Dieser „freie“ Markt gehört verboten

Von | 5. Dezember 2015

(MARCUS FRANZ) In naher Zukunft wird es technisch möglich werden, sein Kind online über genetische Baukastensysteme als Designerbaby herstellen zu lassen. Man braucht nur Samen und Eizellen, die nach den Wünschen der zukünftigen “Eltern” (oder nur der “Mutter” oder nur des “Vaters”, je nach Belieben) aussortiert, genetisch getestet und danach verschmolzen werden. Wenn alles passt, wird der Embryo dann in eine Leihmutter implantiert.
Die finanziell wohlbestallten Designerbaby-“Eltern” ersparen sich die Mühsal einer Schwangerschaft, die austragende Mutter bekommt für den Gebrauch ihres Uterus eine entsprechende Miete und liefert das Baby zum geplanten Zeitpunkt ab.
Das so entstandene Kind kann drei Mütter haben: Zuerst die Eizell-Spenderin, dann die austragende und gebärende und danach die soziale Mutter, die das Kind aufzieht. Infolge des in praktisch allen westlichen Staaten gegebenen Rechts auf Information wird das Kind eines Tages davon erfahren (müssen). Wie die auf diese Weise er-zeugten Kinder auf solche Botschaften reagieren werden, weiß noch kein Mensch. Dass eine derartige Information aber psychisch eine extrem schwierige Situation begünstigen wird, ist naheliegend.
Wir stehen ohne Übertreibung vor einer Zeitenwende, die in ihrem Ausmaß die kopernikanische Wende in den Schatten stellt: Es geht um nicht weniger als die technokratische Transformation der Lebensentstehung von der Natur hin zu einer technologisch vermittelten kontrollier- und steuerbaren Dienstleistung, die dem Markt unterworfen wird und ganz klar ausbeuterische Züge trägt.
Die Leihmutterschaft macht die Frau zu einer potenziellen Plantage für das Austragen von im Labor gezeugten Embryonen. Eine krassere Ausbeutung des weiblichen Körpers ist kaum vorstellbar. Selbst der Organhandel ist in seiner Verwerflichkeit weniger schlimm als die Kombination von In-vitro-Zeugung und Leihmutterschaft. Bei ersterem werden “nur” Organe gehandelt und verpflanzt und keine menschlichen Lebewesen als Ganzes wie es bei zweiterem der Fall ist.
Das Argument der Freiwilligkeit zählt bei der Leihmutterschaft nur halb, denn der implantierte Embryo wird nicht um seine Meinung gefragt. Das wird er freilich bei der “normalen” Zeugung auch nicht, aber hierbei geht es wenigstens mit natürlichen und über die Jahrmillionen der Evolution entstandenen Dingen zu.
Bei der Leihmutterschaft herrscht nicht nur Ausbeutung, sondern es werden auch die Kinderrechte mit Füssen getreten: Embryonen werden als Handelsware zwischen Kunden und Dienstleistern vermittelt.

So eine Situation wird vermutlich nicht dem späteren freien Willen des zu gebärenden Kindes entsprechen.
Dem bereits jetzt schon existierenden gewinnträchtigen Markt wohnt ein Zynismus der besonderen Art inne: Menschenhandel an sich ist in der zivilisierten Welt verboten, aber bei den Embryonen machen etliche Länder eine Ausnahme. Dem Kinderwunsch und dem heute immer öfter geäußerten, allerdings juristisch nirgends festgeschriebenen und daher imaginären Recht auf ein Kind und dem damit zusammenhängenden Geschäft wird alles unterworfen – vor allem die Schicksale der Ungeborenen.
In Österreich dürfen nach dem neuen Fortpflanzungsmedizingesetz zwar Eizellen gespendet werden, die Leihmutterschaft bleibt aber weiter untersagt. Prinzipiell sollte aus den hier geschilderten Gründen deren europa-, ja weltweites Verbot ein Ziel der UNO und anderer internationaler Organisationen sein.

