Die Tyrannei der Willkommenskultur

Von | 27. August 2016

(Von Bassam Tibi) Wer in Deutschland dem Glaubenssatz «Wir schaffen das!» nicht zustimmt, wird als «Populist» und «islamophob» ausgegrenzt. Mit Demokratie hat das nichts mehr zu tun…..weiter hier.

17 Gedanken zu „Die Tyrannei der Willkommenskultur

  1. Herbert Manninger

    Es hat sich eine ,,intellektuelle” Inzuchtkultur entwickelt, in der sich Angehörige der politischen ,,Elite” und deren Hofnarren, vom Kabarettisten, Schauspieler, subventionierten Journalisten bis hin zu Politikern im Ausgedinge, erkennbar oft an ihren weißen Bärten, gegenseitig versichern, couragiert zu sein, schließlich sei man ja gleicher Meinung.

  2. Fragolin

    Einfach nur großartig. Scheinbar ist die Unfähigkeit zur Selbstreflexion das größte Defizit der Deutschen, so dass immer wieder nur von außen so treffende Analysen geliefert werden.

  3. stiller Mitleser

    @ Fragolin
    ja!!! da ist alles drin und das wird jetzt rundgemailt (und da es mit einem Adorno-Zitat beginnt, wird es auch gelesen werden).

  4. waldsee

    ich habe probleme mit dem begriff populisten.schlecht ist der rechte,konservative,sagen die medien ,gut soll der linke sein,unabhängig davon wieviel mist er baut und was er alles zerstört.
    bei islamophob ist es einfach.der begriff stammt von khomeini und wird von seinen geistesverwandten ,den linkspopulisten ,gerne verwendet.

  5. Falke

    Ausgezeichnete, genau zutreffende Analyse.
    “Das größte Geschenk, das Deutschland nach seiner Niederlage 1945 von den westlichen Siegermächten bekam, ist die Demokratie und das Grund­gesetz” – richtig. Und was hat Deutschland, laut Merkel, noch bekommen? “Uns wurden Menschen geschenkt”. Von einem “Danaergeschenk” in diesem Zusammenhang zu sprechen, ist wohl noch untertrieben.
    “Mill nennt das «Tyrannei der herrschenden Meinung und Gefühle»”. Thilo Sarrazin nennt das in seinem gleichnamigen Buch “Tugendterror”.
    Immerhin erfreulich, was sich in den letzten Tagen ereignet hat: Zuerst war Merkel auf Staatsbesuch in Prag, wo ihr – neben dem tschechischen Ministerpräsidenten Sobotka – tausende Demonstranten mit teilweise drastischen Worten und Plakaten vorgeführt haben, was sie von ihrer Willkommenspolitik, und vor allem von ihren “Verteilungsplänen” der Flüchtlinge halten; da war sie ganz perplex und still. Anschließend traf sie sich mit den Regierungschefs der 4 Visegrad-Staaten, die ihr das gleiche nochmals in klaren Worten gesagt haben. Sie ist – sozusagen mit eingezogenenm Schwanz – von dannen gezogen. Ich bezweifle zwar, dass sie das von ihrer Überzeugung abbringt, aber zumindest zum Nachdenken sollte sie diese Reaktion der Bervölkerung gebracht haben. Die ordentlichen “Watschen”, die sie sich dort abgeholt hat, wurden aber sicher in der gesamten EU gehört.

  6. aneagle

    Was haben A.Merkel und R.T.Erdogan gemeinsam?
    Als die beiden vor vielen Jahren ihre Positionen als führende Diener ihrer Staaten einnahmen, waren sie beide davon überzeugt, ihren jeweiligen Völkern zu dienen. Diese Überzeugung teilen sie beide heute noch. Mittlerweile aber, sind sie mit dieser Überzeugung in ihren jeweiligen Ländern fast die einzigen. So entstehen Diktaturen. Nicht mit der gleichen Geschwindigkeit, nicht mit der gleichen Qualität. Aber aus demokratischer Sicht mit der gleichen Richtung. Die EU hat ein Personalproblem, Deutschland vorneweg.

  7. gms

    Bassam Tibi spricht große Worte gelassen aus, wofür er einmal mehr Respekt verdient. Wo er aber völlig daneben greift, ist sein Preisen des deutschen Grundgesetzes. Vom Makel, daß es keine Verfassung ist einmal abgesehen, hält es mit seinen Vorbehalten, Sollbruchstellen und nachträglich eingearbeiteten Verweisen auf EU-Recht keiner ernsthaften Prüfung statt, vom Vergleich mit Verfassungen anderer Nationen ganz zu schweigen. Sollten muslimische Länder, die Bassam Tibi explizit nennt, tatsächlich der Maßstab sein?

    Deutsche Streitkultur respektive deren Vorhandensein oder nicht, mag man unterschiedlich beurteilen, bloß wie zum Henker soll eine solche entstehen oder gar zur Blüte gelangen bei einem Volk, das seit 1945 ausgerechnet durch sein Grundgesetz von jeglicher direkter Miteinscheidung ausgeschlossen ist und dessen Ansammlung von Ja-Aber-Bestimmungen im entscheidenden Gesetzestext den Obertanen jegliche Willkür erlaubt?

