Die Robo-Phobie der Fortschrittsängstlichen

Von | 21. August 2017

(C.O.)Seit immer klarer sichtbar wird, dass Roboter und Computer schon in der näheren Zukunft viele Jobs besorgen werden, die heute noch von dazu eigens angestellten und dafür entlohnten Menschen erledigt werden, stellt sich die eher ungemütliche Frage, wie der Sozialstaat eigentlich finanziert werden soll, wenn immer weniger steuerzahlende Homo sapiens und immer mehr nicht-steuerzahlende Maschinen in den Fabriken werken. Denn je nach herangezogener Studie werden angeblich 30, 40 oder – einer jüngsten Horrorprognose aus dem Silicon Valley zufolge – sogar 80 Prozent aller Arbeitsplätze von der Digitalisierung gefressen werden.

Auch in Österreich wird diese Frage eher früher als später beantwortet werden müssen; und sie eignet sich durchaus gut dafür, ein Thema im kommenden Wahlkampf zu sein. Nicht nur die Sozialdemokraten neigen dazu, künftig eben auch nichtmenschliche Arbeitskraft so ähnlich zu besteuern wie heute die menschliche. Das heißt dann meistens “Wertschöpfungsabgabe” und ist im europäischen politischen Diskurs die vermutlich am öftesten genannte Therapieform für das Problem.

Einen konträr entgegengesetzten und hochinteressanten Weg geht seit Neuestem das vermeintlich kommunistische China. Im Perlfluss-Delta, dem industriellen und ökonomischen Powerhouse im Süden der Volksrepublik (genauer in der Provinz Guangdong), wo tausende Hochtechnologie-Unternehmen eine gewaltige wirtschaftliche Dynamik entfaltet haben, fördert die Regierung nun gezielt Investitionen in Roboter und Automatisierung von Fabriken, anstatt diese zu besteuern. Die dem zugrunde liegende Logik ist der in Europa verbreiteten genau entgegengesetzt: Nur ganz besonders produktive Unternehmen, so argumentiert Chinas ökonomische Führung, seien imstande, im globalen Wettbewerb zu bestehen und damit auch Arbeitsplätze zu sichern oder zu schaffen. Um aber an der Spitze der Produktivität zu stehen, sei ein möglichst hoher Grad an Roboterisierung der Industrie zwingend notwendig. Also behindert der Staat das nicht durch Steuern und Abgaben, sondern gewährt sogar finanzielle Anreize für die Anschaffung von Robotern.

Nicht wenig spricht dafür, dass die Chinesen da auf dem richtigen Dampfer sind. Denn interessanterweise stimmt empirisch die landläufige Annahme, mehr Roboter würden mehr menschliche Arbeitslose bedeuten, nicht im Geringsten. Ganz im Gegenteil: Jene Staaten, in denen die meisten Roboter am Fließband stehen, haben die niedrigsten Arbeitslosenzahlen. Deutschland, Japan und vor allem das Roboter-Mekka Südkorea widerlegen die Robo-Phobie der Fortschrittsängstlichen überzeugend: In Südkorea etwa liegt die Arbeitslosenrate seit Jahren konstant bei rund 3,5 Prozent – und das, obwohl dort bereits 531 Industrieroboter auf 10.000 Arbeiter kommen (in Japan und Deutschland je 300, in den USA nur 176).

Dagegen ist die Arbeitslosigkeit gerade in jenen Staaten, die Roboter eher nur aus Science-Fiction-Romanen kennen, besonders hoch, etwa im europäischen Süden. Wohlstand entsteht eben dort, wo möglichst viele Menschen möglichst produktiv arbeiten – und nicht dort, wo Produktivität besteuert wird. (WZ)

42 Gedanken zu „Die Robo-Phobie der Fortschrittsängstlichen

  1. Selbstdenker

    @Christian Ortner:
    Vielen Dank für diesen ausgezeichneten Artikel. Es verhält sich genau wie Sie es beschreiben.

    Die vernetzte Automatisierung ist die letzte Chance, die Europa – insbesondere Deutschland – hat. Eine Geburtenrate zwischen 1,5 und 2,0 sowie das Altern der Bevölkerung kann ein Land durchaus verkraften, wenn die Produktivität hoch ist und das Know-how der Mitarbeiter länger genutzt bzw. laufend erneuert wird.

