Die Wut der Holländer auf die primitiven Rebellen

Von | 29. Juli 2014

“…..Fast 200 Niederländer kamen beim Abschuss der MH17 über der Ostukraine ums Leben. Wie die Rebellen auf den Überresten der Opfer herumtrampelten, hat die Nation entsetzt. Es war ein heilsamer Schock…” (Essay von Leon de Winter, hier)

11 Gedanken zu „Die Wut der Holländer auf die primitiven Rebellen

  1. gms

    Leon de Winter: “Den prorussischen Rebellen waren unsere Toten egal. Sie trieben sich zwischen den Trümmern und Leichenteilen herum mit aufgedunsenen Trinkergesichtern und begrapschten, was unsere Landsleute hinterließen: eine Puppe, ein Buch, Kleidungsstücke. Geweihte Habseligkeiten. Mit schweren Stiefeln liefen sie auf dem frischen Totenfeld herum, als wären unsere Toten geschlachtete Tiere. Respekt für die Körper der Verstorbenen – dort beginnt Zivilisation. Wer die Toten ehrt, ist sich der Heiligkeit des Lebens bewusst.”

    Welch bodenlos infame Verdrehung der Tatsachen! Laut de Winter lügen also Christian Wehrschütz (ORF) und Jan Tuinder (niederländischer Ermittlungsleiter), richtig sind also vorgeblich einzelne Bilder, nicht aber die Videos, denen die Bilder entnommen wurden und die Gegenteiliges darstellen.

    Vorgestern schrieb ich hier bereits (27. Juli – 15:16): “Das Einzige, was den infamen Propaganda-Orgeln noch bleibt, ist ein vorgeblich pietätloser Umgang mit den Leichen durch die Aufständischen.”

    Was seid ihr doch für berechenbare Arschlöcher! An unseren Blog-Hausherrn: Bitte zensieren Sie dieses Posting, oder besser noch: Sperren Sie mich für immer. Es wäre mir Freude und Vergnügen zugleich, dergestalt aus einem Forum exkludiert zu werden, welches sich aufs Abscheulichste in den Dienst der Niedertracht stellt.

    tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/So-wird-die-oeffentliche-Meinung-ueber-den-MH17Crash-manipuliert/story/24923539

  2. Rennziege

    29. Juli 2014 – 13:20 gms
    Gemach! Ich wage zu vermuten, dass unser Hausherr, ein in der Wolle gefärbter Liberaler, ein offenes Ohr für kontroverse Meinungen hat und die Relegation eines seiner knackigsten Poster nicht in Erwägung zieht.
    Was Leon de Winter angeht: Nach den jüngsten Wahlen, die ihm paar Watschen versetzten, muss er den Niederländern halt einen neuen Köder vors Goscherl halten. Dieser traurige Anlass mit diffuser Nachrichtenlage, die man nach Belieben färben und biegen kann, bietet dazu eine emotionale Gelegenheit.
    Damit hat Leon de Winter stets operiert.

  3. gms

    Rennziege,

    “Nach den jüngsten Wahlen, die ihm paar Watschen versetzten ..”

    Besagter Leon de Winter ist meines Wissens nach kein Politiker, sondern Schriftsteller. Vermutlich ist auch dieser phantasietreibende Beruf nötige Voraussetzung für seinen abgedrehten Gipfel der Unverschämtheit, wenn er unmittelbar nach seinem oben zitierten Leichenfledderei-Gedöns fortsetzt mit ..

    “Unser Außenminister erklärte im UN-Gebäude in New York, dass diese Menschen ein politisches Spiel mit den Leichnamen unserer Lieben spielen. Er war den Tränen nahe. Ja, das tun sie. Israels Feinde kennen dieses Spiel nur zu gut, und jetzt waren es plötzlich brutale Männer in der Ukraine, die das gleiche Spiel mit den Niederländern spielten.”

    Der Mann suhlt sich seitenlang um alle drei möglichen Körperachsen rollend im Verwesungssaft, den er wie ein narzisstischer Nekrophiler aus seinem eigenen Körper preßt. Ein politisches Spiel mit den Leichnamen? — Ja, worauf er Gift nehmen kann — am Besten sein eigenes!

  4. Plan B

    Bei aller Kritik an dieser emotional aufgeblasenen Passage in dem Artikel von Leon de Winter sollte man die Zielrichtung seiner Anklage nicht übersehen; mit den “Kanaillen” in der Headline sind mitnichten die “barbarischen Rebellen” gemeint.

    Man sollte schon richtg lesen:

    = Und sage niemand, wir hätten nicht dazu beigetragen. Wir haben den Sturz eines demokratisch gewählten ukrainischen Präsidenten unterstützt, wir hielten die Europäische Union für unbesiegbar und schoben unsere Grenzen bis an den Rand des russischen Reiches vor. Unsere Politiker hielten aufregende Reden in Kiew und versprachen Wohlstand und Freiheit und jedes erdenkliche Menschenrecht.

