Die “Vollgeld”-Illusion

“…..Die Liquidität, die massenhaft in die Märkte geströmt ist, haben die Zentralbanken zu verantworten, die Geschäftsbanken haben davon lediglich enorm profitiert. Die Finanzierung der Schulden, deren Ursache in den nicht mehr bezahlbaren Wohlfahrtsstaaten zu finden ist, ist zur Hauptaufgabe der Zentralbanken geworden. Die D-Mark, die unter Aufsicht der deutschen Bundesbank angeblich stabil war, hat zwischen 1948 und der Einführung des Euro rund 85 Prozent ihres Wertes verloren. Es war schon immer so, dass Regierungen Geld zu ihrem eigenen Zweck missbraucht haben….” (hier)

8 comments

  1. Mourawetz

    Weik/Friedman haben ihrem Bestseller “Der größte Raub der Geschichte” einen ebenso erfolgreichen Nachfolger hinzukommen lassen. Auch sie sind Befürworter des Vollgeldes. Sie schreiben es zwar nicht selbst, lassen aber in Mark Joob in einem ganzen Kapitel zu Wort kommen, offenbar einem Experten. Trotzdem bleibt völlig offen warum dieses vom Staat zentral verwaltete Geld “Vollgeld” genannt wird. Das Wort “Vollgeld” suggeriert mMn, dass es voll durch Sachwerte gedeckt wird, es wird aber ebenso wie das heutige Geld von einem Planungsbüro “Monetative” aus dem Nichts erzeugt, lediglich ohne Mithilfe durch die Geschäftsbanken. Das soll Vollgeld sein? Voll daneben.

    (Staats)kritisch denkende Menschen werden durch den Buchtitel “Der Crash ist die Lösung” angelockt. Bald jedoch erkennt man, dass dieses Buch nur Banken-Bashing betreibt und in den heutigen Misständen den Neoliberalismus als Verursacher deutet. F.A.Hayek wird schon auf der ersten Seite des zweiten Kapitels angefeindet, ebenso die ihm in ihrer Wirtschaftspolitik folgenden Politiker Margaret Thatcher und Ronald Reagan, die für das heutige Schlamassel angeblich den Grundstein gelegt haben. Aber dem Buch wird ein Zitat von Ayn Rand vorangestellt. Man fühlt sich gefrotzelt. Ich habe das Buch schon bald nicht mehr lesen können. Alle mögen vor diesem Buch gewarnt sein.

  2. rubens

    Mourawetz

    Ich denke, die größte Gefahr ist, wie es auch Frau Kablitz schön beschreibt, die Verdrehung der Fakten, der Worte. Wir haben ein massives Definitionsproblem gepaart mit großem Unwissen der Menschen in wirtschaftlichen Angelegenheiten. Die Intuition sagt den Menschen, es läuft falsch und so wird er verführt, den “Spinnern” wie Hörmann, Felber, Friedman und Co auf dem Leim zu gehen.
    Ich finde es durchaus gut, sch mit den populärwissenschaftlichen Büchern auseinanderzusetzen, dem auch begegnen zu können. Zumindest dann, wenn diese nicht ideologisch politisch missbraucht werden. Diese Gefahr besteht eklatant.
    Daher finde ich es sehr wichtig, sich als “Wissender” auch öffentlich zu engagieren. Team Stronach bietet jedenfalls gute Voraussetzungen.

  3. Mourawetz

    @Rubens:

    Susanne Kablitz ist sicher die “Wissende”, der auch die Anerkennung für die Replik gegen das Vollgeld gebührt.. Ich dagegen bin nur ein Interessierter…

  4. FDominicus

    Solange es Zentralbanken und Zwangszahlungsmittel gibt, wird es immer zu Gunsten der größten Schuldner laufen. Es wäre hilfreich zumindest die Möglichkeit zu haben, nicht mit staatlichem Zahlungsmittel zu wirtschaftn. Dazu Banken die Sichteinlagen ungefragt nicht ausleihen.

