Die Saudis als Russen

Saudi-Arabien macht mit seiner Militärintervention im Jemen genau dasselbe wie Russland in der Ukraine. Wieder wird das wichtigste Grundgesetz des Weltfriedens verletzt. Ein Land marschiert in ein anderes, kleineres und mutmaßlich schwächeres ein, weil dort ein Machtwechsel stattgefunden hat. Es hat dazu aber nur dann völkerrechtlich oder moralisch ein Recht, wenn es von jenem Land direkt oder über Terroristen oder durch die Entwicklung von ABC-Waffen angegriffen oder bedroht wird; wenn dort langanhaltende Menschenrechtsverletzungen in großem Ausmaß passieren; oder wenn das der UNO-Sicherheitsrat so erlaubt. Nichts davon ist da wie dort der Fall. Menschenrechtsverletzungen im Jemen sind eher durch die mit den Saudis und dem sunnitischen Fundamentalismus sympathisierenden Kräfte begangen worden – siehe das jüngste Blutbad in schiitischen Moscheen. Die Welt kann nur dann eine bessere werden, wenn endlich das Denken in über die Landesgrenze hinausgehende Einflusssphären und Machtbereiche aufhört. Das sollte sie beiden Invasoren mit großer Prinzipientreue klarmachen. Auch wenn etwa Sanktionen allen wehtun. (TB)

3 comments

  1. Herr Supergscheid

    Ein wichtiges Kriterium in der Aufzählung, wann ein Land in ein anderes einmarschieren darf, fehlt leider: Es ist natürlich auch dann total gerechtfertigt, wenn es der Westen für richtig hält. Tut er das nicht, weil nicht-westliche Interessen zu einem Einmarsch geführt haben, dann ist es total böse und ganz schlimmes Unrecht.

    Merke: Es gibt nur ein Entweder-Oder. Entweder Invasionen verstoßen IMMER gegen Völkerrecht oder NIE. Eine Wischi-Waschi-Lösung, die sich der Westen zurecht zimmert, kann nur zu Unrechtsempfinden führen.

  2. Fragolin

    Nanana, die Saudis sind doch unsere Verbündeten! Ein demokratischer Rechtsstaat, in dem nicht jeden Freitag jemand gesteinigt wird und die Frauen praktische Kleidung tragen. Das kann man mit dem russischen Reich des Bösen doch gar nicht vergleichen, also wirklich!
    Die Saudis wollen halt nur in ihrem Vorhof ein bisschen aufkehren. Machen die Amerikaner auch gelegentlich. Oder die Franzosen in ihren alten nordafrikanischen Kolonien. Oder die Chinesen in ihren besetzten Regionen wie Tibet. Der Russe hat per Definition keinen Vorhof und keine alten Kolonien und außerdem nicht die ausdrückliche Erlaubnis aus Washington, aufzuräumen wo immer er aufräumen möchte. Denn das, und nur das, ist der entscheidende Punkt – auf das Völkerrecht wird doch gesch***, wenn es um die Machtinteressen von wem auch immer geht. Und zwar von jedem. Ausgerechnet das als Feigenblatt hervorzukramen und situationselastisch anzupassen kann nur noch als Verhöhnung der medial verschaukelten Massen bezeichnet werden.
    Übrigens, wenn man sieht was sich dort im Jemen gerade abspielt, kann man das Handeln der Saudis durchaus nachvollziehen. Das sie selbst nicht gerade für Toleranz und individuelle Freiheit stehen, steht auf einem anderen Blatt.

  3. Syria Forever

    Shalom Fragolin

    Was spielt sich denn ab im Yemen, dass Sie die Saudis verstehen können?

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