Die (W)irrungen der Maria Vassilakou

Von | 16. April 2016

(Christian ORTNER) Der Wiener Vizebürgermeisterin, Maria Vassilakou, verdanken wir eine interessante soziologische Erkenntnis. Angesprochen auf den ungebrochen massenhaften Zuzug von Asylwerbern nach Wien, erklärte die Grün-Politikerin jüngst apodiktisch: „Menschen wollen sich immer in jene Gesellschaft integrieren, in der sie leben.“ Und zog daraus den Schluss, die aufnehmende Gesellschaft, sprich jene der österreichischen Steuerzahler, müsse dafür ordentlich Geld in die Hand nehmen. „Jetzt fehlt ein ,Marshallplan‘, mit dem diese große Aufgabe zu finanzieren ist“, forderte sie in der „Kronen Zeitung“.

Daran ist zunächst ganz heiter, dass ausgerechnet eine Veteranin der längst entsorgten Wiener Willkommenskultur 2015 die aktuelle Migrationswelle zumindest indirekt mit dem Zerstörungswerk des Zweiten Weltkrieges vergleicht, dessen Wüten bekanntlich Ursache für den Marshallplan zum Wiederaufbau Europas war. Was hingegen in Wien 2016 wiederaufgebaut werden soll, erschließt sich auch den entschiedensten Kritikern der jetzigen Migrationswelle nicht so recht. Aber vielleicht verwendet Vassilakou den Begriff Marshallplan ja auch bloß höchst ahistorisch als Synonym für „viel Geld anderer Leute“.

Gravierender ist die Feststellung der Vizebürgermeisterin, „Menschen wollen sich immer in jene Gesellschaft integrieren, in der sie leben“. Sie verwendet dieses Argument, um das in Wien durchaus resch spürbare Unbehagen von Teilen der Bevölkerung über den Zuzug von Migranten in die Bundeshauptstadt zu diskreditieren. Wer Menschen, die sich „immer“ integrieren wollen, einen „Marshallplan“, sprich Geld, verweigert, wird in dieser politischen Logik zum kalten Unmenschen. Also: Her mit dem Zaster, her mit der Marie, und alle werden integriert.

Diese Behauptung der Frau Vizebürgermeisterin hat freilich einen kleinen intellektuellen Mangel: Sie ist völliger Unfug. Vielleicht sollte sich Frau Vassilakou einmal in jene Gegenden der Bundeshauptstadt chauffieren lassen, in denen türkische Migranten der nun schon dritten, vierten Generation so leben, wie sie in irgendeiner türkischen Stadt leben würden: mit ihrer türkischen Sprache, ihren türkischen Gepflogenheiten, ihren türkischen Geschäften, ihren türkischen Fernsehkanälen via Satellit – und in nicht wenigen Fällen auch mit jenen Werthaltungen, Mindsets und kulturellen Normen, wie sie in der Türkei üblich sind.

Noch weniger integrieren als diese Leute kann man sich nur ziemlich schwer. Woher Vassilakou die Gewissheit nimmt, sie würden sich „immer“ integrieren wollen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben müssen. Dass sich Menschen gar nicht integrieren wollen, ist im Übrigen auch weder unüblich noch verwerflich. New York lebt vorzüglich mit Hunderttausenden Chinesen, die es auch nach vielen Generationen vorziehen, weitgehend unter sich zu bleiben, ohne dass daraus irgendein nennenswertes Problem entsteht. Ähnliches ist bei zahllosen Ethnien in vielen Metropolen der Welt zu beobachten – auch die vietnamesische Community in Paris denkt nicht daran, sich zu „integrieren“ – und niemand hat damit Ärger.

Seltsamerweise kommt in diesen Städten auch niemand auf die Idee, einen „Marshallplan“ für deren Integration zu fordern. Es genügt vollkommen, dass die Angehörigen dieser ethnischen Minderheiten sich genauso an die Gesetze halten wie alle anderen, keine kulturellen Vorrechte für sich fordern und im Alltag die Lebensgewohnheiten der Mehrheitskultur einfach respektieren.

