Droht nun der Draghi-Crash?

(C.O.) Es ist jetzt schon wieder fast zehn Jahre her, dass sich die deutsche Bundeskanzlerin Merkel und ihr damaliger Finanzminister Steinbrück gezwungen sahen, an einem Sonntag öffentlich im Fernsehen für die Sicherheit der Spareinlagen zu bürgen, weil am Montag ein Run der Sparer auf die Banken drohte – und mit ihm schlimmstenfalls ein Kollaps der ganzen Volkswirtschaft. Heute ist das Vertrauen in die etwa 8000 Banken Europas weitgehend zurückgekehrt. Nicht zuletzt deswegen, weil sowohl die Europäische Bankenaufsicht als auch die politischen Eliten regelmäßig versichern, dass das Geld der Sparer dort wieder sicher sei. Ein Irrtum, wenn nicht gar eine Lüge, behauptet der deutsche Ökonom Markus Krall in seinem jüngst erschienenen Buch “Der Draghi-Crash”.

Einsturzgefährdete Banken
Europas Banken, so Kralls zentrale These, sähen zwar gesund aus, seien aber von innen zerfressen und deshalb akut einsturzgefährdet. Hauptverursacher dieser gefährlichen Situation sei Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank EZB. “Der Führer der geldpolitischen Kriegsmaschinerie (Draghi) ruiniert das Bankensystem so gründlich, dass es in absehbarer naher Zukunft kollabieren wird. Und zwar nicht die eine oder andere Bank, sondern ein großer Teil aller Banken gleichzeitig. Die Banken, die es nicht in der ersten Welle erwischt, werden von den anderen dann mitgerissen. Kein Staat hat genug Geld, um das Bankensystem dann noch zu retten. Dieser Crash wird kommen, wenn das Ruder nicht sehr schnell herumgerissen wird, und zwar bald. Ich nenne ihn den Draghi-Crash,” behauptet Krall. Markus Krall ist mit dem, worüber er schreibt, durchaus vertraut. Er war Mitarbeiter im Vorstandsstab des Versicherungskonzerns Allianz AG und betrieb unter anderem als Unternehmensberater bei McKinsey die Initiative zur Gründung einer europäischen Rating-Agentur.

Die seit Jahren anhaltende Nullzins-Politik der EZB rette zwar die überschuldeten Staaten der Eurozone vor der Pleite, schaffe aber ein riesiges Heer von “Zombie-Unternehmen”, die in Wahrheit nicht überlebensfähig seien, aber dank der Nullzinsen weiterleben können, anstatt aus dem Markt ausscheiden zu müssen. Mit gravierenden Folgen. Einerseits, weil die Banken damit enorme Kredite in ihren Büchern haben, die faul sind. Und andererseits, weil das Weiterleben dieser “Zombie-Firmen” die gesunden Konkurrenten am Markt schwer schädigt und damit die ganze Volkswirtschaft.

Politisch gewolltes Fiasko
Ein Fiasko, das nach der Einschätzung des Autors politisch gewollt ist: “Er (Draghi, Anm.) meint es wohlwollend mit den Staatsfinanzen der reformunfähigen und reformunwilligen Länder des europäischen Südens, aber wohl kaum mit dem auf Altersarmut zusteuernden Sparern in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden. Dabei ist völlig klar, dass die Mehrheit der Mitglieder im Zentralbankrat eindeutig von den politischen Interessen ihrer Heimatländer geleitet wird und nicht von der Monstranz geldpolitischer Unabhängigkeit, die unser geldpolitisches Zentralkomitee vor sich herträgt.” Was wohl mit einem politisch begründbaren, aber letztlich fatalem Geburtsfehler der EZB zu tun hat. Denn obwohl etwa Deutschland für einen erheblichen Teil der Eurozone de facto die Haftung übernommen hat – siehe Griechenland -, gilt im zentralen Gremium der Notenbank die Stimme Deutschlands so viel wie etwa jene Maltas. Weshalb die schuldenaffinen Staaten der Eurozone natürlich eine Mehrheit bilden, was sich letztlich in der Politik der EZB niederschlägt. Und zwar auf höchst negative Weise: “Den Zins auf null zu drücken, und zwar über das gesamte Laufzeitenband hinweg, indem man mit der scheinbar unbegrenzten ,Feuerkraft‘ der Druckerpresse auf das Massivste in allen Geld- und Anleihemärkten interveniert, bedeutet, den Zins und seine Informationsfunktion abzuschaffen. Ich nenne das eine Licht-aus-Politik. Um im Beispiel des fensterlosen Raums zu bleiben: Als Antwort auf den Ausbruch von Panik im Zuge der Krise seit 2007 schalten wir das Licht aus, welches den Menschen im Raum ermöglichen könnte, den Notausgang aufzusuchen… In der Zinspolitik ist die Dunkelheit der Standard geworden.” Eine Dunkelheit, mit der die EZB zwar gut leben kann, die für Sparer und Anleger noch ein bitteres Ende nehmen wird – falls der “Draghi-Crash” denn wirklich kommt. (WZ)

Sachbuch

Der Draghi-Crash – Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt

Markus Krall

Finanzbuch Verlag

208 Seiten; 18,50 Euro

23 comments

  1. G.

    Ja Italiener waren schon immer sehr kreativ in der Finanzbranche, wie Ponzi, Draghi, etc.