    Wenn Merkel autokratisch millionenfach fremde Menschen ins Land holt, tut sie dies explizit mit dem Verweis auf den ersten Absatz des ersten Artikels, der mit seiner Unantastbarkeit der Menschenwürde hierfür das perfekte in Kodizes geronnene Brecheisen bietet. Die Grenzen sind zu schützen, außer man beruft sich legal auf EU-Recht, denn hierin ist die Aussetzung von Dublin explizit gestattet.

    Laut Artikel 2 darf sich jeder frei entfalten, es sei denn, irgendwelche Gesetze sehen anderes vor. Für die Erziehung der Kinder sind die Eltern verantwortlich, aber der Staat nicht minder, mit der bemerkenswerten Konsequenz, wonach Deutschland das einzige westliche Land mit einer Schulpflicht ist, im Gegensatz zu einer Unterrichtspflicht anderswo.
    Zensur ist nicht gestattet, solange kein Gesetz Gegenteiliges behauptet. Eigentum ist geschützt, außer die Allgemeinheit hat andere Ziele. Und so geht es in einer Tour weiter, bis in Artikel 20 (2) erstmals das Volk als Souverän genannt wird, dem, völlig stringent im Geiste dieses Knebelungsgesetzes, noch im selben Atemzug staatliche Organe als Vormunde bestellt werden.

    Dieses Grundgesetz ist ein Witz, was indirekt insofern den Deutschen zur Ehre gereicht, alsdaß die BRD kodexkonform inzwischen nicht bloß ansatzweise, sondern schon völlig totalitär sein könnte.
    Für Bassam Tibi war das Grundgesetz ein Geschenk an die Deutschen, bloß etwas von dieser Qualität bekamen auch die Trojaner.

  8. stiller Mitleser

    @ gms
    https://www.bundestag.de/bundestag/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg/245216
    tatsächlich, schon in der Präambel ist das “vereinigte Europa” als Rahmen gegeben, und vermutlich nicht bloß so eine Floskel, so geht’s dann auch weiter und bei der Schule ist ganz deutlich: so was wie homeschooling in CA und USA gabs nicht und gibt’s nicht (dafür gibt’s in der BRD immerhin staatlich finanzierte Weltanschauungsschulen wie etwa die Waldorfschule – die sich in A selber finanzieren muß).
    Meine Adressaten des links zu Bassam Tibis Artikel werden dem geschenkten Gaul nicht ins Maul sehen und das Grundgesetz googeln – ich seh mir jetzt aber die Sache mit Grundgesetz/Verfassung an, danke für den Hinweis

  9. dieter

    Bassam Tibi hat keine Ahnung.

    In der amerikanischen “Debating Culture” war jede grundlegende Diskussion zu Quantität und Qualität der Immigration und ob diese den Amerikanern überhaupt zuträglich ist im Mainstream völlig ausgeschlossen. Nur die Illegalität wurde thematisiert. Republikaner und Demokraten stritten sich lediglich über die formaljuristische Modalität der Legalisierung.

    Die wichtigste zuwanderungskritische Organisation der USA ist “NumbersUSA”, die aus der Umweltbewegung entsprang. NumbersUSA übte immer wieder erfoglreich Druck auf Kongressabgeordnete aus, wird aber in den Medien nie erwähnt.

    Erst durch Trump änderte sich das schlagartig.

    Im Gegensatz dazu gab es in Deutschland und Österreich immer Rege Diskussion zum Zuwanderungsthema. In Deutschland eher phasenweise und zu einzelnen Aspekten . In Österreich ist es wegen der FPÖ ein (nervtötendes) Dauerthema.

    Die Willkommenskultur 2014-2015 war ein massenhysterisches Ausnahmephänomen, ähnlich dem Hexenwahn, dem Bildersturm, der Prohibition und anderer protestantischer Weltverbesserungsprogramme. Der Fachbegriff ist “Moralische Panik”.

    Die fehlerhafte Darstellung, dass es sich um unmittelbar um Schutz suchende Kriegsflüchtlinge handle, schaltete alle zuwanderungskritische Argumentation aus. Themen, die schon kritisch betrachtet waren (Islam, Multikulturalismus, Penssionssicherung, etc.), durften nur mehr einseitig vertreten werden.

  10. Gerald Steinbach

    Nettes Interview und ab 4:30 :
    “Ein Kreuzberger(Berlin) Schuldirektor rät Deutschen Eltern ihre Kinder nicht auf seine Schule zu geben, weil er es nicht schaffen würde diese zu integrieren und dann Unruhe in seiner Schule entstehen würde
    Köstlich

  11. gms

    stiller Mitleser,

    “tatsächlich, schon in der Präambel ist das „vereinigte Europa“ als Rahmen gegeben, und vermutlich nicht bloß so eine Floskel”

    Freilich ist es keine Floskel, sowas kommt 1949 nicht grundlos zustande, ebenso nicht die evidente Lüge in eben dieser damaligen Präambel, “das Deutsche Volk [hat] kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz [..] beschlossen”. Da war Bassam Tibi zutreffend korrekter in seiner Darstellung, es wurde den Deutschen geschenkt. Die Fassung von 1990 ist etwas modifiziert, läuft aber aufs selbe wie damals hinaus (~Das Volk hat sich das GG gegeben~).

