Die Sache mit dem lebenslangen Lernen

(JOSEF STARGL) Wer hat in seiner Jugend die Feststellung „Wenn du nicht lernst, dann wird nichts aus dir!“ verstanden und „für wahr gehalten“? Lebensbegleitendes Lernen? Ein Leben nur mit Lernen? Der Mensch als ein Lernender? Suchen und Lernen als Sinn des Lebens? Leben lernen als Verantwortung?
Zeit seines Lebens strebt der Mensch nach Verbesserung, nach Fortschritt, nach Wahrheit und nach Persönlichkeitsbildung. Warum lernt er? Wie kann er lernen? Was soll er lernen?

Warum lernen Menschen? Menschen sind unvollkommen. Sie irren und sie machen Fehler, aber sie können einen Erkenntnisfortschritt erzielen und sich auch selbst ändern. Unvollkommenheit verlangt Offenheit für Lernprozesse. Die menschliche Vernunft ist fehlbar. Der Mensch kann sein begrenztes Wissen, sein „Nichtwissen“, erkennen. Ratlosigkeit, Zweifel und Staunen können ihn befallen. Er kann selbständig denken, Fragen stellen, Hypothesen formulieren und konkrete Probleme selbst zu lösen versuchen.
Menschen wollen Wissen erwerben, Orientierung und Sinn finden. Sie wünschen, frei und unabhängig zu leben, Mensch zu werden und eigenverantwortlich zu handeln. Sie beabsichtigen, etwas zu „unternehmen“, es selbst auszuprobieren/es selbst zu versuchen.

Die Menschen lernen, um zu Selbsterkenntnis, zu Menschenkenntnis und zu „Weltkenntnis“ zu gelangen. Sie wollen durch das Lernen ihr eigenes Leben entdecken, es selbst beurteilen, bewerten und gestalten. Leiden und Freuden, Misserfolge und Erfolge, sind stets Ausgangspunkte für neue Abenteuer, für neue Risiken und neue Chancen.
Der Mensch will etwas in Gang setzen, er will Neuerungen suchen, Aufgaben meistern, Schwierigkeiten überwinden und schöpferisch tätig sein, weil es ihm Freude macht, wenn er etwas schafft, wenn er ein Ziel erreicht hat. Lernen ermöglicht, Begabungen, Fähigkeiten und Talente zu entwickeln, fachliche und moralische Autorität zu erlangen, eine Persönlichkeit zu werden, Anerkennung und Selbstvertrauen zu gewinnen. Lernen verhilft zu „Macht“, verspricht lebenspraktischen Nutzen und lässt einen höheren Lebensstandard erhoffen.

Die Menschen vergleichen sich mit anderen Menschen. Sie wollen es vergleichsweise besser machen. Sie beabsichtigen, sich im Wettbewerb zu bewähren und sich damit zu positionieren. Lernen verhilft ihnen nicht nur zum Erfolg, sondern versetzt sie auch in die Lage, anderen Menschen zu helfen, ihnen beizustehen, sie zu ermutigen und zu unterstützen. Persönlichkeitsbildung ist auch eine Voraussetzung für freiwillige Solidarität.

Wie können Menschen lernen? Lernen verlangt Optimismus, Selbstvertrauen und Vertrauen in die Zukunft. Die Menschen hoffen stets, ihre Irrtümer korrigieren, ihre Fehler beseitigen zu können, das Scheitern von Ideen und von Lösungen für konkrete Probleme zu überwinden. Im Streben nach Wahrheit begreifen sie, dass es ohne Irrtum kein Lernen gibt, dass der Mensch das Lernen niemals ausschließen und sich infolgedessen der Wahrheit stets nur annähern kann. Es gibt immer wieder neue Chancen zum Lernen.

Wir lernen im Dialog, in der persönlichen Begegnung, durch Zuhören, durch Fragen, durch Einholen von Rat, durch Belehrung und durch Führung, durch Lob, durch Ermutigung und durch Ermahnung. In Konfrontation mit Mannigfaltigkeit im Wettbewerb können wir lernen, indem wir versuchen, uns messend zu bewähren, indem wir uns selbst und andere fordern und von anderen Menschen gefordert werden. Prüfen, Kritik, Widerspruch und Widerlegung initiieren einen Lernprozess. Wir lernen auch durch das Scheitern unserer Ideen und unserer wertgeleiteten Handlungen.
Nicht nur durch den Umgang mit Wissen und mit anderen Menschen können wir lernen. Wir lernen auch durch den Umgang mit uns selbst, durch Selbstsuche in Zeiten der Stille, in Muße. Lernen durch Kontemplation ist genauso möglich wie Lernen durch Aktion, durch Taten, durch Anwendung von Wissen, durch Wirken, durch Arbeit und durch Anstrengung bzw. Leistung. Wer selbst Verantwortung übernimmt, wird bemerken, wieviel er dabei lernen kann. Der Mensch kann durch die Verfolgung seines Selbstinteresses Erfahrungen sammeln. Er kann aber auch lernen durch selbstloses Handeln, durch Verzicht, durch Demut, durch Dienen, durch Toleranz, durch Güte, durch Liebe und gute Werke. Der Mensch lernt auch, wenn er mit anderen freiwillig teilt.
Was sollen Menschen lernen? Lernen wird oft nur mit Wissen, mit Kenntnissen, mit Fähigkeiten, mit Fertigkeiten und mit praktischer Anwendung des Wissens assoziiert. Aber auch Einstellungen und Haltungen lassen sich erlernen. Persönlichkeitsbildung erfordert Lernprozesse im Rahmen der Selbsterziehung.