  2. mariuslupus

    Auf eine Lüge mehr, oder weniger. Was ändert das. Die Menschen haben sich an die Lügen schon gewöhnt. Haben das Lügengebilde der Politiker, und der mit den Machthabern verbandelten Presse, bereits in ihr Leben integriert. Eine Lüge zu entlarven, kann die eigene psychische Stabilität gefährden. So wie auf den Zigarettenschachteln. ” Wahrheit wird ihr Leben zerstören”. Die fürsorglichen Machthaber. Immer, das Wohl der Untertanen fest im Auge.

  3. Christian Peter

    Eigentlich unfassbar : Das vereinigte Europa und der Euro hat die Sparer alleine in Deutschland und Österreich in den vergangenen 6 Jahren weit mehr als eine halbe Billion Euro gekostet. Dennoch werden die Flachpfeifen bei den kommenden Wahlen wieder zu den Wahlurnen schreiten und genau dieselben Parteien wählen, die uns diese und viele andere Katastrophen bescherten und noch viele weitere bescheren werden.

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/nachrichten/ezb-geldpolitik-kostet-deutsche-sparer-436-milliarden-euro-15025467.html

  4. Christian Peter

    Korrektur : Alleine die Zinspolitik der EZB kostete die Sparer in Österreich und Deutschland in den vergangenen Jahren mehr als eine halbe Billion Euro. Inklusive Rettungspakete, Haftungen, uneinbringlichen Forderungen an das EZB – System (Target – 2) u.a. sprechen wir von etwa 2 Billionen Euro, die deutsche und österreichische Steuerzahler und Sparer wegen einer völlig verantwortungslosen Politik bzw. zu tragen haben.

  5. Falke

    @Christian Peter
    Vielleicht sagen Sie uns, welche Parteien in D und A man wählen soll (und kann), die uns vor solchen Katastrophen bewahren. FPÖ? Grün? Pilz? 🙂

  6. Christian Peter

    @Falke

    Mir fällt im deutschsprachigen Raum nur die EU – Austrittspartei ein, die einzige Partei, die mit der Forderung nach dem Ausscheiden aus der EU und dem Euro tatsächlich Lösungen für die Probleme unserer Zeit anbietet.

  7. Christian Peter

    @Falke

    Wäre die Bevölkerung von ÖVP und SPÖ nicht nach Strich und Faden belogen worden, wäre Österreich nicht Mitglied der EU. Der heutige Zustand der EU ist um einiges schlimmer, was vor 20 Jahren die größten Skeptiker bzw. Pessimisten prophezeiten.

  8. mariuslupus

    @Christian Peter
    Das die ÖVP und die SPÖ gelogen haben, ist eine Tatsache. Tatsache ist auch, dass die Repräsentanten beider Parteien Feiglinge sind. Einen Ausweg gibt es noch. Zusammenschluss mit Visegrad Staaten und gemeinsamer Austritt aus der EU. Nichts für Feiglinge.

  9. Johannes

    Ich denke immer öfter der Euro ist ein von Wunschdenken getriebenes Finanzmittel, zweifelsohne gab es gerade zu Beginn gewaltige Vorteile im Wegfall des Wechselkurs zum Beispiel.
    Aber man hat die Probleme die durchaus auch damals schon bekannt waren (Weichwährung – Hartwährung) einfach ausgeklammert, mit einem Instrument das sich Stabiltätspakt nannte und das man bei erster Gelegenheit über Bord geworfen hat, hat man auch den Euro zerstört.
    Ein typischer Fehler politischer Fehleinschätzung dessen Wirkung erst nach einiger Zeit seine ganze verheerende Kraft entfaltet hat und nun den Euro in den Abgrund treibt.

  10. Christian Peter

    @mariuslupus

    Ein Zusammenschluss mit der EFTA (Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein) erscheint mir vernünftiger, zumal die osteuropäischen Staaten nach wie vor Mitglied der EU sind und vermutlich auch bleiben werden.

  11. mariuslupus

    @Christian Peter
    Was nützt die Vernunft, wenn es zu dieser Lösung, aus den vorher genannten Gründen, auch nicht kommen wird.

  12. Christian Peter

    @mariuslupus

    Die Gründe sind eher andere, z.B. weil es sich bei der FPÖ um eine Rattenfängerpartei handelt. Diese möchte um jeden Preis regieren und kassieren (wie auch Jörg Haider), alles andere interessiert die Strache – FPÖ nicht. Dabei bräuchte man bloß eine Volksabstimmung über Mitgliedschaft in EU und Euro abhalten, wie in Großbritannien.

