Ein demokratischer Befreiungsschlag

(JÜRGEN POCK) Es war ein Befreiungsschlag gegen die einfältige Belehrungspose, die monatelang von einem arroganten und zu einem großen Teil auch internationalen Gesinnungskartell, bestehend aus Intellektuellen, Medien, Parteietablierten und allerhand politischen Würdenträgern, über das US-Wahlvolk niederging. Die gute Nachricht ist, dass sich die Wähler trotz von oben verordneter Meinungseinfalt gegen ein politisch etabliertes Konzept gestellt und so den Weg frei gemacht haben für mehr demokratische Vielfalt und Vitalität. Der krasse Außenseiter wurde ins höchste Amt gewählt, die haushohe Favoritin stürzte beim zweiten Anlauf auf das Weiße Haus unerwartet.
Wie viel wurde im Vorfeld der Wahl darüber diskutiert, dass Trumps Temperament zügellos und unberechenbar sei, sein roher Charakter dem eines Präsidenten nicht würdig, dass sein ungestümer Impetus nicht mit dem eines Politikers kompatibel sei, um den verantwortungsvollsten Staatsposten bekleiden zu können.

Redundant wurde die Moral des Neo-Politikers beleuchtet und in Frage gestellt, seine allzu verwerflichen Wertvorstellungen verhöhnt. Trump wurde eine angeborene Charakterschwäche apostrophiert. Und was geschieht genau in dem Moment, da Clinton mit der niederschmetternden Realität ihres Wahlverlusts konfrontiert wird? Sie entblößt auf tragische Weise ihre würdelose Wesensart und verzichtet im Augenblick ihrer größten politischen Niederlage darauf, vor ihre Unterstützer und Befürworter zu treten, die monatelang in ihrem Sinne und für ihren Sieg gekämpft haben. Clinton taucht zähneklappernd ab und lässt die Schmach stellvertretend verkünden. So viel zum Charakter der Favoritin, die ihre Agenda darauf aufbaute, Trumps moralische Schwäche an den Pranger zu stellen. Zudem lässt sich an der Wahl der Luxus-Lokalität für die geplante Party und der damit verknüpften Siegesgewissheit ihr immenser Hochmut ablesen. Clinton wähnte sich bereits auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Macht und hätte wohl mit allem gerechnet, nur nicht mit einer solch demütigenden Abfuhr durch das amerikanische Volk.

Entgegen der kolossalen Fehleinschätzung der meisten Meinungsmacher und Medienmenschen, die sich vorsätzlich in eine falsche Welt hineingeschrieben haben, wurden die Dämme, gestützt von Scheinheiligkeit, politischer Korrektheit und blindem Internationalismus, durch die Demokratie niedergerissen. Dieser Aufstand von unten verhalf Trump zum Durchbruch. Der Milliardär hat die Stimmungslage in den USA aber keineswegs initiiert, er ist nicht der politische Führer oder Begründer einer Bewegung, die jetzt plötzlich in einer Auflehnung gegen das Establishment und die politisch etablierten Kaste kumuliert. Trumps Wählerschaft fühlte sich seit langer Hand von der Politik und den Medien hintergangen und belächelt, seine Anhänger wurden als Globalisierungsverlierer, Ungebildete und Rückwärtsgewandte schubladisiert.

Der neu gewählte Präsident hat diese aufgestaute Stimmung erkannt, die Befindlichkeiten der Betroffenen ernst genommen und wusste diese clever zu nutzen. Er spricht ihre Straßensprache und ist zu einem authentischen Sprachohr geworden.
Man darf die ringsum polternden Stimmen, die nun von bevorstehender Apokalypse und atomarer Weltbedrohung sprechen, beruhigen und ihnen eine kritisch-vernünftige Distanz zu den Geschehnissen nahelegen. Anstatt überheblich mit dem Finger auf die die vermeintliche Wahlkatastrophe zu zeigen, sollten sie sich von der hoffentlich neu gewonnen Vielfalt inspirieren lassen. Niemand kann beurteilen, wie Trump sein Amt ausführen wird, inwieweit er selbst von dem Erfolg überrascht wurde und was er liefern wird. Seine Siegesrede war staatsmännisch und besonnen, wenn auch nur eine Rede. Der Rest ist Zukunftsmusik.

