Die Wunderwelt der Wirtschaftsforscher

(A. UNTERBERGER) Immer wieder erstaunlich, welche Ratschläge sogenannte Wirtschaftsforscher abgeben. Ein paar Schmankerl:
Im Fernsehen trat der Wifo-Chef auf und empfahl im Kampf gegen die rasch steigende Arbeitslosigkeit eine Lohnsteuersenkung. Nichts gegen Steuersenkungen, aber die Logik des Wirtschaftsforschungsinstituts ist enden wollend. Denn sie sagt im Kern: Wenn den Arbeitnehmern vom Staat weniger Lohnsteuer abgenommen wird, dann werden mehr von ihnen angestellt. In Wahrheit wird jedoch dadurch kein einziger Angestellter für Arbeitgeber auch nur um einen Euro billiger.
Der gleiche Herr Aiginger will das Beschäftigen eines Arbeitnehmers in bestimmten Fällen sogar noch teurer machen als bisher. Er fordert nämlich – ganz zufällig ganz auf der Linie seiner Auftraggeber aus der Arbeiterkammer –, dass die Einkommen gleicher werden müssten. Dass bedeutet einerseits eine Erhöhung der niedrigen Einkommen; das wiederum bedeutet, dass es noch teurer für einen Arbeitgeber wird, wenig qualifizierte Mitarbeiter für einfache Arbeiten anzustellen; aber gerade in diesem Sektor gibt es viele Arbeitslose.
Der Aiginger-Plan hat aber auch am anderen Ende der Einkommensliste negative Folgen: Denn er bedeutet ja auch, dass Spitzenverdiener weniger Geld bekommen sollen. Das wiederum hat zur Folge, dass Leistungsträger noch mehr abgeschreckt werden als schon jetzt, da sie in Österreich die fast weltweit höchste Einkommensteuerbelastung tragen. Viele werden ihre Leistungsbereitschaft reduzieren. Viele werden sich in der Schweiz, in Deutschland, in Amerika um einen Job umschauen. Wo Spitzenverdiener (schon jetzt!) nicht nur brutto, sondern vor allem auch netto deutlich mehr verdienen.
Aiginger ignoriert übrigens auch, dass laut dem Gini-Index die Einkommensverteilung in Österreich im weltweiten Vergleich jetzt schon sehr „gleich“ ist. Und dass sie zuletzt noch gleicher geworden ist. Etwas ungleicher sind hierzulande die Einkommen nur dann, wenn man sie vor dem Zugriff von Steuern und Abgaben vergleicht.
Natürlich plädiert der Mann auch für die Neueinführung eines „Minimums“ an Erbschaftssteuer. Gewiss wird auch das die österreichische Wirtschaft gewaltig ankurbeln.
Ähnlich köstlich war ein paar Tage davor ein Herr Scheiblecker vom gleichen Wifo. Der riet der Regierung „derzeit von einem Sparpaket“ ab. Wenige Sätze weiter wünschte er sich, „dass bei Ausgaben gespart wird“. Das gibt’s wirklich nur beim Wifo und in keinem anderen Etablissement: Man ist fürs Sparen, aber gegen ein Sparpaket. Tolle Logik.
Wenige Tage davor hat dasselbe Wifo immerhin zugeben müssen, dass das Budgetdefizit auch langfristig weit höher ausfallen wird, als von ihm und der Regierung immer prophezeit worden ist. Und dass sich der fürs kommende Jahr versprochene Budgetausgleich – den die Deutschen schon im Vorjahr erzielt hatten! – im Nebel auflöst.
Eine eher späte Ehrlichkeit. Denn seriöse Ökonomen hatten das schon lange prophezeit. Aber die Regierungspropaganda ließ es halt nicht zu. Das erinnert mich übrigens an einen Satz meines einstigen Ökonomieprofessors Erich Streissler: Dieser sagte einmal in seinem gepflegten Zynismus: „Wundern Sie sich nicht: Am Ende sind die Konjunkturzahlen immer um mindestens einen Prozentpunkt schlechter als vorher vom Wifo prophezeit.”
Österreichische Wirtschaftsforscher halt. Und das IHS, das zweitgrößte einschlägige Institut, wird jetzt auch von der SPÖ übernommen. Da werden wohl die Ratschläge auf ein ähnliches Niveau absinken.

PS.: An die Logik des neuen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis kommen diese Institute allerdings noch nicht heran. Dieser hat nun nach dem De-facto-Scheitern der griechischen Schuldenschnitts-Forderungen eine neue Idee: Die griechischen Anleihen sollen in solche mit unbegrenzter Laufzeit umgewandelt werden. Also auf deutsch nie zurückgezahlt werden (und die Zinsen sind eh schon minimal). Bitte: Ich möchte auch ein paar solche Kredite haben, die man nie zurückzahlen muss. Genial.

11 comments

  1. Mario Wolf

    Griechenland hat immer wieder Genies hervorgebracht, Platon, Aristoteles, Demosthenes, auch Demagogen, Geschichtenschreiber. In die Reihe der griechischen Genies reiht sich der aktuelle Finanzminister. Verfügt über viele geniale Eigenschaften der Helden der Antike. Er ist Demagoge, schlauer Geschichtenerzähler. Sein Vorbild ist wahrscheinlich Odysseus. Wahrscheinlich möchte mit der EU ähnlich verfahren wie der Ithaker mit dem Riesen Polyphemos. Nur trifft er in der EU auf keine Riesen sondern auf Zwerge und die sind nich einäugig sonder durch die hauseigene Umverteilungsideologie bereits ver/geblendet

  2. Christian Peter

    Wirtschaftsforscher machen es in Österreich wie Politikwissenschaftler : Es wird viel Politik betrieben, aber wenig Wissenschaft.

