Die Selbst-Dekonstruktion des Christian K.

Von | 2. September 2017

“….Die SPÖ hat sich bereits vor langer Zeit das Keyword Gerechtigkeit an die Fahnen geheftet. Das ist ein unheimlich starker Treibstoff für den Brandstory-Motor. Wer von uns fühlt sich nicht ständig auf unterschiedlichsten Ebenen des Lebens ungerecht behandelt? Von Staat und Steuern und von der anonymen Macht der Institutionen sowieso … Empathie pur!   –  „Holen Sie sich, was Ihnen zusteht.” hat aber nichts mit Gerechtigkeit zu tun, sondern aktiviert sehr subtil und darum wirkungsvoll den hässlichen Stiefbruder der Gerechtigkeit, den Neid. „So lang jemand mehr hat als ich, steht mir noch was zu, und das gehört dem anderen zumindest einmal weggenommen, denn der hat es sicher nicht zu Recht.” Damit versündigt sich die SPÖ an der eigenen Identität sowohl inhaltlich als auch an ihrer Rolle als Bollwerk gegen populistische Auswüchse….” (hier)

8 Gedanken zu „Die Selbst-Dekonstruktion des Christian K.

  1. stiller Mitleser

    @Herr Ortner
    link funzt nicht,

    aber da mit “Gerechtigkeit” ja noch wochenlang herumgemurkst werden wird müssen und die
    in Ihrem Presse-Kommentar vorgeführte Ableitung nach dem Logik-Schema “wenn-dann” nicht so recht zur Identifikation einlädt, wie die Leserkommentare zeigten, ein Tipp abseits von Legistik des ASVG und auch abseits der verschiedenen Fassungen der katholischen Soziallehre.

    André Comte-Sponville geht das Dilemma anders an, sein Text, “Kann Kapitalismus moralisch sein” Diogenes Vlg, verwendet Blaise Pascals Ordnungen sehr geschickt, um die bei uns so fix etablierte Verbindung von Praxis und Moral wieder zu trennen. In der Tradition der Revolution sprechend verwendet er “Gerechtigkeit” kaum, dafür “Gleichheit” – die resultanten Forderungen bleiben die selben.

    Es genügt, sich die 50 Seiten des Kapitels über Verwechslung der Ordnungen reinzuziehen um den Begriff “Gerechtigkeit” aufzubrechen, viel Vergnügen.
    (ich hätte Ihnen das Buch gern von Amazon schicken lassen, damit Sie es schnell haben, aber mein account wurde leider gehackt)

  2. Fragolin

    Sozialismus ist gelebte Neidkultur. Neid ist dessen einzige Triebfeder. Denn nach “Gerechtigkeit” schreien immer nur die, die der Meinung sind, ihnen stünde mehr zu als denen, die mehr haben.
    Wer wieviel dafür tun muss, wird dabei ausgeblendet.
    Verteilungsgerechtigkeit heißt “Ich will mehr!”
    Steuergerechtigkeit heißt “Der soll mehr zahlen!”
    Leistungsgerechtigkeit – upps, das gibt es nicht…

  3. doc.west

    Tagebuch eines politisch Frustrierten

    HOL DIR, WAS DIR ZUSTEHT

    so der SPÖ-slogan, der gottlob ziemlich in die hose ging.

    herr kern, darf ich sie fragen, was ich mir zurückholen darf?
    reden wir erst einmal übers geld. da hat österreich eine der höchsten besteuerungen weltweit, also schlage ich vor, wir fangen bei der kohle an. sie senken die steuern bei gleichzeitigem abbau der verwaltung – denn von irgendwo muss das geld ja herkommen. gleichzeitig verzichten sie auf die altsozialistischen forderung nach schenkungs-und erbschaftssteuer. herr kern, wenn wir unseren buben einmal einige immobilien vererben werden, dann haben wir diese mit VERSTEUERTEM geld gekauft, für die umbauarbeiten mehrwertsteuer bezahlt und ebenso die grunderwerbssteuer für den erwerb der immobilien. das sollte genug sein, was der staat bis dahin kassierte, dafür, dass meine frau und ich immer hart gearbeitet haben.

