Eidgenössische Hymnen-Debatte

(A. UNTERBERGER) Fast jede Hymne würde ein paar Jahrhunderte später eine Überarbeitung benötigen.
In den Texten wird oft gehetzt und geschimpft, dass es einem graust. Man lese etwa die italienische oder französische Hymne. Die Schweiz zeigt nun vor, wie man ganz friedlich zu einer neuen Hymne kommen könnte, nachdem der aus dem 19. Jahrhundert stammende Text manchen Eidgenossen zu religiös wirkt. Jetzt wird – zu Recht – in der Schweiz jahrelang diskutiert; alle Varianten werden vom ganzen Volk erörtert; bisher sind schon über 200 Eingaben mit Hymnentexte bekannt. Und es ist durchaus möglich, dass die Schweizer am Ende doch bei der alten Hymne bleiben. Ein weiteres Gebiet, wo die Österreicher viel von ihnen lernen könnten. Denn hierzulande ist diese Hymne in einer Husch-Pfusch-Aktion plötzlich geändert worden, hat von Politikerinnern sogar eine Silbe zusätzlich bekommen. Agiert haben nur ein paar Feministinnen, denen sich die Männer nicht getraut haben zu widersprechen. Und jetzt verlangen diese Feministinnen gar noch Respekt der Bürger für sich! Ja sie setzen sogar die Staatsanwaltschaft ein, weil offenbar einige etwas Falsches gesagt haben. Im Grund handeln sie so wie einst die absolutistischen Herrscher. (TB)

5 comments

  1. Rennziege

    Reicht es den österreichischen Kampfemanzen nicht, dass der klassische, wunderschöne Text der Bundeshymne von einer Frau geschrieben wurde? Ist das nicht weibliche Präsenz genug? Muss man diesen Text verhunzen, unmusikalisch noch dazu, und seine perfekte Metrik mit Füßen treten? Allerdings war Paula von Preradović (1887 – 1951) weder lesbisch noch anderweitig sexuell “modern”. Das kommt heutzutag’ nicht mehr so gut an, auch posthum nicht.
    Was mich zusätzlich wundert: Das Urheberrecht der meisten zivilisierten Staaten (auch Österreich, man staunt, gehört der internationalen Copyright Union an) lässt künstlerische Werke erst 70 Jahre nach dem Tod der Urheber ins öffentliche Eigentum public domain) übergehen; danach dürfen sie tantiemenfrei vervielfältigt, veröffentlicht, aufgeführt und ohne Genehmigung der Erben des Urhebers bearbeitet werden.
    Erst anno 2021 wäre dies bei Paula von Preradović eingetreten. Allerdings hat ihr Sohn Fritz Molden, ihr juristischer Rechtsnachfolger (im Jänner 2014 verstorben), seinen Widerstand “um des lieben Friedens willen” aufgegeben.
    Mein alter Herr, seit dem 3. Lebensjahr Halbwaise, kannte ihn gut, war auch bei seiner Leich’ und hat etliche Tränen vergossen; denn der über zwei Jahrzehnte erfolgreiche Buchverleger beschäftigte ihn, schon als Erstsemesterer, als Übersetzer und Lektor von Romanen und Sachbüchern, was sein Studium so nachhaltig finanzierte, dass er um die “Drimmel-Rente” (Studienförderung in den Siebzigern) dank zu hohen Einkommens umfiel, und das gerne. Er durfte den späteren “alten Fritz”, mit seinem Verlag gescheitert, aber mit seinem gesamten Vermögen dafür einstehend, als Papa Molden ansprechen.

    Ich bitte um Verzeihung für diese privaten Anmerkungen und wollte keine Menschenseele damit langweilen.Kommt auch nimmer vor. Aber die Familie Preradović-Molden (den hochriskanten Widerstand des jungen “alten Fritz” gegen die Nazis und seine Geburtshilfe für “Die Presse” hab’ ich eh ausgelassen) ist etwas Besonderes in der österreichischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

  2. Christian Weiss

    Wobei die Hymnendebatte in der Schweiz ja auch aus Kreisen der Toleranz-Multikulti-Randgruppen-Antidiskriminierung-Weltoffenheit-Gender-alternative-sexuelle-Orientierung-blabla-Handlungsbedarf-und-Solidaritäts-Ecke kam. Weil die Schweizer ihre Hymne nicht gerade mit Begeisterung und auch nicht eben textsicher singen, wird dies als Motiv für eine neue Hymne vorangetragen. Dabei könnten die antinationalistischen Weltoffenheitsfuzzis eigentlich über den wahren Grund froh sein, warum die Schweizer Hymne nicht gerade eben mit Inbrunst gesungen wird: Kollektive Erweckungserlebnisse durch metaphysische, gemeinsame Singerlebnisse sind eben nicht so des Schweizers Ding.
    Einer neuen Hymne wird es nicht besser ergehen als der alten.
    Wenn die Schweizer zwischen dem aktuellen – übrigens im Gegensatz zu vielen anderen Hymnen ohne nationale Selbstüberhöhung und Mord und Totschlag auskommenden – religiös angehauchten Wetterbericht (1. Trittst im Morgenrot daher… 2. Kommst im Abendglühn daher… 3. Ziehst im Nebelflor daher… 4. Fährst im wilden Sturm daher…) und einer von irgendeiner belehrenden Toleranzpfunzel verfassten Weltverbesserungshymne (z.B. 1. Tritts Du mulitkulturell daher, die Zuwanderer bereichern Dich sehr… 2. Kommst Du bunt daher, die Vielfalt freut Dich sehr… 3. Ziehst im Fummel daher, hetero ist allein nicht mehr… 4. Fährst ausgeflippt und verrückt daher, alles andere wär reaktionär…) entscheiden müssen, dann wird es bei der alten bleiben.

  3. Mona Rieboldt

    Ich versteh den Zirkus nicht. Hymnen sind ja meist sehr alt. Merkwürdig ist eher noch die niederländische mit “wir waren stets dem spanischen König treu…”
    Und ich finde es gut, dass Frankreich seine Hymne im Text sicher nicht ändert.

    Aber die westliche Dekadenz mit Genderunsinn macht ja vor nichts Halt. Warum da Österreich einknickt, ist mir ein Rätsel.

  4. Mona Rieboldt

    Was habe ich denn Schreckliches geschrieben bei den Hymnen, dass mein Text erst
    freigegeben werden muss? Das möchte ich gern wissen.

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