  3. Fragolin

    Wirtschaftswissenschaftler sind für mich schlimmer als Meteorologen:
    Noch vorgerstern hieß es, in der Steiermark würden 70cm Schnee fallen.
    Geworden sind es nicht mal 7.
    Die gleichen Leute, die das Wetter nicht mal 48 Stunden vorhersagen können rechnen uns aber vor, wie das Klima in 50 Jahren aussehen wird, wenn wir dies oder das tun. Und wir regeln die Autobahn auf IGL-100er und verbieten Osterfeuer um das Klima zu “retten”.
    Früher jagte man die Scharlatane aus der Stadt, wenn ihre Glaskugeln versagten. Heute mästen wir sie mit Steuergeld und vermeiden tunlichst jeden Vergleich mit ihren Prognosen von vor 10 Jahren. Noch wenige Wochen vor dem Niedergang der Lehman Bros. prophezeiten unsere Anal-Ysten ein Jahrzehnt des ungebremsten Wachstums. Heute erklären sie uns den Verlauf jener Krise in den nächsten Jahren, deren Kommen sie nicht einmal erahnten, als sie schon vor der Tür stand.
    Hat denn keiner einen nassen Fetzen für diese Gestalten?

  4. Christian Peter

    Ja ja, brav sparen, damit wieder genug Geld für Bankenrettungen vorhanden ist…

  5. Thomas Holzer

    @Fragolin
    Daß der Mob den Scharlatanen nachläuft, dafür kann ich unter Umständen noch Verständnis aufbringen; daß aber “unsere” Politikerdarsteller diesen auf den Leim gehen, und Milliarden von Steuergeldern für deren Aktivitäten herausrücken, nimmt doch etwas Wunder.
    Aber es scheint sich wieder einmal zu bewahrheiten. es geht den Politikerdarsteller nicht um das Wohl der Bevölkerung, sondern einzig und alleine um den eigenen Machterhalt und die -möglichst- langfristige Versorgung der Parteigenossen

  6. Herbert Manninger

    @Fragolin
    Sie sagen es! Wissenschaftlich fundierte Beweisführungen haben fast ausgedient, bildungsferne Politiker beherrschen uns, opportunistische ,,Experten und Expertinnen” schwatzen uns mit aus der Luft gegriffenen Behauptungen die Ohren voll.

  7. Thomas Holzer

    @Herbert Manninger
    Und ich erlaube mir die Frage zu stellen, wer diese “bildungsfernen”, wenn nicht gar bildungsresistenten, Politikerdarsteller gewählt hat.

  8. Rennziege

    6. Februar 2015 – 19:17 Thomas Holzer
    Und ich erlaube mir die Frage zu stellen, wer diese “bildungsfernen”, wenn nicht gar bildungsresistenten, Politikerdarsteller gewählt hat.
    Na, wer wohl? Die Meinungsforscher natürlich! Erstens, weil wir eh schon Hunderttausende davon haben, Politologen eingerechnet; zweitens, damit ihre Prognosen endlich so halbwegs zutreffen.

  9. Thomas Holzer

    @Rennziege
    Nett, aber nicht ganz korrekt, zumindest nicht “wahlarithmetisch”
    So viele Meinungsforscher gibt es noch nicht mal in Österreich 😉

  10. Herbert Manninger

    @T.Holzer
    All diese miesen Zustände und Vorgänge sind demokratisch abgesichert, die Mehrheit der Wähler will das so.
    ,,San eh olle gleich”, maulen zwar die Stammwähler, werden aber trotzdem zu Wiederholungstätern.

  11. Syria Forever

    Herr Thomas Holzer, Shalom.

    Arithmetik. Sie sprechen den richtigen Teil der Mathematik an.
    Wie sehen Wahlen in Europa aus. Einfach erklärt und mit der Erklärung fallen auch die Anschuldigungen.
    Arithmetik, die Kunst der Zahlen.
    Wieviele bunte Bücher gibt es in Österreich? Viele hundert Tausend.
    Nun zu den Wahlen. Wie hoch ist die Wahlbeteiligung? Wieviele Menschen mit bunten Büchern gibt es?
    In Wien als Beispiel ist es unmöglich die SPÖ ab zu wählen. Wie wollen Sie das bewerkstelligen?
    Alle bunten Bücher wählen die bunten Partei ihres Buches und genieren daraus alle möglichen Vorteile. In Wien ist es doch bekannt: “Ohne Parteibuch ist nicht viel zu holen.”
    Dazu kommen die vielen Mitläufer, Nutzniesser, Schmarotzer und dergleichen. Und da habe ich noch nicht die Beamten erwähnt.
    Wahlbetrug und schlimmeres möchte ich nicht ins Feld führen obwohl ich mir recht sicher bin auch Wahlbetrug ist tägliches Brot des politischen Establishments. Alles um die Macht, das Geld und die Faulheit aufrecht zu erhalten.

    Europa ist in Geiselhaft des politischen Establishments und dessen Nutzniesser und Schmarotzer. Dazu kommen die oftmals faschistischen Wahlgesetze.
    Arithmetik.
    In Europa sind Wahlen vorgesehen um ein Blatt ein zu werfen und wieder nach hause zu gehen.
    Mitbestimmung oder gar Änderungen sind nicht vorgesehen und werden, wie in Spanien oder jetzt in Deutschland, mit Gewalt unterdrückt.
    Wie lange das noch klappen wird? Lange genug um die aufkommenden Ausschreitungen und Bürgerkrieg ab zu warten.
    Nur unter dem Schutzmantel eines Konfliktes kann sich das politische Establishment, ohne gröbere Blessuren, in Sicherheit bringen.

    Guten Abend.

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