Die Wurzeln des Terrorismus

Von | 1. Dezember 2015

( von ARNULF JURSA, längerer Text) ) Sie liegen nicht, wie man landläufig heutzutage meint, in Palästina, Irak, oder Afghanistan, sondern im guten alten Ägypten.
Somit war auch der erste „Terrorist“ ein Ägypter, nämlich ein sehr frommer Lehrer namens Al-Banna, der den „modernen Kreuzfahrern“, wie er die Kolonialherren nannte, die das Land am Nil zu beherrschen begannen, den Kampf ansagte. Es war dies in einer Zeit, als nach Jahrhunderten der wirtschaftlichen und Intellektuellen Blüte, die ja nicht wirklich vom Islam getragen wurden, die islamischen Länder langsam in strenge, religionsbedingte Wissenschaftsfeindlichkeit und totalen Reformunwillen absackten. Als einer der Hauptverantwortlichen für den Niedergang gilt in Wissenschaftskreisen Mohammed Al-Ghazali. Mit ihm starb die Philosophie und erwachte die Religion zur neuen Blüte.

Der Sieg Napoleons bei seinem Feldzug zu den Pyramiden (1798), der den Muselmanen, wie die Moslems damals noch hießen, demonstrierte, wie leicht sie zu besiegen waren und später die Briten, die ab 1882 das Land mittels korrupter einheimischer Politiker regierten, verärgerte Al-Banna gewaltig. Er empfand dies alles als eine Beleidigung des islamischen Glaubens, forderte aber nicht eine an Europa orientierte Weiterentwicklung, sondern eine Rückkehr zu einer islamischen Idealzeit.
Er gründete 1928 in Ismāilia die radikale Moslembruderschaft, die sehr bald Hunderttausende von Anhängern zählte. Al-Banna forderte das Verbot von Tanz und die Erziehung der Frauen weg von Flirt und Gefallsucht, sowie eine gesunde Orientierung der Presse.
König Faruk ließ die Organisation verbieten und Al-Banna 1949 durch seine Geheimdienste umbringen. Sein Nachfolger, Saijid Kutb, machte die zunächst organisatorisch noch schwache Moslembruderschaft, alsbald zur Mutter aller islamistischen Organisationen. Der Umsturz 1952, durch Nassers „freie Offiziere“ wurde von Kutb zunächst noch begrüßt, weil er sich die Verwirklichung einer gerechten Diktatur des Islam erhoffte. Nachdem Kutb, auf Kosten des ägyptischen Kulturministeriums, zwei Jahre in Amerika gelebt hatte, kam er entsetzt zurück, wegen der Dekadenz und Gottlosigkeit der Amerikaner. So wandte er sich auch bald von Nasser und dessen nationalistisch-sozialistischen Ideen ab. Sein Buch „Wegmarken“ wurde sowas wie eine Mao-Bibel für die islamische Revolution. Und so, wie einst Mohammed gegen die Heiden zu Felde zog, verlangte auch Kutb, gegen alle Regime der Ungläubigen vorzugehen, gegen die gottlos-verderbte westliche Welt also, aber auch gegen jene, die sich trotz ihrer Korruption, islamisch nannten. Dabei seien alle Mittel erlaubt, weil die heidnischen Gegner die Schwelle der Barbarei überschritten hatten. Es ging also nur mehr um „die“ gegen „uns“.
Als Kutb in der ersten Hälfte der 60-ger Jahre seine für Terroristen inzwischen zum Standard erhobenen Werke schrieb, saß er bereits, auf Anordnung Nassers, im Gefängnis. Die Anklage lautete, so wie 2014, für Zehntausende auch, Mitgliedschaft bei den Moslembrüdern. Obwohl für Kutb anfänglich die Moslembrüder als Ideengeber fungierten, distanzierte er sich recht bald davon, zum einen, weil er ihr Scheitern vorherzusehen vermeinte und zum andern, weil mit dem Ende des Kolonialismus die Gründung eines unabhängigen Staates einherging, einer Entwicklung, der die Moslembrüder feindlich gegenüberstanden.
Die Moslembruderschaft predigte zwar die Gründung und Wiedereinführung des Kalifats, das Ottomanische endete ja 1924, bestand aber nie wirklich darauf. Die Moslembruderschaft stellte sich auch nie gegen andere moslemische Strömungen, wie die Schiiten oder die Sufis, um nur zwei zu nennen.
Die islamische Welt steckte zur Zeit der Gründung der Moslembruderschaft in einer echten Identitäts- und Sinnkrise, denn, die europäische Kolonisierung war gerade auf ihrem Höhepunkt angelangt, während das osmanische Kalifat Istanbuls von Atatürk abgeschafft wurde. Die neu gegründete Moslembruderschafft übernahm nun, mehr oder weniger stellvertretend, dieses freigewordene Kalifat, das bislang symbolisch für den politischen Islam stand.