17 Gedanken zu „Dieser „freie“ Markt gehört verboten

  1. Fragolin

    Herr Franz, nach meinem derzeitigen lückenhaften Wissensstand (korrigieren Sie mich, so ich mich irre) beschreiben Sie Dinge, die in der gesamten EU und vor Allem in Österreich streng verboten und nicht ein einmal angedacht sind.
    Meine Standardfrage lasse ich mal, Dafür mal eine andere:
    Haben Sie in Ihrer derzeitigen Position und Verantwortung für das Volk der Republik Österreich keine dringenderen Probleme und sehen Sie nirgends dringenderen Handlungsbedarf durch unsere sogenannten Volksvertreter?
    Ich wünsche ein krampusfreies Nikolo-Wochenende.

  2. O.d.S.

    Sie sind schon richtig bei der ÖVP, Herr Franz. Mehr als verbieten und enteignen kann diese Bauern- und Beamtenpartei nicht mehr. Was zur Hölle glauben Sie, wieviele Kinder unter Adoptionen, Patchworkfamilien und dergleichen leiden? Wollen Sie das auch verbieten?
    Ich muss Ihnen sagen, und das können Sie Ihren Parteifreunderln gleich mitgeben: es geht Sie einen Schei*dreck an, was Menschen mit ihren Körpern machen, so lange alles freiwillig passiert!

  3. Marcus Franz

    Irrtum, das ist ein Grundsatzthema – und genau dafür ist Bundespolitik da.
    Im Übrigen ist Leihmutterschaft zB in Spanien, Slowakei, Dänemark erlaubt. Und in vielen ferneren Ländern sowieso. Ca 500 Österreicher (nach Schätzungen von damit befassten Kollegen) nehmen die ausländischen “Dienste” in Anspruch, weltweit gehen die Schätzungen in die 100.00e.
    Und erlauben Sie eine persönliche Anmerkung: wenn Sie die Diskussion über den prinzipiellen Umgang mit der Lebensentstehung und mit den Embryonen für kein dringendes und wichtiges Problem halten, nun- dann ist weiteres Debattieren grundsätzlich sinnlos und alle anderen Fragen des Lebens sind dann auch überflüssig.
    Eines frage ich mich dann aber schon: Wozu geben Sie in Ihren vielen anderen Kommentaren hier über so vieles Ihre oft recht konturierte Meinung ab?
    Wenn das Fundamentale des Lebens und die zugehörigen Meta-Fragen für Sie sekundär sind, ist doch “eh olles wurscht” und ich darf deswegen eine Empfehlung abgeben: entspannen Sie sich in Ihrem offenbar gar nicht mehr latenten Nihilismus und sparen Sie sich doch Ihre Zeit für anderes.
    Zum Beispiel für Selbstverwirklichung, Hedonismus etc., das wären die codierten Schlagworte dafür.

    Besten Gruß
    MF

  4. Luke Lametta

    Ich finds ehrlich gesagt einigermaßen aufregend, dass sich die entsprechende technologische Möglichkeit offenbar noch zu meiner Lebenszeit materialisieren wird. Wann ists Ihrer Meinung nach denn soweit? Was natürlich ist und was nicht, erscheint mir etwas willkürlich festgelegt zu sein, verschiebt sich das de facto nicht ständig mit dem Stand der Technik? Dem Kinderwunsch mit IVF nachzuhelfen, galt vor nicht allzu langer Zeit noch als ziemlich spooky und unnatürlich, auch, weils noch viel seltener klappte. Lebensfähige Frühchen mit, mittlerweile, bloß 22 Wochen, auch einigermaßen “unnatürlich”. Bin mal gespannt, wie man den Urinstinkt “Fortpflanzung mit möglichst gesundem Genpool” konkret strafrechtlich verfolgen will, wenn der technologische Fortschritt da für einen verfügbaren Quantensprung in Sachen Erfolgswahrscheinlichkeit sorgt. Embryos dürften bis zum 3. Schwangerschaftsmonat straffrei abgetrieben werden, darauf, einem “Designerbaby” das Leben schenken zu wollen, soll dagegen Zuchthaus und schwerer Kerker stehen? Weil eine Leihmutter sowie das Kind später Risiken bzgl. psychischer Gesundheit ausgesetzt sind? Das potenzielle Trauma einer vormals werdenden Mutter nach Abtreibung spricht dagegen nicht gegen die Straffreiheit derselben (allfälliger Lebenswille eines Embryos ist sowieso keine Kategorie)? Fristenregelung rund um Mord aus folgentheoretischen Überlegungen halāl, genetische Baukastensysteme mit dem Ziel neuen Lebens grundsätzlich harām? Na das stell ich mir dereinst interessant vor. Nicht, dass ich mir da rechtsphilosophisch schon eine Meinung erlaubt hätte..

