersten Mal in 100 Generationen können wir, das jüdische Volk, uns selbst verteidigen.

Aus diesem Grund kann ich Ihnen als Ministerpräsident Israels noch etwas versprechen: Selbst wenn Israel allein gelassen wird, wird Israel bestehen. Aber ich weiß, dass Israel nicht allein ist. Ich weiß, dass Amerika zu Israel steht. Ich weiß, dass Sie zu Israel stehen. Sie stehen zu Israel, weil Sie wissen, dass die Geschichte Israels nicht nur die Geschichte des jüdischen Volkes ist, sondern die des menschlichen Geistes, der sich immer wieder weigert, den Schrecken der Geschichte zu erliegen.

Dort oben in der Galerie, blickt das Bild von Moses auf uns alle. Moses führte unser Volk aus der Sklaverei bis vor die Tore des verheißenen Landes. Und bevor das Volk Israel das Land Israel betrat, gab Moses uns eine Botschaft mit, durch die unsere Entschlossenheit für Tausende von Jahren gestählt wurde. Ich hinterlasse Ihnen heute diese Botschaft: „Seid stark und mutig, habt keine Furcht und keine Scheu vor denen.“

Liebe Freunde, mögen Israel und Amerika immer zueinander stehen, stark und entschlossen. Mögen wir die Herausforderungen der Zukunft weder fürchten noch scheuen. Mögen wir mit Zuversicht, Kraft und Hoffnung in die Zukunft blicken.

Möge Gott den Staat Israel segnen und möge Gott die Vereinigten Staaten von Amerika segnen. Danke. Sie sind wunderbar. Danke Amerika.“

4 comments

  1. Walter Höller

    Danke, Herr Ortner, dass Sie diese Rede in Ihren blog stellen. Jede Zeitung, die den Anspruch hat, ihre Leser zu informieren, hätte das tun sollen. Die Medien, allen voran der ORF, haben stattdessen die Version der obamaverstehenden Spindoktoren verbreitet.

  2. Rennziege

    Auch ich danke unserem Hausherrn für die Veröffentlichung der Netanyahu-Rede im US-Kongress. Sie ist klar und nüchtern, in den Fakten unwiderlegbar. Erwartungsgemäß stieß sie auf wenig Gehör bei den immer weiter nach links abdriftenden Demokraten, die wie die europäischen Linken ihren latenten Antisemitismus als “nur” gegen den Staat Israel gerichtet maskieren.
    Auffällig auch Obamas abgewandte Ohren, obwohl von Mutter Natur in XXL-Größe geliefert. Dabei ist sein Wahlkampfmanager Emanuel Rahm, der (noch) amtierende Bürgermeister Chicagos, sein enger Freund aus gemeinsamen Zeiten in dieser Stadt, wo Obama als Sozialarbeiter
    (community organizer) seine Karriere begann und von Rahm mit allerlei grenzwertigem Gemauschel protegiert wurde. Doch offenbar bleibt die islamisch geprägte Kinderstube des Präsidenten samt dem damit einhergehenden Antisemitismus mächtiger als die Loyalität gegenüber den jüdischen Steigbügelhaltern seiner Laufbahn.
    Aber wir wissen ja: In der Politik ist Charakter ein bewegliches Fest; leider auch bei uns in Europa, wo Antisemitismus unter vielen Camouflagen fröhliche Urständ feiert.

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