Die Welt im Jahr 2030 – eine dystopische Prognose

(ANDREAS TÖGEL) Ganz besonderes Augenmerk widmet die Obrigkeit, und zwar schon seit der Zeit vor ihrer totalitären Entartung in den Jahren vor 2030, der Geldpolitik, die sie als Schlüsselelement zur Absicherung ihrer Herrschaft betrachtet. Intrinsisch werthaltiges Warengeld (z. B. Gold) war und ist jedem Etatisten ein Gräuel. Der bis ins Jahr 2030 wirkungsmächtige britische Ökonom John Maynard Keynes bezeichnete Gold einst gar als „barbarisches Relikt“. Kein Wunder, ermangelt es doch der wunderbaren Möglichkeit zur unbegrenzten und faktisch kostenlosen Vermehrbarkeit zwecks schuldfinanzierter Politprojekte. Denn gerade die wird von Politikern und in den Zentralbanken werkenden Geldalchemisten am meisten geschätzt.

Fiat Money heißt das liebste Kind der spendierfreudigen Politikerkaste und ihrer Symbionten in Zentral- und Geschäftsbanken. Nachdem die Steuerschraube maximal angezogen und auch die Grenze der Verschuldungsmöglichkeiten erreicht ist, dient ungedecktes Papier- oder Giralgeld als Zaubermittel für die weitere Finanzierung von Brot und Spielen.

Der Wert und die Kaufkraft von Gold oder eines anderen Warengeldes „lebt“ ohne schuldrechtliche Begründung. Das Metall (ein Stück Vieh, ein Scheffel Weizen oder ein Biberfell) repräsentiert einen Wert an sich. Das ist aus dem Blickwinkel der Regierung gesehen deshalb schlecht, weil sie darauf keinen, oder einen nur geringen Einfluss hat. Nicht umsonst wurde in den USA von der Roosevelt-Administration anno 1933 der Goldbesitz unter Androhung drakonischer Strafen verboten (das Verbot wurde erst 1974 wieder aufgehoben). Weit gestreuter Goldbesitz hätte nämlich die Möglichkeit der Regierung stark eingeschränkt, die Währung im Sinne ihrer damals auf den herbeigesehnten Krieg gerichteten Politik nach ihrem Belieben zu manipulieren. Das rezente Papiergeld dagegen (und auch das nach seiner Abschaffung genutzte digitale Giralgeld) ist ein reines Schuldgeld. Es tritt zum größten Teil (etwa 90 Prozent) als Gegenwert zu einem aus dem Nichts geschöpften Kredit in die Welt. Das verleiht dem staatlichen Geldmonopol ungeheure Macht.

Eigentum macht frei
Eigentum, nicht etwa Arbeit – wie die Nationalsozialisten zynisch behaupten – macht frei. Das war und ist jeder machtbewussten Zentralbürokratie naturgemäß zuwider, die jeden Kontrollverlust fürchtet, wie der Teufel das Weihwasser. Besonders die eigenständige Verfügungsmöglichkeit über Geld ist ihr ein Dorn im Auge. Denn aus Sicht der Führer ist es unumgänglich, die Bürger jederzeit und vollständig in der Hand zu haben, was am wirkungsvollsten sicherzustellen ist, indem man ihnen jegliche monetäre Unabhängigkeit nimmt. Folgerichtig wurde schon vor der Jahrtausendwende eine intensive Kampagne zur Verteufelung des Bargeldes lanciert, an deren Ende dessen Abschaffung stand. Wie immer, wenn es darum geht, den Bürgern ein unsinniges Projekt schmackhaft zu machen, wurden die Argumente für einen Bann des Bargelds von mittelbar oder unmittelbar steuerfinanzierten Technokraten und Intellektuellen geliefert, die in inniger Symbiose mit den regierenden Politkadern leben.

Unhygienisch sei sein Gebrauch, sein Besitz wäre stets mit dem Risiko von Verlust- und Diebstahl verbunden und – vor allem – es leiste schließlich auch der organisierten Kriminalität Vorschub, so lautete das Urteil der Fachleute. Im Grunde würden nur Drogendealer, Waffenschieber, Mädchenhändler und Steuerbetrüger von der Existenz des Bargeldes profitieren. Ehrliche Bürger, die nichts zu verbergen haben, wären an anonymen Transaktionen ja überhaupt nicht interessiert. Die von prominenten Mainstreamökonomen wie Kenneth Rogoff diesbezüglich gelieferten Argumente, wurden vom Regime dankbar aufgegriffen, das zunächst – unter tatkräftiger Unterstützung der Massenmedien – jeden Besitz von Bargeld erfolgreich unter Generalverdacht stellte.

Schließlich war es so weit: Da die Produktion von Münzgeld sogar noch erheblich teurer ist als die von Papiernoten, wurden auch sämtliche Münzen eingezogen. Selbst Bagatellbeträge können seither nur noch mittels dem so ungemein bequemen und praktischen Plastikgeld bezahlt werden.

