Die unbekannte Schatten-Eurozone

Von | 4. November 2016

“…Der Euroraum hat 33 Mitgliedstaaten, und 14 davon liegen in Westafrika. Deren Exporte sind dadurch schwer behindert, die Importe zu billig, die Industrie kommt deshalb nicht auf und Millionen Junger fliehen ans Mittelmeer. Wie kommt das?…” (Antwort hier)

9 Gedanken zu „Die unbekannte Schatten-Eurozone

  1. Fragolin

    Was für ein widerlicher imperialistischer Moloch die EU ist.
    Wie stehen Sie dazu, Herr Van der Bellen?

  2. sokrates9

    Wieder ein Beweis wie toll und Friedenssichernd die EU ist!

  3. Thomas F.

    Die übliche Mähr der Gelddrucker-Lobby, dass eine “zu starke Währung” an der stagnierenden Wirtschaft schuld wäre. Wie Volker Seitz hier am 1. November ausführte, sind die Ursachen natürlich ganz andere handfeste. Eine “Weichwährungspolitik” würde die Katastrophe nur noch verschlimmern, wie wir ja bei Robert Mugabes segensreichem währungspolitischem Wirken beobachten konnten.

  4. mariuslupus

    Ausgezeichnet ! Die Beiträge von Herrn Kapeller, heben sich wohltuend von der üblichen Unterdurschnittlichkeit der restlichen Schreiber in der NZZ, ab.

  5. Herzberg

    @mariuslupus

    Der Artikel ist schwer in Ordnung, und dennoch in entscheidenden technischen Fragen leider grundfalsch. Die genannten Länder verwenden den Euro nicht, sondern sogenannte CFA-Francs (den afrikanischen und den zentralafrikanischen), deren Kurs durch Frankreich bestimmt wird.

    Im Rechtsakt Nr. 98/683/EG hielt die EU fest, dass Frankreich dies auch nach der Einführung des Euros weiterhin dürfe. So gesehen ist es weniger ein Akt der Kolonialisierung durch die Union, als mehr ein Zugeständnis an Frankreich, selbigen weiterhin zu betreiben. Das macht die Sache zwar nicht besser, stellt aber dennoch einen relevanten Unterschied dar.

  6. Herzberg

    @Thomas F.

    Die übliche Mähr der Gelddrucker-Lobby, dass eine „zu starke Währung“ an der stagnierenden Wirtschaft schuld wäre.

    Damit sprechen Sie wahre Worte gelassen aus. Die entscheidende Crux liegt darin, wonach die überwiegende Mehrheit bislang die Natur des Geldes nicht verstanden hat und daraus wiederum abgeleitet meint, es sei in Ordnung, wenn eine Monopoleinrichtung sich in Kursmanipulationen übt.

    Aktuelle Währungen basieren, wie alle legistisch verbrieften Monopole, auf Zwang. Wie alle Zwangssysteme wiederum zeitigen auch Währungen jeweils Begünstigte und Verlierer, wenn der Zwang in die eine oder andere Richtung ausgeübt wird. So gesehen erfolgt jede Debatte über die Vor- und Nachteile bestimmter währungspolitischer Schritte ausnahmlos innerhalb eines falschen Systems, das wesensbedingt keine richtigen Antworten zulässt.

    Hat man sich aber schon auf den Strick um den Hals einer verbindlichen Währung geeinigt, so bliebe immer noch die Option, hierbei von jedem monopolistischen Eingriff so weit wie irgendwie möglich Abstand zu nehmen und die Kurssetzung den freien Märkten zu überlassen. Die Folgen wären dabei ähnlich zu jenen mit einer tatsächlich gedeckten Währung, sprich es gäbe Wanderungsbewegungen innerhalb des Währungsraums, aber auch über dessen Grenzen hinweg.
    Im Unterschied zu künstlichen Kurssetzungen aber erfolgten diese Migrationen dann aufgrund tatsächlich vorhandener Nachfrage, und nicht einer politisch induzierten zugusten bestimmter Marktteilnehmer.