Die neuen nationalistischen Parteien Ägyptens, deren Forderungen sich auf den Abzug der Besatzungsmacht und damit einer staatlichen Unabhängigkeit beschränkten, konnten die Moslembruderschaft wenig beeindrucken, da diese den Koran als einzige bindende Verfassung sahen, was bedeutete, daß es sich beim Islam an sich schon um ein vollständiges und umfassendes System handelte. Der Islam sei so universell, heißt es in der Doktrin der Bruderschaft, daß man keine kulturfremden europäischen Werte benötige, um sie in der islamischen Gesellschaftsordnung zu integrieren, da der Koran bereits alles dafür Nötige enthielte. Diese Doktrin ist allen islamistischen Bewegungen eigen, sie besteht aus der Errichtung eines islamischen Staates, in der die Scharia als einziges Rechtssystem Gültigkeit hat. Der Islam der Moslembrüder beschränkte sich allerdings nicht auf reine Frömmigkeit und Einhaltung der Vorschriften des Korans und der Hadithe, sondern sie entwickelten auch sowas wie eine islamische Moderne. Obwohl die Moslembruderschaft keinerlei Widersprüche gegen die von ihr verbreitete Gesellschaftsordnung duldete, fand sie starke Resonanz in den untersten, armen Gesellschaftsschichten, die sich selbst als politisch ausgegrenzt sahen. Die Geschichte der Moslembrüder verdeutlicht aber die tiefe soziale Zweideutigkeit dieser ersten aller islamischen Bewegungen, die man heutzutage noch in derselben alten Strukturform wiederfindet.
Auch Kutb ging letztlich den Weg aller extremistischen Revoluzzer, er wurde 1966 von Nasser hingerichtet. Damit machte Nasser ihn aber zum Märtyrer der Bewegung, aus dessen Umfeld sich später der Islamische Dschihad entwickelte und organisierte.
Die zweite große Strömung, neben der Moslembruderschaft, war der Salafismus, eine vorwiegend religiöse Strömung. Die Salafisten sehen sich selbst als die wahren Moslems und betrachteten andere Moslems, wie beispielsweise die Schiiten, als Götzendiener. Die Wurzeln des Salafismus sind im Wahhabismus zu finden, der ja auch die Errichtung von Schreinen und Tempeln, zum Zwecke der Anbetung von Göttern, rigoros ablehnt. Diese Gruppierung, als auch die ägyptisch-islamischen Dschihadisten und die algerischen Salafisten, waren die Vorreiter, der heutigen dschihadistischen Salafisten, hauptsächlich inspiriert von der Ideologie Sayed Kutbs, der ja der profilierteste Ideologe der ägyptischen Moslembruderschaft war.
Die Salafya-Bewegung geht zurück bis ins 9. Jahrhundert, als Ahmed Ibn Hanbal, der Begründers des Hanbalismus, seinen Gläubigen kundtat, daß der Koran wortwörtlich zu verstehen sei und nicht interpretierbar ist. Hanbal gehörte zu den fundamentalistischen Vertretern des Islam, der sowohl Logik als auch Verstand ablehnte, wenn es um Fragen des Glaubens ging, zum Unterschied von den Mu´tazila, für die die Nutzung des Verstandes vorrangig war und nicht die Tradition.
Wie Bana und Kutb auch, war Hanbal der Meinung, man hatte sich schon zu weit von Gott entfernt und forderte die Rückkehr zum Ursprung. Bei der Salafyya-Bewegung handelt es sich also um Sunniten, hanbalistischer Ausrichtung, die, wie im Islam üblich, alle Andersdenkenden als Nicht-Mosleme bezeichnen und diese mit dem Dschihad bekämpfen.
Ihre Glaubensauffassung ist eine dualistische und basiert auf dem Koran, den Hadithen und den Prophetenüberlieferungen der Sunna. Die Salafyya, mit ihrer durch und durch menschenfeindlichen Haltung, hat tiefe Gräben aufgetan, zwischen den unterschiedlichen Gruppen der Moslems. Die Salafisten führen einen globalen Dschihad gegen alle Ungläubigen, das heißt gegen alle, die gegen die salafistische Glaubensauffassung sind, also Christen und Juden, ja selbst liberale Moslems. Um ihr Ziel, die Umma, also die Gemeinschaft aller Moslems zu erreichen, schrecken sie auch nicht vor Gewalt zurück. Es geht dabei ausschließlich um machtpolitische Ansprüche, die es, im Namen der Religion, durchzusetzen gilt.
Schon die Moslembrüder träumten von einem Kalifat, das nie realisiert wurde, so auch Bin Ladin, der Führer der Al-Quaida. Gelehrte, wie der jordanische Palästinenser Abu Mohammed Al-Maqdisi, oder der Syrer Abu Basir Al-Tartusi, hinterließen ihre geistigen Spuren in den Gründungsannalen dieser Organisationen. Der Dschihadismus der letzten 20 Jahre wurde allerdings dominiert von salafitischer Ideologie und nicht von der der Moslembruderschaft, die nie als richtige theologische Ideologie verstanden wurde.
Mus´ab Al-Zarqawi, der Begründer der Al-Quaida im Irak, studierte zusammen mit Abu Mohammed Al-Maqdasi, dem prominenten Dschihadisten, Theologie. Auch Umar Al-Baghdadi, der erste Anführer des IS und Abu Hamza Al-Muhajir, waren ebenfalls getreue Anhänger. Abu Mohammed Al-Adnani, der offizielle Sprecher der IS, unterrichtete interessierte Dschihadisten sogar aus den Schriften Mohammed Ibn Abdel-Wahhabs. Eine der Hauptdoktrin ist, daß sich alle Gleichgesinnten zusammenschließen und sich fernhalten von anderen Moslems, die nicht in dieses Schema passen, wie die Schiiten, die als Abtrünnige gelten und den Tod verdient haben. Selbst die Moslembrüder und die Hamas sind in ihren Augen Verräter gegenüber dem Islam und somit zu verdammen. Umar Al-Baghdadi merkte einmal in einer seiner Reden an, daß die moslemischen Führer der Länder Verräter und Abtrünnige seien, Sünder, Lügner und Kriminelle.

