“Die Türkei wird eine Dritte-Welt-Diktatur”

Von | 6. März 2016

Mit diesen Worten kommentierte der Kolumnist Sahin die Einsetzung eines Treuhänders für die Tageszeitung Zaman durch ein Istanbuler Gericht. Zaman und die englischsprachige Today‘s Zaman, die der Gülen-Bewegung zugerechnet werden, sind damit die jüngsten Opfer des Vorgehens der türkischen Behörden gegen regierungskritische Medien…. (hier)

15 Gedanken zu „“Die Türkei wird eine Dritte-Welt-Diktatur”

  1. Der leiwaunde Johnny

    In der Türkei kommt ein Treuhänder der Regierung in die Redaktionsstube. In Österreich kommen die Schecks für sinnlbefreite Regierungsinserate. Das Ergebnis ist dasselbe. Mit dem Unterschied, dass die Betroffenen in der Türkei wenigstens noch mitkriegen, dass sie künftig einseitig zu berichten haben. Unsere Journalisten (mit ganz wenigen Ausnahmen) realisieren ihre linke Schlagseite nichteinmal.

  2. sokrates9

    Mir unverständlich warum Erdogan 1 Woche bevor die EU mit riesigem Füllhorn auf Knien zu ihm pilgert er noch weitere Reißnägel streut!

  3. waldsee

    wo liegt das problem?wer ist schlimmer für europa?erdogan oder die gülen bewegung?

  4. astuga

    In Abwandlung eines bekannten Spruches: Die Islamisierung frisst ihre Kinder.

    Die Pointe dabei: Zaman steht der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen nahe, der im US-Exil lebt. Gülen war ehemals Verbündeter von Erdogan, hat sich mit ihm aber überworfen.
    Gülens Hizmet-Bewegung ist in der Türkei inzwischen zur Terrororganisation erklärt worden.
    Gülen wird vorgeworfen, einen “Staat im Staate” geschaffen zu haben um Erdogan zu entmachten.

    Der fundamentalistisch-turknationalistische Prediger Gülen lebt seit Jahren im Exil in den USA.
    Vor allem auch dank seiner Hilfe konnte Erdogans AKP überhaupt erst schrittweise Polizei, Justiz und Behörden personell unterwandern und so das Militär kalt stellen.
    Seine Organisation samt Medien und Nachhilfe-Schulen agiert auch in Europa.
    In Deutschland war etwa lange Zeit die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth für Gülens “Dialogforum” und als prominentes Aushängeschild tätig.
    In Österreich verteilt “Zaman Avustriya” gerne sog. Integrationspreise an Politiker, zB an Häupl, damals noch überreicht vom türk. Botschafter.

    Ganz ähnlich agieren auch die Islamisten aus Erdogans Umfeld von Milli Görüs, Bozkurtlar, UETD bis zum Diyanet (DITIB und ATIB).
    Lange Zeit hatte man ja Hand in Hand gehandelt, und Gülen war Teil dieses Fundamentalisten-Konglomerats.
    Das ist der eine, eher unterhaltsame und nebensächliche Aspekt dieser Causa, der andere ist das Schweigen der EU-Politik bezüglich Verstaatlichung unabhängiger Medien.
    Denn es hat ja bereits auch andere getroffen, nicht nur Zaman.

  5. mariuslupus

    Wieso eine Dritte-Welt Diktatur ? Die Türkei ist ein Beitrittskandidat der EU und Erdogan ist laut Merkel ein luppenreiner Demokrat. Aber sollte die Türkei in die EU aufgenommen werden, dann gibt es in der EU eine offizielle Diktatur und nicht nur inoffizielle, wie Merkels Deutschland, und noch ein Paar andere.

  6. sokrates9

    Jetzt hat sich die EU in Sachen Polen so aufgeregt”! Eigentlich müsste die EU jetzt Montag den Türkeigipfel absagen und schwerste Sanktionen dem Beitrittskandidaten androhen!!

  7. Christian Peter

    In Österreich und Deutschland ist es auch nicht viel besser – auch hier gibt es Zensur im Internet und politisch unliebsame Bürger werden eingesperrt.