    Jene gleichförmigen und wiederkehrenden Tätigkeiten, die bereits jetzt im hohen Maße automatisiert sind (z.B. Schweißrotober in der Autoindustrie), würden die meisten Menschen heute gar nicht mehr annehmen. Auch nicht die Zuwanderer seit 2015, die wir angeblich so dringend als Fachkräfte benötigen würden.

    Wenn die Deutschen die Deutschen ihre letzte verbliebene Schlüsselindustrie verjagen und die Europäer ihre Wettbewerbsfähigkeit durch eine automatisierungsverhindernde Besteuerung, die übrigens jede Form der Selbständigkeit betrifft, ruinieren, gehen in Europa endgültig die Lichter aus.

    Der damit rasant einsetzende Wohlstandsverlust in Kombination mit der millionenfachen Zuwanderung von Menschen, die kulturell in einer anderen Zeit leben und zum Teil auch untereinander verfeindet sind, wird den europäischen Kontinent in Chaos stürzen:

    “Wen die Götter vernichten wollen, den machen sie zuerst wahnsinnig”

  2. Karl Markt

    “Im Perlfluss-Delta, dem industriellen und ökonomischen Powerhouse im Süden der Volksrepublik (genauer in der Provinz Guangdong), wo tausende Hochtechnologie-Unternehmen eine gewaltige wirtschaftliche Dynamik entfaltet haben, fördert die Regierung nun gezielt Investitionen in Roboter und Automatisierung von Fabriken, anstatt diese zu besteuern. Die dem zugrunde liegende Logik ist der in Europa verbreiteten genau entgegengesetzt: Nur ganz besonders produktive Unternehmen, so argumentiert Chinas ökonomische Führung, seien imstande, im globalen Wettbewerb zu bestehen und damit auch Arbeitsplätze zu sichern oder zu schaffen. Um aber an der Spitze der Produktivität zu stehen, sei ein möglichst hoher Grad an Roboterisierung der Industrie zwingend notwendig. Also behindert der Staat das nicht durch Steuern und Abgaben, sondern gewährt sogar finanzielle Anreize für die Anschaffung von Robotern.“

    Was würde wohl Ludwig von Mises zu einer staatlichen Förderung sagen? Ist das jetzt nicht ein stastlicher Eingriff der Marktverzerrend wirkt? Schon mal was vom Ölflecktheorem gehört? Immer wenn der Staat finanzielle Anreize schafft, schafft er mehr Probleme, als er lösen kann.

  3. Selbstdenker

    @Karl Markt:
    Der zentrale Teil ist wohl dieser: “…anstatt diese zu besteuern”.

    Gerade dieser Satz müßte Ihnen, geschätzter Herr Markt, eigentlich besonders gefallen:
    “Wohlstand entsteht eben dort, wo möglichst viele Menschen möglichst produktiv arbeiten – und nicht dort, wo Produktivität besteuert wird.”

    Wobei ich anmerken möchte, dass Menschen genau dort am produktivsten arbeiten, wo dies durch Kapital (Maschinen und Know-how) ermöglicht wird.

    Die Löhne in der Autoindustrie wären viel niedriger, wenn die Produktivität niedriger wäre (von den Arbeitsbedingungen als Hand-Schweißer in der Serienfertigung einmal abgesehen). Ganz davon zu schweigen, dass die meisten Menschen sich ein weitgehend manuell hergestelltes Auto (siehe Luxusmarken) gar nicht leisten könnten.

    Begraben Sie endlich Ihren unsachlichen Groll gegen das Kapital. Es ist in Wahrheit nämlich nicht der Gegner, sondern der Freund der Werktätigen. Als Werktätige würde ich alle bezeichnen, die auf Basis individueller freiwilliger Transatkionen Werte schaffen.

  4. waldsee

    ich ängstige mich nicht vor Robotern.Diese betrachte ich als Diener,Gehilfen des Menschen.Sorge bereitet — und es sind beeindruckende Zahlen–das rasante Bevölkerungswachstum(1950 :~2 Milliarden—2015 :~8 Milliarden). DerEinzelne droht Roboter,d.h. immer unbedeutender zu werden.