    weiter geht’s mit der bildung: warum können die eltern von heute schulpflichtigen kindern sich nicht das bildungsniveau zurückholen, wie es früher herrschte? auch hier versucht ihre partei eine nivellierung nach unten, damit jeder vollidiot seine matura in der tasche hat. warum hat ihr genosse gusenbauer seine tochter selina nicht in eine öffentliche schule geschickt, sondern ins lycee francais? richtig, weil dort das niveau ein höheres ist. warum gingen die enkelkinder vom genossen vranitzky ins bilinguale gymnasium krottenbachstraße, eine schule, in der man eine aufnahmsprüfung machen muss? pfui, einen test bzgl. intelligenz – wie retro aber auch, von ihrer partei schwer abgelehnt – von wegen chancengleichheit für alle. ist zwar eine öffentliche schule, aber wegen der aufnahmekriterien eine begehrte und gute schule.
    herr kern, ich bestehe darauf, das alte niveau zurückzubekommen. sind sie bereit dazu? ich denke nicht, denn sonst würden ihre genossen nicht das niveau durch die neue mittelschule noch weiter absenken.

    als nächstes möchte ich mir die sicherheit zurückholen: es werden polizeiposten geschlossen und bei der sicherheit der sparstift angesetzt, und das bei einer rapide ansteigenden kriminalität.auch hier möchte ich die alten zustände von ihnen einfordern.
    ein weiterer punkt: geben sie mir die rechtsordnung in meinem land zurück, indem sie die grenzen überwachen wie es früher üblich war. nicht einmal sie können abstreiten, dass unsere grenzen löchrig sind wie ein schweizer emmentaler.
    herr kern, geben sie mir die rechtsprechung von früher zurück, als vor dem gesetz noch alle gleich waren. heute tut sich ein nicht-muslim vor gericht um einiges schwerer als ein surengläubiger – beweise kann ich ihnen jede meinge liefern.

    herr kern, geben sie mir die gesundheitsversorgung am land zurück, wie sie früher herrschte. da gab es hausärzte, die noch hausbesuche machten. und heute? auch ich würde trotz aller hilfsbereitschaft bei dieser mickrigen honorierung meinen arsch in der nacht nicht aus dem haus bewegen. aber die ärzte sind ja in der meinung all ihrer kleinen genossen alle golfspielende, porschefahrende millionäre. herr kern, schauen sie sich einmal den durchschnittsverdienst eines praktischen arztes an, und sogar ihnen werden tränen kommen.

    weiter geht’s, herr kern: geben sie mir die meinungsfreiheit zurück. hate-speach, fake-news geistert durch alle medien. fake und hate aber nur dann, wenn es den linken widerspricht. wenn der ORF oder der standard zu ihren gunsten lügen, dann ist es okay. ein beispiel: der ORF berichtete am Sonntag in der ZiB1, dass es keine wie auch immer gearteten beweise dafür gibt, dass NGOsmit de nschleppern im mittelmeer gemeinsame sache machen. das ist unrichtig, denn la stampa und il giornale, zwei populäre magazine italiens, berichten über die erkenntnisse und beweise der staasanwaltschaft von catania auf sizilien. und die sind hieb-und stichfeste.
    geben sie mir wieder das vertrauen in die medien zurück, indem sie sie zurückpfeifen. aber sie brauchen diese 4. macht im staat, um irgendwie bei der nächsten wahl erfolg zu haben.

