Die Umverteilung von Menschenleben

Von | 16. Januar 2021

(CHRISTIAN ORTNER) Für Gesundheitsminister Rudolf Anschober ist das Faktum, dass die EU den Corona-Impfstoff für alle Mitgliedstaaten gemeinsam organisiert und bestellt hat, “eine europäische Erfolgsgeschichte”, auf die er stolz ist. So ähnlich sieht das auch die EU-Kommissionspräsidentin: Dass die Impfungen in ganz Europa am selben Tag begannen, sei “ein bewegender Moment der Einheit und eine europäische Erfolgsgeschichte”. Man kann das so sehen.

Man kann freilich auch zu einer ganz anderen Diagnose kommen. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit hat die ganz bewusste Entscheidung der EU-Staaten zum zeitgleichen Impfstart einige vermeidbare Todesopfer gefordert in all jene Staaten, die aufgrund ihrer Potenz schon ein paar Tage oder gar Wochen früher und intensiver hätten starten können. “Man hat bei der EU-Kommission wohl zu bürokratisch geplant; zu wenig vom Richtigen bestellt und zu lange Preisdebatten geführt,” kritisierte etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. “Es ist schwer zu erklären, dass ein sehr guter Impfstoff in Deutschland entwickelt, aber woanders schneller verimpft wird.” Und der Erfinder und Hersteller des ersten zugelassenen Impfstoffes, Ugur Sahin, sagte im “Spiegel”, der Prozess sei in Europa “nicht so schnell und geradlinig abgelaufen wie mit anderen Ländern”. Eine “europäische Erfolgsgeschichte” stellt man sich irgendwie anders vor.

Diesem Schaden steht aus europäischer Sicht freilich auch ein gewisser Nutzen gegenüber: nämlich in jenen ärmeren Ländern, die ohne kollektive Beschaffung vielleicht später und weniger Impfstoff bekommen hätten. Das heißt im Endeffekt: Um eines Symboles wegen – des gemeinsamen Impfstarts – wurden Menschenleben in Teilen der Union geopfert und in anderen Teilen gerettet. Man kann das durchaus als extrem konsequente Weiterführung des Konzeptes sehen, Wohlstand von den reicheren zu den ärmeren EU-Staaten umzuverteilen, ganz besonders im Zuge der riesigen Corona-Fonds.

Jetzt werden halt nicht nur Milliarden, sondern auch Menschenleben umverteilt. Mehr Solidarität ist kaum vorstellbar.

Das Problem dabei ist, dass dem erstens keine bewusste politische Entscheidung zugrunde liegen dürfte und schon gar nicht jene belastbare demokratische Legitimierung, die in einem so existenziellen Fall wohl angemessen und nötig wäre. Und dass die Regierungschefs mit dieser Entscheidung zur Solidarität ihre jeweiligen Amtseide ziemlich eigenartig ausgelegt haben. Die deutsche Kanzlerin etwa gelobt, ihre “Kraft dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen, seinen Nutzen zu mehren, Schaden von ihm zu wenden”. Von einer Notwendigkeit, alle Europäer gleichzeitig mit den Deutschen zu impfen, ist da auch bei sehr kreativer Interpretation nichts zu finden; ähnliches gilt für andere Staaten.

Nun kann man dies ja als längst überholten “Impfnationalismus” sehen, der durch eine innergemeinschaftliche Umverteilung der Risiken und äußerstenfalls der Menschenleben zu ersetzen sei.

Das gehört dann aber auch ganz deutlich ausgesprochen, dem Souverän klargemacht und dann demokratisch legitimiert. Erst dann wäre es eine europäische Erfolgsgeschichte, auf die man stolz sein kann. (“WIENER ZEITUNG”)

19 Gedanken zu „Die Umverteilung von Menschenleben

  1. Susi

    “jenen ärmeren Ländern, die ohne kollektive Beschaffung vielleicht später und weniger Impfstoff bekommen hätten”..das sind leider auch meines Erachtens jene, die sich NICHT an die Hygieneempfehlungen halten möchten, ihre Reisetätigkeiten NICHT einstellen und Familienfeiern abhalten als ob es kein Corona gäbe. Und wieder einmal zeigt die EU und ihre 50.000 höchstbezahlten Beamten in Brüssel, dass ihr einziges Ziel ist, Europa GESAMT in den Abgrund zu führen.

