Ein bemerkenswertes Kanzler-Interview

(von GEORG VETTER) Viele Jahre hatte ich den Eindruck, dass der ORF einseitig berichtet: Er bevorzugt die linken Vertreter prinzipiell, während bürgerliche Politiker grundsätzlich in schlechterem Licht erscheinen. Möglicherweise habe ich mich geirrt. Seit letztem Freitag bin ich mir nicht mehr sicher, dass mein Schwarz-Weiß-Denken berechtigt ist.

An diesem Freitag habe ich mir sowohl die ZiB 1 als auch die ZiB 2 im ORF angesehen. Das kommt ungefähr dreimal im Jahr vor. In der ZiB 1 wurde ein Interview mit Bundeskanzler Sebastian Kurz von der Münchner Sicherheitskonferenz gesendet, in der er von den Spannungen zwischen der Europäischen Union und der USA sprach. Eingedenk meiner noch aus der Schulzeit vorhandenen Grammatikkenntnisse riss es mich leicht herum: da USA ein Pluralwort ist, hätte es „den“ USA lauten müssen.

Nun kam die Überraschung: Die ZiB 2 strahlte dasselbe Interview nochmals aus – und siehe da, der Bundeskanzler sprach von „den“ USA. Der ORF hat das Interview ganz offenbar perfekt nachbearbeitet. Dass die Originalaufnahme manipuliert worden war, konnte man nicht bemerken.

Bislang dachte ich immer, dass der ORF über kleine Fehler ungeliebter Politiker ungern hinwegsieht. Entweder ist Sebastian Kurz inzwischen in die Kategorie der im ORF beliebten Politiker einzureihen oder der ORF möchte ungeliebten Politiker entgegen kommen. Vielleicht brechen tatsächlich neue Zeiten an.

3 comments

  1. TomM0880

    Deshalb möchte ich trotzdem keine GIS-Gebühr bezahlen, egal wie schlecht und unobjektiv der ORF
    ist (oder auch nicht).

  2. sokrates9

    Manipulation beherrscht der ORF perfekt! Interessant weil derzeit ist ja Kurz der Böse und nur die Grünen sind brav! Offensichtlich sickert durch dass die ganz Bösen – FPÖ -,mal wieder den ORF angreifen wollen

  3. Otto Mosk

    @vetter
    wenn sie sich in der mediathek die zib1 und zib2 nochmals genau ansehen, werden sie bemerken, dass es zeitverögert zwei unterschiedliche interviews sind. also tippe ich nicht auf eine “nachbearbeitung”, sondern auf zwei kurzinterviews. man merkt das z.b. an dem bundesheer offizier links neben ihm. einmal sieht er in die kamera. bei anderen interview sieht er nach links. auch der zweite text von kurz ist anders als der erste.

    deshalb komme ich zu dem schluss, dass der ORF kurz dahingegen hilft, dass sie ihn öfter replizieren lassen und die “beste” version dann nehmen.

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