    Genaugenommen müssten heute die Arbeitslosen des vormals abwertungsaffinen EU-Olivengürtels allesamt nach Deutschland strömen, doch solange noch sprichwörtlich Luft nach unten ist, werden sie das nicht tun. Indirektes Ziel der Euro-Währungsunion war und ist die Errichtung einer Transfer-Union zum Unterbinden nahezu unvermeidbarer Wanderungsbewegungen zwischen Regionen mit unterschiedlichen Preisniveaus. Nachdem man inzwischen Afrika geopolitisch entdeckte, seit die Chinesen dort ihre Claims abstecken, kommen dem Establishment die mit dem CFA-Franc induzierten Effekte wie gerufen. Wenn Deutschland schon kein Geld nach Spanien und Italien pumpen muss zum Abhalten der dortigen Reisewilligen, dann doch wenigstens nach Afrika.

    Politik wirkt, doch wer am wirklich großen Rad drehen will, der betreibt Währungspolitik.

  7. astuga

    Na ja, auch etwas einfach gedacht.
    Erstmal kommen viele der Schwarzafrikaner gerade nicht aus Westafrika.
    Und an der Überbevölkerung – mit der kein Wirtschaftswachstum der Welt Schritt halten könnte – hat das alles auch nichts zu tun.
    Das ist übrigens eines der Hauptproblem auch des gesamten arabischen und islamischen Raumes, bis hin nach Pakistan oder Bangladesh.

    Außerdem muss die Frage erlaubt sein, weshalb frühere Armenhäuser, mit auch nicht immer demokratischen Regierungen, mehr auf ihre Bevölkerung und die eigenen Wirtschaftsinteressen ihrer Länder achten als die (West-)Afrikaner.
    Man kann viel Schlechtes über die Saudis und die Golfemirate sagen, aber übervorteilen lassen sie sich nicht.
    Und ähnliches gilt auch für die meisten asiatischen Länder.

    Wobei China hier auch keine besonders glänzende Rolle im nachhaltigen Umgang mit anderen spielt, übrigens auch in Afrika nicht (was die Rolle Europas nochmals relativiert).
    Also bessere Politik der EU – ja, eindeutig.
    Aber der Glaube man würde damit die Migrationsproblematik anderswo lösen ist nachgerade gefährlich dumm.

  8. astuga

    Nachsatz.
    Den Philippinnen geht es auch nicht wirklich gut, und viele Bürger flüchten vor der Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsmisere ins Ausland – trotz der im Artikel beschriebenen Währungsabwertung.

  9. Herzberg

    @astuga

    Na ja, auch etwas einfach gedacht. Erstmal kommen viele der Schwarzafrikaner gerade nicht aus Westafrika.

    Weiter oben hatte ich bereits auf einen entscheidenden Fehler des Autors hingewiesen, wonach es sich um zwei an den Euro gebundene Währungen handelt und eine davon sogar ‘zentralafrikanisch’ im Namen trägt. Seiner eigenen Aussage, 14 ~Euroländer~ lägen in Westafrika, hatte er zugleich in seinem Text selbst schon widersprochen, als er explizit etwa den Tschad und Zentralafrika anführte.

    Wenn aber, bei allen verzeihlichen Unkorrektheiten, die Importe zu billig sind, dann läßt speziell dies den Adressaten der Nachricht im Kontext eines aufgezeigten Problems etwas ratlos zurück, impliziert ein zu billig doch in erster Lesung, dass die dortige Bevölkerung sich diese Importe leisten kann, was unter ansonst gleichen Umständen wiederum kein Grund zum Auswandern sein sollte.

    Das Problem kann daher nicht im billigen Import liegen, sondern nur an der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit und, wie Sie richtig anführen, an der Überbevölkerung. Last not least relativiert sich auch das Argument der zu harten Währung eingedenk eines Dollars, zum dem der Euro im letzten Jahrzehnt 13% verlor, 24% zum Yen und 25% zum chinesischen Yuan.

    Könnten die 14 betroffenen Länder Afrikas ihre Währungen ohne Euro-Anbindung abwerten, lösten sie deren Probleme auf Kosten der eigenen Bevölkerung, was ja auch den Franzosen und Italienern gegenüber der harten D-Mark gelang. Zwingt man aber Unterschiedliches ins selbe Korsett, fällt eine Stellschraube aus, womit Ungleichgewichte über die verbliebenen aufgelöst werden.

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