Wer das Lernen lernen will, soll staunen, suchen, Fragen stellen, Vermutungen formulieren, bewerten, prüfen und widerlegen. Er sollte aber vor allem lernen, sich als Mensch mit Irrtümern, Fehlern und Schwächen, aber auch mit seinen Lernchancen zu begreifen.

8 comments

  1. sokrates9

    Lernen ist (leider) auch eine kulturelle Eigenschaft! Europa ist durch Lernen sowie Trial and Error groß geworden, die Chinesen ehren ihren Konfuzius, andere Kulturen brauchen das nicht weil im Koran ja alles steht, wieder andere des Lesens kaum mächtig leben in den Tag hinein im Vertrauen dass die Europäer sie schon durchfüttern werden!

  2. Gerald

    In meiner Jugend habe ich als angehender Maschinenbauingenieur gegen das AKW Zwentendorf gestimmt, an die Prophezeiungen des Club of Rome geglaubt und später mich um meine kleinen Kinder wegen des Waldsterbens gesorgt. Immer die gleichen Bilder von völlig abgestorbenem Wald aus der ehemaligen DDR gingen durch die Medien, damals ORF und einige Zeitungen und Magazine. Selbst sah man bei jeder Wanderung das beginnende Waldsterben an einigen braunen Baumkronen. Nach der Wende 89/90 wurde klar, dass diese Endzeitpropaganda völlig überzogen war. Der GAU in Tschernobyl, untermalt mit jahrelanger Dauerbeschallung der Medien beunruhigte mich zwar noch, doch als ich, bedingt durch meinen wirtschaftlichen Aufstieg als Unternehmer auch nach Japan kam und ich dort um meine ablehnende Haltung gegen Atomenergie zu bestätigen das Land bereiste, sah ich, dass nach einem Atomunfall angeblich tausend Jahre unbewohnbares Land inzwischen nach nur 50 Jahren blühendes Land und pulsierende Städte waren. Nur noch ein Mahnmal erinnerte an den damaligen Atombombenabwurf in Hiroshima. Auch von den folgenden Weltuntergangsszenarien wie Ozonloch, Rinderwahnsinn, etc. ließ ich mich nicht mehr beeindrucken. Mit Aufkommen des Internets begann mein eigentliches Lernen, ein berufsbegleitendes Studium in Wirtschaftsingenieurwesen bereits in meinen Vierzigern und viele auch längere berufliche Auslandsaufenthalte in vielen Ländern wie USA, Brasilien, China und selbstverständlich einigen Ländern Europas samt dem Erlernen mehrerer Sprachen und Recherchen im Internet in nahezu jeder aufkeimenden Frage prägten mein Weltbild. Nach tausenden Gesprächen mit Einstellungskandidaten, unzähligen Gesprächen mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und sonstigen Menschen war meine Erkenntnis, dass sich jeder kurzfristig der Nächste ist und immer den Weg des geringsten Widerstandes geht, auch in einer sich permanent ins Schlechtere wandelnden Welt. Mit jedem Menschen kann man im Einzelgespräch vernünftige Lösungen aushandeln, nur wenn ideologisierte Organisationen wie auch Gewerkschaften, NGOs und sonstige Verbände ins Spiel kommen, dann tritt die Vernunft ab. Genauso verhält es sich mit den derzeitigen Überthemen wie Migration, Klima, Geldwirtschaft, Wirtschaft im Allgemeinen und Industrie im Besonderen.
    Wir „alten weißen Männer“ sehen die Gefahren oft zwar noch, doch ist die Bereitschaft dagegen aufzubegehren gegen Null gehend, während die Jungen die sich ihnen in den Weg gestellten Hürden fast kollektiv nicht einmal mehr ansatzweise erkennen. So groß ist die Verblendung durch Schule, Medien und Politik. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die NGOs. Auch ich meinte in meiner Jugend, ich könne eher einer NGO trauen als irgend welcher interessensgetriebener Organisationen, bis ich erkannte, dass hinter den Endzeitprophezeiungen ein riesiges Geschäft steckt. Im Unterschied zu früher singt heute die Politik fast ausnahmslos im Chor mit den NGOs und drangsaliert die Bevölkerung mit immer neuen Belastungen, in ihrer gezielten Wirkung zwar völlig irrelevant, in den kollateralen Schäden jedoch verheerend auswirkenden Folgen für jetzige, hauptsächlich aber folgende Generationen.
    Was habe ich aus meinem Streben gelernt? Ich habe hunderten Familien Arbeit und Einkommen gesichert, heute würde ich nicht einmal mehr eine Putzfrau anstellen, ich habe Jahrzehnte darauf geachtet dass Unternehmen in meinem Umfeld arbeiten, heute kaufe ich für mich das Notwendigste vor Ort, ansonsten bestelle ich im Internet, die Beratung durch vorlesen einer Beschreibung schaffe ich dank meiner Ausbildung noch selbst. Nicht das Internet hart den ortsansässigen Handel umgebracht, sondern die Einkaufszentren mit immer den gleichen Läden ohne wirkliche Beratungskapazitäten. Ich habe aber noch niemals ein Produkt im Laden angesehen um es dann im Internet zu kaufen, dafür aber oft an den Anbieter im Internet Fragen gestellt. Meine Kinder, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben leben ein einfaches Leben am Land mit soliden Jobs. Ihre bereits schulpflichtigen Kinder werden privat unterrichtet um der Dauerindoktrinierung zu entgehen.
    Persönlich hat mich mein Leben Demut gelehrt, Gerechtigkeit aber auch Wehrhaftigkeit bei erlittenem Schaden, selbst mit einer Zaunlatte in der Hand. Immer am laufenden betreffend neuer Technologien und Entdeckungen führe ich doch ein einfaches Leben samt persönlichem Glück. Täglich diskutiere ich mit meiner Lebenspartnerin über die unterschiedlichsten Themen des Lebens.
    Ich werde Herbst und Winter meines Lebens gemeinsam mit Lebenspartnerin segelnd am Mittelmeer verbringen, fernab von Marinas und selten in Häfen, mit einem Dieselmotor den ich auch mit Heizöl oder Salatöl betreiben kann und selbstverständlich täglich starte, trotz Solaranlage; schon alleine wegen der vertrauensvollen Begleitumstände die mich jene Unabhängigkeit erfahren lassen, welche ich schon als Jugendlicher erträumt hatte, nämlich selbstbestimmtes Leben!

