Die spinnen, die Deutschen

(ANDREAS TÖGEL) „Mögest du in interessanten Zeiten leben“ lautet eine in China gängige Verwünschung. „Interessante Zeiten“ stehen in diesem Fall für Krisen, Umstürze, negative Veränderungen und Kriege. Letztere sind in Euroland im kommenden Jahr zwar (noch) nicht unbedingt zu erwarten, aber bürgerkriegsähnliche Zustände können – siehe Frankreich – in verschiedenen Provinzen des Euroimperiums durchaus schon einmal herrschen.
Doch nicht nur die politische Unsicherheit wächst. Auch hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung türmen sich Probleme auf. Die Konsequenzen der europaweit zelebrierten Schuldenorgien dürfen nicht unterschätzt werden! An historischen Beispielen für die negativen Langzeitfolgen schuldengetriebener Scheinkonjunkturen mangelt es nicht. So wurde etwa auch vor der 1929 beginnenden „Großen Depression“ ausgiebig Party gemacht. Der ab 1990 in eine Rezession gefallenen Volkswirtschaft Japans ging ebenfalls eine exzessiv auf Kreditfinanzierung setzende Geldpolitik voran. Und die Ursache der von den USA ausgehenden „Immobilienkrise“ 2007/2008, war ebenfalls ein Schuldenexzess.
Am Ende kreditfinanzierter Boomphasen, steht bekanntlich in 100/100 Fällen die Ent-Täuschung, das Sichtbarwerden der vorangegangenen Verzerrungen und deren unbarmherzige Korrektur. Daran werden auch arrogante Geldalchemisten von Schlage Herrn Draghis nichts ändern. Das gilt übrigens auch für die Wirtschaft des seit der Krise 2007/2008 weltweit zum wichtigsten Konjunkturtreiber gewordenen China, dessen wirtschaftlicher Höhenflug ebenfalls auf einer expansiven Geldpolitik beruht. Im Reich der Mitte wurden nicht nur in der Stahlindustrie unglaubliche Überkapazitäten aufgebaut, die einer Wertberichtigung harren – mit allen fatalen Konsequenzen für die involvierten Banken.
Die starke internationale wirtschaftliche Verflechtung bringt es mit sich, dass von allfälligen Turbulenzen in Rotchina auch der Rest der Welt betroffen ist. Was aus europäischer Sicht einst für die USA galt, gilt mittlerweile auch für diese Wirtschaftsmacht: Erkrankt sie an einer leichten Verkühlung, liegt Euroland mit einer schweren Lungenentzündung im Bett. Wie gesagt: Interessante Zeiten liegen vor uns! Anzeichen für eine aufziehende Wirtschaftskrise mehren sich – besonders in Europa.
Einen Sonderfall bildet – wie immer – Deutschland. Der Wirtschaftsmotor Deutschlands, der stärksten Volkswirtschaft der Union und deren Zahlmeister, beginnt deutlich hörbar zu stottern. Die Prognosedaten verfinstern sich. Wie bei der „Flüchtlingskrise“ sind die Ursachen dafür zum größten Teil hausgemacht. Weder außerirdische Eroberer noch überseeische Konkurrenten sind es, die eine zutiefst industriefeindliche Energiewende erzwingen, die in Form horrender Energiekosten ihren Tribut fordert. Es war und ist vielmehr die autodestruktive Politik, die von einer außer Kontrolle geratenen Matrone an der Spitze der deutschen Regierung getrieben wird. Und es ist das kollektive interne Kesseltreiben gegen das Rückgrat der deutschen Industrie – die Fahrzeughersteller -, das dem Exportweltmeister zunehmend zusetzt (die Gründe zu erörtern, warum so viele Deutsche einem ausgeprägten Nationalmasochismus huldigen, ist an dieser Stelle kein Platz).
Eines ist gewiss: Wer sich allein an Manipulationsvorwürfen im Zusammenhang mit einem angeblichen „Dieselskandal“ abarbeitet, greift damit um vieles zu kurz. Wenn im Elfenbeinturm lebende, im Hinblick auf ihr physikalisch-technisches Verständnis absolut unterernährte Bürokraten unerreichbare Emissionsforderungen aufstellen, braucht man sich über die daraufhin entstehende Kreativität auf Seiten der Produzenten nicht zu wundern. Keine andere Nation auf diesem Erdball käme auf die aberwitzige Idee, ihren wichtigsten Wirtschaftszweig, in dem sie nach wie vor weltweit technische Maßstäbe setzt, zu Tode zu regulieren. Das gelingt – zum Schaden ganz Europas – allein den Deutschen.
Wenn dann auch noch rotgrün schillernde Öko Narren den sparsamsten und wirtschaftlichsten jemals erzeugten Fahrzeugantrieb geradezu hysterisch verteufeln und mit irrwitzigen Fahrverboten eine faktische (Teil-)Enteignung von Bürgern und Unternehmen ins Werk setzen, dann handelt es sich um genau jenen Stoff, aus dem hausgemachte Wirtschaftskrisen bestehen. Der Dieselmotor wurde nicht nur in Deutschland erfunden, sondern wird dort auch in andernorts bis heute unerreichter Qualität produziert und glänzt mit insgesamt niedrigeren Emissionswerten als jede andere verfügbare Technik. Es ist ein unbegreiflicher Irrsinn, wenn deutsche Linke alles daransetzen, die eigene Industrie zu ruinieren.
„Denk ich an Deutschland in der Nacht….“ dichtete Heinrich Heine. Er war und ist nicht der einzige, der angesichts der in so vielerlei Hinsichten besorgniserregenden Entwicklungen im bevölkerungsreichsten Land Europas unter Schlafstörungen zu leiden hatte.

