Die Stunde der Corona-Keynesianer

(ANDREAS TÖGEL)  Nichts eignet sich zur Durchsetzung einer politischen Agenda besser als eine Krise – oder – noch besser: ein Krieg. Folgerichtig hat Emmanuel Macron bereits pathetisch den „Krieg gegen das Virus“ ausgerufen. Augenblicklich steht das Volk wie ein Mann hinter seinem unfehlbaren Führer, dessen Anweisungen es mit einem Male bedingungslos folgt.

Schwache Politiker, die nicht einmal eine simple Pensionsreform hinbekommen, behaupten nun, imstande zu sein, jedermann vor dem gefährlichsten aller bisher bekannten Übel zu bewahren. Wer das tatsächlich glaubt, hat sich zum Phänomen Macht und den Zeitgenossen, die sich darum reißen, offenbar noch niemals ernsthafte Gedanken gemacht. Die Corona-Pandemie ist dabei, die Welt in ein Tollhaus zu verwandeln. Der von vielen Regierungen rund um den Globus zwecks Eindämmung dieser Krise entfaltete Aktionismus ist beispiellos.

Was auffällt ist, dass unter den Experten keineswegs Einigkeit in der Beurteilung des Covid-19-Virus und bezüglich der bestgeeigneten Strategie zu dessen Eindämmung besteht. Trotz einer weitgehend fehlenden Evidenz, haben viele Regierungen, auch die österreichische, sich für die aus wirtschaftlicher Sicht maximal schädliche Variante der Virus-Bekämpfung mittels Lockdowns entschlossen. Das kann und wird in einer international arbeitsteilig organisierten Welt nicht ohne gewaltige Kollateralschäden abgehen. Der in den letzten Tagen zu beobachtende Sturm auf den Edelmetallhandel (Münzen und Barren sind bei vielen Händlern ausverkauft) macht deutlich, dass das Vertrauen der Bürger in die Krisenbewältigungskompetenz der politischen Klasse durchaus seine Grenzen kennt.

Dennoch ist es bemerkenswert, welch drastische Eingriffe in die Bewegungs- und Erwerbsfreiheit möglich sind, ohne dass dagegen Kritik laut wird. Ein Phänomen, das, darauf lassen alle bislang verfügbaren Daten schließen, möglicherweise letztlich auf die Gesamtsterblichkeit keine nennenswerten Auswirkungen gehabt haben wird, dient einer paternalistischen Nomenklatura als willkommener Vorwand zum Übergang zu einer autoritär orchestrierten Planwirtschaft im Ausnahmezustand.

Zur Beurteilung der Gefährlichkeit von Covid-19 liefert der Fall des in Yokohama festgehaltenen Kreuzfahrtschiffs „Diamond Princess“ aussagekräftige Daten: 3.711 Passagiere mit einem Durchschnittsalter von 58 Jahren, davon 697 positiv getestet, zwei Wochen Quarantäne, sieben Tote. Das entspricht rund einem Prozent. Der Fall der Diamond Princess ist insofern von Bedeutung, als es sich dabei um einen faktisch abgeschlossener Kosmos gehandelt hat, der eine exakte Analyse erlaubt – frei von externen Störfaktoren. Angesichts der aus diesem Fall zu ziehenden Erkenntnisse dürfen jedenfalls Zweifel angemeldet werden, ob die Covid-19-Pandemie tatsächlich die Jahrhundertkatastrophe ist, aufgrund derer Politik und Medien weltweit in den Panikmodus schalten.

Die Massenmedien spielen übrigens teolweise eine  befremdliche Rolle in der laufenden Propagandaschlacht: von der „vierten Macht im Staate“ kommt kein kritisches Wort. Sie betätigt sich vielmehr – in Deutschland nicht anders als in der Alpenrepublik – als unkritische Regierungsversteher, der die Maßnahmen der eigenen Administration bejubeln und alternative Strategien in anderen Ländern (zumindest dann, wenn sie von liberalen oder konservativen Regierungen geführt werden) in Grund und Boden verdammt. Ein derartiges Maß an freiwilliger Gleichschaltung steht bislang ohne Beispiel da.