  5. sokrates9

    Die Evolution findet in Asien statt! Wir lassen uns derzeit von Steinzeitmenschen überrollen und finden dagegen kein Mittel! (… wollen kein Mittel finden!)

  6. Reini

    sehe dies wie @Selbstdenker,…
    Der technische Fortschritt mit sinkender Geburtenrate wäre für ein Land wie Österreich Perfekt für zukünftige Entwicklung. … leider macht die unkontrollierte, ungebildete Zuwanderung einen Strich durch die Rechnung.
    Wie leicht man ein Volk mit der einseitigen Auslegung der Tatschen beeinflussen kann, (mit der Meinung alles Neue ist schlecht)… und dies kommt von einem BK!
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5175644/Studie_Bill-Gates-liegt-mit-RoboterSteuer-falsch
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/verbraucher/5207230/78-Prozent-der-Oesterreicher-fuer-Robotersteuer
    Die Arbeitsplatzangst wird den Robotern in die Schuhe geschoben, … ist es nicht die Überschwemmung des freien Arbeitsmarktes von ausländischen billigen Arbeitskräften? Mich wunderts, das sich keiner aufgeregt hat wie sie die Bagger erfunden haben,… da wären Millionen Arbeitsplätze dahinter! …

  7. KTMTreiber

    @sokrates9:
    … wollen Sie, oder können Sie das nicht glauben ? Das sind keine “Steinzeitmenschen”, sonder hochqualifizierte Wissenschaftler und Facharbeiter. Mit Hilfe der Flüchtlinge wird die ESA spätestens in 3 Jahren ein bemanntes Raumschiff auf dem Mars landen, eine Kolonie gründen… ! 😉

  8. stiller Mitleser

    Sehr lesenswerter Kommentar (mit angenehm sachlichen Folgekommentaren)

  9. mariuslupus

    Die ganze Diskussion dass Europa einen Zuzug von anderen Kontinenten, so zu sagen als Blutauffrischung, ist unsinnig. Dank einer höheren Effizienz in der Produktion, kann die europäische Industrie mehr als genug produzieren um den bisherigen Lebensstandard auf dem Kontinent zu sichern. Europa hat genügend eigene Ressourcen. Einerseits sollten durch Anreize die Jugendlichen davon überzeugt werden, dass die Arbeit in der Zukunft auf dem Gebiet der Technologie mehr Bestätigung bringt als das Studium von esoterischen polit Schmonzetten. Die Ressourcen die ältere Arbeitnehmer haben, werden vernachlässigt, verschwendet. Das unhaltbare gesetzliche Pensionsalter von 65, wird meisten nicht eingehalten, wird unterschritten. Die besseren gesundheitlichen Voraussetzungen der 60 bis 70 Jährigen sollten genutzt werden um diese Menschen weiter im Arbeitsprozess zu halten. Die Frühpensionierungen haben einen negativen Einfluss auf die psychische und physische Gesundheit für die, die sich nach ihrer, häufig zwangsweisen Pensionierung, überflüssig vorkommen.
    Die von oben verordnete Zuwanderung kann nur und wird, einen dauerhaft negativen Einfluss auf den Lebensstandard in Europa haben. Wieder einmal sind die Eurokraten dabei, das Geld des Steuerzahlers am falschen Ort, zu falschen Zeit und an die falschen Empfänger, zu verschwenden

  10. Selbstdenker

    @Reini:
    Die meisten Migranten aus der Dritten Welt werden den Arbeitsmarkt nicht direkt, sondern indirekt belasten:

    Die Tätigkeiten, die sie annehmen könnten, gibt es in Mitteleuropa nicht mehr. Und selbst dann, wenn es sie geben würde, hätten die meisten dieser Migranten kein Interesse daran (Status!). Für jene Tätigkeiten, die diese Migranten gerne ausführen würden, fehlt es ihnen hingegen völlig an den erforderlichen Qualifikationen und – noch schwerwiegender – an der entsprechenden Einstellung.

    Der Arbeitsmarkt wird indirekt belastet, indem
    1) die meisten dieser Migranten (und ihrer Kinder) dauerhaft Kunden der Sozialindustrie bleiben werden und damit Steuern und die SV in die Höhe treiben,
    2) als weitgehend unproduktive “Arbeitskräfte” den Unternehmen verordnet werden und damit die finanziellen Möglichkeiten bei der Entlohnung der produktiven Mitarbeiter einschränken und
    3) ohne die Anforderungen zu erfüllen über Quotenregelungen in Führungspositionen gehievt werden. Dort wird der größte Schaden angerichtet werden.

