Die Revolte gegen die Vernunft

Von | 6. Mai 2017

(ANDREAS TÖGEL)  Mit „Zurück in die Steinzeit“ liegt nun erstmals die Übersetzung einer Sammlung von Aufsätzen vor, die im englischsprachigen Original bereits in den 1960er und 70er-Jahren entstanden sind. Wie viele große Denker, verfügte auch Ayn Rand über geradezu prophetische Fähigkeiten, die überaus seltene Gabe, künftige (Fehl-)Entwicklungen Jahrzehnte vorher punktgenau vorauszusagen. Bei kaum einer anderen ihrer Arbeiten fällt das deutlicher ins Auge, als bei dieser. Es ist, als wären einige der Beiträge erst gestern verfasst worden.

Gegenstand ihrer wie immer in einer erfrischend direkten, nicht vom kleinsten Hauch politischer Korrektheit angekränkelten Abhandlung, bilden der Multikulturalismus und die Umweltbewegung. Mit beiden rechnet sie ebenso radikal wie gnadenlos ab. Beiden hält sie dabei rigoros rationale Argumente entgegen. In beiden Phänomenen sieht sie den Ausfluss eines strikt kollektivistischen und damit am Ende autodestruktiven Denkens – eine Revolte gegen die Vernunft. In beiden Fällen bilden linke Intellektuelle die Speerspitzen. In beiden Fällen ist am Ende blanke Menschenverachtung, die sich in Fortschritts- und Technologiefeindlichkeit manifestiert, die treibende Kraft. Den im Grunde ihres Wesens harmlosen und naiven Amerikanern attestiert sie dabei, sich einfach nicht vorstellen zu können, dass es Leute gibt, die das reine Böse – nämlich nicht weniger als die Auslöschung des Menschengeschlechts – im Sinn haben. Genau darauf aber läuft das Denken federführender „deep ecologists“ hinaus.

Denn anders als die Tiere sind Menschen eben nicht mit natürlichen Waffen und Instinkten ausgestattet. Alles was der Mensch zum Überleben braucht, muss er daher einer (feindlichen) Natur abringen. Er kann sich nicht einfach an sie anpassen, nackt, wie er in die Welt tritt. „Die Natur“ ist alles andere als ein freundlicher Ort für den Menschen. Ohne den Einsatz von Technologie, die das Produkt angewandter Vernunft darstellt, würde keiner von uns auf freier Wildbahn auch nur eine Woche lang überleben. Der Mensch muss seinen Verstand benutzen, um damit in die Natur einzugreifen und sie sich gefügig zu machen. Wer also den wissenschaftlichen Fortschritt und die Technologie bekämpft, legt damit die Axt an die Wurzel der Überlebensfähigkeit der Menschen. „Zurück zur Natur“ ist ein zwar eingängiger, aber letztlich dummdreister Slogan von Menschenfeinden, die die Natur um ihrer selbst willen romantisieren und vergöttern.

Der Multikulturalismus wiederum stellt, so paradox es auf den ersten Blick scheinen mag, eine Sonderform des herkömmlichen Rassismus dar. Auch er basiert auf einer eisernen Negation der Bedeutung einzelner Individuen und fußt auf unerbittlichem, die gesamte Menschheit umfassenden Kollektivsmus. Kreativität und Forschergeist aber waren und sind stets die ersten Opfer des Kollektivismus. Wer sie bekämpft, will am Ende zurück in die Steinzeit. Welchen Befund könnte man von der unermüdlichen Anwältin und Streiterin für Markt und Kapitalismus erwarten, wenn nicht diesen: „Wenn Sorge um Armut und menschliches Leid das Motiv der Kollektivisten wäre, wären sie schon vor langem Vorkämpfer des Kapitalismus geworden.“

Ein großartiges Buch in einer hervorragenden Übersetzung!

 

 

Zurück in die Steinzeit / Die antiindustrielle Revolution

Ayn Rand

Lichtschlag-Verlag, 2017

369 Seiten, broschiert

ISBH: 978-3-939562-67-2

22,90,- Euro

136 Gedanken zu „Die Revolte gegen die Vernunft

  1. Karl Markt

    @Oliver H
    Der Aktionär ist Gläubiger, das Unternehmen Schuldner beim Aktionär, und zwar in der Realität. Das Beispiel von @Fels ist falsch, weil die Dividende als Lohn dargestellt wird, noch dazu von einem zinslosen Kredit bezahlt, tatsächlich ist sie aber eine Beteiligung am Profit, und kein Lohn. Habens wirs jetzt?

    Haben Sie irgendwas zu bieten zum Thema Dividenden, Profit, Zins oder Lohn? Außer “ist eh alles nur Tausch“?
    Wie erklären Sie denn in Geld gemessenenes Wirtschaftswachstum, wenn doch nicht mehr Geld ausgegeben werden kann, als zuvor investiert wurde. Das hatte ja @Fels auch noch verstanden.

  2. Karl Markt

    @Oliver H
    Ich darf Ihnen Wikipedia zitieren, vielleicht hilft es Ihnen auf die Sprünge:

    ” Der Aktienmarkt ermöglicht volkswirtschaftliches Wachstum, weil die Unternehmensfinanzierung teilweise durch Aktionäre übernommen wird und diese Kapazitätserweiterungen durch Gründungs- oder Erweiterungsinvestitionen mitfinanzieren.”

