Die verblödete Gesellschaft und ihr Virus

(CHRISTIAN ORTNER) ” Wir sind doch eine mündige Gesellschaft,” skizzierte dieser Tage Gesundheitsminister Rudolf Anschober in der “Presse” die Grundlagen der aktuellen Corona-Politik, “Es braucht nicht immer ein Verbot oder einen Zwang, damit wir vernünftig handeln.” Ein gerade für Liberale vernünftiger und erfreulicher Zugang. Theoretisch.

Schnitt. Eine Almhütte in der Dachstein-Gegend, Wochenende 27./28. Juni. Die Hütte gesteckt voll mit Gästen aus Deutschland – auch aus Nordrhein-Westfalen -, und aus Österreich. Speisen werden am Buffet geboten, wo morgens wie abends dicht an dicht gedrängelt wird, dass nicht einmal ein winziger Plüsch-Elefant Platz zwischen den Teilnehmern der Schlacht am kalten Buffet hätte. An den Tischen mit jeweils zehn, zwölf Essern und Trinkern wird milieubedingt laut gelacht, geschrien, gegrölt – das nächste Ischgl wird, wenn es zu spät ist, wohl so oder so ähnlich beschrieben werden.

Schnitt. Zürich vergangene Woche, die Klubs, in denen die jungen Menschen feiern bis in den Morgen, sind wieder geöffnet. Im “Flamingo” kommt es zu einem lokalen Outbreak des Corona-Virus. Die NZZ schreibt: “Nachdem ein Mann am Wochenende vom 21. Juni im Zürcher Nachtklub «Flamingo» mindestens fünf Personen mit dem Coronavirus angesteckt hatte, mussten rund 300 Personen von der Gesundheitsdirektion kontaktiert und in Selbstquarantäne geschickt werden. Doch laut Christiane Meier, Kantonsärztin ad interim, waren rund ein Drittel der angegebenen Mail-Adressen oder Handynummern offenkundig fiktiv. Weiter hätten sich Personen gemeldet, die nach eigenen Angaben an jenem Abend im «Flamingo» gewesen seien, aber nicht auf der Liste gestanden hätten.”

Wie sagt der österreichische Gesundheitsminister doch: ” Wir sind doch eine mündige Gesellschaft. Es braucht nicht immer ein Verbot oder einen Zwang, damit wir vernünftig handeln.” Ich fürchte, Herr Anschober irrt. Wenn junge Menschen, oft wohl Schüler und Studenten, entweder nicht verstehen oder einfach ignorieren, dass es vernünftig ist, das Tracking des Virus zu ermöglichen und Bergtouristen sich verhalten, als gäbe es einen Preis für den ersten, der sich auf dieser Hütte ansteckt, dann bildet das keine mündige Gesellschaft ab, sondern eine durch und durch verblödete.

11 comments

  1. Herbert Manninger

    Ein großer Sprung in der Evolution des Homo sapiens: im März noch unmündig unter Hausarrest,, jetzt, Ende Juni, selbstbestimmt und verantwortungsvoll.

  2. CE___

    Also ich kann diesem Artikel nicht folgen.

    Warum soll jetzt seit Jänner/Februar/März 2020 etwas als “verblödet” gelten, was davor in zweitausend Jahren Menschheitsgeschichte salopp gesagt keinen Hund’ interessiert hat.

    Beziehungsweise halt als das gesehen wurde was es ist: ein Umstand und/oder Risiko wenn man mit mehreren Menschen zusammenkommt bzw. sich nahe kommt.

    Es wurde nie jemand gezwungen sich in so eine Lage zu begeben.

    Was ist das plötzlich für eine Lebensauffassung am liebsten jeden einzelnen für alle Zukunft unter den individuellen Glassturz stellen zu wollen?

    Der Wuhan-Virus lässt sich nicht mehr einfangen. Wir können aber auch nicht unser soziales und wirtschaftliches Leben stoppen wegen dem. Als der ursprünglich befürchtete alle Menschheitsschichten massenweise hinwegraffende Todesvirus hat sich der Virus gottseidank auch nicht erwiesen laut Statistiken. Natürlich heisst das wieder auch nicht eine VR China für deren Aktionen deswegen ungestraft “vom Acker zu lassen”. Aber ich denke schon wir sollten wieder die Hypochonder in ihre Schranken (oder die eigene gewählte Selbstisolation) weisen und das normale Leben wieder aufnehmen.