5 comments

  1. Antonia Feretti

    Mag schon sein, dass diese Analyse richtig ist. Und man hat halt oft nicht wirklich die Wahl, sondern muss zwischen zwei Übeln das Geringere wählen, aber ist das wirklich die Erklärung für Donald Trumps Wahlsieg? Ich glaube nicht, dass Trump als das kleinere Übel gewählt worden ist.
    Er hat ganz einfach die Stimmen gefangen, die dagegen waren, nicht sagen zu dürfen, was man denkt, nicht demagogisch, sondern ganz ehrlich. Dass diese “Ehrlichkeit” häufig politisch völlig unkorrekt und auch menschlich fragwürdig erscheint, zeigt deutlich den Mangel an geistiger Orientierung in der westlichen Welt. Aber da eröffnet sich ein sehr weites politisches Feld.

  2. Mona Rieboldt

    Geistige Orientierung? Mir würde es reichen, wenn Deutschland noch ein Rechtsstaat wäre. Kinder(ehen) für Moslems erlaubt, Drogenhandel durch Asylanten gestattet, sexuelle Übergriffe durch Asylanten werden gar nicht öffentlich thematisiert. Aber Meinungskontrollen bei deutschen Bürgern streng durchgeführt, sog. “hate speech” durch Justiz und Polizei. Und da wundern sich die Polit-“Eliten” und die mainstream-Presse, die mit der Politik gemeinsame Sache macht, dass sich die Bevölkerung von ihnen abwendet.

    Die angelsächsischen Länder sind gestandene Demokratien, Deutschland nicht. Es kommt doch nicht von ungefähr, dass in Deutschland zwei Diktaturen hintereinander stattfanden. Und jetzt wird zuerst unsere Sicherheit unterwandert mit der Invasion tausender moslemischer junger Männer, danach wird es verboten, den Islam zu kritisieren, siehe das Papier für Journalisten, was sie über den Islam schreiben sollen und was nicht.

  3. Fragolin

    @Mona Rieboldt
    Mal sehen, ob es bei zweien hintereinander bleibt. Die dritte etabliert sich inzwischen recht fest.

  4. Lisa

    @Antonia Feretti: Es ist eben auch der Ton, der die Musik macht. Ich traue mich fast immer zu sagen, was ich denke, politisch korrekt und damit durch die Argusaugen der Meinungsmacher unangreifbar und nciht behindert wird es durch meine Formulierung, meine Empathie, meine Verständnisbereitschaft. Ich kanns nur immer wiederholen: sanft wie die Taube und klug wie die Schlange…

  5. mariuslupus

    Die East- and West Coast selbst ernannte Eliten, zeigten im ganzen Wahlkampf ihre volle Arroganz und Verachtung, für den einfachen Arbeiter oder Angestellten. Mit der gleichen herablassenden Verachtung wurden die Frauen der blue collar Klasse abqualifiziert. Gleichzeitig waren die Feministen der Überzeugung, dass gerade diese Frauen HRC wählen werden. Weil, so die Propaganda, Clinton sich für Frauen einsetzt. Nur man darf nicht Menschen für dumm verkaufen. Dass Clinton an arbeitenden Frauen und Hausfrauen, Müttern, kein Interesse hat, war jeden, der seinen Verstand gebraucht hat, klar.
    Das Entsetzen war gross, als sich nach den Wahlen herausgestellt hat, dass diese Frauen aus der verachteten Gesellschaftschicht, überwiegend Trump, den Frauenfeind, gewählt haben.

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