    Wir dachten, wir könnten das Machtspiel spielen, ohne den Preis dafür zu zahlen – nein, schlimmer noch: Wir hatten keine Ahnung, dass es ein gewaltsames Spiel war, was unsere europäischen Eliten da aufführten. Unschuldige Menschen auf dem Urlaubstrip ihres Lebens zahlten den Preis für das rücksichtslose Verhalten von Karrierepolitikern, die blind den frustrierten russischen Bären
    herausforderten =

    Dieser Abschnitt rückt Leon de Winter doch die Position, wofür viele andere Mitblogger und ich sich hier als naive “Putin-Versteher” bezeichnen lassen müssen.

    Also, wo sitzen die “Kanaillen? In Brüssel oder im Kreml?

  5. Rennziege

    29. Juli 2014 – 15:04 gms
    “Besagter Leon de Winter ist meines Wissens nach kein Politiker, sondern Schriftsteller.”
    Natürlich haben Sie recht. Ich bitte um Verzeihung; ich hab’ ihn mit Geerts Wilders verwexxxelt. Peinlich!

  6. Plan B

    gms,

    die zweite von Ihnen zitierte Passage kann man auch nur verstehen, wenn man das Werk des jüdischen Schriftstellers Leon de Winter kennt; dieser “Duft von Verwesung” in seiner Formulierung zielt auf die “doppelten Standards” ab, wenn es gilt, jüdische Opfer islamistischer Anschläge in den Medien zu “betrauern”, oder, wie in diesem Falle, die eigenen Landsleute als Opfer einer (angeblichen) Schändung zu beweinen.

    Ist schon ein schwieriger Text (hab’ auch meine Probleme als Leon de Winter-Leser mit dieser vollen emotionalen Dröhnung).

  7. gms

    Plan B,

    “Bei aller Kritik an dieser emotional aufgeblasenen Passage in dem Artikel von Leon de Winter sollte man die Zielrichtung seiner Anklage nicht übersehen; mit den “Kanaillen” in der Headline sind mitnichten die “barbarischen Rebellen” gemeint.”

    Auch wenn mir ein Wettbewerb in Hermeneutik fernliegt — Ihre Interpretation ist grundfalsch, wiederholt sich das “emotional Aufgeblasene” doch vielfach davor und danach, während der von Ihnen zutreffend zitierte und in der Tat relativierende Textteil nur eine eingeschobene Passage ist.

    Besagte “Kanaillen” stehen auch nicht in den Headlines, sondern unterhalb jener Zeilen, die behaupten, die Rebellen hätten sich im Ziel des Abschusses geirrt. Metaphorisch haben nach de Winter meinetwegen auch andere herumgetrampelt als “sie den Bären reizten”, aber definitiv nicht auf den Überresten. Die Holländer sind nach de Winter nämlich keine Versager, keine Kanaillen, haben sie doch gebetet und damit vorgeblich das Grauen in einen Akt der Schönheit verwandelt. Hier werden abgeschmackt und billigst gezielt zwei Gegenpole aufgebaut.

    Abgerundet wird das um Phrasen um den modernen Wohlfahrtsstaat, in dem gebildete Menschen sich nicht vorstellen können, es gäbe das Böse in der Welt und Stimmen, die ein Erobern, Vergewaltigen und Verstümmeln befehlen. Verschärft wird es mit der Behauptung, die Niederlande haben die Armee so gut wie abgeschafft, aber die Israelis hätten die Leichen mit militärischen Mitteln selbst rausgeholt, sie hätten gekämpft. Mit dem ganzen Sermon wird einzig und allein die kriegerische Rutsche gelegt, die sich im Schlußakkord dann tatsächlich entlädt:

    “Wir mussten mit ansehen, wie die Rebellen die Toten schändeten, und wir alle wussten, dass sie uns etwas antaten, das wir nicht vergessen können. Schmerzhaft und schlagartig wird uns klar, was wir vergessen hatten: dass es Werte gibt, für die es sich lohnt, zu kämpfen.”

  8. gms

    Plan B,

    “Ist schon ein schwieriger Text (hab’ auch meine Probleme als Leon de Winter-Leser mit dieser vollen emotionalen Dröhnung).”

    Selbst wenn man alle Leichen aus de Winters Gleichung rauskürzt, bleibt unterm Strich doch nur ein infamer Aufruf zur kriegerischen Beteiligung der Niederlande, der vor einigen Tagen ja sogar ernsthaft erwogen wurde.

  9. ricbor

    Nun, dieser Essay ist der Aufschrei eines Hilflosen angesichts der Brutalität der entmenschten Soldateska. Aber Rettung ist in Sicht, denn ab heute wird zurückgeschlagen, mit einem schönen Einstieg ins Sanktionsregime. Auf Putins Grab wird stehen: Hier liegt einer, der zu blöd war den Job des Paten auszufüllen.
    De Winter wird wieder ruhig schlafen können.