    Der “Plan A” der SPÖ liest sich wie eine Zusammenfassung all jener Massnahmen, die die alten Industriestandorte in den USA zerstört und Konflikte zwischen künstlich aufeinander aufgehetzte Bevölkerungsgruppen befeuert haben.

    Wenn die SPÖ derartige wirtschafts- und sozialpolitische Forderungen aufstellt, dürfte die Forderung nach “Gratis”-Contergan für Schwangere nur noch eine Zeitfrage sein.

  11. Karl Markt

    @Selbstdenker
    “Der zentrale Teil ist wohl dieser: „…anstatt diese zu besteuern“.“

    Genau, nämlich als Trigger um reflexartig demokratisch nicht legitimierte staatliche Subventionen zu bejubeln. Die Subventionen der EU hingegen sind natürlich böse.

    “Als Werktätige würde ich alle bezeichnen, die auf Basis individueller freiwilliger Transatkionen Werte schaffen.“

    Und ist eine chinesische Staatssubvention eine individuelle freiwillige Transaktion? 😉 Vielleicht ist eine EU Subvention für Windräder ja auch individuell und freiwillig? 😉

  12. Selbstdenker

    @Karl Markt:
    Man muss gar nicht erst historische Beispiele bemühen um eine verabsolutierte Interpretation der “demokratischen Legitimation” anzuzweifeln.

    Aus Ihrer Sicht vielleicht interessant: wenn die meisten Bürger für eine signifikante Einschränkung vom Asylrecht sind, sollte diese dann umgesetzt werden?

    Eine Subvention ist laut meinem Kenntnisstand ein positiver Transfer und eine Steuer ein negativer Transfer.

    Ihre durchschimmernde staatskritische Einstellung begrüsse ich natürlich. Sie sollten sich mit den Werken von Murray Rothbard auseinandersetzen.

    Sie können gerne zu den AnCaps konvertieren. Das beste daran: man braucht keine Sprengstoffkenntnisse und bei Apostie wird einem nicht nach dem Leben getrachtet.

    Deal?

  13. Erich

    Also ich verstehe die Angst vor den Robotern! So meldet GMX soeben aus Marseille “Das Auto hat nach Polizeiangaben die Frau angefahren und getötet” sowie “Die Hintergründe des Vorfalls blieben zunächst unklar”. Eh klar, denn das Auto wird sicher nichts sagen.

  14. Selbstdenker

    @Erich:
    War es zufällig ein 1958er Plymouth Fury in rot/weißer Speziallackierung?

    Wenn das mit der “Automatisierung” so weiter voranschreitet, werden noch Pistolen Banküberfälle begehen. Selbstverständlich ganz ohne meschlichen Täter! 😉

  15. Falke

    @Erich
    In Barcelona war es ja auch ein Lieferwagen. Erst Tage später erfuhr die staunende Öffentlichkeit, dass es auch einen Lenker gab, der zwar zufällig Moslem ist, aber da der Lieferwagen keinerlei Glaubensbekenntnis hat, hat der Terrorangriff logischerweise natürlich auch nichts mit dem Islam zu tun.
    In diesem Zusammenhang schreibt die „Zeit Online“ ganz ernsthaft: „Nizza, London, Berlin – und jetzt auch Barcelona: die Zahl der europäischen Länder, die zum Angriffsziel fanatischer Lieferwagenfahrer geworden sind, wird immer größer“. Na, wer sagt’s denn; immerhin werden auch die Fahrer erwähnt.

  16. Mona Rieboldt

    Selbstfahrende Autos halt. Und demnächst: allein reisender Penis vergewaltigt eine Frau 😉

  17. KTMTreiber

    @Erich:
    Entwarnung – es war nicht “Christine” 😉

  18. Falke

    Woher soll ein Ex-ÖBB-“Chef”, dessen alleinige Aufgabe es war, die Personal-, Gehalts- und (Früh-)Pensionswünsche der Gewerkschaft zu erfüllen, und dessen “Firma” exzessiv überflüssiges Personal beschäftigt und üppig (aus Steuergeldern) bezahlt, wissen, dass Automatisierung eine Firma konkurrenzfähig macht und dadurch Arbeitsplätze sichert? Er weiß höchstens aus Erfahrung, dass Schlepperdienste (natürlich auch vom Staat aus Steuergeld) gut bezahlt werden.