  2. Kluftinger

    Man hat es sehr eilig mit der Impfung, warum? Könnte es sein, dass auftretende Folgeschäden die Akzeptanz zu Impfung vermindert?
    In Norwegen sind bereits an die 23 Todesopfer nach der Impfung zu beklagen. Das liest man nicht in österr. Medien. Mit ausnähme im Blog von Andreas Unterberger. (Servus TV hatte gestern 2x versucht die Meldung über Norwegen zu bringen und 2x ist der Computer ausgefallen. Aber wer denkt da schlecht?).
    Es gibt eine Reihe von Fehlverhalten in komplexen Situationen. Eine dieser (Fehl-) Verhaltensweisen ist der “gewaltsame Lösungsversuch”. Der wir derzeit praktiziert.
    ( Dietrich DÖRNER: die Logik des Misslingens)
    Und wie sagt Monika Gruber: “Letztlich haben wir zwar kein Corona mehr, aber dafür Arbeitslose, Firmenpleiten , eine Fettleber und ein Atemvolumen von einem Zwerghamster”
    Noch Fragen?

  3. Mourawetz

    Es ist erschreckend, mit was die EU die Umverteilung von Menschenleben rechtfertigt, um „Solidarität“ zu zeigen, um „ein Zeichen“ zu setzen. Da geht mir das Gimpfte auf.

  4. Cora

    Als aufmerksamer Verfolger der zweimalig täglichen Servus-Nachrichten ist es mir nicht entgangen, dass eine angekündigte Nachricht über das 23 fache Sterben in einem norwegischen Altersheim, nicht gebracht wurde, mit der verschämten Begründung eines Computerausfalls.
    Ich habe das als in letzter Sekunde zurückgezogener Falschmeldung abgetan.
    Doch nun muss ich hören, dass A.U. das auf seinem Blog heute morgen um 02:00 gebracht hat.
    Falls es sich doch um die Wahrheit handeln sollte, ist das der Super-GAU für die Medienbranche und für die Pharmabranche, für Politiker sowieso. Denn, falls das wirklich stimmen sollte, wurde da heftigst Porzellan zerstört.

  5. Johannes

    Seit Trump vom China-Virus sprach wissen wir Dank unserer Medien, allen voran dem ORF, wie dumm eine solche Zuweisung ist und wie hetzerisch noch dazu.
    Verfolgt man die Berichterstattung des ORF über die in Großbritannien erstmals beobachtete Mutation so kann man unentwegt von der” britischen Mutation “des Covid 19 Virus hören.

    Heute im Morgenjournal wurde ununterbrochen von dieser Briten-Mutation gesprochen und man denkt sich unweigerlich halten sie die Menschen für so dumm oder sind sie so unverschämt?

    Die Verzögerung der Impfung ist dem Umstand geschuldet das es in Europa einige andere Pharmakonzerne gibt die auch alle zum Zug kommen sollen.
    Man hat, so der Anschein, auf sie gewartet um danach gleichmäßig verteilt bei allen einzukaufen.
    Das kann ich verstehen und wenn die Existenz dieser Firmen davon abhängt auch respektieren aber getäuscht und für dumm verkauft möchte ich bitte schön nicht werden.

  6. Gerald Steinbach

    Die Werbung von „Österreich impft“ läuft ja mittlerweile mit Hochdruck beim ORF, da freut sich der Herr Keil und ist so glücklich und vor allem so dankbar für die Impfung und überhaupt alle 90 Jährigen sind super happy in ihrem Heim, so die Leiterin.
    Und zum Ende erklärt der ORF dann noch , das er „“unentgeltlich „diese Anzeige schaltet, wunderbar!