  3. GeBa

    Ich kann für mich sagen, ich dachte auch mit 20, mit 30 oder mit 40 ich weiß alles. Heute weiß ich, dass ich das wichtigste Wissen in den letzen 25 bis 30 Jahren erworben habe, durch das Internet, durch interessante Menschen, durch mein größeres Interesse. Natürlich habe ich heute auch mehr Zeit für alles und bin vor allem in jeder Art und Weise unabhängig. Ich bin froh sagen zu können, dass ich eigentlich eine gute Zeit hatte, wenn sie auch nicht leicht war, denn ich konnte hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, heute kann ich das nicht mehr.

  4. sokrates9

    Gerald Super Beschreibung ihres erfolgreichen Lebens! Habe ähnliche internationale Erfahrungen und Erkenntnisse wie sie, poche nicht auf bescheidenes Leben wie Sie sondern genieße das was ich mit meiner Frau erwirtschaftet habe mit vollen Zügen!2 Söhne leider noch keine Enkel. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, aber trotzdem bedauere ich nicht genug gegen Dummheit und Präpotenz gekämpft zu haben! Schule und Universität wurde kampflos linken Agitatoren überlassen, Bologna ist Todesurteil des europäischen Bildungssystems, die heutigen Juristen haben keine Ahnung mehr von Ethik, Moral und was eigentlich reine Gesetzgebung erreichen soll, Medien die nur mehr manipulieren, NGOs die alle ihr eigenes
    gesteuertes Gutmenschensüppchen kochen, eine verbrecherische EU die alles andere als eine Wirtschaftsorganisation ist, die UNO gesteuert von ignoranten Abzockerländern die die Mehrheit haben! Somit tun mir unsere kommenden Generationen absolut leid freue mich aber wenn es noch ein paar Blogs gibt die Vernunft noch in ihrer DNA haben!

  5. Falke

    Der Autor benützt hier die Unwörter “Wettbewerb”, “Arbeit”, “Leistung” usw. Das widerspricht absolut dem aktuellen links-grünen Mainstream. Alle Menschen sind gleich (intelligent, fähig, begabt, fleißig), Ungleichheiten sind nur sozialen Missständen geschuldet, daher ist es nur gerecht, den Fleißigen zu nehmen und den Faulen (pardon, sozial Benachteiligten) zu geben.

  6. astuga

    @Gerald
    Kann mich nur anschließen, danke für den Einblick in deine Lebenserfahrungen.
    In einigem kann man sich leicht selbst erkennen, oder hat es ähnlich durchlebt.

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