“Die Revolution der gebenden Hand”

Von | 24. April 2013

Die kapitalismuskritische Linke definiert das Eigentum als Diebstahl. Der größte Nehmer ist aber der moderne Staat. Wir leben in einem steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus – und niemand ruft zum fiskalischen Bürgerkrieg auf, meint PETER SLOTERDIJK in einem FAZ-Essay. Leseempfehlung!

8 Gedanken zu „“Die Revolution der gebenden Hand”

  1. world-citizen

    “Eigentum als Diebstahl”, das war vielleicht vor 40 Jahren, aber heute sind ja viele, die das einst predigten selbst zu Eigentümern geworden – die werden sich nicht mehr den Ast absägen auf dem sie sitzen.

    So etwas kann man bestenfalls noch in Ländern predigen, wo die Massen wirklich arm sind.

  2. Reinhard

    @world-citizen
    Ach was, die Marxisten am linken Rand der SPÖ beten dieses Mantra, obwohl es ebenso veraltet und unwahr ist wie vieles in den Schriften ihres Messias, bis heute begeistert nach. Wobei sie natürlich nicht ihr eigenes Eigentum meinen, sondern das des Klassenfeindes. Ihr eigenes ist ja ehrlich erarbeitet, zumindest von den Eltern; dass ihr Großer Prophet selbst nur bei dem Sohn eines Großindustriellen schnorrte und lieber Kinder sterben ließ als arbeiten zu gehen muss man ja nicht so ernst nehmen. Was nicht gefällt im Lebenslauf des Propheten wird als Propaganda des Bösen abgetan und schon ist alles wieder gut.
    Die im Wohlstand des bösen Kapitalismus zwischen Eigenheim und Zweitauto aufgewachsenen Jungrevolutionäre des Proletariats palavern nämlich gern mit erhobenem Zeigefinger die Zitate ihres Herrn nach (außer vielleicht jenen über die Juden und die Zigeuner; selbst dort wird man wählerisch), theoretisieren klugscheißerisch über die Sätze ihres Großen Propheten und seiner Jünger, ohne auch nur einen einzigen wirklich praktischen Erfahrungswert jenseits der revolutionären Kampfseminare in der Parteiakademie vorweisen zu können.
    So werden sie weiter an ihren billigen Parolen hängen, mit dem festen Glauben an das Wort Got…, äh Marxens, und werden ganz in der Tradition religiöser Eiferer weiter für das paradiesische Reich ihres Erretters kämpfen. Mit altbekannter Wort- und auch anderer Gewalt.

  3. Rennziege

    @world-citizen
    Es liegt auf der (nehmenden) Hand, dass Sie Sloterdijks Essay nur überflogen haben, wenn überhaupt.

  4. menschmaschine

    ich weiß nicht genau, ob es dieser artikel war, aber seitdem hassen die linken sloterdijk, denn er hat in ihren augen “jehova” gesagt. vom zeitpunkt her könnte es passen.

  5. Michael Haberler

    Es wundert mich ja eh, was sich die deutsche Bevölkerung so alles aufbürden lässt, ohne aufzumucken.

    Euro-Rettungen bis zum Abwinken, der Energiewende-Schwachsinn, und noch immer naiv staatsgläubig – bin gespannt, wann der Groschen fällt und da mal ein Schlussstrich gezogen wird.