    Mal schauen, wie lange die Anzeige noch tragbar ist

  7. sokrates9

    Halte da diese Impfvertuschungskommunikation für völlig falsch. Wenn Millionen Leute geimpft werden muss es auch statistisch korrekt vor während und nach einer Impfung Todesfälle geben, Impfen befreit nicht vom Sterben.Auch bei Marathonläufen ist bei 1 Mio Teilnehmer mit 2-3 Todesfällen zu rechnen.
    Was ein Skandal ist ist die Impfstoffbeschaffung; Sich hier auf die EU zu verlassen deren beamte in der Pendeluhr schlafen ist absurd. Orban versucht derzeit chinesischen Impfstoff zu beschaffen und wird da von der EU schon massiv angefeindet.Was ist mit dem russischen Impfstoff? Versucht in Österreich wer diesen zu zulassen – letztendlich sind auch damit schon Millionen geimpft, aber ohne EU -OK läuft da anscheinend nichts. Bevor aber in der EU zugegeben wird dass hier geschlampt wurde können ruhig tausende sterben!
    Österreich hat 8,5 Mio Einwohner, Weißrussland 9,5 Mio. 7000 Coronatote in Österreich, 1550 ohne lockdown in Belarus! Anscheinend ist an der Johannidisstudie dass lockdowns nichts bringen schon was dran!

  8. Cora

    Wie der FAZ zu entnehmen ist, starben die Personen offenbar an einem anaphlaktischen Reaktion, diese sind nicht nur hochbetagt, sondern haben auch schwerste Krankheiten, es passierte nicht in einem Altersheim sondern in deren Mhereren und die Genehmigung des Imfstoffes hat seine Verabrecihung an genau solche gefährdeten Personengruppen ausgenommen.
    Wenn man das Ereignis in den Kontext rückt, verliert sie an Dramatik. Bleibt trotzdem die Frage bestehen, warum das nicth in öster. Medien gebracht wurde. Die Nichtmeldung hat noch viel mehr zur Eskalation beigetragen! Kann man das nicht seriös berichten?

    Und Was machen die da oben in Norwegen eigentlich?

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/biontech-moegliche-nebenwirkungen-des-impfstoffs-17148242.html

  9. Kluftinger

    Post scriptum: Heute im Kurier auf Seite 5: die Meldung über die 23 Toten in Norwegen (rechts unten etwas versteckt). Und der Begleittext suggeriert, dass die Ärzte in Norwegen deshalb nicht besorgt sind, das kann schon passieren wenn man so alt und gebrechlich ist.
    Da halte ich es mit Cora, das kann passieren. Aber es hat einen sehr negativen Aspekt, wenn der Eindruck erweckt wird, dass hier etwas verschwiegen (vertuscht) wird.
    Verständlich, bei so viel Geld seitens der Bundesregierung will man durch sachliche Berichterstattung die Euphorie der “Impffreude” nicht stören?

  10. GeBa

    Das hat kommen müssen! Vielleicht werden jetzt doch mehr wach und lassen sich nicht von unbedarften Politikern, die nur mit den Händen in den Hosentaschen herumstehen, in den Tod schicken 👿

  11. Nightbird

    Warum man es mit der Impfung so eilig hat bedeutet nur, daß man gemäß der Entwicklung eines Impfpräparats die Phase IV mit Testpersonen weit jenseits der 300.000 eigentlich an der Bevölkerung durchziehen will, um herauszufinden, was dieses Präparat noch an Wirkung, Nebenwirkungen hervorbringt als an einer Testgruppe mit nur 43.300 der Phase I bis III.

    Mormalerweise müsste das der Hersteller VOR der Zulassung durchziehen, was die Kosten für ihn natürlich in die Höhe treiben würde und länger dauern würde. Diesmal hat man die Hersteller von diesem finanziellen Risiko EU-weit entbunden, ihn faktisch über die Hintertür “geschmiert” damit das Präparat schneller zugelassen werden kann. Das Volk macht man damit zur Testgruppe der Phase IV.

    Diese Impfpräparate haben ihre Wirkung und Nebenwirkungsfreiheit nämlich noch längst nicht bewiesen.
    Selbst die Hersteller erwähnen das in den jeweiligen Leaflets der Impfpräparate. Die ewtaigen Nebenwirkungen, aber auch die nichtdurchgeführten Tests im Bezug auf Kontraindikationen und Kreuzreaktionen sind sehr wohl in den Leaflets der Hersteller aufgeführt. Man muß sie nur lesen.