16 comments

  1. Der Tschakkomo

    Der deutsche Dieselmotor bietet andernorts unerreichte Qualität?
    Du liebe Güte. Wer sowas glaubt, ist vermutlich sein Leben lang VW gefahren und kennt nichts anders.

    Sonst natürlich volle Zustimmung zum obigen Text.

  2. Andreas Tögel

    Ad Tschakkomo: Der Motor meines überaus laufruhigen 220er-Dieselkombis leistet 194 PS. Seit dem Ankauf vor zwei Jahren ist er 46.000 km gelaufen. Durchschnittsverbrauch: 4,9 l / 100km. Welcher Franzosen- Italiener- oder Japanerkübel (von den völlig indiskutablen Amigurken ganz zu schweigen) könnte damit konkurrieren? Leider studiert halt der deutsche Michel seit einiger Zeit lieber Soziologie als Maschinenbau. Auch die deutsche Ingenieurskunst wird daher – wie alles andere – sukzessive den Bach runtergehen.

  3. Volker Seitz

    Als ich im deutschen Generalkonsulat in Kobe/Japan tätig war lernte ich einen japanischen Industriellen kennen, der mit einem 1 PS Dieselmotor ein großes Vermögen gemacht hatte. Man durfte als Deutscher niemals über Finanzierungsschwierigkeiten etwa beim Kauf eines Grundstückes für ein Goetheinstitut klagen. Schon kam eine erhebliche Spende des überaus dankbaren Geschäftsmannes. Er wollte auch unbedingt für Diesel ein Denkmal in Augsburg errichten lassen. Dieselmotoren wurden wegen ihrer Qualität in Japan zu meiner Zeit überaus geschätzt, Soweit ich unterrichtet bin, gibt es jedenfalls auch heute in Japan keinen „Dieselskandal“. Höchstens Kopfschütteln über uns.

  4. sokrates9

    Glaube gestern von unserer Umweltministerin gehört zu haben – wurde nämlich sofort vom ORF -Interviewer unterbrochen: Europa ist für 10% des CO2 Ausstoßes – über dessen Wirkung man zusätzlich diskutieren müsste – (habe nämlich nicht – Absolvent der NMS gelernt dass Co2 schwerer als Luft sei) verantwortlich, trägt aber 45% der Klimakosten! ( Wobei Zerstörung der deutschen Autoindustrie und deren Folgekosten da sicherlich noch nicht berücksichtigt ist!)