  5. Christian Peter

    @Dr. Marcus Franz

    dennoch handelt es sich um ein politisches Randthema, ebenso wie Sterbehilfe, Schwangerschaftsabbruch, etc. In Zeiten wie diesen gibt es tatsächlich wichtigere politische Bereiche, um die sich die Politik (endlich) kümmern sollte.

  6. Marcus Franz

    @Luke Lametta
    Bei Ihren Überlegungen zur Abtreibung haben Sie völlig recht, das gehört genauso in den Kontext und ich sehe es ähnlich wie Sie. Die Abhandlung über den gesamten Themenkomplex ist in Arbeit 🙂

  7. mh

    Das Verbot Leihmutterschaft macht den Uterus der Frau zu Eigentum des Staats. Eine krassere Ausbeutung ist kaum vorstellbar.
    Gleichsam ist nicht der Organhandel, sondern das Verbot des Organhandels verwerflich. Durch das Verbot sterben jährlich tausende Menschen während der Dialyse, die – zu geringeren Kosten als in der Dialyse anfallen – auch eine Spenderniere – und damit deutlich mehr Lebensqualität – erhalten könnten.

    Ist es eigentlich wirklich so schwierig andere Leute in Ruhe zu lassen? Muss wirklich jeder Aspekt menschlichen Handelns der Gewalt des Staates unterworfen werden?

  8. sokrates9

    Markus Franz@ Ein weiteres wichtiges Thema welches ganz dringend bearbeitet werden muss ist die Normierung von Advent – und Weihnachtskerzen! Entsprechend dringend da man nicht voraussagen kann wie lange das noch in Europa gefeiert wird! Hier arbeitet gerade die EU dran, wäre das nicht auch ein wichtiges Thema für sie?
    Derzeit will die EU die Sanktionen gegen Russland um 6 Monate wieder verlängern! warum eigentlich? weil Putin sich ein Flugzeug von einem Nato – Mitglied abschießen hat lassen??Wo ist da eigentlich der Protest Österreichs und der “” Wirtschaftspartei”” – sorry muß man schon unter doppelte Anführungszeichen setzen – der ÖVP??? Die Rußlandsanktionen kosten uns bis zu 40.000 Arbeitsplätze! Aber egal, wir haben wichtigere Themen!