    Falls aber jetzt doch gravierende Nebenwirkungen auftreten sollten, muß das dann die Allgemeinheit, das Gesundheitssystem tragen und nicht, wie bei einem normalen Entwicklung-, Zulassungsprocedere der Hersteller. Sollte jedoch dieser Fall in größerem mnfang eintreten, würde das das Gesundheitssystem erst recht an den Anschlag bringen.

    Das man dies und etwaige Todesfälle, die durchaus vorkommen können, aufgrund der Impfung eher nicht hören wird, liegt daran, daß das man Renomee dieser Impfung nicht gefährden will. Zusätzlich versichert man ja immer noch in auffallender Einmütigkeit “es wirkt und es ist sicher” , wobei man noch gar nichts über die tatsächliche Wirkung, aber auch nicht über etwaige Nebenwirkungen wissen kann. Jetzt zugeben, man hätte
    sich geirrt,nicht damit gerechnet, käme einem politischen Selbstmord gleich.

    Eine solche Lobhudelei stösst einen schon fast mit der Nase drauf, daß man hier besonders mißtrauisch sein sollte. “Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt, die Wahrheit steht von alleine aufrecht!” sagt T.Jefferson.

    Man verlässt sich aber darauf, daß der Einzelne, der lt. politischer Meinung ja ohnehin zu dumm dafür ist, diesen billigen Trick nicht durchschaut.

    Es wäre besser, wenn sich der Bürger dort informieren würde, wo man sich darauf verlassen kann, daß die Infos korrekt sind als dort, wo man eher eingelullt wird. Das Web ist voll von solchen, korrekten Informationsquellen. Man braucht sie nur zu nutzen

  12. Alahut

    Skandalös ist die penetrante Werbeaktion, noch dazu der Hinweis, dass schon im Dezember geimpft wurde, da waren es ein paar Leute die halt medienwirksam herhalten mussten.
    Dass uralte Personen mit massiven Vorerkrankungen nach einer Impfung sterben, ist halt nicht vermeidbar, wie auch bisher solche Leute halt an Corona gestorben sind.
    Dass in Pflegeheimen mehr Leute sterben wie in einer Jugendherberge, ist der eigentliche “Skandal”.

  13. Falke

    Die Beschaffung des Impfstoffes hat man zentral der (notorisch unfähigen) EU-Kommission überlassen und wieder einmal die “Solidarität” der “Völkerfamilie” beklatscht. Wenn man allerdings die sonstigen Anticorona-Maßnahmen betrachtet, ist davon wenig übrig geblieben; da geht es jeder gegen jeden, man nimmt sich gegenseitig die Masken weg, schließt die – ach so offenen – Schengen-Grenzen hermetisch gegeneinander ab, Grenzgänger werden als Verbrecher verhaftet (gilt allerdings nur für EU-Bürger, nicht für Einwanderer aus Nahost und Afrika), neuerdings muss man für eine Einreise nach Österreich vorab ein untertäniges Ansuchen stellen (auch Österreicher selbst) usw. Völkerfamilie? Europa der Regionen? Es gibt kaum einen eindeutigeren Beweis für das Scheitern der EU, die offenbar nur als “Schönweter-Union” konzipiert ist. Kaum regnet ist, ist der Teufel los. Und dass jemand den Impfstoff früher bekommen hat, rettet möglicherweise einige Leben, verursacht aber auch zusätzliche Todesfälle (siehe Norwegen).

  14. GeBa

    Pfau, und in den Medien wird moderiert, da werden Kommentatoren die auf die 23 Toten in Norwegen hinweisen, gesperrt bzw. Kommentare gar nicht frei geschaltet 1) Kronoe, 2) WZ
    Zum 🤮

  15. fxs

    Lang lebe die Planwirtschaft! Nichts anderes ist doch diese “Beschaffung von Impfstoff” durch die EU

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