  19. bill47

    Um 1930 herum prophezeite Sir John Maynard Keynes, dass wegen der zunehmenden Automatisierung der Produktion die wöchentliche Arbeitszeit um das Jahr 2000 herum ca. 15 Stunden betragen werde. 2013 untersuchte Prof. David Graeber in seinem Artikel “On The Phenomen Of Bullshit Jobs”, warum Keynes mit seiner Prognose falsch lag. Er stellte fest, dass 2013 nur noch 29% der Beschäftigten eine Arbeitsstelle hatten, die es 1930 schon gab. Alle anderen haben “Neue Jobs”.
    Warum sollte nicht weiter geschehen, was zwischen 1930 und 2000 offenbar geschah: Die Automatisierung reduziert bekannte Arbeitsplätze und neue Arbeitsplätze entstehen?

  20. sokrates9

    KTM Treiber 9:35@.. hoffentlich haben alle Flüchtlinge im Raumschiff Platz! 🙂

  21. aneagle

    Europa hat sich entschieden. Es wählt weder steigende Produktivität noch bessere Ausbildung und perfektionierte Automation, sondern massive Erhöhung des Jobangebotes im Dienstleistungssektor(z.B Psychologen Spezialgebiet Nudge, et al) bei gleichzeitiger Schuldenausweitung. Keynes at his worst, bedeutet Keynes nicht verstanden zu haben und nur einen Halbsatz mantraartig vor sich her zu tragen. Nicht know how intensive Betriebe wie die allgegenwärtigen Caritas und die Seeretter jubeln über den “Sonderweg”. Alle anderen bezahlen ihn, solange noch Geld da ist

  22. Selbstdenker

    Sollte eines Tages das Spargelstechen durch spezielle Maschinen vollautomatisch erledigt werden, wird die Classe Politique das Wegbrechen von Jobs bejammern, die ausgerechnet die einfachen Menschen am meisten treffen würde. Dabei wird man – ähnlich wie bei den bereits automatisierten Jobs – unterschlagen, dass sich für diese Arbeit bislang weder a) einheimische Arbeitslose, b) Studenten und c) Merkel-Fachkräfte interessierten.

    Lediglich polnische Saisonarbeiter erledigen diese Jobs für einen für sie durchwegs passablen Stundenlohn. Damit diese Arbeit garantiert von niemanden mehr verrichtet werden kann, spinnt die Classe Politique einen Ausbeutungs-Narrativ (Arbeitsleid) zusammen. Und wenn die Leute vom “Arbeitsleid” erlöst werden, wird ein genau gegengesetzter Narrativ (Ende der Arbeit) gesponnen.

    Man kann es damit vergleichen, als wenn man als Österreicher im Ausland auf eine Kreuzung zufährt, bei der die Ampel auf gelb wechselt. Bleibt man stehen, regt sich wer auf, dass der “depperte Ösi” bei gelb bremst. Fährt man hingegen weiter, regt sich wer auf, dass der “depperte Ösi” einfach bei gelb weiterfährt.

    Soll heissen: dort wo man sich aufregen will, wird man immer einen Grund finden. Egal wie der Sachverhalt aussieht.

  23. stiller Mitleser

    @ aneagle
    ja, wenn das mit der Selbstregulierung nicht so recht klappt, dann doch besser nudge statt in Ketten legen, non?
    Und Keynes, the Bloomsbury set, das Ende des Viktorianismus, ist doch heute – auch für Sie? – gültiger Standard an Freiheiten, ja?

  24. stiller Mitleser

    @Selbstdenker
    ich schätze Ihre klaren Ausführungen, allerdings irritieren mich mitunter doch die vielen US-Videos und die Nicht-Einbettung, Nicht-Integration in europäische Denktraditionen, von denen es doch überreichlich gibt. Das “Arbeitsleid” ( das haben wir ca. 1978 ausführlichst – ausgerechnet! – auf einer Ökonomenhochzeit diskutiert) abzuwenden wie Tollwut, Masern, Gangtoiletten und vom Arbeitgeber falsch versicherte Sprach unkundige sollte doch unser aller humanes Bestreben sein, hm?