  9. Fragolin

    Herr Franz, schön zu erleben dass Sie überhaupt auf Antworten zu Ihren Ergüssen reagieren; meine Fragen, was Sie denn ganz konkret praktisch tun, um an den Schalthebeln der Macht genau jene Dinge zu ändern, über die Sie hier schreiben, blieben ja bisher ignoriert.
    Sie sind österreichischer Bundespolitiker, schon vergessen? Ihre Arbeit besteht eben nicht darin, sich darum zu kümmern, ob betreffs der grundlegenden Fragen des Lebens in fremden Ländern Verbote gelten sollten, die bei uns eh schon gelten. Aber was Ihre eigentliche Arbeit für Österreich und das österreichsiche Volk betrifft, für die Sie btw recht fürstlich von unserem Geld entlohnt werden, ist nicht viel zu erkennen in Ihren Beiträgen; eher etwas in ihrem Schweigen.
    Nichts für ungut, wie ich zu Abtreibung und Leihschwangerschaft und ähnlichen Grauslichkeiten stehe, habe ich oft genug formuliert. Auch, was ich von der geradezu orgiastischen Verbieteritis halte, in der sich die Parteien heutztage gegenseitig zu übertreffen suchen.
    Und dass ein Volksvertreter einem renitent fragenden Untertan gerne das Schweigen empfiehlt, passt in das Bild, das ich von Ihnen und Ihresgleichen habe. Es hat sich über lange Jahre aufgebaut.
    Ansonsten geht meine private Einstellung Sie einen, gelinde gesagt, Kehrricht an, aber Ihre Arbeitsleistung geht jene mehrere Millionen steuerzahlenden Österreicher, von denen Sie einen klaren Handlungsauftrag bekommen haben und die Sie dafür nicht unüppig entlohnen, sogar eine ganze Menge an. Und solange Sie, um den Spieß mal umzudrehen, nicht willens oder gar in der Lage sind, zu Ihren Leistungen im Sinne des österreichischen Volkes eindeutige Angaben zu machen (konkrete, kein Politikergewäsch), können Sie sich die Zeit für andere Wortmeldungen auch sparen und besser nutzen – zum Beispiel um etwas zu TUN!
    Ich wünsche ein schönes Wochenende.

  10. Fragolin

    Nachtrag:
    Herr Franz, es ist schön, dass Sie und Ihre Kollegen Zeit haben, eiine Abhandlung zu diesem Thema zu verfassen. Aber eigentlich wäre das die Aufgabe von Professoren an Lehrstühlen oder religiösen Vertretern in Prieserämtern – gern auch fachübergreifend. Die Aufgabe des Parlamentes besteht in der Kontrolle der Regierung und… oh, hier können wir schon aufhören mit der Aufzählung. Keiner hat im Parlament Zeit, sich um Verfassungs- und Rechtsbrüche zu kümmern, denn alle schreiben scheinbar Abhandlungen über das Leben, das Universum und den ganzen Rest.
    Ein herzliches: 42!
    Hier unten brennt derweil der Hut. Hier bewaffnet sich ein Volk, weil es sich von seiner Politik im Stich gelassen fühlt. Hier braut sich von Protestgruppen bis Bürgerwehren eine Menge zusammen, auf das wir gerne verzichten würden; aber auf die banalen Dinge haben Sie da oben auf dem Elfenbeinturm keinen Blick mehr. Einmal abgehoben und guten Flug! Machen Sie sich Sorgen über Leihmütterschaft und lesen Sie eine Zusammenfassung davon Ihrem Koalitionspartner vor, am besten bei iener Jahrestagsfeier der staatlich subventionierten Embryonenmörderanstalt, während wir hier unten dem schnöden Tagesgeschäft nachgehen. Doch sollten wir hier auf die Idee kommen, Sie und Ihresgleichen eigentlich gar nicht zu benötigen… ach was, denken wir lieber nicht weiter….

  11. Mona Rieboldt

    Zum Thema selbst:
    Die allermeisten Paare setzen doch eher auf die gut und gern bewährte Praxis, Kinder in die Welt zu setzen. Und vor allem wollen die allermeisten Paare ein “eigenes” Kind, es soll also ihre eigenen Gene besitzen, sehr viel seltener wird ein Kind adoptiert. Eltern wollen in ihren eigenen Kindern weiter leben, auch unbewußt. Und das hat sich seit der Steinzeit nicht verändert.

    Daher wird es auch bei einem Fortschritt, wie Sie ihn beschreiben, nicht zu dem Phänomen kommen, dass Eltern mehrheitlich ein Kind haben wollen, dass nicht die eigenen Gene besitzt.

    An Ihrer Stelle würde ich der Zukunft in Ruhe entgegen sehen.