Der Dschihad, auch Djihad, auf deutsch das Bemühen, bedeutet im Islam den allumfassenden Einsatz für die Sache Gottes (Allahs); er beinhaltet für den Moslem die Pflicht, nach seinen Möglichkeiten zur Verbreitung des Islam unter Nichtmoslems beizutragen, das Haus des Islam (Dar Al-Islam = Herrschaftsgebiet des Islam) zu verteidigen und wenn erforderlich, im Rahmen eines heiligen Krieges gegen erklärte Feinde des Islam vorzugehen.
Hinsichtlich der Nichtmoslems unterscheidet der Koran ja zwischen den Ungläubigen (Polytheisten) und den Empfängern der göttlichen Offenbarung (Juden und Christen), wobei letztere nicht zur Bekehrung zum Islam aufgefordert, beziehungsweise gedrängt werden dürfen. Die abrahamitischen Religionen, Christentum, Judentum und Islam, werden ja, seitens des Islam, Religionen des Buches genannt.
Der Islam erhebt allerdings den Anspruch, die Urreligion aller monotheistischen Religionen zu sein. Nach Auffassung der islamischen Kleriker sind die, dem Islam vorausgehenden Religionen, also das Judentum und das Christentum, als Sekten zu bezeichnen. Sie sind vom wahren Monotheismus abgewichen und irren. Auch die Vereinnahmung des Alten Testaments durch den Islam, muß dem Christentum und dem Judentum mehr als befremdlich erscheinen, war das AT doch schon lange vor dem Islam die Basis der beiden abrahamitischen Religionen, Judentum und Christentum.
Mit der Vereinnahmung des Alten Testaments durch den Islam, geht man aber weit über das Maß der Abgrenzung zu den anderen monotheistischen Religionen hinaus, indem man es, zur eigenen Profilierung, umfunktionierte. Es ging also grundsätzlich darum, eine Urreligion zu definieren, womit Juden und Christen zu Ketzern, Abtrünnigen und Ungläubigen erklärt wurden, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen, die sich, unter anderem, in den diversen Tötungsaufrufen im Koran manifestieren.
Auch wenn heutzutage der Begriff des Dschihad manchmal anders verstanden werden soll, nämlich als „Anstrengung auf dem Weg Gottes“, so ist von dieser Art der Interpretation im Koran nicht die Rede, es ist dort hinreichend dokumentiert und für jedermann nachlesbar, was man sich darunter vorzustellen hat. Es geht nicht um die ideellen und moralischen Anstrengungen, dem Bemühen um spirituelle Vollkommenheit und dergleichen, sondern um die gewaltsame Unterwerfung und Tötung aller Andersgläubigen. So gesehen handeln Terroristen absolut korankonform, nachzulesen in den Suren 2, 8, 9 und 59.
Unter den sogenannten medinensischen Suren, finden sich 14 Suren, in denen die Ungläubigen als Feinde des Islam dargestellt und ihre Lehren als Irr- und Falschlehren bezeichnet werden.
Was den Antisemitismus betrifft, so haben Mohammed und Luther einiges gemeinsam. Der Prophet Mohammed verstand den Islam, so die traditionelle Darstellung, als die wahre Religion Abrahams. Luther verstand unter dem Protestantismus ein von den katholischen Verzerrungen bereinigtes Christentum. Mohammed hatte nun das Problem, daß zum einen die Juden immer schon als geschlossene Gemeinschaft siedelten und nur untereinander heirateten und zum andern, alle Aufforderungen Mohammeds, zum Islam zu konvertieren, als auch Mohammeds Sendungsanspruch anzuerkennen, zurückwiesen. Die Konsequenz war, daß im Jahre 624, die Stämme der Nadir und Banu Qaynuqua vertrieben wurden und ihr Eigentum geraubt. Der verbliebene Stamm der Qurayza blieb nicht lange ungeschoren. Mohammed nutzte die immer noch vorhandenen Handelsbeziehungen dieses jüdischen Stammes zu den verhaßten Qurayisch in Mekka, um im Jahr 627 ein radikales Exempel zu statuieren. In einem fast zwei Tage dauernden Massaker, ließ er eine nicht genau bekannte Zahl, man spricht von 600 – 700 Personen, in ein eigens dafür vorbereitetes Massengrab steigen und in seiner Gegenwart, hinrichten, sprich, enthaupten. Die Frauen und Kinder wurden zum Teil auf Sklavenmärkten verkauft und zum Teil unter seine Gefolgsleute verteilt. Eine der Witwen, die 18-jährige Rayhana Bint Zayd, landete in Mohammeds eigenem Harem.
Im Grunde genommen betrachtete Mohammed die theologische Ablehnung des Islam durch die Juden als politische Unbotmäßigkeit, ihm, dem Führer, gegenüber, womit allein schon die Vertreibung und Tötung der störrischen jüdischen Stämme gerechtfertigt war.
Seit den 1970er-Jahren wird der Begriff Dschihad von verschiedenen, extrem islamistischen, sprich, terroristischen Gruppierungen, in ihren Selbstbezeichnungen verwendet, z.B. Djihad Islami, der Islamische Dschihad.
Die wichtigste Fraktion wurde 1979 von Fathi al-Schakaki gegründet. Das etwa halbe Dutzend Organisationen unter diesem Namen blieb aber ohne nennenswerten Einfluß.
Den sogenannten Djihad gab es allerdings schon etwas früher.

Am Mittellauf des Senegal, des Nils der Schwarzen, trat ab etwa Mitte des 17. Jahrhunderts eine religiöse Bewegung in Erscheinung, die eine Zeitenwende in der Geschichte Westafrikas eingeleitet hatte.
Vor dem Hintergrund des transatlantischen Sklavenhandels hatten sich hier muslimische Erneuerer radikalisiert und 1673 zum heiligen Krieg (Djihad) gegen die herrschenden Aristokratien aufgerufen. Diese erste, aber gescheiterte, islamische Revolution, der sog. Marabut-Krieg, angeführt vom Koranprediger (Marabut) Nasir ad-Din, wurde praktisch zum Modell für die nächsten Generationen, die den Djihad im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts in alle Gebiete der Sudanzone getragen haben.
Ausgangspunkt dieser Entwicklung, die Prediger und Reformer zu Militärführern machte (Osman dan Fodio und El-Hadj Omar Saidu Tall) und damit die politische Landkarte Westafrikas veränderten, war die Zerrüttung der vom transatlantischen Sklavenhandel betroffenen Gesellschaften der westlichen Sudanzone.
Im Gegensatz zu den seit Jahrhunderten an den Höfen der senegambischen Aristokratien und in den Handelszentren ansässigen muslimischen Geistlichen und Schriftgelehrten, die sich nur darauf beschränkt hatten, als Ratgeber der Fürsten zu wirken, wandten sich die heiligen Krieger (Djihadisten) des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts an das Volk und machten den Islam zum Massenphänomen. Schwert und Mission fanden nicht zuletzt deshalb breite Resonanz bei der ländlichen Bevölkerung, weil der Übertritt zum Islam sie vor der Versklavung und Deportation nach Übersee bewahrte.