  13. Falke

    @Christian Peter
    Eine Voksabstimmung über einen EU-Austritt würde bei uns jedenfalls mit einer Mehrheit für den Verbleib ausgehen. Ich erinnere nur an die Präsidentenwahl, als vor allem einige ÖVP-Verräter (Busek, Fischler, Konrad, Karas) plus Haselsteiner das Schreckgespenst eines EU-Austrittes im Falle der Wahl Hofers mit großem Erfolg an die Wand malten – obwohl das natürlich völlig absurd war. Man kann den politisch Uninformierten und Uninteressierten (die es leider in großer Zahl gibt) sehr leicht etwas einreden. Und bei einer derartigen Volksabstimmung würde die staatlich Propagandamaschinerie wohl voll anlaufen.

  14. Christian Peter

    @Falke

    Das ist gut möglich, dann wäre die Mitgliedschaft in der EU unter den heutigen Bedingungen wenigstens legitim. Die Bevölkerung jedoch unter Vorspiegelung völlig falscher Tatsachen in die EU zu locken und sich heute auf eine 23 Jahre zurückliegende Volksabstimmung zu berufen, das kann nicht sein. Man sollte bedenken : Gäbe es in allen EU – Ländern Volksabstimmungen, würde die EU in der heutigen Form längst nicht mehr existieren, in einigen Ländern wie z.B. Frankreich lehnt die Mehrheit der Bevölkerung die EU ab. Das bedeutet : Die EU in der heutigen Form mangelt es an Legitimation, dieses Projekt wird gegen den Willen des Großteils der europäischen Bevölkerung fortgeführt.

  15. Christian Peter

    @Falke

    Man erinnere sich an die Abstimmungen über die EU – Verfassung, die nach der Ablehnung in Frankreich und Holland in allen Ländern abgesagt wurden. Der Vertrag wurde später als Vertrag von Lissabon ohne Volksabstimmungen in Kraft gesetzt.

  16. Falke

    @Christian Peter
    Richtig! Die EU lässt sich von der Volksmeinung keineswegs mehr beeinflussen, und wenn etwas “schief” läuft (wie eben bei der Verfassung), findet sie immer einen Ausweg, durch Lügen oder Umgehung ihrer eigenen Grundsätze trotzdem das durchzusetzen, was Juncker, Merkel & Co sich so vorstellen. Der Alkoholiker an der Spitze der Kommission hat das ja auch gar nicht bestritten.

  17. namor

    H.Krall suggeriert, dass die Staaten nichts für die neue Krisen können, so sie denn kommt. Die EU und die Staaten haben die Regeln so gestaltet, dass sich Banken (Basel 2), Versicherungen (Name entfallen), Pensionskassen, und wohl noch andere (Sozial- und Gesundheitskassen?) mit Staatsanleihen eindecken müssen. Der Niedrigzins ist der eine Teil des Rettungsrings, der andere ist ein Regelwerk das in Staatsanleihen zwingt.

    Weder faule Unternehmen, noch Banken und schon gar nicht Staaten müssen sich zu sehr sorgen. Die Gläubiger werden durch die Finger schauen. Wer sind die Gläubiger? Wem gehört das Geld? Dem “kleinem” Mann der von der mühsamen Zusatzrente über Ansparplan bis zum Notgroschen alles unbemerkt in Staatsanleihen investiert hat.

  18. Christian Peter

    @Falke

    Von der EU erwartet man sich ohnehin nichts, wie Parteien wie die FPÖ die Wähler verschaukeln, ist allerdigs erstaunlich. Es sind dieselben Rattenfänger wie die FPÖ’ler unter Jörg Haider, die als Oppositionspolitiker ständig vom Austritt aus der EU sprachen, als Regierungspolitiker aber nicht einmal eine Volksabstimmung zur EU – Verfassung bzw. zum Vertrag von Lissabon zuließen.

  19. mariuslupus

    @Christian Peter
    Nur wer Politikern glaubt, wird von ihnen enttäuscht. Wo ist der Unterschied, zwischen der Partei X, Y oder Z ?
    Die Parteien sind primär an der Macht interessiert. Macht ist sexy und macht wohlhabend. Eine Ausnahme von dieser Regel ?

  20. Christian Peter

    @mariulsupus

    Korrekt. Regierungsämter zu erheischen und abzukassieren ist das Einzige, was Parteien bzw. Politiker interessiert. Schließlich kann man als Oppositionspolitiker kein Geld machen (Politiker- Gehalt auf Kosten der Steuerzahler ausgenommen).

  21. Christian Peter

    @mariuslupus

    Die Frage ist eher, wer es den Wählern erzählt, würden sich diese von politischen Parteien nicht regelmäßig zum Narren halten lassen, würde sich vieles zum Besseren wenden.

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