    Das sind aber alles Dinge die den Eliten Schranken auferlegten und damit für diese inakzeptabel. Daher bezahlen alle mit “Banken die nicht pleite gehen dürfen” und die straffrei Ihren Verpflichtungen nicht nachkommen müssen, und Staaten die sich immer mehr verschulden und sich dann durch enteignende Maßnahmen “entschulden”. Es gilt definitiv: Kein gleiches Recht. Somit wird damit grundsätzlich auf eklatanteste Weise gegen die Prinzipien eines Rechtsstaates verstoßen.

    Oder kurz: Gesetze sind dafür da, die Eliten vor Ihren Untertanen zu schützen und nicht mehr um die Untertanen vor der Willkür der Eliten. Somit sind wir wieder auf in Zeiten des düstersten Absolutismus zurückgefallen.

  5. Christian Peter

    Dass man Banken das Teilreserveprivileg entziehen sollte, darüber sind sich alle einig. Auch namhafte Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie fordern dies vehement. Der Unterschied zwischen Freebanking ohne Teilreserve und der Vollgeld – Initiative liegt nur im Detail, Erstere wollen auch das Notenprivileg beseitigt sehen, Letztere nicht.

  6. gms

    Christian Peter,

    “Dass man Banken das Teilreserveprivileg entziehen sollte, darüber sind sich alle einig.”

    In nationalsozialistischen Kreisen ist das gewiß so.

    “Auch namhafte Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie fordern dies vehement.”

    Einzig Ihre idiologisch bedingten Scheuklappen hindern Sie daran, die Kritik der Austrians an der Teilreserve im Kontext mit staatlichem Fiatmoney zu behirnen.

    “Der Unterschied zwischen Freebanking ohne Teilreserve und der Vollgeld – Initiative liegt nur im Detail”

    Selten dummes Gewäsch. Mit einem Mindestmaß an Selbstachtung hätten Sie wenigsten eine Verschwurbelung über das von Ihnen angedachte Oximoron “Ein-bißchen-Freebanking” versucht.
    Im echten Freebanking steht es Geldnutzern frei, die Gebarungen ihres Geldsuppliers zu würdigen oder nicht, ganz egal, nach welchen Prinzipien auch immer ein bestimmtes Geld gestaltet ist und welche Liquiditätseffekte daraus erwachsen.

    Freebanking setzt auf Wettbewerb. Was wiederum “Teilreserve” in einem FB-System bedeutet und welche Effekte bei welchen Höhen eintreten, beurteilt der Markt, nicht aber irgendwelche inkompetenten Geldsozialisten vorab.

    “Erstere wollen auch das Notenprivileg beseitigt sehen, Letztere nicht.”

    Peter, hinsichtlich Geldfragen sind Sie so kompetent wie Herpes, zugleich aber ebenso penetrant.

  7. Christian Peter

    Ludwig von Mises würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, was heute alles unter seinem Namen veröffentlicht wird, denn dieser sprach sich zeitlebens als Vertreter der Currency-Lehre ausdrücklich für ein 100 % – Reservesystem, dem historischen Vorläufer des heutigen Vollgeld-Konzeptes, aus.

  8. gms

    Christian Peter,

    „Die Auffassung des Geldes als eines Geschöpfes der Rechtsordnung und des Staates ist [..] unhaltbar.” — Ludwig von Mises, Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel

    „Mises‘ Regressionstheorem erklärt [..] warum ungedecktes Papiergeld nicht natürlich, also über den freien Markt, entstehen kann – und auch nie entstanden ist.” –Thorsten Polleit

    Ihre Behauptung, Mises hätte sich irgendwann in seinem Leben für einen “historischen Vorläufer des heutigen Vollgeld-Konzeptes” ausgesprochen, ist ebenso jenseitig, wie das, was die Spinner der Vollgeld-Initiative an Bockmist in die Welt setzen.

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