Der 30. November, der Tag, an dem der Teilungsplan Palästinas, der UN, verkündet wurde, war auch der Beginn eines Bürgerkrieges, der durch zahlreiche terroristische Anschläge, von beiden Seiten verübt, gekennzeichnet war. Diese militärischen Aktionen mündeten schließlich in den sogenannten Unabhängigkeitskrieg zwischen Israel und den umliegenden arabischen Staaten, Ägypten, Libanon, Syrien, Irak und dem damaligen Transjordanien.
Unter Transjordanien, oder auch Ostjordanland, bezeichnete man das Gebiet östlich des Jordans. Transjordanien war bis 1950 der offizielle Name Jordaniens. Transjordanien war 1945 auch Gründungsmitglied der Arabischen Liga.
Israel stand im November, also noch vor der Staatengründung, etwa 55.000 arabischen Angreifern gegenüber, konnte sich aber, bedingt durch bessere Ausbildung und Disziplin, militärisch bald durchsetzen und den Arabern eine empfindliche Niederlage zufügen. Ein durch die UNO vermittelter Waffenstillstand beendete die Kampfhandlungen, der aber recht bald von Ägypten gebrochen wurde. Im Zuge der daraufhin wiederaufflammenden Kämpfe, eroberte Israel einen Großteil der den Palästinensern, gemäß Teilungsplan, zugewiesenen Gebiete.

Nach dieser ersten militärischen Niederlage der Araber, von 1947/48, waren die Palästinenser praktisch ohne Führung, in alle Winde zerstreut worden und völlig abhängig von den umliegenden arabischen Staaten. Die Gründung der PLO wurde erst 15 Jahre später, nach der Zustimmung der Arabischen Liga, möglich. Die palästinensischen Soldaten waren inzwischen aber längst in die Armeen Syriens, Jordaniens, Ägyptens und des Irak, integriert.
Bedingt durch die Ereignisse im Verlaufe der Suezkrise, 1956, hat sich eine ganz neue Generation von Palästinensern herausgebildet, die radikaler dachte und auch handelte. Dies war die Zeit, in der die Fatah entstand – Fatah bedeutet Sieg, neben der Volksfront für die Befreiung Palästinas, später umbenannt in Demokratische Volksfront für die Befreiung Palästinas. Die Fatah kämpfte für direkte und autonome Militäreinsätze von palästinensischen Terroreinheiten, damals noch Guerillaeinheiten genannt, gegen Israel. Die Demokratische Volksfront hingegen war der Meinung, man könne Palästina nur mit sozialistischen Revolutionen in arabischen Ländern helfen.
1956 begannen die Fatah-Terroristen, unterstützt von der syrischen Baath-Partei, mit Kommandoaktionen in Israel, die 1967, zusammen mit Nassers kriegerischen Aktivitäten, zum 6-Tagekrieg führten.

Der jüngste Führer des Islamischen Dschihad war Aiman al-Sawahiri, der aus einer reichen Kairoer Ärztefamilie stammt. Er organisierte 1981 das Attentat gegen Anwar El- Sadat, floh nach Afghanistan und wurde dort zum engsten Vertrauten Osama bin Ladens.
Die radikalislamistische Organisation Hamas, auf deutsch Eifer, deren Führungsriege in Syrien Zuflucht gefunden hat, gilt wohl als die derzeit einflußreichste Gruppierung unter den Palästinensern, in den von Israel besetzten Gebieten. Ihre Popularität gründet sich darauf, daß sie eine politische Partei, ein sozialer Wohlfahrtsverband, als auch eine religiöse Gemeinschaft und eine militante terroristische Untergrundorganisation zugleich ist.
Der Vorläufer dieser Organisation war der von Iss Al-Din Al-Kassim 1928 gegründete Verband „Junger Muslimischer Männer“, einer paramilitärischen Gruppe, die sich mit Überfällen auf jüdische Siedlungen hervortaten. Die ideologische Nähe zur ägyptischen Moslembruderschaft, die 1945 auch in Jerusalem tätig wurde, ist unverkennbar.
Die finanzielle Unterstützung durch Exil-Palästinenser und Spendenmillionen der Golfstaaten machten es möglich, daß diese Organisation bald zum wichtigsten sozialen Pfeiler der palästinensischen Bevölkerung Gazas wurde. Sie verfügt über ein weites Netzwerk an eigenen Kindergärten, Schulen und Kliniken und gewann damit vor Ort den Ruf einer untadeligen Institution, frei von Korruption. Mitverantwortlich für den raschen Aufstieg dieser obskuren Randgruppe war ausgerechnet die Besatzungsmacht Israel. Nach dem Prinzip teile und herrsche, setzten die Israelis darauf, daß die neue religiöse Konkurrenz die PLO Arafats nachhaltig schwächen werde, was sich allerdings als fataler Trugschluß erwies.