    “Aktien eignen sich für Großunternehmen und kleine und mittlere Unternehmen mit hohem Kapitalbedarf. Aktien decken – zumindest teilweise – den Kapitalbedarf an Eigenkapital der Unternehmen..:”
    de.wikipedia.org/wiki/Aktie

    Aktien sind also neben dem Kredit eine weitere Finanzierungsform für Unternehmen, und zwar insebesondere dann, wenn Unternehmen eine gewisse Größe überschritten haben, so dass selbst Banken die Kapitalbedarf über Kredite nicht mehr decken können oder wollen.
    Deshalb “vergesellschaftet” sich das Kapital, indem einzelnen Privatpersonen Kapital zur Verfügung stellen (Aktionäre).
    Als Gegenleistung werden Sie am Profit beteiligt, analog wie die Bank über den Zins am Profit beteiligt ist.
    Deshalb ist es auch völliger Schwachsinn, so wie @Fels Profit erst mit Dividenden zu erklären.

    Aber Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen, Neoliberale können Profit und Wirtschaftswachstum nie und nimmer konsistent erklären, weil man auf Basis von falschen Annahmen nicht zum richtigen Ergebnis kommen kann.

  3. Zaungast

    Und wieder ein Beispiel für eine Debatte, in der Angebot und Nachfrage nicht zusammenfinden. Und auch ein Beispiel dafür, daß ein Anbieter sein eigenes Angebot nicht versteht.

    Wirtschaft, Tausch, Geld, Lohn, Kapital, Profit, Zins, Dividenden, Steuer.

    “Bloß, wies funktioniert, ist hier niemand im Stande zu erklären.”

    Der Seufzer einer leidenden Seele mit Verständnisproblemen? Nicht verstehen zu können und nicht verstehen zu wollen? Nun, das ist das Schicksal vieler.

    Eine Anmerkung noch zum “Tausch”. Natürlich wird getauscht. Z. B. die Belegschaft von VW tauscht die von ihr produzierten Autos mit den Produkten vieler anderer Betriebe. Aber die moderne Wirtschaft ist doch noch ein bisserl mehr als einfacher Tausch. Weil ein Verrechnungssystem, Zeit und Risiko eine große Rolle spielen. Und die soziale Maut.

    Zeit verstehen die meisten, Risiko schon weniger, und am Verrechnungssystem scheitern fast alle. Obwohl jeder täglich damit zu tun hat. So ist das Leben: Spieler, die das Spiel nicht verstehen, die Regeln nicht kennen, aber täglich mitspielen. So stolpern viele durch’s Leben.

  4. Oliver H.

    @Karl Markt

    “Der Aktionär ist Gläubiger, das Unternehmen Schuldner beim Aktionär, und zwar in der Realität.”

    Derartiger Unsinn spricht für sich selbst, bedarf es doch zum Verständnis des Unterschieds zwischen einem Erwerb und einer leihweisen Überlassung keiner gesteigerten Geisteskraft. Das eine begründet Eigentum, über das man per Definition selbst Verfügungsgewalt hat, das andere eine Forderung, das eine ist existent, das andere ein potentiell unerreichbarer Vorgriff auf die Zukunft.

    “Habens wirs jetzt?”

    Es gibt angesichts Ihres surrealen Eigentumsbegriffes kein “wir”, das Sie mit einschlösse.

    “Haben Sie irgendwas zu bieten zum Thema Dividenden, Profit, Zins oder Lohn? Außer “ist eh alles nur Tausch“?”

    Na dann trotten Sie mal ins Archiv und versuchen sich in der Unterfütterung Ihrer als Frage getarnten Unterstellung besagter Gleichsetzung.

    “Wie erklären Sie denn in Geld gemessenenes Wirtschaftswachstum, wenn doch nicht mehr Geld ausgegeben werden kann, als zuvor investiert wurde.”

    Wozu sollte diese Aussage angesichts der beigepackten absurden Prämisse begründet werden? Ein in Reis denominiertes Wirtschaftswachstum wird in einer reisbasierten Ökonomie unter anderem vom Wetter determiniert, was Phantasten wie Sie auf den Plan rufen müßte, einfallendes Sonnenlicht und niedergegangenen Regen in “investierten Reis” umzurechnen.

    Das Verhältnis zwischen Investiertem und dadurch Erzieltem ist denkbar ungewiß, die Bandbreite reicht von 1:0 (Totalverlust) bis 1:fast-beliebig-hoch (geniale Unternehmung). Jede Betrachtung, die krampfhaft Investionen in Erfolge umrechnen will (Wachstum), muß scheitern; dies umso mehr, wenn man flankierend einen falsch verstandenen Geldbegriff einführt.

    “Ich darf Ihnen Wikipedia zitieren”

    Das ist trollig, nachdem Sie mir schon andichteten, ich würde von mises.org abschreiben.

    Sie zitieren: “Der Aktienmarkt ermöglicht volkswirtschaftliches Wachstum, weil die Unternehmensfinanzierung teilweise durch Aktionäre übernommen wird und diese Kapazitätserweiterungen durch Gründungs- oder Erweiterungsinvestitionen mitfinanzieren.“

    Das interpretieren Sie als: “Der Aktionär ist Gläubiger, das Unternehmen Schuldner beim Aktionär.” Mit anderen Worten: Sie haben einen Zehner im Portemonnaie, also schulden Sie selbst sich jetzt zehn Euro. Interessante Lesart, aber leider falsch.

    “Aktien sind also neben dem Kredit eine weitere Finanzierungsform für Unternehmen”

    Krieg und Diplomatie sind Formen der Konfliktlösung, und dennoch käme niemand von Verstand auf die Idee, beides gleichzusetzen.

    “Deshalb ist es auch völliger Schwachsinn, so wie @Fels Profit erst mit Dividenden zu erklären.”

    Die Thesen der Mitposter stehen in der Debatte zwischen uns beiden nicht am Prüfstand.

    “Aber Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen, Neoliberale können Profit und Wirtschaftswachstum nie und nimmer konsistent erklären, weil man auf Basis von falschen Annahmen nicht zum richtigen Ergebnis kommen kann.”

