Die Wiener Uni, bestenfalls Mittelmaß

Von | 5. Dezember 2015

(ANDREAS UNTERBERGER)  Aus Perspektive der Studenten ist das Urteil über Wiens Universitäten eindeutig. Diese versagen bei ihrer eigentlichen Hauptaufgabe den Studenten gegenüber. Schade, dass das die ÖH noch immer nicht begreift, obwohl sie eigentlich die Vertreterin der Hochschüler-Interessen sein sollte. Diese Ignoranz der ÖH ist auch der Hauptgrund, warum die Politik nichts am deplorablen Zustand der Universitäten ändert.

Es gibt zwar sehr viele internationale Rankings, welche Universitäten weltweit die besten sind. Bei diesen sind wir es längst gewöhnt, dass die US-Unis massiv dominieren, und dass die österreichischen Hochschulen, wenn überhaupt, nur unter „Ferner liefen“ vorkommen. Bei diesen Rankings geht es fast immer dominant um den Forschungsaspekt. Hingegen vergleicht das nun vorliegende „QS Best Student Cities Ranking 2016“ die größeren Uni-Städte (es werden nur Städte, nicht Universitäten gelistet) einzig aus der Interessenlage der Studenten heraus.

Da landet dann keine amerikanische Stadt an der Spitze, sondern Paris vor Melbourne und Tokio. Wien hingegen liegt nur an 16. Stelle unter 75 gelisteten Universitäten.

Das klingt gar nicht so schlecht, nach guter Mittelklasse. Jedoch: Wenn man die einzelnen Kriterien anschaut, dann polarisiert sich das Urteil total zwischen den unwichtigen Kriterien, wo Wien gut ist, und den wichtigen, wo es abstürzt.

Bei der „Lebensqualität“ liegt Wien nämlich am sehr guten dritten Platz. In dieser Stadt kann man ja als Student in der Tat zwischen Bällen, Reisen, Bermuda-Dreieck und Skifahren wirklich exzellent leben. Bei der „Leistbarkeit“ steht Wien immer noch an guter siebenter Stelle; bei diesem Kriterium wirkt sich natürlich das Gratisstudium aus – bekanntlich die einzige Frage, für die sich die ÖH, Rot, Grün wie Blau hochschulpolitisch wirklich engagieren.

Hingegen ist Wien bei jenen Kriterien sauschlecht, deretwegen man eigentlich mühevoll studiert, deretwegen Eltern die Töchter und Söhne viele Jahre in einer fremden Stadt durchfüttern. Bei der Bewertung durch internationale Arbeitgeber, wie sie Absolventen der einzelnen Unistädte bewerten, stürzt Wien auf den 45. Platz ab. Und in Hinblick auf die Qualität der Unis selbst reiht die Studie Wien gar erst an 57. Stelle.

Das Schlimme: Nirgendwo in der Politik läuten ob dieser Missverhältnisse Alarmglocken. Für die einen sind alle Qualitätsfragen wurscht, sie gelten ihnen als bürgerlich-reaktionär. Für sie ist nur wichtig, dass das Studieren gratis ist und dass es viele junge Leute als nett empfinden, ein paar Jahre in Wien zu verbringen.

Nur zwei Parteien sind – eher – gegen das Gratisstudium und für Zulassungsbeschränkungen. Aber die ÖVP schweigt immer öfter zu all diesen Fragen, weil sie seit vielen Jahren für die Unis zuständig ist und dabei verabsäumt hat, viel stärker – etwa auch über die „Leistungsvereinbarungen“ mit den Unis – Druck in Richtung Qualität zu machen. Noch dazu ist jetzt der eigene Parteichef hauptverantwortlich für die Unis. Und die Neos haben andere Sorgen, sie scheinen nur noch eine Partei des Noch-mehr-Asylanten-Herein und des Zerstört-das Gymnasium zu sein.

Aber auch die Rektoren und die Universitäts-Gremien sind in hohem Ausmaß an dem katastrophalen Zustand schuld. Sie haben das vorhandene Geld in Gender-Lehrkanzeln und viele ähnliche Unsinnigkeiten verpulvert. Sie haben es bei vielen (zum Glück nicht allen) Studienrichtungen verabsäumt, massiven Druck in Bezug auf Qualität auszuüben. Sie haben sich nie darum gekümmert, ob die Absolventen gut gerüstet für das Leben draußen in der wirklichen Welt, also nach der Uni gerüstet sind. Sie haben anscheinend geglaubt, ihr einziger Job sei, regelmäßig noch mehr Geld des Steuerzahlers zu verlangen. (TB)

 

2 Gedanken zu „Die Wiener Uni, bestenfalls Mittelmaß

  1. Lisa

    “gut gerüstet für das Leben draussen in der wirklichen Welt” – dazu geht man nicht an eine Uni! Allenfalls an eine technische oder wirtschaftliche Fachhochschule. Was bei dem Ranking nicht berücksichtigt wurde, ist offensichtlich der kulturelle Aspekt. Ein amerikanischer Campus mag noch so effiziente Leute hervorbringen, einen Kaffeehausschreiber oder Sonatenkomponisten werden sie kaum produzieren.

  2. Reinhard

    Es freut mich ja sehr, einmal mit Lisa übereinstimmen zu können! An diesem Beitrag sieht man wieder einmal die ganze Armseligkeit der neoliberalen Gedankenwelt. Lebensqualität und Leistbarkeit sich unwichtige Faktoren, völlig wurscht. Das gut betuchte ideologische Klientel der Unterbergers und Ortners wird sich schon auch die Eliteuniversitäten leisten können, gesellschaftliche Bedeutung einer Universität und Chanchengleichheit beim Hochschulzugang werden zu Randnotizen degradiert. Das einzige was zählt “in der wirklichen Welt” ist die Bewertung durch einen Arbeitgeber: ein Hoch der totalen Ökonomisierung, hurra! Ich möchte an der Stelle nicht nur Lisa beipflichten und auf den Mangel kultureller Aspekte hinweisen, ich möchte auch noch anbringen, dass eine Bewertung der Dinge einzig auf ökonomischen Faktoren beruhend eine Bankrotterklärung jeglicher Moral darstellt. Damit haben die Nationalsozialisten auch die Aktion T4 begründet. Wenn ich heute Studierende und ihre Studienrichtungen nach ihrer “ökonomischen Verwertbarkeit” einteile, teile ich dann morgen Menschen in lebenswerte und lebensunwerte ein, Herr Unterberger?

    Aber nicht nur diese absolute Unterwerfung an die Ökonomie ist meines Erachtens erbärmlich, auch die Kritik an der berechtigten Forderung der Universitätsrektoren nach größeren Budgetmitteln spottet jeder Beschreibung! Warum sollen die Rektoren denn nicht ein höheres Budget für den tertiären Sektor fordern? Welche Begründung gibt es denn dafür, dass Österreich gemessen am BIP viel weniger für seine Hochschulen ausgibt als etwa die Schweiz, Niederlande oder die skandinavischen Länder? Wenn es darum geht, hohe Sozialstandards und die angeblich viel zu hohen Steuern für den bösen bösen Staat als vernichtend schlechte Standortfaktoren zu geißeln, dann sind die Neoliberalen immer schnell zur Hand. Bei derartigen Vergleichen vernehme ich selten vernünftige neoliberale Stimmen…

    Ich freue mich jedenfalls auf die Beantwortung der in diesem Beitrag gestellten Fragen…

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