Nur 8 Monate nach der Gründung der Hamas bekannte sich die Organisation in einer Charta zu einer harten, kompromißlosen Haltung gegen dem Judenstaat. In 36 Artikeln, einer Synthese aus Islamismus und Nationalismus, wird Palästina als heiliges, unveräußerliches Land der Muslime beschrieben und dem „zionistischen Gebilde“ Israel jedes Existenzrecht abgesprochen. Das Ziel der Hamas ist die Errichtung eines Staates mit islamischem Recht (Scharia), indem Juden und Christen nur geduldet werden, wenn sie sich dem Leben im Schatten des Islam unterordnen. Dazu kamen noch die Aufrufe zum heiligen Krieg. Einer der Hauptakteure war damals Scheich Achmed Jassin.
Nachdem der Palästinenseraufstand vom Krieg der Steine zum bewaffneten Kampf eskalierte, bildete Hamas 1991 die berüchtigten „Iss-Al-Din-Al-Kassim-Brigaden”, die für blutige Terror- und Selbstmordanschläge gegen israelische Militärs und Zivilisten verantwortlich waren. Selbst die Verhaftung Scheich Jassins und die Verurteilung zu lebenslanger Haft, konnte diese nicht brechen. Auch die Hamas, die ihre internen Kommandostrukturen während dieser Zeit öfter umbaute, blieb intakt, selbst ohne ihren Führer. Sie gewann zusehends an Popularität und machte bald Arafat und seiner PLO die Führung streitig. Der Machtkampf verschärfte sich während des Golfkrieges 1991, weil die Hamas nicht Saddam nach seiner Invasion in Kuwait unterstützte, sondern den Irak und die USA zum Rückzug aufforderte, wogegen Arafat ja eindeutig Saddam unterstützte. Diese Haltung der Hamas hatte wiederum einen reichlichen Geldsegen von Seiten der Golfstaaten zufolge. Man spricht von 28 Millionen Dollar an monatlichen Spenden auf die Konten der Hamas, die damit ihre bekannte Wohlfahrtsorganisation weiter ausbaute. Mit dem Oslo-Abkommen, das für die Hamas ein Sakrileg war, entzweiten sich die beiden Parteien endgültig. Die Hamas gelobte Widerstand und versuchte binnen Monaten mit einer Serie von brutalen Selbstmordattentaten auf israelische Busse und Marktplätze das Friedensabkommen zu sabotieren. Vor der Alternative, entweder auf politischen Einfluß zu verzichten oder mit der Teilnahme an den ersten Wahlen zum Legislativrat, im Jänner 1996, die palästinensische Autonomiebehörde zu legitimieren, entschieden sich die Islamisten gegen die demokratische Mitwirkung. Der radikale Kurs mußte daraufhin etwas eingeschränkt werden. Erst mit Beginn des neuen Aufstandes im Jahre 2000, der sogenannten Al-Aksa- Intifada ist der Einfluß der Hamas wieder gestiegen.
Mit dem 11. 9. 2003 wurde der politische Arm der Hamas auf die Liste der terroristischen Vereinigungen gesetzt, worauf deren Anhänger jetzt auch offiziell verfolgt und ihre Konten eingefroren werden konnten. Auf Druck der USA haben auch die Golfstaaten aufgehört, die Hamas finanziell zu unterstützen.

Die Al-Aksa-Brigaden, unter der Führung von Kataib Al-Aksa, die im Gazastreifen und noch aktiver im Westjordanland operierten, wurden von nationalistischen Palästinensern, um Arafat und dessen Fatah, gegründet. Es war dies die Antwort Arafats und seiner radikal-religiösen Mannen auf die populäre Hamas und den Djihad.
Die Autonomiebehörden und ihr Präsident Arafat hatten nun ein Problem. Die Anerkennung von Israels Existenzrecht brachten Arafat, Rabin und Perez zwar den Friedensnobelpreis, aber seit es mit dem Frieden nicht mehr weiter ging, hatten die Gegner wieder Oberwasser. Die Al-Aksa fungierte somit als Sammelbecken für jene, die frustriert über den stagnierenden Friedensprozeß, nun zum offenen bewaffneten Widerstand gegen Israel aufriefen.
Ideologisch haben die Brigaden mit dem politischen Islam nichts zu tun. Sprachliche Verweise auf Allah sind reine Propaganda. Sie haben sich mit der Existenz Israels abgefunden, wollen jedoch einen eigenen Staat. Die Vertreibung der Besatzer soll durch die militärischen Aktionen forciert werden. Die Ziele ihrer Angriffe waren zunächst auch nur militärischen Natur, sowie militante Siedler, Konvois und Außenposten. Erst zu Beginn 2002 wurden sie aggressiver und begannen auch mit Selbstmordattentaten. Sie waren die ersten, die eine junge Frau als lebende Bombe einsetzten. Unklar und umstritten bleibt auch weiterhin, inwieweit Arafat, seine Partei und die Autonomiebehörden die Al-Aksa-Brigaden unterstützten.
Einer ihrer lokalen Befehlshaber gab im März 2002 zu Protokoll: „ Wir erhalten unsere Befehle und Anweisungen von der Fatah und unser Kommandeur ist Arafat.“
Arafat selbst reagierte immer janusköpfig. Mal verurteilte er die Terrorakte, mal rief er nach neuen Märtyrern in der Organisation für die palästinensische Sache.

Die in den letzten Jahren wohl bekannteste und berüchtigtste aller Organisationen, die Al-Quaida wurde, wie bekannt, von Osama bin Ladin gegründet.
Osama Bin Laden wurde 1957 in Saudi Arabien, als 7. Sohn eines, vom Maurer zum Bauunternehmer aufgestiegenen, Einwanderers aus dem Süd-Jemen geboren und mauserte sich zum Anführer einer der größten und gefürchtetsten Terroristenorganisationen der Welt. Bin Ladin, wurde streng religiös erzogen, studierte Ingenieur-, Verwaltungs- und Wirtschaftswissenschaften und hatte schon früh Kontakt zu radikalen Islamisten. Während der sowjetischen Besatzung Afghanistans unterstützte er mit finanzieller Hilfe der USA und des saudiarabischen Geheimdienstes die Mudschaheddin und später die Taliban. Nach Vertreibung der Kommunisten agierte er unnachgiebig, auch daheim, für einen Islamischen Religionsstaat und wurde daher ausgebürgert. Nachdem er sich auch mit seiner Familie überworfen hatte, emigrierte er 1992 zunächst in den Sudan und vier Jahre später nach Afghanistan. In beiden Staaten gründete er Ausbildungslager für die militärische und ideologische Schulung muslimischen Kaderpersonals. So entstand letztendlich die terroristische Organisation Al-Quaida.
Wegen des starken Verfolgungsdruckes in der ganzen Welt, vor allem seit dem Anschlag auf das Trade Center 9/11, hat sich die innere Struktur notgedrungen gewandelt und angepaßt. Nun existiert die Organisation nur noch in Form loser Einheiten, die im Geiste Bin Ladins operieren, aber kaum noch zentral gesteuert werden können. Die Terrorgruppe verhält sich also eher wie eine organische Struktur, die sich an die veränderten Umstände anpaßt.