Sind einerseits die medizinischen Konsequenzen der Pandemie bislang nicht seriös abschätzbar, lassen sich in wirtschaftlicher Hinsicht schon eher einigermaßen haltbare Prognosen formulieren. Dabei gilt es übrigens, Anlass und Ursache des jetzt auf uns zukommenden wirtschaftlichen Debakels keinesfalls zu verwechseln: Corona ist nicht der Grund für die am Ende des Zyklus angelangte Konjunktur, sondern sie liefert den Regierungen lediglich den Anlass, von ihren in der Vergangenheit gemachten, geld- und wirtschaftspolitischen Fehlern abzulenken und ihre Macht und Regulierungswut in bis dato ungeahntem Ausmaß zu steigern. „Corona ist ein `Gamechanger´, außergewöhnliche Umstände verlangen außergewöhnliche Maßnahmen, blablabla“ – willkommen im 1984er-Totalitarismus, Ausgabe 2020!

Dumm ist nur, dass der Mensch ja von irgendetwas leben muss. Es ist also geboten, zu produzieren, wenn wir nicht in die Steinzeit zurückfallen wollen. Ein dauerhaftes Verbot jeder Bewegung ist ohne Massensterben nicht durchzuhalten. Aber das scheint die Damen und Herren Minister und die ihnen zuarbeitenden Bürokraten erstaunlich wenig zu kümmern, die ja ihre Gehälter in jedem Fall ungeschmälert ausbezahlt bekommen, während Tausende Unternehmen dank des überschießenden Regierungsaktionismus´ ohne Umsätze dastehen.

Der Lockdown wird zu einer weltweiten Rezession führen (über das Ausmaß sind die Experten noch uneins, aber minus 5% und mehr vom Welt-BIP werden es schon werden), und könnte am Ende mehr Schaden anrichten als das Virus selbst. Der speziell in Europa viel gescholtene US-Präsident Donald Trump warnt daher völlig zurecht davor, dass eine Kur nicht schädlicher sein darf als die Krankheit selbst.

Sicher ist (um nur einige Beispiele zu nennen): tausende Kredite werden infolge des Stillstands notleidend werden, viele arbeitslos gewordene Bürger und gescheiterte Unternehmer werden ihre Mietenzahlungen einstellen und damit Vermieter und den gesamten Immobiliensektor in Schwierigkeiten bringen. An den Banken wird das nicht spurlos verbeigehen.

Jetzt, nachdem die Industrie  erfolgreich lahmgelegt wurde, werden weltweit Konjunkturpakete auf den Weg gebracht, um „die Wirtschaft zu stimulieren“. Welche Ironie! Wieder einmal schlägt die Stunde des keynesianisch inspirierten „Deficit Spending“. Jetzt wird auf Teufel komm raus die Geldpresse angeworfen, um ein gigantisches Umverteilungsprogramm zugunsten des Staates und seiner Systemlinge anzuleiern. Zwei Billionen Dollar (!) werden in den USA zur „Rettung der Wirtschaft“ in Aussicht gestellt und die sich in der Coronakrise als völlig inkompetent erweisende Eurokratie wird sich – Hand in Hand mit Christine Lagarde von der EZB und den nationalen Regierungen – auch nicht lumpen lassen. Die von Trump formulierte Sorge könnte durchaus wahr werden: die Kur gegen das Virus könnte üblere Folgen zeitigen als die Pandemie selbst. Die auf uns zukommende Warenpreisinflation wird sich gewaschen haben. Und dafür, wohin eine galoppierende Inflation führen kann, liefern die Geschichtsbücher bekanntlich jede Menge Evidenz.

Ein schwacher Trost bleibt: endlich könnte sich die Erkenntnis Bahn brechen, dass man von den in den Zentralbanken bedruckten Zetteln nicht abbeißen kann und der gesellschaftliche Wohlstand von der Produktion, also der verfügbaren Güter- nicht aber von der Geldmenge abhängt.