Dass Vassilakou offenkundig nicht davon ausgeht, dass die nach Wien strömenden Migranten aus der arabisch-islamischen Welt sich so selbstverständlich in die Mehrheitsgesellschaft einfügen wie Vietnamesen in Frankreich oder Chinesen in den USA, lässt einen schrecklichen Verdacht aufkommen: Haben wir hier es gar mit grüner Xenophobie, ja einem verborgenen islamophoben Rassismus zu tun? Oder aber . . . Moment, nein, das wollen wir doch nicht denken. (“Presse”)

9 Gedanken zu „Die (W)irrungen der Maria Vassilakou

  1. Fragolin

    “…auch die vietnamesische Community in Paris denkt nicht daran, sich zu „integrieren“…”
    Nicht nur das. Sie denkt auch nicht daran, sich in die Luft zu sprengen.

  2. Kristian

    Vassilakou wäre als Nachtwächter am Piräus bestens aufgehoben, leider fuhrwerkt Sie ungestört und von Häupls
    Gnaden in Wien herum und hat schon ganz viel Böses angerichtet. Warum sie immer noch im Amt ist, bleibt ein Rätsel- in direkter Wahl wäre sie- genau wie Wehsely – aus dem Amt befördert.Es sieht so aus, als wäre sie nur dazu da, in Österreich die Kultur des “Von den Anderen Lebens” einzuführen – alle, die nicht arbeiten wollen, sondern am Ring camnpieren und zelteln, aber hohe Mindestsicherung gratis wollen, genauso zu umsorgen wie all jene, die hier wegen eines gewünschten besseren Lebens eintrudeln. Nur bitte wer wird noch Steuern zahlen können, um all die Grundbesicherten In- und Ausländer durchzufüttern, wenn alle Betriebe , Kleinunternehmer und Geschäfte hinter Anrainerparkplätzen und zwischen Verkehrsüberwachern
    schließen und die Großkonzerne auf den Caymans versteuern? Dann wird sie wohl ihr Fahrrad verkaufen müssen….Oder nach Griechenland zurückgehen… Schlecht?

  3. Johannes

    Massenarbeitslosigkeit, Staatsverschuldung bis zum abwinken, Niedriglöhne, Straßenerneuerung, Öffis, Spitäler, Umweltschutz, Tierschutz, Inländerschutz ….. alles kein Problem dank Vasi wissen wir, man braucht “nur Geld in die Hand nehmen “(wessen eigentlich?) einen Marshallplan machen (der dann wohl Vasiplan heißen wird) und schon sind die Probleme gelöst.

  4. Gerald Steinbach

    In meinen nächsten Leben werde ich auch Politiker, am besten in Wien, gibt’s ein Problem dann nehme man Geld in die Hand und wirft den Integrations/x/x…-Turbo an und wenn in der Zukunft die Integration/x… nicht geklappt hat, hats keine andere Wahl gegeben
    Herrlich,….und das ohne Verantwortung!!

  5. Falke

    @Kristian
    @Johannes
    Immer, wenn man die Grünen (einschließlich Vassilakou) fragt, woher das Geld, das sie immer so heftig verlangen, kommen soll, hört man die gleiche Antwort: von den “Reichen” – also Vermögens- und Erbschaftssteuer. Sofort präsentieren sie (Milchmädchen-)Rechnungen, wonach sich alles locker ausgeht.

  6. Thomas Holzer

    @Falke
    Das ist aber nicht nur bei den Grünen so, sondern bei (fast) allen Politikdarstellern.
    Nur die öffentlich zur Schau getragene Dummheit ist unterschiedlich ausgeprägt 😉

  7. astuga

    Berühmte Migranten, Exilanten und Asylwerber:
    Hitler, Stalin, Lenin, Kim Il-Sung, Idi Amin, Khomeini, Osama bin Laden, Abu Hamza al-Masri, Vassilakou, Korun…

  8. waldsee

    text: „Menschen wollen sich immer in jene Gesellschaft integrieren, in der sie leben.“

    wie geht das? leute mit solchen aussagen regieren hierorts?

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