“Die Russen mißtrauen dem westlichen Modell”

“….Was treibt den starken Mann im Kreml an? Putin will die Größe Russlands wiederherstellen – ohne Demokratie und Menschenrechte. Die Russen folgen ihm: Sie misstrauen mehrheitlich dem westlichen Model…” (hier)

6 comments

  1. Reinhard

    Ein Riesenreich lässt sich nicht mit Konsens regieren. Je größer der zu hebende Brocken ist, umso stärker muss die Hand sein. Deshalb neigt auch die EU zu diktatorischen Zügen.
    Eine “Weltregierung”, wie sie in den feuchten Träumen der Ultrazentralisten gerne auftaucht, würde auch nur unter einem “starken Regenten” funktionieren.
    Große Strukturen und spürbare Demokratie schließen sich gegenseitig auf Dauer aus. Demokratie funktioniert nur in dezentralen, föderalen Systemen und Vertragspartnerschaften weitgehend autonomer Kleinstrukturen.

    Dass die Russen mehrheitlich Putin vertrauen, muss man auch im Kontext der Geschichte sehen: Unter diktatorischen Führern blühte das Reich immer wieder auf, unter dem konsensgetriebenen Gorbatschow zerbröselte es sofort und unter dem versoffenen Jelzin teilten sich die Towarischtsch aus der zweiten Reihe das Imperium auf und die Oligarchie erblühte. Erst Putin fuhr mit eiserner Faust dazwischen und räumte den Suastall halbwegs wieder auf. Das beeindruckt ein Volk, das trotz seiner Armut und trotz seiner Schwermut auch über Stolz verfügt – etwas, das im Westen mit Argwohn betrachtet wird.

  2. Thomas Holzer

    @Reinhard
    Putin hat überhaupt nicht aufgeräumt, sondern nur mit “eiserner Faust” zu sich und seinem “Freundeskreis” umverteilt.

  3. Rennziege

    4. Januar 2014 – 11:00 — Thomas Holzer
    Widerspruch: Die Umverteilung Putins geschah in engsten Grenzen, da devisenträchtige Konzerne (die Russland dringend braucht) nicht über Nacht auf den Kopf gestellt werden können. Und 80 Jahre kommunistischer Planwirtschaft und Unterdrückung sind nicht mit irgendwelchen Federstrichen zu reformieren.
    Reinhard hat recht: Die Russen liebten stets die harte Hand einer Regierung, die Zaren waren bis ~1916 unangefochtén gottgleich; es wird noch Jahrzehnte brauchen, diesen Hang zur Obrigkeit zu ändern, falls sie es überhaupt wollen. Demokratie ist dort kein Wunderwort wie hierzulande.
    Putin ist der Mann, dem die Russen vertrauen. Und — pardon, Herr Holzer! — allein darin, was er in Interviews von sich preisgibt, offenbart er eine höhere Intelligenz und Realitätskenntnis, als die Zampanos der USA, der EU und der Dritten Welt aufzubieten haben.

  4. Thomas Holzer

    @Rennziege
    Widerspruch des Widerspruches 😉
    1.) Ich habe nur kritisiert, daß Putin von anderen zu “seinen” Oligarchen umverteilt hat.
    2.) ein Beweis dafür, z.B. die Schmiergeldzahlungen “für Sotchi”
    3.) Sie sollten mich mittlerweile besser kennen 😉 als Antidemokrat stehe ich dem Handeln des Herrn Putin nicht prinzipiell negativ gegenüber
    4.) daß Herr Putin ein Staatsmann(sic!) ist, darf und muß man neidlos anerkennen; er ist Real”Politiker” und fühlt sich nicht diffusen “Gutmenschen, Eiapopeia-EU-Ach wir sind so gut, durch eine angebliche Energiewende vernichtende Standorte und anderen Schwachsinnigkeiten verbunden.
    5.) ein Hang zu einer Obrigkeit, welche sich um alle(sic!) Untertanen kümmert -vor allem in dem Sinne, daß diese Obrigkeit ihre Untertanen unbehelligt läßt (im Gegensatz zu unseren Politikerdarstellern) ist ja nichts Schlechtes!

  5. Rennziege

    @Thomas Holzer:
    Ich liebe es, wenn wir einander widersprechen, eh selten genug. Bei näherer Betrachtung aber werden, nicht zum ersten Mal, ziemlich ähnliche Gedankengänge sichtbar. Nicht nur zwischen den Zeilen. 🙂
    Oisdann: Herzliche Grüße!

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