  10. gms

    ricbor,

    “Nun, dieser Essay ist der Aufschrei eines Hilflosen angesichts der Brutalität der entmenschten Soldateska.”

    Eeentzückend! Nun stürzen sich also auch schon Hilflose in Kamikaze-Manier aufs Schlachtfeld, deren einzige verwendbare Waffe infantiles Gekreische ist angesichts der “entmenschten” Barbaren jenseits der Frontlinie.

    Man könnte nun de Winter in einem Akt der Selbstverteidigung mit einer Kugel abknallen, kann doch sein infanteristisches Vorgehen keinesfalls geduldet werden. Wie? Irgendwas stimmt mit dem Vergleich nicht? Ok, wir lassen ja mit uns reden — de Winter bekommt nur ein paar feste Tritte mit dem Stiefel gegen den Kopf, weil er seinen Job als Cheerleader der vereinten Psychopathen ein Kleinwenig überzogen hat. Deal?

    Na kommen Sie, ricbor, schlagen Sie ein! In einem “entmenschten” Kontext ist alles erlaubt, und solange irgendwer nur laut genug kreischt, das Gegenüber sei “entmenscht”, dann ist das ganz gewiß auch so.

  11. gms

    Nachdem inzwischen seitens der EU die Sanktionen wider Rußland mit einem geschätzten wirtschaftlichen Schaden von rd. 100 Mrd. Dollar bis 2015 beschlossen sind, wobei die EU ebenfalls einen vergleichbaren Einbruch erleiden wird, sei einmal mehr Augenmerk auf diesen “Wendepunkt” gelegt, als welcher der Abschuß von MH17 seit Anfang an bezeichnet wurde.
    Die Schwachmatiker-Postillie “taz” ließ u.a. ihren Leiter des Außenressorts Dominic Johnson fünf Tage nach dem Vorfall schreiben: “Der Terroranschlag vom 11. September 2001 in den USA wurde umgehend zum Nato-Bündnisfall erklärt. Die toten Passagiere von MH17 vom 17. Juli 2014 verdienen ähnliche Solidarität.” [1]

    Gibt es inzwischen einen offiziellen Abschlußbericht? Nein. Sind inzwischen die automatischen Aufzeichnungen der Air-traffic-control und der Flugdatenschreiber öffentlich? Nein. Satelitenbilder, militärische Radaraufzeichnungen, vereidigte Zeugen, irgendwas Handfestes…. Nein, Pustekuchen, es gibt nichts — bloß einen Bündnisfall mit dem zuvor bestimmten Partner.

    Naja, etwas gibt es schon noch, nämlich die Aussage der ukrainischen Regierung, wonach die Flugdatenschreiber beweisen sollten, es hätte einen explosiven Druckabfall gegeben (“Recovered flight recorders show MH17 suffered ‘massive explosive decompression'”), der wiederum durch einen ganz bestimmten Raketentyp ausgelöst werde.

    Während diese Meldung wie ein Lauffeuer seinen Weg durch die Medien fand, findet sich, wie bei allen anderen sonderbaren Aussendungen zuvor, niemand, der solche Statements auf ihre Plausibilität abklopft. Angesichts des angestrebten Bündnisses verwundert aber auch das nicht.

    “An explosive decompression is a change in cabin pressure faster than the lungs can decompress. Most authorities consider any decompression which occurs in less than 0.5 seconds as explosive and potentially dangerous. This type of decompression is more likely to occur in small volume pressurized aircraft than in large pressurized aircraft and often results in lung damage” [2]

    Aufgezeichnet wird von Flugdatenrecordern diesbezüglich einmal pro Sekunde einzig und allein, ob in der Kabine ein Druckabfall stattfand oder nicht (Discrete “loss” or “normal”) [3], eine Unterscheidung in slow, rapid, explosive oder sonstwie wird nicht vorgenommen, von einer “*massive* explosive decompression” kann der Datenschreiber definitiv nicht berichten, allenfalls geben die Lungen der Leichen darüber Auskunft oder die Wrackteile. Schon garnicht weiß der Datenschreiber, was diesen Druckabfall ausgelöst hat.

    Stört dieses weitere freihändig gemalte und von Kiev veröffentlichte Puzzelteil irgendwen? Nicht wirklich, denn der Abschuß von Mh17 selbst stellt den entscheidenden Wendepunkt dar, er selbst dient der EU als Rechtfertigung, Rußland und sich selbst in beide Knie zu schießen. Mission accomplished.

    [1] taz.de/!142762/
    [2] faa.gov/pilots/training/airman_education/media/ac%2061-107a.pdf
    [3] gpo.gov/fdsys/pkg/CFR-2009-title14-vol3/xml/CFR-2009-title14-vol3-part125-appE.xml

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