    Sie haben “Ich pfeife mir jetzt Mut zu” sehr wortreich formuliert. Was aber speziell Mises von Neoliberalen hält, können Sie selbst rausfinden, so Sie nicht allein auf Wikipedia und Ihr bisher verwendetes Interpretationsmodul angewiesen sind.

  5. Karl Markt

    @Oliver H
    Eigentumsbegriff wurde gar nicht diskutiert.

    “Sie haben einen Zehner im Portemonnaie, also schulden Sie selbst sich jetzt zehn Euro.“

    Ich glaube jetzt verstehe ich ihr Problem. Die Tatsache, dass ein Aktionär auch Eigentümer einer AG ist, ist ökonomisch, also für die Wertschöpfung, relativ irrelevant. Ökonomisch geht es darum, dass ein Unternehmen durch Veräußerung von Aktien Kapital aufnimmt. Dass sich darauf neue Rechtstitel begründen, ist für die ökonomische Analyse irrelevant. Daher wahrscheinlich auch Ihre Referenz auf den Eigentumsbegriff. Ein Aktionär ist Eigentümer, ein Gläubiger (Bank) zunächst nicht. Na und? Was sagt uns das über Werte und Preise und Profite? Nichts.
    Dass Sie sich sogleich auf den Eigentumsbegriff stürzen zeigt, dass Sie die ökonomische Gemeinsamkeit im Bezug auf die Wertschöpfung nicht erkennen. Davor steht’s doch sogar auf Wikipedia.

  6. Karl Markt

    @Olivier H
    Aktien und Aktiengesellschaften gibt es eben überhaupt erst deshalb, weil Kapitale derartige Größen erreichen, sodass Finanzierung rein durch Banken nicht mehr möglich oder zumindest Effizient genug ist. Daher die “Vergesellschaftung“, was effektiv heißt das jedermann fortan in die Firma investieren kann. Dadurch kann effektiv mehr Investitionskapital aufgenommen werden, das Risiko liegt nicht mehr allein bei einer Bank, sondern aliquot bei den shareholdern.
    Der ökonomische Mechanismus dahinter ist aber der selbe. Kapital aufnehmen und in Arbeit und Produktion zu investieren.

  7. Oliver H.

    @Karl Markt

    “Eigentumsbegriff wurde gar nicht diskutiert.”

    Bilden Leute, die sich elendslang über Grün-, Rot- und Gelbtöne auslassen und dann dahernuscheln, Farben wären nicht Inhalt der Eröterung gewesen, eine eigene Subspezies der Marxisten, oder trifft das auf alle zu?

    ““Sie haben einen Zehner im Portemonnaie, also schulden Sie selbst sich jetzt zehn Euro.“
    Ich glaube jetzt verstehe ich ihr Problem.”

    Das kleine “ihr” ist mariotypisch ein Volltreffer in den Ofen, weshalb Ihr privater Glaube diesbezüglich sogar doppelt begründet in Irrelvanz verpufft.

    “Die Tatsache, dass ein Aktionär auch Eigentümer einer AG ist, ..”

    Er ist es nicht “auch”, daher Ende der Durchsage. Falls Sie alternativ andeuten wollen, er könne flankierend auch Schlipsträger oder Hippie sein, werden Sie Ihrem mühsam gepflegten Image eines Zeitdiebes trefflich gerecht.

    “Ökonomisch geht es darum, dass ein Unternehmen durch Veräußerung von Aktien Kapital aufnimmt.”

    Als Fürsprecher der Glaubensökonomie sind Sie nun angehalten, die Bedeutung der Worte “Ökonomisch geht es darum” in Klartext zu transferieren.

    “Dass sich darauf neue Rechtstitel begründen, ist für die ökonomische Analyse irrelevant.”

    Sie labern darüber, um was es “nicht geht”, und selbst dabei irren Sie mit Anlauf.

    “Daher wahrscheinlich auch Ihre Referenz auf den Eigentumsbegriff.”

    Den Begriff des Aktionärs verwendeten Sie vor mir. Falls der Aktionär kein Eigentümer ist, was wiederum die Existenz von Eigentum ansich untergräbt, dann ist vielleicht auch Blau ein Dampfbügeleisen und all Ihr Getippse der letzten Tage entpuppt sich in der Gesamtschau als genialer Traktat.

    “Ein Aktionär ist Eigentümer, ein Gläubiger (Bank) zunächst nicht.”

    Donald Duck ist knuffelig, Batman (Osterhase) zunächst nicht. Sie labern.

    “Na und?”

    Ja, eh.

  8. Karl Markt

    @Oliver H
    “Er ist es nicht „auch“, daher Ende der Durchsage“.

    Doch ist er auch, weil er erstens nicht der einzige Eigentümer der Aktiengesellschaft ist (daher auch “Gesellschaft“), und zweitens kann er daneben auch noch zb. Angestellter, sogar der selben Firma, sein. Darüber hinaus ist er Geldgeber, was bei weitem seine wichtigste Funktion ist. Dass er AUCH Eigentümer ist, ist reine Formsache.

  9. Zaungast

    “Darüber hinaus ist er [der Aktionär] Geldgeber, was bei weitem seine wichtigste Funktion ist.”

    Er ist (“Eigen-“)Kapitalgeber. Diese Anmerkung versteht man allerdings nur, wenn man das Geldsystem versteht. Und daran happert’s leider. Kleiner Hinweis: Die Zeit der Gold- und Silbermünzen des 19. Jh. ist vorbei.

  10. Oliver H.

    @Karl Markt

    ““Er ist es nicht „auch“, daher Ende der Durchsage“.
    Doch ist er auch, weil er erstens nicht der einzige Eigentümer der Aktiengesellschaft ist (daher auch “Gesellschaft“),”

    Sie wollen, ungeachtet, daß Miteigentümer definitiv Eigentümer sind, allen Ernstens andeuten, eine AG mit einem einzigen Aktionär wäre keine solche, zumal es “Gesellschaft” heißt. Mon dieu, da üben sich sogar Kinder beim Vater-Mutter-Kind-Spiel intensiver in Bodenhaftung. Da waren Ihre Brutto-Netto-Eskapaden und “Extra-Profit”-Exzerpte noch harmlos dagegen.