  8. Mona Rieboldt

    Christian Peter
    Das ist schon Unsinn, was Sie schreiben. Man muss sich schon strafbar machen, damit die Gerichte einschreiten. Und wenn ich im Internet zu Mord, Vergewaltigung aufrufe, ist das strafbar. Es gibt auch den Paragraph Beleidigung in schweren Fällen. Für reine Meinungsäußerung und Kritik an der Regierung wird niemand bestraft. Und bisher gibt es noch nicht “Majestätsbeleidigung”, auch Merkel darf weiterhin heftig kritisiert werden.
    Und das Internet wird nicht eingeschränkt und weder Facebook noch Twitter ist in D verboten.

    Auch in diesem Blog wäre es NICHT erlaubt, Sie zu beleidigen oder dazu aufzurufen, Mord und Totschlag an Ihnen zu begehen.

  9. Christian Peter

    @Mona Rieboldt

    ‘für reine Meinungsäußerung wird niemand bestraft’

    Sie sollten sich informieren. Das österreichische StGB ist voll von Meinungs- und Gesinnungsdelikten.

    ‘Facebook und Twitter sind nicht verboten’

    Aber es findet im Auftrag der Regierung eine Zensur statt – genauso wie in Diktaturen wie China, Nordkorea und einigen anderen Ländern.

  10. astuga

    Naja, mit Nordkorea möchte ich Österreich dann doch nicht vergleichen.
    Aber richtig ist, dass es zu einer Razzia des Verfassungsschutzes auch keines Mordaufrufes bedarf.
    So wie beim sog. Wut-Arzt, den der Grüne Öhlinger angeschwärzt hat und dem die Stapo kürzlich die Computer beschlagnahmt hat.
    Ein solches Vorgehen würde man sich bei manchem fundamentalistischen Muslim wünschen, oder bei Linken die mehr oder weniger offen zur Gewalt aufrufen (etwa von der Grünen- und Sozialistischen Jugend).

    Auch der sog. Verhetzungsparagraph ist so ausformuliert, dass dem politischen Missbrauch Tür und Tor geöffnet ist, und er findet folglich auch statt.
    Wie gesagt, Diktatur sind wir keine, aber wir marschieren munter in Richtung defekte Demokratie.

  11. sokrates9

    Mona Riebold@Schon mal diverse Nazi / Wiederbetätigungsparagraphen und ihre Anwendung studiert?? 88, 18 sind Tabuzahlen, Faschingsnarren versucht man zu belangen wenn sie ein Schild mit Schariapolizei am Traktor befestigen! Dafür dürfen Möchttegernschariapolizisten in Wien sehr wohl Frauen auffordern sich “gesittet” zu benehmen! Zusätzlich delikate Urteile: Ein junger Afghane bekam für Vergewaltigung einer 70 – jährigen!! nun 20 Monate unbedingt! Da viele das Urteil DER Richterin für zu milde hielten und ein shitstorm einsetzte überlegt man nun die Richter zu anonymisieren und eventuell nur mehr mit Gesichtsmaske auftreten zu lassen! Frei e Justiz??

  12. Thomas Holzer

    Vielleicht können wir uns darauf einigen, daß die Einschränkung der Meinungsfreiheit bei uns und EU-weit mit subtileren Mitteln erfolgt, und natürlich im Namen aller Benachteiligten, Diskriminierten, Minderheiten und schlußendlich der Gerechtigkeit und Gleichheit wegen, aber natürlich so nicht genannt wird 😉