Die Boko Haram ist eine terroristische Gruppierung, die sich seit etwa Anfang des Jahres 2011, im Norden Nigerias verbreitet. Die Grundideen sind wohl dieselben, wie die der Moslembruderschaft, nämlich die Einführung der Scharia, als ausschließliche Rechtsgrundlage, sowie die Verhinderung des westlichen Einflusses auf die islamischen Gläubigen. Die meisten ihrer Mitglieder sind Kanuri, eine Volksgruppe, die aus dem Sudan stammt und erst seit dem 11. Jahrhundert dem Islam angehört.
Die Gruppe behauptet von sich selbst, dem Taliban anzugehören, was auch die nigerianische Bevölkerung so sieht. Des weiteren gibt es Verbindungen zur Al-Quaida im Maghreb, zur Al-Shahab in Somalia und anderen, sowie zu den terroristischen Ausbildung-Camps in Afghanistan.
Boko Haram ist eine äußerst gefährliche und brutal operierende sunnitische Gruppierung, die zum Dschihad und zur Rückkehr zur Urform des Islam aufruft.
Anfang März 2015 gab Abu Bakr Shekau, der Anführer der Boko Haram, der Jama’at Ahl al-Sunnah Lil Dawa Wal Jihad, bekannt, daß seine Gruppe sich ab sofort dem im Nordirak angesiedelten IS (islamischer Staat) und ihrem Anführer Abu Bakr Al- Baghdadi unterordnen und ihm die Treue schwören würden. Seit der Gründung haben Mitglieder dieser Organisation bereits tausende von Menschen auf brutalste Weise ermordet. Abubakar Shekau, der Anführer der Boko Haram, hat im August 2014, in seinem Verbreitungsgebiet, dem Nordosten Nigerias, sein Kalifat gegründet, ohne daß ihn jemand daran hindern konnte. Die Regierungstruppen der betroffenen Länder sind viel zu schwach, um dagegen etwas auszurichten. Dazu kommt, daß sich die Bevölkerung, speziell in Nigeria, auch vor der Brutalität des Militärs fürchtet. Diese Brutalität der Bevölkerung gegenüber treibt viele junge Männer in die Arme der Boko Haram. Das totale Versagen des Staates, die Korruption, sowie die damit verbundene allgemeine moralische Verkommenheit der politischen Elite des Landes, tragen auch das Ihrige dazu bei.

Die zuletzt gegründete Terrororganisation, „Der Islamische Staat“, ist wohl die bislang erfolgreichste.
Ideologisch zählen die irakischen IS-Gotteskrieger, unter ihrem Anführer Abu Bakr Al-Baghdadi, zur salafistisch-wahhabitischen Strömung des Islam und damit zu einer islamischen Sekte. Solange aber der Wahhabismus im Heiligen Land Saudi Arabien gehegt und gepflegt wird, kann man wohl kaum mit einer Änderung der arabischen Einstellung zu diesem Problem zu rechnen.
Die auch unter dem Kurznamen ISIS bekannte Organisation entstand im Jahre 2003 und ist eine sunnitisch orientierte Terrororganisation der brutalsten Art. Die ISIS, Islamic State of Irac and Al-Sham, hat sich aus ehemaligen Offizieren der irakischen Armee gebildet, nachdem, nach dem Abzug der amerikanischen Truppen, die Schiiten an die Hebel der Macht kamen. Ihr selbsternannter Kalif erhebt den Anspruch ein direkter Nachkomme des Propheten Mohammeds zu sein. Die Ausrufung seines Kalifats erfolgte im Juni 2014.
Der IS hat mit der Moslembruderschaft nicht nur nichts zu tun, die Moslembrüder werden vom IS sogar als vom Glauben Abgefallene bezeichnet. Die Welt hat den IS und seine Struktur auch völlig mißverstanden, indem sie darin einen rein monolithischen Dschihadismus gesehen hat. Aber, der Dschihadismus, zum Unterschied von Bin Ladins Al-Quaida, hat sich inzwischen mächtig weiterentwickelt. Während Bin Ladins Kalifat rein ideologisch war und erst irgendwann in der Zukunft kommen würde, hat der IS sein Kalifat verwirklicht, um sich vor der Welt zu legitimieren.
Auch die Tatsache, daß der IS sich auf rein religiöser Basis entwickelt hat, wird meist zu wenig beachtet, während Bin Ladins Schwerpunkt primär und vordringlich die Befreiung Saudi Arabiens von den amerikanischen Truppen war. Der IS ist islamistisch und damit auch extrem fundamentalistisch geprägt, das darf nicht vergessen werden, womit der IS natürlich auch eine starke Anziehungskraft ausübt auf Abenteurer und Psychopaten dieser Welt, der östlichen genauso, wie der westlichen. Der IS selbst sieht seine Wurzeln in der Al-Quaida Bin Ladins, auch wenn eine Allianz mit Al-Baghdadi, seitens Zawahiri nie bestätigt wurde, ganz im Gegenteil, die beiden haßten einander.
Es wäre auch falsch zu sagen, die Ideologie des IS sei un-islamisch, wenn man alles, was ihre Führer, Krieger und Sympathisanten von sich geben, eins zu eins im Koran nachlesen kann, auch wenn diese zugegebenermaßen, zumindest geistig, in einem anderen Jahrhundert zu leben scheinen, wo Sklaverei und Kreuzigungen an der Tagesordnung waren. Inzwischen, so weiß man, sind zehntausende von kriegswilligen Söldnern, aus aller Welt, dem Ruf Al-Baghdadis gefolgt, viele davon bereit, für ihn und Allah auch zu sterben. Baghdadi ließ die Welt, anläßlich seiner Rede in Mosul, auch wissen, daß er die Wiedereinführung des Kalifats, nach dem Untergang des ottomanischen Kalifats, als eine seiner Hauptaufgaben sieht. Es sei, so Baghdadi, die Pflicht eines jeden Moslems, dafür zu sorgen, daß es wieder ein Kalifat gibt. Eine der nötigen Voraussetzungen dafür ist natürlich ein entsprechend großes Territorium. Nach dieser Rede Al-Baghdadis gab es einen recht hohen Zustrom an Sympathisanten, die vor allem von der Türkei aus nach Syrien infiltrierten. Schon in alten Zeiten war es der Kalif, der dafür zu sorgen hatte, daß nicht nur die Regeln der Religion beachtet und eingehalten wurden, sondern auch die Rechtsprechung gemäß der Scharia erfolgte. Al-Baghdadi folgt damit nur den Fußstapfen der Kalifen der Vorzeit des Islam.