    ” .. und zweitens kann er daneben auch noch zb. Angestellter, sogar der selben Firma, sein.”

    Oder Hippie, oder Schlipsträger, Quartalssäufer oder dauernüchterner Einsteinverschnitt, Mutter Theresa oder Frankenstein. Wollen wir einen neuen Thread aufmachen, damit wir wirklich alles erfassen, was sein könnte?

    “Darüber hinaus ist er Geldgeber, was bei weitem seine wichtigste Funktion ist. Dass er AUCH Eigentümer ist, ist reine Formsache.”

    Karli, er ist Eigentümer nach einem Kaufakt. Der Abgeber der Anteile ist es danach entsprechend weniger. Gemeinsam mit anderen Eigentümern entscheidet der Käufer, was mit dem Eigentum zu geschehen hat. Das ist nicht Formsache, sondern Dreh- und Angelpunkt einer freien Wirtschaft. Ob einer der Eigentümer nebenher noch unversteuert Haare schneidet, in der Firmenkantine Kaugummi klaut oder sonstwas praktiziert, dessen verbale Darlegung den Lesern dieses Forums den mentalen Zahn zöge, mag Linken über alle Maße bedeutsamsam sein, ist es aber nicht. Versprochen.

  11. Oliver H.

    @Zaungast

    “„Darüber hinaus ist er [der Aktionär] Geldgeber, was bei weitem seine wichtigste Funktion ist.“
    Er ist („Eigen-„)Kapitalgeber.”

    Dann und nur dann, wenn er die Aktien beim Börsegang oder einer späteren Kapitalerhöhung erwirbt. Und selbst dann ist er anteilig Eigentümer jener Summe, die durch seinen Kauf in die Firma kam. Wollte man ein neues Faß aufmachen, ließe sich über Verwässerung disputieren, was aber unratsam ist, solange nichtmal die Basics zur voraussetzbaren Allgemeinbildung zählen.

    “Diese Anmerkung versteht man allerdings nur, wenn man das Geldsystem versteht.”

    Was insofern ein valider Einwand ist, alsdaß in einen zentral und willkürlich gesteuerten System nahezu beliebige Effekte eintreten können. Ist Geld erstmal beliebig, verkommt Ökonomie zur Lotterie, ist doch kaum einschätzbar, wie das Umfeld auf die Vorkaulei von Reichtum reagiert respektive das falsche Spiel ausnutzt, solange die mythologischen Sirenen singen.

    Die einzig fixte Konstante in Vodoo-Geld-Wirtschaften ist die Umverteilung von Handfestem in die Taschen der Vodoo-Priester. Der Rest der Gesellschaft kann und wird sich, je nach Verstandeskraft, korrumpieren lassen. Einmal mehr ist egal, wer die Gesetze macht, solange man selbst die Hand am Geldhahn hat.

  12. Zaungast

    @Oliver

    Man kann bei der Gründung (oder Kapitalerhöhung) einer AG auch z. B. Immobilien oder sonstige Sachwerte einbringen.

    Meine zugegeben etwas spitzfindige Anmerkung zielte darauf ab, daß unser Kreditgeldsystem belastbare Sachwerte braucht. In der Stunde null gibt es kein (Kredit-)Geld. Möchte man in der Stunde null Geld in eine zu gründende AG als Eigenkapital einbringen, muß man die Aktien auf Kredit kaufen (was Geldschöpfung bedeutet). Und für diesen Kredit braucht es belastbares Eigentum, also z. B. Immobilien.

    An der privaten Basis stehen belastbare Sachwerte, auf denen das Geldsystem aufsetzt. Mir ist bewußt, daß es bei der Staatsverschuldung eine etwas andere Geschichte ist und hier Ihre Einwände ansetzen.

  13. Karl Markt

    @Oliver H
    “Gemeinsam mit anderen Eigentümern entscheidet der Käufer, was mit dem Eigentum zu geschehen hat. Das ist nicht Formsache, sondern Dreh- und Angelpunkt einer freien Wirtschaft.“

    Welcher Aktionär entscheidet denn bitte? In einer AG entscheidet der CEO, und der ist Angestellter. Theoretisch muss er nicht mal Aktien halten, also Eigentümer sein.

    Was wir bei einer AG haben ist die Auflösung des klassischen Kapitalverhältnisses. Angestellte werden Eigentümer, Entscheidungsträger zu Angestellten, und zu guter Letzt ist das Kapital nicht mehr in einer privaten Hand konzentriert in, sondern eben vergesellschaftet.
    Deshalb spricht Marx bei AGs auch von einer Übergangsform zum Kommunismus. Lustig nicht?

  14. Zaungast

    “In einer AG entscheidet der CEO, und der ist Angestellter. ”

    Und wer stellt den CEO ein bzw. feuert ihn? Der Aufsichtsrat. Und wer wählt den Aufsichtsrat?…

  15. Karl Markt

    @Zaungast
    Die Aktionäre. Das heißt wir haben einen Angestellten, der die Rolle des “Kapitalisten“ übernimmt, operativ. Hab ich ja oben schon erklärt. Sehr gut, setzen.

    Die Aktionäre wählen den Aufsichtsrat, der Aufsichtsrat bestellt einen CEO, der CEO ist der operative Kapitalist. Freut mich, dass Sie jetzt (beide) vielleicht eingestehen müssen, dass die Eigentümertolle des Aktionärs Formsache ist, da er operativ nichts zu melden hat. Der Aktionär ist Eigentümer ist ungefähr so wie Zaungast ist Bundeskanzler, weil er war ja wählen (vielleicht).