  25. stiller Mitleser

    @Selbstdenker
    – intellektuelle – nicht moralische – Elastizität halte ich für einen Vorteil
    – von den Lumidolls (überbucht in den Wiener Etablissements) hab ich auch schon gelesen;
    warum nicht, wenn es Frauen von ungewünschten Dienstleistungen freisetzt und warum nicht, wenn
    Männer sich ohne die Gegenwart eines anderen, beobachtenden, urteilenden Bewußtseins leichter tun, so wie Sexualität oft leichter fällt, wenn man sie mit jemandem erlebt, der nicht durch ein so strenges Über-Ich geplagt wird wie man selber, und warum nicht, wenn es doch so viele an Partialobjekte Fixierte zu geben scheint? Ein Beispiel aus der Hochkultur ist die lebensgroße, Alma Mahler möglichst ähnlich geraten sollende Puppe, die Oskar Kokoschka nach der Trennung von Alma bei einer Künstlerin in Auftrag gab (und die doch immer so unähnlich, so enttäuschend blieb – aber das ist Vorbedingung unerfüllten, überdauernden Begehrens ).

  26. Selbstdenker

    @stiller Mitleser:
    Sie können mir glauben, dass es mir fern liegt, irgendwem Leid zuzufügen, der mir kein Leid zufügt. Allerdings werden sie auch feststellen, dass sich hinter vielen “Argumenten” mit einem zum Teil richtigen Kern weitaus mehr (und nicht immer die hochwertigsten) Motive stecken.

  27. Reini

    @Selbstdenker,… das eine Versklavung der Roboter, auch Maschinen haben ein Herz, 😉 … auch Sonny (I, Robot) zeigt Gefühle. Erwarte schon den Aufstand und die Freilassung der Roboter aus der Zwangsarbeit,… 🙂

  28. Selbstdenker

    @stiller Mitleser:
    Ob die Menschen glücklich werden, wenn sie vom “Arbeitsleid” im europäischen Sinne befreit werden, wage ich zu bezweifeln. Ansonsten würde es nicht so viele Menschen geben, die gewissermaßen als Ersatzhandlung die Herausforderung und die Gefahr nunmehr in ihrer Freizeit (Extremsportarten, Reisen in Ländern mit realer Chance auf Geiselnahme, etc.) suchen.

    Ähnlich das Gleichstellungsdogma: offiziell wird behauptet, das Frauen die totale Gleichstellung anstreben. Faktisch suchen sich Frauen einen Partner, der einen höheren Status und ein höheres Einkommen hat.

    Ich habe kein Problem mit den individuellen Präferenzen der Menschen. Jede/r soll auf seine/ihre Art glücklich werden. Was ich allerdings erbärmlich finde, ist, das situativ und häufig hochgradig moralisierend aus einem A ein U und dann wieder aus einem U ein A gemacht wird.

  29. stiller Mitleser

    @Selbstdenker
    ich vermute keine unedlen Motive bei Ihnen, aber ich möchte Sie aus Ihrer intellektuellen Routine boxen/locken (smile)
    und zum thrill seeking: eine Art Vitalitätsüberschuß bei jungen Leuten, Grenzen austesten, es gibt aber auch noch Rudimente davon bei älteren Leuten (z.B.Perner, die eh schon seit Jahrzehnten in Pröllistan werkt und sich mit inem “heroischen” Brief und einem uralten Foto in die Zeitungen bungeejumpt, bei Männern natürlich noch viel, viel häufiger, manchmal mit nicht geringem Unterhaltungswert).
    Arbeitsleid, das sind repetitive, gefährliche, demütigende, schlecht entlohnte Arbeiten – die je nach technologischem Level einer Gesellschaft noch nötig oder bereits anders erledigbar wären
    und solche Arbeiten sollten mit Anerkennung und finanziell aufgewertet werden (was bei Prostitution teilweise der Fall ist).

  30. stiller Mitleser

    @ Reini
    die Kuschelrobbe für Demente, wer weiß, vielleicht ist sie das Letzte das wir im Arm halten und das uns tröstet, oder haben Sie noch Ihren Teddy ?