    geben sie mit gerechtigkeit zurück, und zwar in vielen bereichen. herr kern, finden sie es in ordnung, dass meine perfekte assistentin nach über 30 jahren eine bezahlung nach dem kollektifvertrag von 1,145,17€ netto hätte, während arbeitsscheue individuen fürs nichtstun 846,€ bekommen und oft noch in geförderten gemeindebauwohnungen sitzen?

    geben sie mir den respekt vor der ordnungsmacht zurück, herr kern. wie darf es sein, dass ihre antifas/chaoten, auf deutsch linksextremste kreaturen, bei nicht genehmigten demonstrationen alles in schutt und asche legen dürfen, polizisten bespucken dürfen, und das alles ohne konsequenzen?

    herr kern, ich weiß nicht, was sie bereit sind, mir zurückzugeben, aber ich vermute, ihr slogan ist genauso inhaltsleer wie ihr parteiprogramm oder ihre wirtschaftslompetenz. auch wenn sie von den ihnen gewogenen medien immer als manager dargestellt werden: sie sind kein manager, denn in ihrer kurzen ägide als CEO der ÖBB haben sie einzig und allein die schulden von 18,3 auf 24 milliarden angehoben. das hätte ich auch geschafft, wette darauf. bin ich jetzt auch manager mit der qualifikation, einem land als kanzler vorzustehen?

    herr kern, wenn sie nicht mehr zu sagen haben, dann darf ich ihnen einen guten rat geben: shut up.

    w.

  4. Falke

    Kurz ist meiner Meinung nach gerade ordentlich ins Fettnäpfchen getreten: er fordert eine “neue Gerechtigkeit”, wobei dieser Begriff ja bereits durch Schulz und immer wieder durch die SPÖ ausreichend negativ besetzt ist. Welcher Teufel ihn geritten hat, jetzt auch von Gerechtigkeit zu sprechen, wenn auch von “neuer”, ist mir schleierhaft.

  5. Rennziege

    2. September 2017 – 09:56 — doc.west
    Meilenlanges Posting, vermutlich auch intelligent. Habe mir die Lektüre aber nach dem zweiten Satz abgeschminkt, da permamente Kleinschreibung jeden Text nicht nur mühsam, sondern auch unlesbar macht. Tant pis, monsieur!

  6. Fragolin

    @Falke
    Die Schwarzen haben den Roten die “Gerechtigkeit” geklaut und die Blauen das “fair” – kaum ihrer letzten zwei Wieselworte beraubt, haben die Roten gar nichts mehr zu bieten außer einer billigen Räuberparole. Find ich gar nicht so schlecht gemacht. 😉

  7. mariuslupus

    @Rennziege
    Zum Glück gibt es noch Menschen unter uns die noch an die Wirksamkeit der Argumente glauben. Und noch nicht dem Zynismus verfallen sind. Zynismus ist die vorletzte Barriere, vor dem Wahnsinn

  8. aneagle

    @doc.west
    Vielleicht hat ja KK Ihnen mit dem Slogan “Hol dir, was dir zusteht” ein ungewolltes Geschenk gemacht. Sein tollpatschiger Slogan kann leicht als Aufruf zum sozialen Raubzug oder als Versprechen zur Ausweitung eines Unrechtsstaates in Österreich missverstanden werden. Das schadet Österreich gegenüber Investoren ( Ausnahme: Nordkorea und Venezuela. 😉 ), vergrault aber auch rechtschaffene Sozialdemokraten ( gibt es immer noch) und Bobos, die wegen ihrer “sozialen” Ader zur Linken tendieren, kurz alle Menschen in Österreich, die das demokratisch-charakterlose Kalkül, dass es in Österreich bereits mehr Diebe als Bestohlene gibt, für einen eines Bundeskanzlers unwürdigen Sündenfall halten. Sie alle werden sich nach einer Wahlalternative umsehen, die Ihnen eine Zukunftsgesellschaft mit mehr statt weniger Rechtssicherheit verspricht. In diesem Sinne muss man KK für seine Ehrlichkeit dankbar sein.

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