    Jefenfalls fällt Ihnen vielleicht selbst auf, dass Sie die Diskussion in eine völlig andere Richtung leiten, Sie reden nicht von Wert, Preis, Geld etc… bis jetzt hat niemand das ursprüngliche Problem erklären können, wie gesamtwirtschaftliches Wachstum entsteht, und zwar in Geld gemessen, nicht Neandertalerknochen oder Reiskörner, falls sich @Oliver H wieder einschalten will.

  16. Karl Markt

    @Oliver H, Zaungast

    Überlegen Sie mal. Warum sollte ein Unternehmer auf die Idee kommen, seine, sagen wir, Souveränität abzugeben, und durch ein Gremium zu ersetzen wo 10.000 andere mitbestimmen können?
    Weil, es so schön ist andere Eigentümer im Boot zu haben?

    Oder weil die Eigentümerrolle der Aktionäre vielleicht reine Formsache ist, ihre tatsächlich relevante Rolle aber die der Geldgeber (also Gläubiger) ist?
    Was ist logischer?

  17. Oliver H.

    @Zaungast

    “Man kann bei der Gründung (oder Kapitalerhöhung) einer AG auch z. B. Immobilien oder sonstige Sachwerte einbringen.”

    Yep (mit unten nachfolgenden Ergänzungen).

    “Meine zugegeben etwas spitzfindige Anmerkung zielte darauf ab, daß unser Kreditgeldsystem belastbare Sachwerte braucht.”

    Wir sind uns einig. In einem rein privatrechtlich organisiertem Kreditgeldsystem fänden Emittäre wenig Kundschaft, so ihre ausgegebenen Titel einzig mit einem “Voll total wertvoll, irgendwer gibt dir was anderes Wertvolles dafür” bedruckt wären.

    “In der Stunde null gibt es kein (Kredit-)Geld.”

    Es gibt Sachwerte in der Stunde null, und diese haben Geldfunktion. Selbst der zum Zeitpunkt der Ausgabe ungedeckte Kredit stellte keine Probleme dar, solange der Verbriefer später seiner Verpflichtung nachkommt oder, falls nicht, dafür belangt werden kann, indem er adäquat Werthaltiges nachschießen muß, das den Forderungsinhaber befriedet.

    In der Stund null gibt es exakt zwei Rinder auf der Welt. Schreibt jemand “Wert: Hundert Kühe, einlösbar beim Huber-Bauer” auf einen Zettel und bekommt dafür im Tausch eine entsprechende Menge Land oder sonstwas, so geht das niemanden etwas an, als die Beteiligten, sprich den initialen Zettelmaler und all jene, die an die Einlösbarkeit glauben und das Papier akzeptieren, weil sie etwa auf des Huber-Bauers Zucht- und damit Geschäftserfolg vertrauen.

    “Möchte man in der Stunde null Geld in eine zu gründende AG als Eigenkapital einbringen, muß man die Aktien auf Kredit kaufen (was Geldschöpfung bedeutet).”

    Ist das so? Mir dünkt der Begriff “Geldschöpfung” vergiftet. Auf der einen Seite haben wir, selbst in der Stunde null, Realwerte, auf die sich Bezugsscheine ausstellen lassen. Zugleich läßt sich jedes beliebige Versprechen verbriefen, solange der Empfänger von der Einlösbarkeit überzeugt ist.

    Die Crux am Zentralbank-Geldwesen besteht an der Dualität des Versprechens: 1) Irgendwas Wertvolles, 2) von irgendwem. Das ‘Irgendwas Wertvolles’ ist dabei noch halbwegs unproblemantisch, giftig ist das Versprechen der Einlösbarkeit durch die Allgemeinheit. Das ist erkennbar ein Vertrag zulasten Dritter. Der Debitor, der nicht für seine Schuld haftet — und das im Herzen des monetären Blutkreislaufs. Sowas hinzunehmen, war ein Kardinalfehler der Menscheit!

    “Und für diesen Kredit braucht es belastbares Eigentum, also z. B. Immobilien.”

    Oder alternativ alles andere, von dem man begründet einen Vorteil erhofft, so man es eintauscht. Das kann auch Abstraktes sein, wie das Versprechen, einhundert Differenzialgleichungen zweiter Ordnung zu lösen. Anlage- und Umlaufvermögen begründen den Großteil eines Firmenwerts, wie Sie aber nur zugut wissen, ist das nur die halbe Miete.

    “An der privaten Basis stehen belastbare Sachwerte ..”

    Ich erhöhe auf “belastbare Versprechen auf Gegenleistung”. Belastbarkeit wiederum ist subjektiv, weswegen Freiwilligkeit notwendiges Charakteristikum eines brauchbaren Geldwesens ist. Die Gedanken eines normalen Menschen hängen zum Großteil an Zukünfigem, der mentale Vorgriff ist für uns so natürlich wie das Atmen. Geld, das zwangsweise in der Gegenwart verhaftet ist, würde dem nicht gerecht werden, obwohl, und das sei ohne Zynismus konzediert, es Furchtsamen friedlichen Schlaf schenken könnte.

    ‘Was ich morgen habe, ist heute schon da.’ — Diese Vorstellung hat was, weswegen in einem freien Geldwesen auch solche Gelder reüssieren würden. Daraus ableitend aber die Forderung zu erheben, alles Geld müsse zwangsweise schon beim Zeitpunkt der Entstehung existierende Bezugspunkte haben, vorzugsweise Greifbares, weil Dienstleistungen der Gegenwart morgen Geschichte sind, widerspricht der menschlichen Natur.

    ” auf denen das Geldsystem aufsetzt. Mir ist bewußt, daß es bei der Staatsverschuldung eine etwas andere Geschichte ist und hier Ihre Einwände ansetzen.”

