Ein alter Traum türkischer Islamisten

“… Kein Monument spiegelt die wechselvolle Geschichte Istanbuls wie die Hagia Sophia. Sie war Kirche, Kathedrale, Museum – wird sie jetzt wieder zur Moschee? In Wahlkämpfen wurde das oft versprochen – und nie umgesetzt. Erdogan bildete keine Ausnahme, bis jetzt? mehr hier

3 comments

  1. astuga

    Au weia, der Deniz Yücel…
    Der mal meinte, das Verschwinden der Deutschen wäre Völkersterben von seiner schönsten Seite.

    Die Hagia Sophia jedenfalls ist faktisch längst eine Moschee.
    Bis in die 1930er Jahre war sie es ja ohnehin, und aus islamischer Sicht verliert sie diesen Status auch niemals.
    Im Kirchenraum selbst ist zwar jeder christliche Gottesdienst und jedes (offensichtliche) Gebet unter Leitung eines Imams untersagt.
    Aber innerhalb des Museums befindet sich ein abgetrennter islamischer Gebetsraum.
    Und die Minarette werden natürlich auch für den Gebetsruf verwendet.

    Ebenfalls wenig bekannt ist, dass bei einer Restaurierung unter Leitung der Schweizer Architekten Gaspare und Guiseppe Fossati zwischen 1847 und 1849 zahlreiche Mosaike freigelegt wurden, da aber die türkischen Arbeiter nachts begannen diese heimlich zu zerstören, wurden sie erneut verputzt, nachdem ein Maler sie kopiert hatte.
    Darum ist auch bis heute nur ein Teil der Mosaike sichtbar.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Fossati_brothers
    Und so wichtig das Thema Hagia Sophia ist, es lenkt auch etwas von der Zwangsumwidmung und Enteignung anderer Kirchen und Klöster in Moscheen und Museen ab (griechisch orthodoxer wie syrisch-aramäischer).
    Die Orthodoxen dürfen ja bis heute nicht mal eine Priesterweihe in der Türkei durchführen und müssen dafür ins Ausland fahren (Bei mittlerweile weniger als 0.3 % Christen in der Türkei).
    Und auch christliche Schüler müssen das Pflichtfach islamischer Religionsunterricht an türk. Schulen belegen.

    Die Ableger dieser Schulen unter Kontrolle des türk. Staates gibt es mittlerweile auch in Österreich.
    Der türk. Botschafter hat dort bekanntlich während des Ramadan in der Corona-Krise eine “nette” und “respektvolle” Ansprache gehalten.
    Er war fast so respektvoll und höflich wie Deniz Yücel…

  2. Johannes

    “The Winner Takes It All“ Wenn die Christenheit zu dumm und zerstritten war Konstantinopel zu verteidigen so darf man danach nicht jammern wenn der Sieger tut was immer er will.

    Atatürk war es der wohl, aus Gründen der Annäherung zum Westen, die von 1453 bis dahin als Mosche genützte Kirche in ein Museum umwandelte.

    Das Erdogan sie nicht schon längst wieder in eine Mosche umwandeln ließ ist eigentlich ungewöhnlich.
    Bei diesem Mann brechen, seit er dem Größenwahn verfallen ist, sowieso alle Dämme.

    Der devote, dekadente Westen ist sicher nicht der Grund warum Erdogan zögert. Es wird wohl Russland sein das er nicht verärgern will.

  3. astuga

    Stimmt, das geht auf Kemal Atatürk zurück.
    Er war grundsätzlich kein großer Freund des Islam, als jemand der aus der Jungtürken-Bewegung kam.
    Bis heute wird ihm nachgesagt, dass er aus einer Dönmeh-Familie stammt (soll jeder selbst nachgoogeln).
    https://en.wikipedia.org/wiki/D%C3%B6nmeh#Anti-Semitic_canards_and_alleged_political_entanglements
    Keine Ahnung, ob das stimmt oder nicht, an der Gründung der Jungtürken selbst (am Sturz des letzten Sultans und am Armeniergenozid) waren einzelne Personen aus der Dönmeh allerdings sehr wohl beteiligt.
    Allerdings hat Atatürk es immer verstanden, eine gesunde Distanz zu den anderen Anführern der Jungtürkischen-Bewegung und den dortigen Mitgliedern der Dönmeh zu halten.
    Wikipedia: Emmanuel_Karasu

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