Die Tränen des John Kerry

Von | 26. Juli 2015

(C.O.) Der amerikanische Außenminister, John Kerry, so hat es ein Mitglied der US-Delegation berichtet, habe „Tränen der Rührung in den Augen“ gehabt, als er am Ende der Wiener Atomverhandlungen mit dem Iran eine kurze Ansprache im kleinen Kreis der Chefunterhändler gehalten und dabei auf seine eigenen Erfahrungen im Vietnam-Krieg angespielt hat. Grund zum Weinen gibt der nun rundum als epochaler Schritt in Richtung auf eine friedlichere Welt gepriesene Nukleardeal ja wirklich, wenn auch aus etwas anderen Gründen.

Denn dankenswerterweise hat uns der Chef des islamofaschistischen Regimes in Teheran, Ali Khamenei, schon wenige Tage nach dem vermeintlichen Verhandlungserfolg in Wien wissen lassen, wie seine Vorstellungen von einem Friedensprozess aussehen. An „Entspannung gegenüber den USA“ sei nicht zu denken, hat Ayatollah Khamenei deklariert, und Demonstranten, die während seiner Rede „Tod den USA“ und „Tod für Israel“ skandiert haben, würden vor allem zeigen, „wie Irans Bevölkerung denkt“.

Das nette Assad-Regime in Damaskus, die bekannt friedfertige libanesische Hisbollah und die palästinensische Hamas würden von Teheran weiter finanziell und mit Waffen unterstützt werden, präzisierte Khamenei seinen Friedensplan. Dem deutschen Vizekanzler, zeitgleich zu Besuch in Teheran, wurde dazu passend beschieden, der Iran denke nicht daran, das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Und der mächtige Chef der iranischen Revolutionsgarden hat öffentlich erklärt, seine Armee (samt eigener Atomwaffenforschung) fühle sich nicht an den Wiener Deal gebunden.

So haben wir uns die neuen Verbündeten des Westens und eine tragfähige, vertrauensvolle Basis für eine friedliche Zusammenarbeit schon immer vorgestellt. Aber Vertrauen sei ja nicht die Basis des Deals, hat uns US-Präsident Barack Obama erläutert, „sondern Kontrolle“. Blöderweise dürfte auch diese eher zum Weinen sein. Denn dass allfällige internationale Inspektionen iranischer Nuklearanlagen 24 Tage im Voraus avisiert werden müssen, lade den Iran geradezu ein, sich nicht an die Vereinbarungen zu halten, behauptet der ehemalige Vizedirektor der Atomenergiebehörde IAEA, Olli Heinonen. Vor allem kleinere Nuklearanlagen, so erläutert der ausgewiesene Kenner der iranischen Atomwaffen-Ambitionen, ließen sich mühelos innerhalb von drei Wochen abbauen und zum Verschwinden bringen.

Als genauso zahnlos dürfte sich in der Praxis erweisen, dass jene Sanktionen, die den Iran überhaupt erst an den Verhandlungstisch gezwungen haben, im Fall eines Verstoßes gegen den Wiener Deal wieder in Kraft treten sollen. Klingt vernünftig, dürfte sich aber als reichlich mühsam entpuppen. Denn um jenen Mechanismus von Sanktionen zu verwirklichen, der den Iran bisher unter Druck setzte, brauchten die USA und ihre Verbündeten schlanke zehn Jahre. Das gleichsam über Nacht wieder einzuschalten, wenn irgendein Inspektor in einer iranischen Atomanlage Verdächtiges findet, dürfte sich eher schwierig gestalten.

Völlig zu Recht spottet ein hoher iranischer Politiker, die in naher Zukunft anstehenden Milliardendeals westlicher Unternehmen mit dem Iran seien „der beste Schutz davor, dass die Wirtschaftssanktionen je wieder aufleben werden.“ Tatsächlich, angesichts der Riesengeschäfte, die nach Aufhebung der Sanktionen im Iran gemacht werden, ist die Vorstellung, der Westen könne bei einem klaren Bruch der Wiener Vereinbarungen wieder derartige Sanktionen verhängen, reichlich naiv und weltfremd.

Zu befürchten ist, dass ein schwacher Westen sich letztlich zum Helfershelfer der iranischen Atomwaffenpläne hat machen lassen. Darin einen Beitrag zum Frieden zu sehen ist angesichts des mörderischen Charakters des Mullah-Regimes eher originell. Mittlerweile scheint übrigens John Kerry von seinen neuen Freunden schon etwas enttäuscht zu sein. Khameneis jüngste Einlassungen nannte er „besorgniserregend“. So kann man das auch sehen. (“Presse”)

5 Gedanken zu „Die Tränen des John Kerry

  1. Goetz Goetz

    Eine Parabel: Ein Wanderer findet auf seinem Weg ein verletzte Schlange. Diese bittet ihn ihr zu helfen, aber der man wies auf die Giftigkeit des Tieres hin. “Wenn du mir hilfst, werde ich dich reich machen. Für deine Güter, die ich brauche, werde ich dich mit Gold bezahlen. ” Der Wanderer liess sich überreden. Ihn lockte vor allem die Aussischt auf Reichtum. So nahm er die Schlange, versorgte sie und legte sich danach zur Ruhe. In der Nacht erwachte er durch eienen stechenden Schmerz in seinem Arm. Die Schlange hatte zugebissen. Sterbend fragte er: ” Warum töteste du mich ? Du hast mir doch geschworen mich für all meine Hilfe zu belohnen ?” Die Schlange anwortete: ” Warum fragst du? Du hast doch gewusst , dass ich eine Schlange bin. “

  2. Herbert Manninger

    Tränen dürften derzeit große Mode sein: vom heulenden Asylantenmädchen bis hin zum schluchzenden US-Außenminister.
    Während aber westliche Dekadenz sich davon beeindrucken lässt, verfolgen nahöstliche Regime beinhart ihre grausamen Interessen.

  3. Thomas Holzer

    Der selbe Herr Kerry, welcher in den 80er Jahren vor einem Kongressausschuss wider besseres Wissen behauptete, es gäbe keine gefangenen US-Soldaten mehr in Vietnam.
    Ein reiner Opportunist, der dann lügt, wenn es seiner Karriere und/oder seinem Herrn dienlich ist

  4. aneagle

    Leider DER “Meilenstein” der Obama-Administration. Ein vernünftiger Nachfolger wird beide Amtszeiten brauchen um das reichlich zerschlagene aussenpolitische Porzellan aufzusammeln. Falls es einen vernünftigen Nachfolger geben wird (schauderhaft!)

  5. Mona Rieboldt

    Man denke nur an die Jubelarien in der deutschen Presse, als Obama gewählt wurde. Die gleichen Jubelarien gab es über den “arabischen Frühling”. Der Westen hat keine Ahnung über arabische Mentalität. Und jetzt wird der Deal mit dem Iran bejubelt. Wahrscheinlich schütteln die Iraner nur noch den Kopf über soviel Blödheit des Westens und Obama und sind froh über deren Dummheit. Der Iran wird so tun, als hielte er sich an die Vereinbarung und wird weiter an seiner Atombombe bauen.

    Und wenn die iranische Atombombe fertig ist, werden westliche Politiker sagen “Wir sind enttäuscht, dass sich Iran nicht an die Vereinbarungen gehalten hat”. Tja, wer hätte das denn gedacht.

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