  31. Hausfrau

    So ganz stimmt das nicht. Roboter, M2M und Industrie 4.0 verlangen Fachleute auf dem jeweiligen Gebiet, auch neue Betätigungsfelder werden entstehen. Schwer werden es aber Schulabbrecher und solche Leute haben, welche keine oder die falsche Berifsausbildung haben. Dabei denke ich nicht nur an Migranten, sondern auch an Leute, welche keinen Arbeitswillen an den Tag legen.

  32. Selbstdenker

    @Hausfrau:
    Es ist nicht nur eine Frage vom Arbeitswillen, sondern auch eine der Einstellung. Schwer werden es jene haben, die nichts produzieren können oder wollen, das für andere von Wert sein könnte.

    Sogar der Schulabbrecher hat eine Chance, wenn er mit offenen Augen durch die Welt geht und sich seine ungefilterte Sichtweise, Eigeninitiative und das klare Denken nicht nehmen lässt.

    Was hingegen überhaupt nicht (mehr) stimmt, ist das Gleichensetzen von einem abgeschlossenen Studium mit beruflichem Erfolg. Gewisse Studiengänge (Soziologie, Gender Studies, irgendwas-mit-Medien, etc.) sind ohnedies komplette Sackgassen.

    Bei den Social Justice Warriors der US-Unis handelt es sich häufig um Studenten dieser Bullshit-Studien. Unterschwellig realisieren sie, dass sie sich für ein Sinnlos-Studium völlig verschuldet und ihre Jugend geopfert haben. Sie sind frustiert und protestieren gegen abstrakte Bösewichte ohne sich einzugestehen, dass die fundamentalsten Fehler von ihnen selbst begangen wurden. Die mitteleuropäischen Absolventen von Bullshit-Studien haben es da ein wenig besser: sie verbraten zwar auch unnötig ihre schönsten Jahre, die finanzielle Last tragen für sie aber die Steuerzahler.

    Den jungen Menschen kann ich nur folgendes anraten:
    1) Entweder der Abschluss einer berufsbildenden höheren Schule mit soviel Praxis wie nur möglich
    2) oder eine Lehre mit Abschluss der mittleren Reife im zweiten Bildungsweg

    Eine Uni würde ich nur jenen Hartgesottenen empfehlen, die in der Lagre sind im MIT, dem ETH oder der TUM im vorderen Drittel mitzuspielen.

  33. Hausfrau

    @Selbstdenker:
    Wichtig ist, dass man LLL (Lebenslanges Lernen) kann, denn viele Berufe haben eine kurze Halbwertszeit und dann muss man umsatteln können.
    Was ein akademisches Studium betrifft, so sind zwar die Fachhochschulen in mancher Beeziehung praxisnäher, aber für die Forschung ist im allgemeinen eine Uni.Studium vorzuziehen. Die sog. Orchideenstudien werden oft dann gewählt, wenn es bei anderen Richtungen keine freien Plätze mehr gibt. Es werden auch weiterhin Ärzte u.a. Spezialisten benötigt, also nur MIT, ETH usw. zu empfehlen, ist nicht zeilführend.

  34. mariuslupus

    @Selbstdenker
    Stimmt, die studierenden der esoterischen Politfächer sind abwechselnd als warriors, für was eigentlich, oder als Antifa tätig. Jemand der am MIT oder ETH studiert hat keine Zeit um sich auf der Strasse zu prügeln

