Ein “europäisches Zeichen”, das viele Menschenleben kosten wird

Von | 26. Dezember 2020

(CHRISTIAN ORTNER) Am Sonntag früh beginnen in der gesamten EU die Impfungen gegen die Covid-Erkrankung. Österreichs Gesundheitsminister Rudolf Anschober sieht in dieser Gleichzeitigkeit „ein europäisches Zeichen“, das dafür stehe, dass in dieser schwierigen Lage alle Bewohner der Europäischen Union gleich gestellt seien und niemand bevorzugt oder benachteiligt werde.

Man kann das so sehen. Man kann in dieser – technisch überhaupt nicht notwendigen – Gleichzeitigkeit des Beginns der Impfung freilich auch etwas ganz Anderes sehen als ein „europäisches Zeichen“: nämlich die fahrlässige Tötung hunderter, vielleicht sogar tausender EU-Bürger.

Denn rein logistisch wäre zweifellos möglich gewesen, in einzelnen Staaten schon ein paar Tage früher mit den Immunisierungen zu beginnen und damit eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen gegen die Infektion zu schützen, die sich nun in den paar Tagen bis Sonntag anstecken werden. Von Belgien etwa, wo Impfstoffe hergestellt werden, braucht der Transport der empfindlichen Substanzen bis in die letzten Winkel der Union eben etwas Zeit, die in Belgien schon für Impfungen genutzt werden könnte. Aber nicht genutzt werden kann, um „ein europäisches Zeichen setzen“ zu können.

Das Argument, es ginge dabei ja nur um einige wenige Tage, greift angesichts der großen Zahl der Opfer nicht. Jeden Tag sterben derzeit in der EU hunderte Menschen, am 24. Dezember etwa in Deutschland 421, in Frankreich 280, in Italien 505, in Spanien noch immer über 100.

Wer in einer derartigen Situation ein paar Tage Verzögerung des Impfbeginns riskiert, um Symbolpolitik zu betreiben, nimmt bewusst den Tod von Menschen in Kauf.

Umso mehr, als die Europäer bei der Beschaffung des Impfstoffes nicht eben durch besondere Effizienz glänzen. In Israel etwa werden dieser Tage 70.000 Menschen pro 24 Stunden geimpft, ab Sonntag sollen es täglich 100.000 sein, Ende Februar könnte die gesamte Bevölkerung durchgeimpft sein – in Österreich wird das wohl nicht vor dem Sommer/Herbst 2021 der Fall sein.

Aber Hauptsache, wir haben „ein europäisches Zeichen“ gesetzt.

Update 26.12., 13.00:

Ungarn hat bekanntgegeben, dass schon morgen Samstag mit den Impfungen begonnen wird, weil der Impfstoff da ist und Abwarten keinen Sinn macht. Wirklich verantwortungslos von den Ungarn, dass ihnen ein “europäisches Zeichen” nicht ein paar Tote wert ist…

10 Gedanken zu „Ein “europäisches Zeichen”, das viele Menschenleben kosten wird

  1. GeBa

    Ich werde mich sicher nicht ohne Zwang impfen lassen, dieser Impfstoff ist in einer Husch-Pfusch Aktion erstellt worden und hat keine Langzeittests hinter sich. So etwas gab es meines Wissens noch bei keinem Mittel – zu Recht. In 3 Jahren rennen dann lauter Bucklige herum?
    Und diese ganzen Schmafu Tests kann sich sich unsere allerwerteste Regierung auch in den Allerwertesten schieben.

  2. Alahut

    Zeichen statt Taten zu setzen, ist halt einfacher und bequemer. Wenn in den USA einer mit dunkler Farbe stirbt, gehen bei uns tausende demonstrieren, wenn in einem griechischen Lager von den Insassen Feuer gelegt wird, fordern hierzulande jene, die mit dem Geld der Anderen gerne die Wohltätigen spielen, zumindest hundert Kinder ins Land zu holen, die unzähligen die täglich weltweit verhungern, sind ihnen keine Notiz wert.
    Beim Zeichensetzen ist natürlich der Mainstream stark beteiligt, da werden Logik und Vernunft komplett ausgeblendet.

  3. Cora

    Nun, wenn man den Impfstoff zurückhalten kann, um ein Zeichen zu setzen, dann scheint es ja nicht so wichtig zu sein, so ein Menschenleben. Ja, die EU würde auch gerne so über die Köpfe hinwegschreiten wie das in China gang und gäbe ist. Brr, mir graust vor PolitikerInnen!

  4. Falke

    Zu den – angeblich – vielen zusätzlichen Toten: Wer sich mit COVID 19 infiziert, ist ja noch lange nicht tot (wenn überhaupt). Da stellt sich die Frage, ob ein bereits Infizierter durch die Impfung – schneller oder überhaupt – gesunden kann oder ob sich nur ein absolut Gesunder impfen darf (was ich eher annehme, analog zu anderen Impfungen, wobei allerdings diese anderen Impfungen bekanntlich auf einem ganz anderen Prinzip beruhen als die COVID-Impfung von Pfizer). Dazu kann ich auch noch die zwei letzten Sätze des Kommentars von sokrates9 voll unterschreiben – sie ergeben sich aus zwingender Logik von selbst.

  5. Dr. Erwin Tripes

    Also Herr Ortner, ich dachte nicht, daß Sie, mir bisher als sachlich recherchierender Journalist aufgefallen, nunmehr auch als Impfstoffspezialist auftreten, vielleicht vom Herrn Dr. Unterberger infiziert, jemals so einen Unsinn bezüglich Impfnotwendigkeit verzapfen würden . Hab mich leider geirrt.
    Nicht bös sein.
    MfG, E.T.

  6. CE___

    Da wimmelt es ja nur vor laut impfwilligen Anwärtern auf das Eiserne Kreuz und das Covid-Schild.

    “Unsere” Politiker halten sich da vornehm zurück.

    Höd’n (Helden) liess schon jedes Regime immer den Vortritt.

  7. dna1

    Was mich interessieren würde: Darf ich morgen nun OHNE Maske in den Supermarkt einkaufen gehen, wenn ich geimpft bin?

  8. sokrates9

    Da gibt es aus rein bürokratischen Gründen Impfverzögerungen um Medienwirksam “gleichzeitig” zu starten!Völlig verrückt! Israel wird Ende februar durchgeimpft sein, wir brauchen anscheinend noch einige lock-downs! Was wird da gespielt?

  9. Falke

    @dna1
    Das wäre natürlich die logische Folge einer Impfung. Da allerdings erstens Logik bekanntlich nicht zu den Qualitäten der gegenwärtigen Regierung gehört, und zweitens eien ganzes Volk, demütig, folgsam und würdelos mit Maulkorb wunderbar zu den Machtträumen des Bundesmaturanten passt, wird Ihre (und meine) diesbezügliche Hoffnung wohl vergeblich sein

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