    Die Komplizenschaft von Staaten und Geld-Priestern ist offensichtlich, doch war diese nicht Aufhänger meiner Einwände, denn viel mehr die kreationistischen Darlegungen eines ganz bestimmten Mitposters.

  18. Zaungast

    @Karl Markt

    Wenn sich die Zaungäste mehrheitlich einen Hofer oder einen Adolf wählen, werden die Karlis vielleicht anders denken über die Macht der Zaungäste.

    Daß Aktionäre in der HV auch noch einige andere Dinge hinsichtlich ihres Eigentums beschließen, sei nur am Rande erwähnt.

    “… dass Sie die Diskussion in eine völlig andere Richtung leiten…”

    Das ist witzig. Als Zaungast mit ein paar schmalen Bemerkungen bin ich jetzt plötzlich der Diskussionsleiter.

    “…wie gesamtwirtschaftliches Wachstum entsteht…”

    Ich habe ein kleines Uhrenbeispiel gebracht, das m. E. den Kern des unternehmerischen Mechanismus anschaulich darstellt: Durch menschliche Arbeit (Reparatur) werden neue Werte (5 funktionierende Uhren) geschaffen, wobei der Unternehmer glücklicherweise einen Profit erzielt. Leider hat dieses Beispiel Ihr Verständnis nicht erreicht. Damit kann ich aber leben. Sie müssen es ja auch.

  19. Karl Markt

    @Zaungast
    “Wenn sich die Zaungäste mehrheitlich einen Hofer oder einen Adolf wählen, werden die Karlis vielleicht anders denken über die Macht der Zaungäste.”

    Völlig Korrekt! Deshalb meine Frage: Warum holt sich ein Unternehmen 10.000 Stimmberechtige ins Boot?
    Wegen der Stimmen, oder wegen des Geldes? 🙂

  20. Zaungast

    “Warum holt sich ein Unternehmen 10.000 Stimmberechtige ins Boot?”

    Es gibt fast immer dominierende Aktionäre und einen mehr oder weniger großen Streubesitz. Die dominierenden Aktionäre bestimmen, wo’s langgeht; der Streubesitz liefert weiteres Kapital und erhofft sich eine Rendite, hat aber praktisch kaum Stimmgewicht. Wobei sich die Verhältnisse jederzeit ändern können: Streubesitz kann aufgekauft werden usw.

  21. Zaungast

    @Oliver

    “Mir dünkt der Begriff „Geldschöpfung“ vergiftet”

    Nur kurz und sehr stark vereinfacht: Geld wird von Privaten und vom Staat im Zuge des Kreditaktes geschöpft. In einem 2stufigen Banksystem zunächst in Zusammenwirkung mit Geschäftsbanken (Giralgeld).

    Beispiel: Sie lassen sich bei Ihrer Bank einen Dispo geben und kaufen auf Kredit ein. Damit haben Sie Giralgeld geschöpft (Bilanzverlängerung bei der Bank).

    Ebenso für den Staat: Er bekommt einen Dispo, mit dem er einkauft.

    Die Geschäftsbanken haben jetzt also Forderungen gegen Private (überwiegend besichert) und gegen den Staat (Besicherung?).

    Diese Mischung könnte man als “vergiftet” sehen.

    Jetzt geht es aber noch weiter:

    “Die Crux am Zentralbank-Geldwesen” liegt darin, daß die Zentralbank zur Bargeldversorgung gewöhnlich nur Staatsanleihen aufkauft (Bilanzverlängerung bei der Zentralbank) – also Forderungen, deren Besicherung unklar ist.

    Der Staat kann zur Bedienung seiner Kredite auf alle Steuerzahler zugreifen (Zwangshypothek usw.) oder seinen Gläubigern sagen: “Leider nein”. Um bei einem leistungsunwilligen Staat die Schulden einzutreiben, braucht man dann schon militärische Kraft…

    Gute Nacht.

  22. Zaungast

    @Oliver

    PS: “Das ‚Irgendwas Wertvolles‘ ist dabei noch halbwegs unproblemantisch”

    Das “Irgendwas Wertvolles” ist sogar ein Vorteil – nämlich das stabilste Geld. Klingt paradox, ist aber so. Grund: Zielt man auf etwas Bestimmtes ab (z. B. Gold), kann dieser Einzelwert stark im Wert schwanken. Zielt man auf etwas Unbestimmtes ab, hat man einen Durchschnitt über alle Forderungen, quasi einen Index – stabiler als ein Einzelwert.

  23. Oliver H.

    @Zaungast

    “„Mir dünkt der Begriff „Geldschöpfung“ vergiftet“
    Nur kurz und sehr stark vereinfacht: Geld wird von Privaten und vom Staat im Zuge des Kreditaktes geschöpft. In einem 2stufigen Banksystem zunächst in Zusammenwirkung mit Geschäftsbanken (Giralgeld).”

    Das war mir nicht unbekannt und führte exakt zur These, der Begriff sei vergiftet. Warum? Weil Leute mehr oder minder nur noch das darunter verstehen, was Sie oben beschrieben und dabei, dank Verkürzung, leider an Essenz wegließen.

    Der Fehler liegt in der Einengung, das für Private verfügbare Geld sei entweder Giralgeld oder Bargeld. Erstens kommt Giralgeld und Bargeld (wie auch elektronisches M0 der Zentralbanken) auf völlig verschiedene Weise in die Welt, zweitens ist jeder Pfandbrief nicht minder Geld, ein Coupon, eine Rabattmarke, ein Rubbellos oder ein privater Schuldschein detto, so diese Abnehmer finden.