Einige der Journalisten und Berichterstatter aus den betroffenen Regionen versuchen nun wieder, nach alt bewährter Methode, dem Westen und seiner Kolonialpolitik die Schuld dafür zu geben, daß es besagten Terrorismus gibt. Sie schreiben von Jahrzehnte langer Demütigung, in der das Selbstbewußtsein der Menschen angeblich auf der Strecke geblieben ist und vergessen dabei, daß die Zeit der Kolonien schon recht lange vorbei ist und alle betroffenen Länder die postkolonialen Zeiten verbummelt haben. Es gibt kaum Industrialisierung und ausländische Investoren denken nicht daran, auf Grund der großen politischen Unsicherheit in diesen Ländern, auch nur einen Cent zu investieren.
Es heißt auch immer, der Westen habe die Despoten unterstützt. Nun ja, ganz gewiß sogar, aber was hat diese Länder daran gehindert, sich weiter zu entwickeln ? Was hat sie daran gehindert, ungeliebte Despoten vom Thron zu stoßen ? Man kann doch daraus nicht schließen, daß jetzt die ausländischen Unterstützer dieser Despoten die Hauptschuld am Entstehen terroristischer Organisationen tragen. Damit macht man sich die Sache wohl etwas zu leicht. Selbst die Tatsache, daß den Golfstaaten und auch anderen Staaten vorgeworfen wird, diese Organisationen gelegentlich mitfinanziert zu haben, bedeutet nicht, bewußt am Aufbau mitgemacht zu haben, die Gründe dafür lagen immer auf einer völlig anderen Ebene.

„Entweder wir oder sie”, so rechtfertigt Ägyptens Präsident Abdelfattah al-Sisi seine autoritäre Politik der harten Hand gegen Muslimbrüder und Demokratieaktivisten als alternativlose Notwendigkeit im Kampf gegen den Terror. „Er bringt den gesamten Dissens seines Landes zum Schweigen und versucht Ägypten als Bollwerk gegen den IS zu vermarkten”, so El-Gawhary.

Man kann auch Saudi Arabien nicht allein dafür verantwortlich machen, vor allem nicht als Brutstätte des Terrorismus bezeichnen, die Monarchie steht ja selbst im Fokus des IS, streng religiöse Auffassung hin oder her, denn diese Ausfassung gab es ja schon seit Jahrhunderten. Daß die derzeitigen Regierungschefs, egal, ob sie sich Monarchen oder Präsidenten nennen, die Lösung des Problems bringen werden, ist stark zu bezweifeln. Auch weitere Revolutionen werden wieder nur unfähige Männer an die Spitze der jeweiligen Staaten spülen. Das bedeutet, daß es noch einige Generationen eines mehr oder weniger blutigen Prozesses bedarf, bis auch in diesen Ländern eine gewisse Ordnung, gepaart mit Vernunft, einkehren kann und wird. Dazu gehört, daß, parallel dazu, auch der Einfluß der Religion zurückgedrängt werden muß, da sie in einem sehr hohen Maß die Schuld an den Ereignissen in diesen Ländern trägt.

10 Gedanken zu „Die Wurzeln des Terrorismus

  1. Fragolin

    Danke für diesen Text.
    Man erkennt wieder die ungebrochene Energie der bewussten Lügner, Betrüger und Verräter, die uns mit belehrend erigiertem Zeigefinger erklären wollen, all das hätte nichts mit dem Islam zu tun und wäre eh nur unsere eigene Schuld. .
    So lange diese Zusammenhänge nicht offen diskutiert werden dürfen, nehme ich mir das Recht heraus, jedem sich als solchen erklärendem Muslim mit äußerstem Misstrauen zu begegnen und diese als Religion getarnte Ideologie mit Universalanspruch als demokratie-, frieheits- und menschenfeindlich zu betrachten. Und jeden, der der Verbreitung und Eroberung dieser Ideologie in die Hände spielt als Feind der Demokratie, der Freiheit und der Menschheit. Das mag ungerecht gegenüber der kleinen und eigentlich armen Randgruppe moderater Muslime sein, die das Wüten ihrer radikalen Glaubensbrüder mit verhaltenem Abscheu betrachten, aber die Mehrheit steht wohlwollend hinter den Radikalen.

  2. Lisa

    Brauchte etwas Zeit für den Artikel, aber der Grundgedanke bestätigt wieder einmal: Islam ist keine Religion, sondern eine politische Ideologie, die sich nicht ums Jenseits, ums eigene Seelenheil kümmert, um Gott (“wer/was immer es sei – lt. Böll – dieses “Höhere Wesen, das wir alle verehren”), sondern um irdische Belange, um Sunna und Sharia. Damit greift diese sog. Religion jedoch ins politische Leben eines Staates ein und politische Aktivitäten können verboten werden, wenn von ihnen Gefahren ausgehen. Der Islam muss jeden Anspruch, im Diesseits im Namen der Religion etwas durchzusetzen, aufgeben, wenn er den Status einer Religion behalten will und nicht einfach unter dem Deckmantel “Religion” eine machtgierige Revoluzzerbande mit zahlreichen Sympathisanten und “Schläfern” steckt.