  6. Reinhard

    @Michael Haberler
    Es ist nicht nur so, dass die Geber in der Minderzahl sind, nein, sie wissen es auch. Die gerade mal 30%, die den ganzen Laden zu 100% finanzieren und dafür ausgepresst werden bis auf’s Blut, wissen, dass sie keine Lobby, keine politische Interessenvertretung, keine Chance auf Widerstand haben.
    Gegen keine Kleinkriminellen, keine Drogenverchecker, keine Taschendiebe, Randalierer, Messerstecher, Hetzprediger oder Versicherungsbetrüger geht der Staat mit jener Hartnäckigkeit, Akribie und Härte vor wie gegen jene, die ihre Steuern auch nur eine Woche zu spät überweisen; von Kreativbuchhaltung und Auslandskonten reden wir gar nicht. Da wird auch schon mal gehehlt und Recht gebeugt, die Unschuldsvermutung gegen eine generelle Schuldvermutung getauscht.
    Wer so blöd ist, so viel zu hakeln, dass er Steuern zahlen muss, der steht unter dem Generalverdacht, zu wenig zu zahlen, und muss permanent seine Unschuld beweisen – mit amtliche Erklärungen samt Wahrheitsschwur und unter Vorlage von Bergen von Rechnungen und Belegen bis hin zu Stapeln von Parkscheinen, die stundenlang akribisch vom Finanzbeamten mit dem Fahrtenbuch gegengecheckt werden, ob da nicht jemand ein paar Cent durchmogeln wollte.
    Und wenn er es geschafft hat – dann schlägt das Beamtentum gnadenlos zu. Mit Strafverfügungen, gegen die es keine Einspruchsmöglichkeit gibt. Wird einer der oben genannten Kleinkriminellen doch mal vom Komissar Zufall ertappt,hat er ein Recht auf Verteidigung, jedes Urteil erlangt erst Rechtskraft durch seine Annahme oder eine höchstrichterliche Entscheidung. Nicht so beim ertappten Steuer”sünder” (es ist ja nicht der ein Sünder, der den arbeitenden Menschen die Hälfte ihres Geldes enteignet um es am Roulettetisch der Finanzwirtschaft zu verzocken, seine Jubelbrigaden zu versorgen und seine Pfründen zu sichern, sondern der, der sein ehrlich erworbenes Eigentum vor dieser gierigen Krake beschützen will); der wird gleich auf dem Amtsweg, in Abwesenheit und ohne Verteidigungsmöglichkeit per Strafmandat um noch mehr erleichtert.
    Bei jeder anderen Organisation als dem Beamtenstaat nennt man so etwas mafiös und kriminell. Der Staat ist durch sein Gewaltmonopol jene Organisation, in der die Täter Rechtsschutz genießen und die Opfer bei dem Versuch, sich gegen die Gewalt zu wehren, zu Rechtsbrechern und Verbrechern gestempelt werden.
    Und das wissen die Opfer.
    Deshalb murren und knurren sie – und hakeln noch mehr, in der vergeblichen Hoffnung, vielleicht von dem kärglichen Rest, den ihnen der wegelagernde Staat gnädigerweise im Geldbörsel lässt, doch etwas besser leben und seine Kinder besser absichern zu können als die nehmende Mehrheit, die sorglos ihr Geld verprasst, das sie nicht bekommt, weil sie etwas dafür leistet, sondern weil es ihr “wohlerworbenes Recht” ist, weil es ihr “zusteht”, mindestens genauso gut zu leben wie die mit einer Arbeit “privilegierten” Hakler.
    Die wenigen, die den ganzen Haufen noch am Rennen halten, haben bereits resigniert. Sie gehen nicht mehr wählen, nur noch arbeiten. Sie engagieren sich nicht, denn dazu bleibt keine Zeit. Sie vertrauen keinem, denn jeder will nur an ihr Geld. Sie kapseln sich ein und erkaufen sich die trügerische Ruhe mit zerknirschtem Weiterschuften. Weil sie etwas haben, wissen sie, wenn sie gegen den Staat aufmucken, können sie das alles, den kleinen Rest, auch wieder verlieren.
    Nein, der Staat hat seine Bürger hervorragend dressiert. Die Gesellschaft ist geteilt in die Gruppe der alles bezahlenden Futterlieferanten, die Gruppe der nehmenden subventionierten und alimentierten Wählerschichten als Machterhalter und die Gruppe der aud dem gleichen Topf dieses System verwaltenden und erhaltenden Beamten. Und ganz oben steht eine politische Elite, die Feudalherren des Partei-Adels, und schöpft ab, versorgt sich gegenseitig mit Rahm, und verschiebt Milliarden nicht vorhandenen Geldes, denn nur eine hohe Verschuldung zwingt die Gruppe der Hakler zu noch mehr Arbeit und noch mehr Abgaben, um die drohende Gefahr des Niedergangs zu bannen, die über ihren Kindern schwebt.
    Sie wissen, wie man erpresst.
    Und dieses in der Weltgeschichte einmalige System der Ausbeutung nennt sich auch noch Demokratie und gaukelt den Menschen vor, sie hätten irgend eine andere Bedeutung als jene, die ihr in der jeweiligen Gruppe zugedacht war. Es gibt nur drei Arten von Verbrechen: Beamte, die gegen das System aufmucken, Leistende, die keine Steuern mehr zahlen und Alimentierte, die nicht dankbarkeitswählen.
    Und das weiß jeder.

  7. Schabeltierfresser

    Reinhard :
    Die Gesellschaft ist geteilt in die Gruppe der alles bezahlenden Futterlieferanten, die Gruppe der nehmenden subventionierten und alimentierten Wählerschichten als Machterhalter und die Gruppe der aud dem gleichen Topf dieses System verwaltenden und erhaltenden Beamten.

    Im Großen und Ganzen haben Sie ja recht, aber Sie zeichnen doch ein sehr eindimensionales Bild. Unter den Wählern gibt es abgesehen von den Pensionisten doch nur sehr sehr wenige Nettoempfänger. Es eher welche, die sehr wenig Steuer zahlen, und welche, die in Verhältnis sehr übertrieben viel Steuer zahlen.

    Die wirklich große Kohle geht in den von Ihnen genannten Beamtenapparat und ganz besonders in die (i.d. R. politiknahe) Wirtschaft bei allen Arten von Beschaffungen und Infrastrukturen.

  8. gms

    Schabeltierfresser:
    Unter den Wählern gibt es [..] doch nur sehr sehr wenige Nettoempfänger.

    Das ist falsch, zumal hierzulande bereits ein Drittel des Einkommens des Medianeinkommens vom Staat kommt, womit sogar die MwSt dieser Haushalte von Dritten aufgebracht wird (Quelle: IV-Studie von 2011, IIRC).
    Hinzu kommt die zweifache Umverteilung durch die Sozialversicherungen, sowohl durch die Anstalten selbst, wie auch durch den Staat über die Zuschüsse an die Anstalten.

    Das Beamtenheer verschärft das Ganze nochmals, wie gleichfalls die rund 10% des Gesamtbudgets als Schuldendienst, der mittelbar die Umverteilung von Gestern darstellt.

    Wo die “wirklich große Kohle” beim Umverteilungsweltmeister hingeht, ist leicht erkennbar:

    bmf.gv.at/BUDGET/budgets/2012/Bfg/Budget_OneSheet_2012_de.pdf

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