  12. gms

    Marcus Franz,

    danke für Ihren Artikel, der berechtigt grundlegende Fragen des menschlichen Miteinanders thematisiert. Ebenso danke für Ihre bewiesene Bereitschaft zur Replik, was sich wohltuend vom (überspitzt formuliert) Hit-and-Run-Verhalten anderer Autoren hier unterscheidet.

    Zur Sache als Vorwort: Gewiß können wir uns darauf einigen, daß es zur konsensualen Beantwortung dieser Frage eines gemeinsamen Wertekanons bedarf, wobei eben dieser sich nicht in einer Aufzählung erschöpft, sondern auch eine Reihung vornimmt, welches basale Prinzip im Falle eines Konflikts mit anderen Prinzipien gewichtiger ist. Zugleich muß dieser Kanon zur Beantwortung aller anderen nicht-trivialen Fragestellungen ebenfalls herangezogen werden, wollte man nicht auf der Metaebene in Willkür verfallen.

    Doch selbst wenn diese Übung gelungen ist, bleibt offen, wem denn nun dieser Wertekanon dienen möge. Die triviale Antwort, sie solle dem Menschen dienen, scheitert an einer konsensualen Sichtweise, was denn nun das Menschsein ausmache. Unstrittig ist der Beginn einer individuellen Menschwerdung, nicht jedoch dessen hinreichender Abschluß, und solange darüber keine Einigkeit herrscht, verläuft jede Debatte zwangsweise im Sand.

    In der Sache: Anerkennt man mit einer erfolgreichen Zeugung das Menschsein und beachtet zugleich das vermutlich konsensuale Prinzip, Menschen seien keine Handelsware, so kann die konkrete Frage, ob eine befruchtete Eizelle Dritten entgeltlich überlassen werden darf, final mit Nein beantwortet werden. So weit, so simpel.

    Griffig und die Frage tangierend, was einen Markt bedingt, sind kostenlose Überlassungen. Unentgeltliche und einzig durch Staatsorgane zu entscheidende Adoptionen lebender Kinder sind wohl begründet gestattet, die Konfliktlinien im Anlaßfall sind also einerseits eine körperliche, nämlich wo der spätere Säugling sich vor der Geburt befand, sowie die Legitimität einer Entscheidung durch einzelne Bürger, in wessen Obhut sie ihren reellen respektive potentiellen Nachwuchs überantworten.

    Aktuell haben, man möge mich korrigieren so ich irre, jene in jeder Hinsicht körperlichen Eltern kein Mitspracherecht, wer deren Kind adoptiert. Frei entscheidbar ist somit nur das Ob, aber nicht dessen Ausgestaltung. Maßgeblich für das spätere Wohl des Kindes sind somit Staatsorgane.

    Marcus Franz: “So eine [marktbedingte Extrem-] Situation wird vermutlich nicht dem späteren freien Willen des zu gebärenden Kindes entsprechen.”

    Dem freien Willen des Kindes wird bereits jetzt bei Adoptionen nicht entsprochen, zugleich wird auch der freie Wille der Eltern mißachtet. Postuliert wird die alleinige Legitimität eines in Gesetzte gegossenen kollektiven Willens.
    Entscheidender in Sachen individueller Willensbildung (pardon the pun) jedoch ist die Frage an ein Kind, ob es vorziehen würde, mangels bestimmter Entscheidungsoptionen seiner leiblichen Eltern eventuell garnicht zu existieren.

    Das Mutmaßen darüber, was ein Kind gewollt hätte, ist nicht nur zulässig, sondern valider Dreh- und Angelpunkt der Debatte, bloß folgt im aktuellen Kontext eine logische Seifenblase, sobald die ungesicherte Antwort auf diese Frage die Abwesenheit eines Menschens bedingt, dessen Urteil man hätte einholen und honorieren können.