    Während aktuell viele deutsche EU-Phoriker auf das GG verweisen, wenngleich es nur die Präambel ist, hatte man bisher doch noch nicht die Chuzpe zu behaupten, dieses vereinte Europa sei doch seit jeher Volkes beschlossener Wille gewesen, was eine erneute Abstimmung über weiteren Souveränitsverzicht überflüssig machte. Diese Debatten aber werden kommen, und einmal mehr werden Obertanen dabei aufs Grundgesetz verweisen. Wetten?

  12. stiller Mitleser

    gsm
    nein, ich wette nicht dagegen; ich denke Sie sehen das durchaus realistisch und verabschiede mich in ein Wochenende mit Verfassung 1919, 1949, Carlo Schmid, etc (soweit im net vorhanden)

  13. Johannes

    Herr Bassam Tibi spricht aus was wir gebürtigen Westler nicht mehr sehen, er hat es gesehen als er kam das da eine Gesellschaft ist in der man sich entfalten kann die einem eine Chance gibt . Herr Basam Tibi hat die Chance gut genützt und soweit ich es beurteilen kann eine außergewöhnlich, intellektuelle Begabung.
    Das Problem das viele gut integrierte Migranten sehen ist die Waschlappen ähnliche Haltung unserer Gesellschaft die es zulässt das genau jene Kreaturen vor denen so viele Menschen flüchten hier ungeniert und ungestört ihrer kranken Weltanschauung nachgehen können.
    Zuviel dumme Toleranz und ein vollkommen aus dem Ruder gelaufenes “wir schaffen das“ kombiniert mit dem verbohrten Festhalten an Falschem das ist der Cocktail den Frau Merkel den Deutschen serviert und der sie umhauen wird. Schade das sich eine so gut entwickelte Nation ihrer Identität und somit ihrer Kraft in der Welt als Beispiel zu dienen, um Menschen dazu anzuhalten es in ihrem eigenen Land den Deutschen gleich zu tun, beraubt. Stattdessen eine vollkommen in Auflösung, in Parallelgesellschaften zerfallende Kultur die an den Untergang des römischen Reiches immer mehr erinnert.

  14. Antonia Feretti

    Bassam Tibi ist stolz auf seinen deutschen Pass, ist stolzer Muslim, im selben Atemzug kritisiert er, dass Frau Merkel mehr als einer Million muslimischer Flüchtlinge die Möglichkeit deutschen “Asyls” geboten hat. Außerdem vermeint er, in Deutschland einen Mangel an demokratischer Kultur zu erkennen. Er mag Recht haben, nur bitte, wo steht er selber? Offensichtlich gehört er jener syrischen Oberschicht an, die sich einen Dreck darum geschert hat, dass massenhaft Menschen infolge von Dürreperioden auf dem Land ihre Lebensgrundlagen verloren, denen ihr Land und ihre “unteren” Mitmenschen egal waren, Hauptsache man bewahrt den Reichtum des Clans und kann, sehr schick!, in Deutschland Philosophie studieren.
    Ich finde, so jemandem steht es nicht zu, demn Moralapostel zu spielen.

  15. Fragolin

    @Antonia Feretti
    Aber Ihnen? Sie tun das nämlich gerade, ohne Wissen, nur auf ein “offensichtlich” gegründet.
    Aber die Methode kennen wir ja: Wenn die Botschaft nicht passt, wird der Bote geprügelt.
    Vorzugsweise von Moralaposteln.

  16. stiller Mitleser

    @ Antonia Feretti
    Bassam Tibi hat mitunter einen nicht ganz uneitlen, professoralen Unterton, da stimme ich Ihnen zu.
    Er kam, wenn ich mich recht erinnere, mit 18 nach Europa, ziemlich isoliert und ohne eine stützende community, daher wohl auch seine Freundschaft mit Wossen Asserate, der eine ähnliche vita hat.
    Der Blick des Außenseiters ist immer interessant, eben weil wir seine Perspektive nicht einnehmen können.

    Reichtum und Adel verpflichten, da haben Sie schon recht, aber es gibt auch eine ganze Menge social climbers, die sich nicht die Bohne zu irgendwas verpflichtet fühlen. Außerdem wissen wir nicht, welche Rolle und welchen Besitz seine Familie in instabilen Zeiten beibehalten konnte.
    Bassam Tibi hat im vergangenen Jh. sehr viel zum Islam und zur Hoffnung auf die Herausbildung eines Euro-Islam publiziert, was inzwischen leider in Vergessenheit geriet. Wissenschaft ist eben politischen Opportunitäten und Moden unterworfen.

  17. mariuslupus

    @Gerald Steinbach
    Danke für den Link, ein pars pro toto. Ein Rufer in der Wüste.

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