    Und wenn Leut’ auf der Berghütte halt ein Risiko eingehen wollen ist das deren Sache, genauso wie bei einem normalen grippalen Infekt oder einer Durchfallserkrankung auch die man sich dort, und an anderen Lokalitäten, einfachen kann.

  3. Wolfgang Niedereder

    Das Virus muss und wird seinen Weg durch die Menschheit machen, die Risikogruppe und Erkrankte gehören geschützt bzw. in Quarantäne. Will man nicht das totale wirtschaftliche Chaos riskieren wird man wohl die Durchseuchung-auf welchem Weg auch immer- akzeptieren müssen.

  4. Kluftinger

    @ CE
    Kürzlich eine Statistik in der NZZ: in Indien sterben jährlich mehr als 500 000 Menschen an Durchfallserkrankungen . Noch Fragen?

  5. Mourawetz

    Viele Menschen gehen das Risiko einer Corona-Erkrankung ein, aus welchem Grund auch immer und gefährden andere, absichtlich, unbewusst, manche aus Leichtsinn, manche sogar aus Bosheit. Verantwortungsbewusste Menschen wissen das und richten sich danach. Sie meiden den Kontakt mit potenziell gefährlichen Leuten.

  6. sokrates9

    Warum macht man nicht in Sachen Grippe so ein Theater?Wie man es immer dreht und wendet in Öszterreich sterbern jährlich noch immer mehr Leute an Grippe als an Chorona! Und das mit den offiziellen Coronatotenzahlen, wo die Durchschnittsmortalität bei 82 Jahren liegt und sich nicht von den Durchschnittswerten der letzten Jahre unterscheidet!
    Das Virus ist hier, wird nicht durch Impfung besiegt werden, mit der Hysterie wird es aber niewieder Massenveranstaltungen in Sport und Kultur geben!

  7. CE___

    @ Mourawetz

    “Sie meiden den Kontakt mit potenziell gefährlichen Leuten.”

    Gut gebrüllt. Da man ja nicht auf der Stirn eine Warnleuchte trägt welche anzeigt ob ob man gerade an einem grippalen Infekt, “Corona”, oder auch “nur” einer Durchfallerkrankung leidet, wäre es interessant zu erfahren wie Sie das im normalen Leben umzusetzen gedenken?

    So vielleicht?

    “Bevor Sie mir auf unter zwei Meter zu nahe kommen und mich anreden, reichen Sie mir bitte mit der Stange ihren Impfpass/ärztliches Attest zur Überprüfung herüber!”

  8. sokrates9

    CE_@ Bitte aber tagesaktuelles Attest weil sonst ist das alles sinnlos !

  9. Otto Mosk

    @wolgang niederer
    genauso sollte man es eigenverantwortlich angehen.
    Der virus ist der grösste hoax, didaktisch grösste lüge der Medienwelt. Einfach unfassbar dass sogar ein ortner drauf reinfällt.

  10. Johannes

    Es steht jedem frei sich bewusst anstecken zu lassen. Vielleicht sollten alle die jetzt wieder in das selbe Lied einstimmen, eingeladen werden ein Labor zu besuchen um sich dort ihre Ansteckung mit Covid 19 abzuholen, dann zu Hause auskurieren und das Problem ist für diese Menschen gelöst.
    Solange aber jeder Schreihals, als potenzieller Überträger, meine Gesundheit gefährdet habe ich kein Verständnis für dieses Geplärre.
    Also gehet hin und infiziert euch freiwillige, nach der Genesung seid ihr dann Helden, könnt jede Partie besuchen und keiner braucht sich vor euch zu fürchten.

    Eigentlich ganz simpel, also hustetst du schon oder lamentierst du noch?

  11. fxs

    Irgendwie erinnert mich das an die Entwicklung des Umgangs mit Masern. Zur Zeit meiner Kindheit gab es Masernpartys. Kriegte ein Kind Masern, wurden die Kinder der Umgebung eingeladen um sich anzustecken und dadurch Immuninität zu entwickeln. Masern, hieß es, seien als Kinderkrankheiten für Kinder unangenehm aber harmlos. Wenn man sie jedch al s Erwachsener bekäme gefährlich. Heute wird geimpft. Corona scheint ähnlich: für Kinder harmlos, je älter man ist, umso gefährlicher. Und zeitgemäß wartet alles auf eine Impfung.

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