    Hätten Sie das “vermutlich” weggelassen mit der unterstellten Implikation, ein Kind mit einem solchen Hintergrund hätte es ohne Zweifel vorgezogen, nicht zu leben, dann wäre die Argumentation insich stringent. Zugleich scheint ein Widerspruch erkennbar zur Ihrer Ablehnung der Abtreibung aufgrund einer eugenischen Indikation.
    Behauptet man dabei einen Existenzwillen des späteren Kindes, der über jenen der Eltern stünde, das Kind überhaupt zur Welt zu bringen, so sollte dieser Wille auch dann postuliert werden, wenn die Existenz Folge freiwilliger Entscheidungen der Involvierten ist und zugleich bar medizinischer Indikationen.

    “Dem bereits jetzt schon existierenden gewinnträchtigen Markt wohnt ein Zynismus der besonderen Art inne: Menschenhandel an sich ist in der zivilisierten Welt verboten, aber bei den Embryonen machen etliche Länder eine Ausnahme.”

    Frage: Was erachten Sie im gegebenen Kontext an möglichen Liberalisierungen als legitim, so es ohne Gegenleistung erfolgte? Die Antwort darauf gibt Auskunft darüber, ob und wie Marktfragen hier bestenfalls Holzwege mit Stroh pflastern.

  13. gms

    Mona Rieboldt,

    > Eltern wollen in ihren eigenen Kindern weiter leben

    Korrekt. Besagtes genetisches Weiterleben läßt sich notfalls auch mit dem Austragen eines Embryos durch eine Leihmutter bewerkstelligen. Negiert man diese Option, wird das von Ihnen zutreffend thematisierte Anliegen konterkariert.

    Bedauerlich und in meinem vorigen Posting bereits angerissen, finde ich die Verquickung mit dem, was man (noch dazu unter Anführungszeichen) “freien” Markt nennt, das, ohne es im Anlaßfall unterstellen zu wollen, so dünkt, als wolle man Linken, denen Familien nicht schrillbunt genug sein können, Schluckhilfen anbieten.

  14. Lisa

    @gms:zit. “Dem freien Willen des Kindes wird bereits jetzt bei Adoptionen nicht entsprochen, zugleich wird auch der freie Wille der Eltern mißachtet” Seit wann haben Kinder einen freien Willen, ob sie gezeugt und geboren werden wollen?! Viele Kinderlose hätten gern ein Baby – was nutzt da der freie Wille, wenns einfach nicht klappt? Andere haben die Pille vergessen und setzen allenfalls ihren Willen gegen einen Embryo durch. Manche brav katholisch gezeugte und geborene Kinder wären aus irgendwelchen Gründen lieber nicht geboren worden – wer würde so einem sagen: “Kannst ja wieder gehen”, zumal Selbstmord auch verdammenswert wäre…

  15. gms

    Lisa,

    [„Dem freien Willen des Kindes wird bereits jetzt bei Adoptionen nicht entsprochen, zugleich wird auch der freie Wille der Eltern mißachtet“]
    > Seit wann haben Kinder einen freien Willen, ob sie gezeugt und geboren werden wollen?!

    Was gibt Anlaß für diese Frage?

    > Viele Kinderlose hätten gern ein Baby – was nutzt da der freie Wille, wenns einfach nicht klappt?

    Analog zu oben: Wo ist der Bezug?

  16. Lisa

    @gms DerBezug ist der “freie Wille”. Ob sich Eltern für ein “Designerbaby” entscheiden, soll man ihnen überlassen. Wenn eine Leihmutter ihren Bauch vermietet oder ihr Kind zur Adopion freigit oder fristgerecht abtreibt, ist das ihre Entscheidung. Wenn eine Frau unbedingt von einem Promi geschwängert werden oder ein Kind ohne Mann will, ist das ihre Sache. In allen Fällen hat das zu gebärende Kind keinen freien Willen. Es ist sogar für ein Kind eine vermutlich nicht bedachte Machtposition, wenn es der Mutter, den Eltern vorwerfen kann, warum sie es blond statt schwarzhaarig designt haben. DerNatur, dem Zufall kann man nix vorwerfn, ist nun mal so., wies ist..

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