Alle Macht der Regierung
Die Bargeldabschaffung liefert der Regierung bis dahin ungeahnte Möglichkeiten zur Kontrolle und Disziplinierung der Bürger. Selbst noch so gut organisierte Staatsspitzel- Denunzianten- und Polizeitruppen könnten keine auch nur annähernd vergleichbaren Resultate liefern. Denn parallel zu allen übrigen Maßnahmen, wurde auch eine vollständige Vernetzung sämtlicher personenbezogenen Daten jedes einzelnen der bedauernswerten Insassen Eurolands implementiert: Grundstücksbesitz, Wertpapierdepots, Inhalte von Bankschließfächern, Spar- und Girokonten, strafrechtliche und verwaltungsrechtliche Übertretungen, Gesundheitsdaten und vieles mehr – alles per Mausklick abrufbar. 2030 ist es dem stets wohlmeinenden Hegemon daher beispielsweise möglich, Diabetikern den Erwerb von Süßigkeiten dadurch zu erschweren, dass die Supermarktkasse die Zahlung einschlägiger Waren nicht akzeptiert. Auf dem Chip der Bankomat- oder Kreditkarte sind mittlerweile nämlich auch alle Gesundheitsdaten gespeichert, was es dem Großen Bruder erlaubt, bei jedem Einkauf jedermann wirkungsvoll vor sich selbst zu beschützen.

Da Ortsveränderungen, gleich ob sie mit privaten Fahrzeugen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen, lückenlos erfasst werden, können sie natürlich auch eingeschränkt oder ganz unterbunden werden. Für Kriminelle, vor allem aber für Regimekritiker, sind damit schwere Zeiten angebrochen: nicht nur der Kauf einer Fahrkarte oder einer Tankfüllung, sondern auch der Erwerb von Nahrungsmitteln kann – dem Ende des Bargelds sei Dank – be- oder verhindert werden. Der Gebrauch von Plastikgeld mag ja bequem sein – allerdings nur dann, wenn es dem Leviathan gefällt. Ist das nicht mehr der Fall, wird es eng. Mangels Bargelds ist dann selbst der Kauf einer Wurstsemmel oder von ein paar Litern Treibstoff nicht mehr möglich. Wer in dieser Lage über keine wirklich guten Freunde verfügt (und die sind in derartigen Fällen erfahrungsgemäß recht spärlich gesät), blickt dem Hungertod ins Auge.
Die Flucht eines regimekritischen Abweichlers hat innerhalb Europas übrigens auch nicht viel Sinn, da ja von Lappland bis Malta und von Lissabon bis Riga 2030 dasselbe repressive Regime herrscht. Ein Dissident muss es daher bis zu einem Hochseehafen und dort als blinder Passagier auf ein nach Übersee fahrendes Schiff schaffen, um sich den Nachstellungen der Schergen Mordors – Pardon – Brüssels zu entziehen.

Zu späte Einsicht
Unter dem Eindruck der fatalen Folgen der Bargeldabschaffung, erkennen viele Bürger anno 2030 – also um mindestens 15 Jahre zu spät – die von ihnen in der Vergangenheit begangenen Fehler. Der unentwegte Gebrauch von Plastikgeld, der es der Regierung leicht gemacht hat, das Bargeld obsolet zu erklären, gehört dazu.
Kaum einer konnte sich in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende vorstellen, dass die geheiligte Demokratie, ohne dass sie formal eine wesentliche Veränderung durchlaufen hat, sich zu einem selbst die privatesten Lebensbereiche vollständig durchdringenden, anmaßenden und unduldsamen Monstrum entwickeln könnte, das nicht mehr länger dem Bürger, sondern nur noch sich selbst verpflichtet ist.

Geld ist geprägte Freiheit, meinte Fjodor Dostojewski in seinen „Aufzeichnungen aus dem Totenhaus“ – und er hatte damit vollkommen recht. Selbst wer nur über ungedecktes Papiergeld verfügt, genießt ein gewisse Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit zu anonymen Transaktionen. Hängt die Zahlungsfähigkeit jedoch von elektronischen Hilfsmitteln ab, wird im Falle technischer Pannen oder hoheitlicher Willkür rasch der Unterschied zwischen einem realen Gut und einer virtuellen Forderung deutlich.
Althergebrachte Weisheiten haben oft zeitlose Gültigkeit: „Nur Bares ist Wahres.“ Hätte eine breite Öffentlichkeit den seit der Jahrtausendwende immer weiter getriebenen Bestrebungen zur Bargeldabschaffung durch konsequente Vermeidung des Einsatzes von Plastikgeld eine klare Absage erteilt, wäre es ihr erspart geblieben, der Willkür des totalen Staates so absolut vollständig ausgeliefert zu sein.