  3. astuga

    Kein schlechter Artikel.
    Allerdings wird einiges doch etwas falsch dargestellt, oder nur teilweise angesprochen.
    Detailliertere Infos zB zum Begrifff Djihad:
    http://de.calameo.com/books/0003319354ce91dd821bf

    Der moderne Islamismus ist natürlich ein neuzeitliches Phänomen, aber eben kein isoliertes innerhalb des Islam.
    Sondern halt lediglich die neuzeitliche Ausprägung dessen was der Islam eben auch schon immer war.
    Der erwähnte “Marabut” leitet sich beispielsweise von den al-Murabitun (Almoraviden) ab.
    Das bedeutet sinngemäß “Grenzwächter in neu eroberten Gebieten”.
    Das war eine fanatische Islam-Sekte die in Nordafrika und im islamisch besetzten Spanien gewütet hat (gegen Christen, Juden und andere Muslime).

    Für die Neuzeit am wichtigsten wurden die Wahabiten Saudi Arabiens, ohne deren Aufstieg durch das Erdöl wären auch die Muslimbrüder ein unbedeutendes lokales Phänomen geblieben.
    Im Schatten des Kalten Krieges konnten sie ihr Gift überall verbreiten und finanzierten global islamistische Bildungsstätten und Moscheen (auch die große Moschee in Wien) oder vergaben Stipendien für “Islamstudien” in Saudi Arabien.
    Von den USA über die Schweiz bis nach Pakistan und Indonesien.

  4. astuga

    @Reini
    Der Herrschaftsanspruch des Islam ist ein globaler und betrifft die gesamte Menschheit.
    Der Islam ist nichts weniger als die göttliche Ordnung für die Menschheit im Diesseits.
    Ein Muslim ist jemand der sich dieser göttlichen Ordnung unterwirft bzw sich ihr fügt.

    Als der Islam entstand waren Byzanz und das lateinische Westeuropa die wichtigsten Gegenpole und machtpolitischen wie kulturellen Gegenspieler der Muslime.
    “Rom” zu erobern war das eine große Ziel.
    Sowohl Konstantinopel wie Rom wurden mehrfach angegriffen und belagert.
    Von muslimischen Teilerfolgen abgesehen war Europa außerdem der einzige Kulturraum der sich historisch dem Islam erfolgreich widersetzen konnte (im Ggs etwa zu Persien oder Indien) und wo auch große Gebiete wieder zurückerobert wurden.

    Rom zu erobern ist deshalb bis heute ein wichtiger Topos für Muslime.
    Friedlich, wenn möglich. Durch Gewalt, wenn notwendig.
    So hat sich etwa der türkische Ministerpräsident Erbakan (polit. Ziehvater von Erdogan) und Gründer der Mili Görüs sogar einmal wörtlich geäußert.

  5. Rennziege

    1. Dezember 2015 – 13:25 astuga
    Wie immer fundiert und g’scheit, was Sie schreiben. Etwas in Eile, greife ich nur Ihren Satz heraus: “Rom zu erobern ist deshalb bis heute ein wichtiger Topos für Muslime.”
    Diese Eroberung wird dem harten (Rübe ab!) wie dem weichen (Unterwanderung durch Immigranten und Kapital) Dschihad immer müheloser gelingen: Der unselige gegenwärtige Papst, der homo- wie pädophile und vielfach korrumpierte Vatikan schreien förmlich danach, von ihrer Dekadenz erlöst zu werden. Rom war stets viel mehr als Italiens Hauptstadt: ein Nabel des Christentums und der europäischen Kultur.
    Finito l’amore! Der katholische Klerus wird aus dem Lotterbett politisch korrekt zuschauen, wie der Petersdom zu einer zweiten Hagia Sophia umgestaltet wird. (Der Wiener Kardinal Schönborn scheint so was für den “Steffl” kaum erwarten zu können.)

  6. Fragolin

    @Rennziege
    Ein originalgetreuer Nachbau steht ja schon an der Elfenbeinküste bereit, ansonsten habe ich aber eher den Verdacht, die Katholiken bereiten schon den Auszug Richtung Südamerika vor, wo Katholizismus noch ernsthaft gelebt wird. Über tausend Jahre Herumärgern mit europäischen Provinzdespoten reicht dem Klerus vielleicht schon… 😉

  7. astuga

    Leider.
    Es gibt zwar auch Teile des Klerus die islamkritisch sind, aber insgesamt ist für die Katholische Kirche die Säkularisierung der eigentliche Gegner (wird auch oft genug so geäußert).
    Die Protestanten sind heutzutage überwiegend nur mehr linke Obskuranten, bleibt letztlich nur die Orthodoxie.
    Aber von den Glaubensgemeinschaften ist in Sachen Islam-ismus grundsätzlich wenig zu erwarten.
    Die sind vor allem mit sich selbst beschäftigt.

  8. walter west

    die 1928 gegründete moslembruderschaft und ihr wirken wird wunderbar dargestellt in dem buch von hamed abdel-samad: “der islamische faschismus”.

  9. Hanna

    Ja, zur Kenntnis genommen, die viele Information. Und jetzt? Wir werden von diesen Leuten überrannt. Zur Kenntnis nehmen – oder was? Besonders interessant die Stelle “Das totale Versagen des Staates, die Korruption, sowie die damit verbundene allgemeine moralische Verkommenheit der politischen Elite des Landes, tragen auch das Ihrige dazu bei.” Genau. So wird’s bei uns auch kommen … Gewalt voraus!

  10. astuga

    @Hanna
    Ich schicke ein großes “Leider” voraus – aber: There will be blood!

    Und je länger die Ruhe anhält und die Bevölkerung sich überwiegend wie eine Schafherde verhält, umso schlimmer wird es wenn es einmal losgeht.
    Und dann reicht eventuell eine Kleinigkeit als Auslöser, der Zorn ist dann zwar begründet aber ein Mob reagiert nie rational.

    Viele der auch jetzt wieder diskutierten und erweiterten Sicherheitsmaßnahmen dienen ohnehin nicht der Terrorbekämpfung, sondern der Kontrolle der eigenen Bevölkerung und dem Schutz vor ihr.

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