  13. Fragolin

    Wollen wir mal die Kirche im Dorf oder von mir aus die Moschee in Anatolien lassen: es handelt sich bei dieser Zeitung nicht gerade um ein Leuchtfeuer der Demokratie und der “Regimekritik” (wenn das ein Medium schützenswert machen würde, wären rechtsextreme Blätter bei uns auch nicht verboten worden…) sondern um die Propagandatrommel einer eher als radikalmuslimisch und turkfaschistisch einzuordnenden Organisation rund um einen Hetzprediger, der vom Busenfreund des Diktators zum Erzfeind mutierte (wie es immer wieder in Diktaturen vorkommt, dass gestern noch feurige Mitkämpfer heute in “Ungnade” fallen und morgen einen Unfall haben), obwohl sie in puncto Radikalislam und Turkfaschismus auf dem gleichen trüben Tümpel segeln.
    Warum Erdogan ausgerechnet jetzt zuschlägt, seine Konkurrenten abwürgt, Islamisten kuschelt und Kurden bombardiert? Weil er es kann. Weil er mit Juncker und Schultz die EU-Führungsriege und ganz wichtig mit Merkel das Land mit der größten Türkengemeinde außerhalb des türkischen Staatsgebietes hinter sich weiß. Diese Kollegen haben sich – unbewusst oder geplant – in eine Situation bugsiert, wo sie nur noch vor dem Sultan im Staub kriechen können, weil sie alle anderen Optionen bereits alternativlos ausgeschlossen haben. Und so kann er tun und lassen, was er will. Das demonstriert er auch.
    Der Verdacht bleibt, dass es noch einen anderen Plan mit den Türken gibt. Nachdem die Ukraine endgültig fallen gelassen wurde, weil sie den Plan zum Provozieren eines (atomaren?) Krieges mit Russland nicht umsetzen konnte (als “bereichernden” Teil der EU hat diesen hochkorrupten, abgewirtschafteten Oligarchenstadl mit bitterarmer Bevölkerung doch niemals jemand ernsthaft in Betracht gezogen, es ging immer nur um Provokation gegen Russland), bleibt nur noch der mit Putin auf Eiszeit lebende Sultan vom Bosporus, der sicher zu mehr Provokationen bereit ist als “nur” dem Abschuss eines russischen Kampfjets über Syrien. Es scheint auf einen “Krieg um jeden Preis” mit Russland hinauszulaufen, anders ist es nicht erklärbar, dass man jetzt die “Zusammenarbeit in Syrien” bejubelt und gleichzeitig über eine Verschärfung der Sanktionen diskutiert wird.
    Man stelle sich vor, Putin würde das mit einer Oppositionszeitung machen.
    Nachdem ein deutscher (!) EU-Kommissar den Polen schon für kleinere Häppchen knapp 77 Jahre nach der letzten Disziplinierungsmaßnahme eine neue angedroht hat, sollte die EU, denkt man sich, auf das Schärfste mit dem türkischen Despoten umgehen. So wie sie aber auch bei Assad und Erdogan auf das Bombardieren der eigenen Bevölkerung sehr unterschiedlich reagiert, reagiert sie eben auch sehr unterschiedlich auf Angriffe gegen die Pressefreiheit. Wie in jedem absolutistischen Herrrschaftssystem üblich kommt es nicht darauf an, was jemand tut, sondern wer etwas tut.
    Ach ja, und um es abzurunden: Wäre Gül erfolgreich und hätte Erdogan gestürzt um sich selbst an die Macht zu putschen, würden Erdogan-freundliche Blätter auch nicht sicherer leben als es heute anders herum der Fall ist. So gesehen ist es der übliche interne Schmutzkampf eines Despoten gegen seine Herausforderer und für uns relativ uninteressant. Man sollte sich mit Leuten wie Erdogan nur nicht ins Bett legen, aber was das angeht, ist Merkel scheinbar nicht wählerisch. Natürlich alegorisch gemeint, sonst gibts Kopfkino… 😉

  14. Christian Peter

    @astuga

    jedenfalls befinden wir uns in bester Gesellschaft mit Ländern wie etwa der Türkei, auch dort wird das Internet zensiert. In Nordkorea sind Seiten wie Facebook, Twitter @ Co gleich gesperrt, aber mal ehrlich : Macht es einen großen Unterschied, ob zensieren oder gesperrt wird ?

  15. Christian Peter

    ‘Macht es einen großen Unterschied ob zensiert oder gesperrt wird ?’ sollte es heißen.

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