 

Europa 2030: Wie wir in zehn Jahren leben
Werner Reichel (Hg.) 12 konservative und liberale Autoren (Vera Lengsfeld, Laila Mirzo, David Engels, Andreas Unterberger u.a.)
Verlag Frank&Frei
ISBN 978-3-903236363
228 Seiten
19,90,- Euro

3 comments

  1. Eugen Richter

    Alles sehr gruselig. Technisch durchaus möglich. Aber die notwenige Kompetenz fehlt hier in Europa. Die können es nicht. Vermutlich wird man sich die freundliche Unterstützung der KPCh gewiss sein. Huawei und andere stehen Gewehr bei Fuss. Euroland ist abgebrannt. Die Engländer haben den Notausgang genommen. Andere werden folgen. Deutschland wird dabei völlig unter die Räder kommen. Nicht weil sie so bescheuerte Politmarionetten haben. Sondern weil sie diese wählen und keine 30 min Zeit haben sich mit wichtigen Themen zu beschäftigen. Wer so unmündig bleiben will muss den Kakao trinken, durch den er sich ziehen lässt. Tut mir leid für die Minderheit der weitsichtigeren.

  2. Selbstdenker

    Ausgezeichneter Beitrag.

    Ich warne aber davor dieses dystopische Szenario als ausausweichliches Schicksal zu fehlinterpretieren, da es sonst zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.

    Der Weg in die Knechtschaft beginnt zunächst mit einem leicht abschüssigen Gelände, das immer steiler wird. Jede kleine Felsstufe, die man nun nach unten springt, führt zur nächsten, noch höheren Stufe. Und plötzlich befindet man sich in einer zweihundert Meter hohen Felswand und fragt sich, wie man nur in diese ausweglose Situation gelangen konnte. Bei jeder Stufe hätte man unkehren können, doch man hat die scheinbar einfachere Alternative dem Aufwand der Rückkehr selbst dann noch vorgezogen, als man schon in den Abgrund blickte.

    Der Kampf ums Bargeld ist die Vorstufe zum Kampf um den privaten Goldbesitz den wiederum weitere Stufen folgen. Es verwundert daher nicht, dass in vermeintlichen “Qualitätszeitungen” bereits massiv gegen den Goldhandel gehetzt wird:
    ttps://www.zeit.de/wirtschaft/2020-09/goldhandel-geldanlage-gold-preis-umweltverschmutzung-rendite-5vor8#comments

    Selbstverständlich geht es dem Autor, der Gold mit Quecksilber und Asbest vergleicht, nicht um den Umweltschutz oder gar um die Rendite. Gold steht den MMT-Phantasten im Wege, das ist alles.

    Ähnlich läuft es auch im Energiebereich: zuerst die Atomkraft verbieten um im Anschluss die Alternativen zur Atomkraft zu verbieten.

    Im Bereich der Mobilität: den Diesel verbieten um Verbrenner zu verbieten und anschließend E-Cars, die ja auch mit Energie betrieben werden, zu verbieten.

    Wir müssen raus aus der Passivität und dieses sich aufbäumende totalitäre System auf allen Fronten im Großen wie im Kleinen bekämpfen.

    Trump hat mit der Nominierung der Katholikin Amy Coney Barrett als Richterin am US Supreme Court den richtigen Schritt gesetzt. Die Linksfaschisten fürchten nun, dass ein landesweites “Recht auf Abtreibung” künftig von einzelnen Bundesstaaten eingschränkt werden könnte (z.B. Verbot der sogenannten “Spätabtreibung” bis kurz vor der Geburt).

    Er hat die postmodernen Linksfaschisten in einen Mehrfrontenkrieg verwickelt, aus dem sie auf absehbare Zeit nicht mehr rauskommen werden.

    Ich wünsche Amy Coney Barrett viel Kraft und Gottes Segen.

  3. sokrates9

    Verstehe nicht was Herr Reichl da will! Wir sind in 10 Jahren im kommunistischen Arbeiterparadies der EU, keiner braucht mehr zu denken, Individualismus ist voll out Sperrstunde wird von 22 Uhr auf 20 Uhr vorverlegt, dann ist Bettruhe angesagt ( Energiespargründe), so individuelle Sachen wir Sport sind auch out – mangels Zuschauer gibt es so etwas nicht – außerdem sind doch alle gleich somit sind individuelle Leistungen ohnehin verpönt, die islamische Staatsreligion bewirkt ohnedies dass alle glücklich sind und bequem auf das Paradies warten können.Massenveranstaltungen wurden mit dem Coronaschmäh abgeschafft,der Kampf gegen Grippe und Schnupfen ist auch noch nicht gewonnen, somit ist der totale lockdown gerechtfertigt.Kontakte mit Ausländern die vielleicht Querulanten sind wurden durch Reiseverbote ja auch erfolgreich bekämpft. Da die gesamte EU durchstandardisiert ist, besteht auch wenig Bedarf- es ist doch eh alles gleich..

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