    Aber zurück zum landläufigen “Geld”:

    1) Zentralbankgeld wird gedruckt oder als Bitfolge erzeugt. Zentralbanken bedürfen keines Kreditaktes, sie benötigen nicht zwingend eines risikotragenden, klagbaren Ausleihers, sondern sie können daneben auch simpel drucken und kaufen.
    2) Im Gegenzug dazu agieren Geschäftsbanken viel mehr wie Pfandleihen, was sie kreditieren, bemißt sich an der Schuldfähigkeit des jeweiligen Debitors, zumal sie selbst dafür haften, so ihr Schuldner ausfällt.

    Diese Akte unterschieden sich grundlegend, beide als “Geldschöpfung” zu bezeichnen ist Ursache abertausender tiefgehender Mißverständnisse. (1) “Es werde Geld” versus (2) “Das ist die Verbriefung eines Risikos, die als Geld genutzt werden soll.”

    Die Differenz ist klar ersichtlich und führte, welch ein Wunder, dazu, daß de jure immer noch allein Banknoten und Münzen gesetzliches Zahlungsmittel sind und daher nur sie, wenn man’s drauf anlegt, schuldbefreiende Wirkung haben, falls ein adäquateres Mittel nicht ein- respektive aufbringbar ist (Klassiker: Schmerzensgeld).
    Zweitens rechnen Geschäftsbanken untereinander sowie mit den Zentralbanken nicht mittels Giralgeld ab, sondern ausschließlich via Zentralbankgeld. Sie tun dies, weil der Legende nach einzig herbeigemurmelte Fetzen Papier einen Wert ansich haben, die privatrechtlich verbriefte Forderung, die sich final und einklagbar am Eigentum einer privaten oder jurischen Person schadlos hält, jedoch nicht.

    Das eine ist gedeckt, weil man behauptet, irgendwer werde dafür schon was hergeben, während hinter dem anderen tatsächlich jemand steht, der den Kopf hinhält. Zwei unterschiedliche Kategorien, zwei unterschiedliche Genesen. Beides “Geldschöpfung”? Falls ja, dann nur mit einer beliebigen Definition von Geld.

    “[..] Diese Mischung könnte man als „vergiftet“ sehen.”

    Im aktuellen System ist im Kern pure Luft, jene Luft der Zentralbanken, die als Reserve gilt. Würde in der Stunde Null bei der ersten Kreditvergabe einer Geschäftsbank jemand ein 100 Dollar-Darlehen erbitten und dafür seinen Wolkenkratzer belehnen, so dürfte die Geschäftsbank den Kredit nicht gewähren, wenn sie nicht mittelbar einen Dollar der Notenbanken in ~Reserve~ hätte.
    Hochgradig toxisch wird es durch staatlichen Zwang, als Normalsterblicher immer wieder damit zutun zu haben.

    “Der Staat kann zur Bedienung seiner Kredite auf alle Steuerzahler zugreifen (Zwangshypothek usw.) ..”

    Der Staat kann sogar viel mehr: Er kann seine Untertanen dazu verdonnern, bankrotte Banken zu retten. Das macht er andauernd, offen oder verdeckt. Und wenn’s der Staat nicht macht, dann eben “the lender of last ressort”. Praktisch, nicht wahr? Das ist jene Willkür, der in einen Free-Banking-System systembedingt enge Grenzen gesetzt wären.

  24. Oliver H.

    @Zaungast

    “Das „Irgendwas Wertvolles“ ist sogar ein Vorteil – nämlich das stabilste Geld. Klingt paradox, ist aber so. Grund: Zielt man auf etwas Bestimmtes ab (z. B. Gold), kann dieser Einzelwert stark im Wert schwanken. Zielt man auf etwas Unbestimmtes ab, hat man einen Durchschnitt über alle Forderungen, quasi einen Index – stabiler als ein Einzelwert.”

    Völlig korrekt. Echtes Geld hat das Zeug zum Urmeter, aufdaß in einer validen Umkehrung ein Wert in Geld ausgedrückt wird. Leider findet dieses Umkehrung auch statt, wenn Geld, wie aktuell, reine Willkür ist. Ökonomische Debatte bekommen damit verdammt kafkaeske Züge, wie auszugsweise oben:

    Marxist: „Wie erklären Sie denn in Geld gemessenenes Wirtschaftswachstum, wenn doch nicht mehr Geld ausgegeben werden kann, als zuvor investiert wurde.“

  25. Zaungast

    @Oliver

    1) Ich halte die “Einengung” des Geldbegriffs im landläufigen Sinn auf Giralgeld und Bargeld für sinnvoll. Wegen der praktischen Umlauffähigkeit (versuchen Sie mal, mit einer Staatsanleihe im Supermarkt zu bezahlen – unhandlich) und wegen der – zugegeben geringfügigen – zusätzlichen Besicherung durch das Eigenkapital der Bank.

    2) “Zentralbanken bedürfen keines Kreditaktes…”

    Im wesentlichen kaufen Zentralbanken nur bereits bestehende Kreditforderungen auf, gewöhnlich sind das Staatsanleihen im Zuge eines “Pensionsgeschäftes” mit den Geschäftsbanken. (Ich erspare mir die Details, die Sie natürlich kennen.) Man kann jetzt darüber spekulieren, welches Geld besser besichert ist: Bargeld oder Giralgeld.

    3) Reserve – Das Bargeld ist aus dem Giralgeld abgeleitet (siehe Pensionsgeschäft). Für die Stunde null ergibt sich dadurch ein kleines theoretisches Problem, weil zuerst die Geschäftsbank einen Kreditakt abschließen muß, den sie dann bei der Zentralbank gegen Bargeld tauschen kann. Ansonsten hat die Reserve kaum praktische Bedeutung.