  5. Manuel Leitgeb

    @ Volker Seitz,
    Da ich eine Zeit lang in Japan studiert habe (an der Uni Kobe 🙂 ) komm ich auch heute noch regelmäßig hin und rede dann mit meinem jap. Bekannten auch über sowas.
    Kopfschütteln ist eher noch untertrieben, sie verstehen überhaupt nicht, wie ein Land mit Absicht eines seiner besten Produkte (mit herausragendem globalem Image) selbst vernichten will.

  6. Cora

    Mit Deutschen muss man vorsichtig umgehen. Die haben einen Klamsch. Ich verstehe gar nicht, wie die Germanen die Römer besiegen konnten.

  7. GeBa

    Bitte nicht verallgemeinern!
    Es gibt nicht DIE
    Ich kann mich mit ..% der Österreicher auch nicht identifizieren

  8. Johannes

    Es wäre viel ehrlicher gewesen hätte die deutsche Autoindustrie von Anfang an gesagt diese Grenzwerte sind nicht zu erreichen und damit basta. Meines Wissens nach hat es Japan in Amerika so gemacht, sie haben, wenn ich richtig informiert bin, den Verkauf von Dieselfahrzeugen in den USA praktisch eingestellt als dort unerfüllbare Forderungen gestellt wurden.

    Alles was im Moment in Deutschland an politischen Druck auf die Autoindustrie aufgebaut wird ist nicht ernst zu nehmen, sobald die ersten Arbeitsplätze in der Autoindustrie zu wackeln beginnen und die Arbeiter auf die Strasse gehen wird die Politik unter Druck geraten und dann sind alle Co2 Untergrenzen Makulatur.

    In letzter Zeit habe ich mich gefragt warum ich nichts mehr vom Waldsterben höre, auch das Ozonloch ist kein Thema mehr. Obwohl diese Umweltproblematiken jahrelang auf sehr ähnliche Weise in den Medien als “die“ Untergangsszenarien präsentiert wurden hört man heute eigentlich überhaupt nichts mehr davon.

    Natürlich gehen wir mit der Erde nicht so um wie es notwendig wäre, nach meiner Meinung ist die Überbevölkerung der größte Feind unserer Erde. Dafür werden die wichtigen Urwälder gerodet und die brauchen wir so notwendig für unseren Sauerstoff und für das Klima.
    Was in Südamerika gerodet wird kann in Europa mit noch so “sauberen“ Autos nicht ausgeglichen werden.

    Das Weltklima wäre durch eine globale Wiederaufforstung von großen öden Flächen ev positiv zu beeinflussen.
    Alles andere sind Lippenbekenntnisse. Wer weiß wie in Rumänien unter dem ach so klimafreundlichen Augen der EU riesige Urwaldflächen unter anderen auch und vor allem von einer österreichischen Firma zerstört werden der kann ob der scheinheiligen Debatten schier verzweifeln.

  9. Oldwhiteman

    Nicht nur der Tod, auch der Irrsinn und der Untergang sind Meister aus Deutschland.

    Den Irrsinn hat schon Heinrich Heine vor 185 Jahren in seinem Werk „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ eindringlich diagnostiziert („ … wenn ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wisst: der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht …“.

    Und was den Untergang betrifft, haben es die Deutschen trotz größter Anstrengungen in zwei Weltkriegen nicht geschafft, sich selbst total kaputt zu machen. Jetzt, beim dritten Anlauf, werden sie den Untergang wohl hinbekommen. Leider mit fatalen Folgen für uns alle.

  10. fxs

    Die Deutschen? Hier spinnt doch die ganze EU. Abgasnormen, die die Luft auf den Straßen sauberer halten sollen als die in Büros, aber dafür geeignet sind, die europäische Autoindustrie umzubringen, Plastikverbotein Europa, weil die Industriestaaten für 5% der Plastik-Verschmutzung der Meere verantwortlich sind, “Energiewenden” die bewirken, dass die sich daran orienteirenden Staaten Atomstrom von Nachbarn mit Atomkraftwerken importieren müssen, usw.

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