6 comments

  1. sokrates9

    Warum hat man eigentlich bei dem Grippevirus nie so einen Wirbel gemacht? Da sterben allein in Österreich 2000 Menschen daran, niemand hat sich je darum gekümmert. Im Gegenteil: Die Durchimpfung der Bevölkerung mit wirksamen Impfstoff beträgt so an die 15%.Ein schönes Beispiel wie sehr derzeit die Medien die Themen dominieren!

  2. Notimetodie

    Stimme dem Artikel voll zu, ein paar Dinge sind aber unpräzise formuliert. Was heißt minus 5% oder mehr vom Welt-BIP werden es schon werden? In welchem Zeitraum? In Q2 oder Q3 oder in 2020? Außerdem vom? Sollte eher heißen, dass das BIP um 5% fallen könnte. Es sind aber zum jetzigen Zeitpunkt alles Zahlenspielereien, mit denen niemand etwas anfängt. Die große Gefahr geht vom Anstieg der Arbeitslosigkeit aus, die nachhaltig sein wird. In der Produktion werden die Arbeitsplätze wieder zurückkommen, in der Gastronomie, per Definition Leute mit keiner oder wenig Ausbildung, wird es vielleicht Jahre dauern. Und wir alle werden dafür zahlen! Hat der Maturant, der über Nacht BK geworden ist, vor nicht allzu langer Zeit sogar von Steuerreform gesprochen? Das war pre-Corona schon die Mutter aller Lügen.

  3. FiBu

    zu Sokrates9’s Kommentar:
    Die 2000 Grippetoten (oder so, die Angaben schwanken) habe ich auch schon oft gelesen.
    Das hat mich zu fohlender Überlegung angeregt:
    Es sterben so Rund 300 Menschen im Autoverkehr in Österreich. Eine Chance von ca. 1:25.000 für jeden Österreicher. Das bedeutet, sehr grob gerechnet, bei 50 Jahren “bewußtem Leben so ab zehn, 15.000 Menschen. Wenn jeder nur 25 Familienangehörige/Bekannte hatte sind das 375.000 Betroffene oder ca. jeder zwanzigste Österreicher. Statistisch gesehen muss ich dann zumindest jemanden kennen der jemanden kennt der betroffen war. Was für mich auch zutrifft und wenn ich andere Frage auch bestätigt wird, dass sie zumindest jemanden kennen der Betroffen ist oder selbst betroffen sind.
    Warum ich das so ausführe?
    Bei der Grippe gibt es ein vielfaches an Toten aber in meinem Bekanntenkreis und bei Befragen von ca. 25 meiner Bekannten keinnen einzigen Fall bei dem jemand an Grippe gestorben ist.
    Natürlich ist ein “Grippetod” nicht so spektakulär wie ein Autounfall.
    Aber kein einziger meiner Bekannten hat je von einem Grippetoten gehört. Möglicherweise wohne ich auf einer Insel oder irgendetwas stimmt nicht.

  4. sokrates9

    FIBU@Ihre Überlegungen sind korrekt! Im Prinzip stirbt jeder an Herzversagen – auch wenn er erschossen wird.
    Im hohen Alter mit multiplen Krankheiten stirbt natürlich jeder an irgendetwas. Und da ist schon hohes Fieber oft der Auslöser. Die Gefährlichkeit des Coronavirus beeindruckt mich nicht wenn ich die nationalen / internationalen Altersangaben der Sterbefälle lese. Durchschnittssterberate liegt so bei gefühlsmäßig 80 Jahre.

  5. Falke

    Den Überlegungen des Autors ist voll zuzustimmen, mit einer Ausnahme: “Ein derartiges Maß an freiwilliger Gleichschaltung (der Medien) steht bislang ohne Beispiel da”. Doch, es gibt ein ganz ähnliches Beispiel, das nur etwas mehr als 4 Jahre zurückliegt: Die Masseninvasion orientalischer Glücksritter (oder Goldstücke). Angesichts der damaligen fast identischen Reaktion aller Systemmedien darf man sich über deren aktuelle Einstellung keineswegs wundern.

  6. Bürger

    Ein offensichtlich unverschämter Pleitier fordert jetzt für “die vierte Macht im Staate” sogar noch mehr Subventionen durch Inserate von unseren anmaßenden Machtträgern! – BRRR …

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