    4) Das Problem mit der staatlichen Bankenrettung besteht immer, egal in welchem System. Da müßte man schon den Staat abschaffen…

  26. Zaungast

    @Oliver

    PS: Giralgeld hat noch eine weitere Besicherung: Es ist vorrangig (gegenüber nachrangigen Bankanleihen, Hybridkapital usw.). Die Einlagensicherung erwähne ich besser nicht. 😉

  27. Karl Markt

    @Zaungast
    “der Streubesitz liefert weiteres Kapital und erhofft sich eine Rendite, hat aber praktisch kaum Stimmgewicht”

    Danke. Also wenn Sie es auch sagen, dann wird’s ja wohl stimmen.

  28. Zaungast

    @Karl Markt

    Es kommt halt drauf an, auf die konkrete Situation. Manchmal wird der Streubesitz zum “Zünglein an der Waage” usw. Meistens ist der Streubesitz in der HV nur spärlich vertreten, daher wenig Stimmgewicht.

  29. Karl Markt

    @Oliver H, Zaungast

    Jetzt rätseln Sie typischerweise uns Geld und verstehen nicht, warum denn das liebe Geld eigentlich nichts mehr heutzutage. Böser Geldsozialismus. Nun, ich kann es Ihnen erklären.

    Zaungast hat die smoking gun im.Prinzip schon gefunden: “Wegen der praktischen Umlauffähigkeit“.

    Völlig richtig. Je abstrakter, also wertloser, das Geld an sich ist, desto desto effizienter funktioniert die Warenallokation, also der Markt, das heißt, die Profitmacherei.
    Deshalb kann man in der Geschichte eine eindeutige Tendenz erkennen, wie Geld immer abstraktere Formen annimmt: Waren, die selbst als Geld fungieren – Edelmetalle/Münzgeld – Papiergeld – bargeldloses zahlen.

    Warum der Goldstandard aufgegeben wurde, haben wir oben schon geklärt: Weil nur durch die Ausweitung der Geldmenge Profit gemacht werden kann. Oliver H glaubt hingegen, es kann auch Profit gemacht werden, wenn immer eine konstante Geldmenge hin und her geschoben wird. Oder Reiskörner. Das ist halt österreichische Vorschule. Metapherngeschwurbel wird folgen.

  30. Karl Markt

    warum denn das liebe Geld eigentlich nichts mehr- wert ist – heutzutage

    sorry..

  31. Karl Markt

    Im Prinzip kann man sagen, jemand wie Oliver H, bzw die österreichische Vorschule, versteht eigentlich gar nicht, warum wir Profit in Geld messen. Warum ist nicht der Nutzen der Güter gleich der eigentliche Profit?

    Es kommt natürlich durch die Scheidung von Gebrauchs und Tauschwert, die vor allem durch das Privateigentum der Produktionsmittel manifestiert wird. Produziert wird für den Verkauf, nicht für den unmittelbaren Gebrauch. Das Geld funktioniert als Maßstab des Tauschwerts, der im Wesentlichen durch die Arbeit (Gestehungskosten) bestimmt wird.

  32. Karl Markt

    Und es schöpft nicht der Staat Geld, sondern die Privatbanken, auf Nachfrage der Unternehmen.

    Die Zentralbank sorgt über den Leitzins dafür, dass die Privatbanken nicht billig hemmungslos Geld drucken. In der Krise (keine Nachfrage nach Geld) dreht sich das um. Die Zentralbank senkt den Leitzins, um Investitionen attraktiver zu machen.

    Und Nein, das Geldmonopol abschaffen und den Markt entscheiden lassen, was gutes Geld ist, funktioniert nicht. Das produziert ständig Wirtschaftskrisen, da Geld keine verbindliche Kaufkraft mehr hat. Investieren unmöglich.

  33. Oliver H.

    @Markt Karl

    “Jetzt rätseln Sie typischerweise uns Geld und verstehen nicht, ..”

    Zweimal nein, aber immerhin: Nice try.

    “.. warum denn das liebe Geld eigentlich nichts mehr heutzutage.”

    Was “nichts mehr heutzutage”? Man muß kein Freudianer sein, um sich ein Bild davon zu machen, was zwischen Ihren Ohren vorgeht, wenn Sie Themen behandeln, von denen Ihr Innerstes nur zu gut weiß, daß Sie keinen Tau davon haben.

    “Böser Geldsozialismus. Nun, ich kann es Ihnen erklären.”

    Man kann Ihnen regelrecht beim Lufholen zusehen.

    “Zaungast hat die smoking gun im.Prinzip schon gefunden: “Wegen der praktischen Umlauffähigkeit“. [..] Je abstrakter, also wertloser, das Geld an sich ist, desto desto effizienter funktioniert die Warenallokation, also der Markt, das heißt, die Profitmacherei.”

    Ersetzt man obiges “Markt” durch “Karl Markt” und kürzt das Stottern raus, stimmt es zwar auch nicht, aber die Luft ist dann wenigstens nicht ganz so heiß.

    “Oliver H glaubt hingegen, es kann auch Profit gemacht werden, wenn immer eine konstante Geldmenge hin und her geschoben wird. Oder Reiskörner. Das ist halt österreichische Vorschule. Metapherngeschwurbel wird folgen.”

    Würde man Ihnen öffentlich nachsagen, Sie stünden auf Masturbation mit gestohlenen Tennisbällen, würden Sie das entweder zurückweisen, oder Quellen einfordern, die eine derartige Selbstbezichtung beweisen. Capiche?

    “warum denn das liebe Geld eigentlich nichts mehr- wert ist – heutzutage sorry..”

    Is’ ja gut. Entschuldigung angenommen, für alles, was Ihnen jemals in die Weiten des Internes ausbüchste.

  34. Zaungast

    Also mir gefällt der Karl Markt. Er ist ideologisch gefestigt. Kein fremdes Argument, keine fremde Logik kann ihn verunsichern, felsenfest steht er auf granitenem Fundament. Respekt!

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