Die Tränen des Armin Wolf

Von | 10. August 2021

(C.O.) Das vielleicht interessanteste an der heutigen Wahl des neuen ORF-Generaldirektors ist nicht, wer sich aller bewirbt, sondern wer sich aller nicht bewirbt. Denn obwohl es im deutschen Sprachraum nun wirklich keinen Mangel an spannenden, erfolgreichen und zukunftsfitten Medienmanagern gibt, hat sich genau niemand aus dieser Gruppe um den gut dotierten, noch immer extrem mächtigen und mit hohem Sozialprestige ausgestatteten Job auch nur beworben.
Zum Weinen: “Es ist kein Fehler, es ist System”

„Weil allen klar ist, dass der Job politisch ausgedealt wird,“ beschreibt Armin Wolf das Problem seines langjährigen Arbeitgebers durchaus zutreffend auf „Twitter“, „Es ist zum Weinen“
Bloß: wenn sich eine Führungskraft des ORF darüber beklagt, dass dort der Chef von der Politik bestimmt wird, dann ist das ungefähr so, als würde sich ein Kardinal darüber beklagen, dass der Papst immer erstens Katholik und zweitens ein Mann ist. Die Angelsachsen pflegen in solchen Fällen zu sagen: „It`s not a bug, it´s a feature“, also etwa „Es ist kein Fehler, es ist System“.
Warum der Wunsch nach der “Entpolitisierung” der großen Betriebe gut, aber weltfremd ist

Im Falle des ORF: weil die Anstalt dem Staat zwar nicht gehört, ihm aber de facto unterworfen ist, als wäre er der Eigentümer, bestimmt dort der Staat, wer wann was wird. Und der Staat wird in einer Demokratie nun einmal durch die ihn jeweils regierenden Parteien verkörpert; also bestimmen die letzten Endes, was Sache ist. Man kann das den Parteien nicht einmal vorwerfen – sie handeln, indem sie diese Macht nutzen, bloß legitim ihre Interessen wahrend.

Das gleiche Problem stellt sich ja nicht nur im ORF, sondern in der ganzen staatlichen oder staatsnahen Industrien oder in den zahllosen Betrieben und Unternehmungen der Länder und Gemeinden: sie alle haben die öffentlichen Hände als Eigentümer, und die werden nun mal von den jeweiligen politischen Parteien dargestellt.

Die Forderung, all diese Betriebe – genauso wie den ORF – zu „entpolitisieren“ klingt zwar gut, ist aber vollkommen weltfremd. Von Parteien zu verlangen, zu „entpolitisieren“ heißt vom Hund verlangen, den Wurstvorrat zu bewachen. Beides ist wider die Natur.
Der ORF “unentbehrlich”? – Nicht wirklich.

Deshalb sind auch die wehleidigen Klagen darüber, dass im ORF „Jobs politisch ausgedealt werden“ irgendwie sinnlos, solange daraus nicht der einzige denkmögliche Schluss gezogen wird: wer will, dass die Parteien dort keinen Einfluss mehr haben, muss den Staat aus seiner Eigentümerrolle zwingen. Nur wo der Staat nicht mehr Eigentümer oder de-facto-Eigentümer ist, haben die Parteien keine Möglichkeit mehr, ihre Vertrauensleute an den Schaltstellen zu installieren. Wer sich eine Entpolitisierung des ORF wünscht, muss dessen Privatisierung verlangen, alles andere macht logisch keinen Sinn.

Der nicht nur von ORF-Bediensteten vorgetragene Einwand, ein öffentlich-rechtlicher Senderkomplex sei aus demokratiepolitischen Gründen unentbehrlich, die Information des Souveräns könne nicht allein Privaten überlassen werden, ist eine reine Schutzbehauptung ohne Erdung in der Realität.
Wer etwa je am Sonntagabend „Im Zentrum“ angesehen hat, ein abgehaustes, miefig nach Staatsfunk riechendes und von tödlicher Langeweile geplagtes Diskussions-Format, dem offenbart sich auf der Stelle, wie überkommen der Distinktions-Anspruch der öffentlich-rechtlichen Sender ist – das können Private längst viel besser.
Die Daseinsberechtigung des öffentlich-rechtlichen TV

Wer nicht-privatem TV heute noch eine besondere Daseinsberechtigung zuweist, der könnte genauso gut die Herstellung von Brot und Milch, von Autos und Pillen, von Wohnungen und Wäsche zur Staatsaufgabe erklären, weil das alles ja für das menschliche Wohlergehen zumindest so wichtig ist wie die Produktion des nächsten Tatort. Das verlangt aber heute nicht einmal mehr die KPÖ, mit gutem Grunde.