  35. aneagle

    @stiller Mitleser 15.15

    Ich sehe, ich habe mich nicht exakt genug ausgedrückt. Das ist aber in Kürze auch schwierig.. Keynes meinte, soweit ich ihn so verstehen darf, in einer Wirtschaftskrise ist staatliches Investment zur Überwindung derselben sinnvoll und in der Konjunktur ist es möglich die aufgenommenen Verpflichtungen zurückzuzahlen. Das klingt gut und ist den Versuch wert. Das sage ich, trotzdem ich eher der österreichischen Schule zuneige.
    Der erste Halbsatz, der mit den staatlichen Investitionen, wird gerne von linker Seite wie eine Monstranz vor sich hergetragen. Warum? Weil er den Einfluss des Staates erhöht und damit die Entfaltungsmöglichkeit des Individuums einhegt.
    Darüber hinaus meint Keynes wohl wirtschaftlich nötige Investitionen. Er geht nicht davon aus, dass Regierungen Investitionen tätigen werden, die an der wirtschaftlichen Krise nichts ändern, sondern nur die eigene politische Machtstellung betonieren. In diese Sinne sind unbegleitet reisende Analphabeten, von wo auch immer und ihre absehbaren Folgekosten, verbunden mit sträflichem staatlichen Laissez faire, keine wirklich nachhaltige Investition. Es sei denn, der Staat hat andere Ziele vor Augen, als eine Konjunktur und eine darauf folgende Gesundung von Wirtschaft und bürgerlicher Kaufkraft.
    Dies alles gilt gleichlautend auch für die Investition in Bildung, die am Bedarf vorbei investiert und unproduktive, obrigkeitshörige, Betreuer produziert. Wie viele Politologen braucht ein Land, das schon einen Pack-Gabriel, einen Netz-Durchsetzungs-Maas und eine Pastoral-Kanzlerin mit moralischem Imperativ sein Eigen nennen darf? Fazit: Diese beispielhaften staatlichen Investments zeitigen nicht die von Keynes zwingend erwarteten Erfolge, die Konjunktur lahmt.

    Apropos Konjunktur: Schlimmer noch als der Erste, kommt der zweite Halbsatz von Keynes, der mit der Rückführung der Schulden in Zeiten der Hochkonjunktur, unter die Räder. Warum?
    Weil jede Regierung ihn, sobald Geld vorhanden ist, vollkommen ausblendet. Geld, mit dem man aus der Sicht der Regierungen weit Sinnvolleres anstellen kann, als die Wirtschaft zu sanieren. Nämlich, die nächste eigene Wahl sicher zu stellen, die Krise stabil am Köcheln zu halten, sich als alleinigen Retter zu präsentieren, mit einem Wort: nochmals den Einfluss des Staates erhöhen und damit die Entfaltungsmöglichkeit des Individuums eingrenzen.

    Keynes und der Marxismus haben etwas tragisch gemeinsam: Idee optimal, Personal und bürgerliche Labor-Schafe nicht optimal. Daher Idee nicht umsetzbar. Besser Mises und Hayek. Scheint für das persönliche Glück des Einzelnen verträglicher.

    Und zu der Freiheit, die ich meine: Mein Gott, man wird bescheiden- Ich wäre schon froh, wenn ich als Unternehmer nicht behindert werde Arbeitsplätze zu schaffen, mein Bargeld behalten darf, nicht unter Generalverdacht stehe, nicht aus dem Mainstream falle, wenn ich meine Ansicht äußere, nicht gendern muss, da ansonsten mein wissenschaftlicher Input außen vor bleibt und last but not least, es in Österreich eine Zeitung und ein TV Programm gäbe, dessen Journalisten nicht glauben, meine Meinung bilden zu müssen, sondern statt dessen bemüht sind, mich dergestalt zu informieren, dass ich mir eine eigene Meinung bilden kann. Sapere aude ! Genug geträumt, sorry für die Länge. 😉
    PS: OT, Keynes war übrigens aus linker Sicht ein richtig schlimmer Finger. Als erfolgreicher Spekulant (besser: Starinvestor) stellte er durchaus seinen Mann. Da kommen die mit Yen-Swaps dilettierenden SP-Bürgermeister und auch die Investmentabteilungen großer linker NGOs nicht ganz mit. Einzig der Vatikan investiert, sehr zum Leidwesen von Herrn Bergoglio, durchaus erfolgreich im kapitalistischen Sinne. ..Sorgen haben die Leute,…. 🙂

  36. carl schurz

    Roboter sind nett. Was mich wirklich fasziniert ist das oder der Jetpack . Awesome. Würde ich fast mein Haus dafür verkaufen. :o)

  37. stiller Mitleser

    @anaegle
    vielen Dank für Ihre ausführliche und persönliche Beantwortung meiner, provokativ-rhetorisch gestellten, Fragen!

  38. Hausfrau

    @carl schurz
    Was ist unter Jetback zu verstehen? Vielleicht ist damit der Jetbag gemeint, mit dem man durch die Luft fliegt? Oder doch das ähnlich funktionierende Gerät aus Dark Void?

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