Ein privatisierter, im Idealfall börsennotierter ORF mit breitem Streubesitz (am besten der Gebührenzahler, die zum Start eine Aktie pro Person gratis bekommen könnten) würde jedenfalls ein Problem mit absoluter Sicherheit lösen: um den Führungsjob dieser AG würden die besten Medienmanager des deutschen Sprachraumes rittern – und nicht so wie jetzt der Parteipolitik wegen wegschauen.
Und Armin Wolf könnte seine Tränen endlich trocknen.  (“Exxpress”)

8 Gedanken zu „Die Tränen des Armin Wolf

  1. Susi

    ….zu „entpolitisieren“? Der Herr Wolf scheint zu vergessen, dass sein, i.m.A., überhöhtes Gehalt aus Zwangsgebühren und staatlichen Zuwendungen besteht und nicht etwa weil ER und seine, stets mit Mimik und Gestik arbeitenden, Moderatoren Kollegen so “entpolitisiert” berichten und SOOOO neutral moderieren und jeder deshalb den ORF einschaltet wenn er die Geschehen der Welt erklärt haben will. Die “”gääähn” Sendungen, die nur zur Manipulation einiger leicht zu überzeugenden Zuseher und Zuhörer bestehen sind meiner Meinung nach überproportional vertreten und das einzige wegen dem ich noch einschalte sind alte Filme mit Attila Hörbiger, Josef Meinrad, Elfie Ott, Waltraud Haas,….aber dazu brauche ich den ORF nicht.

  2. Kluftinger

    Der Herr A. Wolf kann von Glück reden dass sich kein “namhafter” Medienmanager bewirbt, sonst müsste er sich ziemlich rasch an geänderte Arbeitsbedingungen und einen objektiven Berichtsstil gewöhnen?
    (könnte auch sein, dass er später in der Archivabteilung zu finden wäre?)

  3. sokrates9

    Eigenartiger Weise ist es in den letzten Jahren Wolf nicht aufgefallen welche Politik der ORF macht.Dass nicht einmal eine proforma geheime Wahl stattfindet zeigt dass wir selbst von ehemaligem Ostblockniveau noch weit entfernt sind.Die Idee dem Markt die Regelung zu überlassen hat natürlich keiner der linken Journalisten.Wären sofort weg von der Futterschüssel. Wer würde für den ORF zahlen?

  4. Thomas F.

    Man bräuchte nur das ORF-Gesetz abzuschaffen. Alles andere würde sich von selbst erledigen – bzw die Konkursrichter. Börsefit ist der ORF sicher nicht.

  5. Allahut

    Herr Wolf hat nur noch nicht begriffen, wie Herr Wrabetz auf den Gipfel des Küniglberges gelangt ist. Und es fällt schon auf, dass die Linken immer nur über Postenschacher jammern, wenn sie durch den Rost fallen.

  6. Erwin Tripes

    In einem kürzlich ausgestrahlten ORF- Interview stellte sich Warbetz, für sich werbend, hin und behauptete, wie ausgewogen, neutral und faktenbasiert der ORF berichte.
    In den darauf folgenden Nachrichten, fand sich jedoch keine Info über die in aller Munde befindlichen aktuellen Meldungen über Impfdurchbrüche, wie sie etwa Servus-TV brachte.
    So sieht objektiv Nichtinformation aus.

  7. Johannes

    Das interessante ist, dass bestimmte Leute immer dann über ein System weinen wenn ihnen das Resultat nicht gefällt.
    Bei der Wahl von Frau Lindner wurde geweint bei den nachfolgenden drei Wahlgängen war das System das beste denkmögliche und es war zum Freudentränen weinen, nun weint man wieder, diesmal weil man gegen das “ungerechte, unzeitgemäß, falsche Resultate überzeugende System” unbedingt etwas unternehmen muss.
    Ich muss sagen diese Weinerlichkeit hat etwas von einem Kind dem man sein Spielzeug enthält.

  8. sokrates9

    Johannes@ Einem Kind dem man sein Spielzeug enthält ist treffender Vergleich.Der ORF ist reines Propagandainstrument einer linken Clique die gesellschaftspolitik macht und brutal ihre eigene Meinung durchpresst.DDR Sender hätten da noch was lernen können. Selbst der Wetterbericht ist nicht mehr objektiv, man versucht zu beweisen dass man richtig liegt..

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